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Sonnabend, den 31. März
Fuldaer Ä Jeitung.
1883.
et* tuihaer Reituna' erwint titalich, Sonn- und Feiertage ausgenlmmen. V erteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit den illustrirten SonntagSblätt'rn ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
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politische Uebcrfidit.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. März.
* (Auflösung des Reichstags.) Die,Nat.- Ztg.' schreibt: „Das Gerücht, daß die Auflösung des Reichstags im Anschlüsse an das Miltärpen- sionsgesetz in Sicht sei, tritt regelmäßig in gutunterrichteten Kreisen mit solcher Bestimmtheit auf, daß wir davon jedenfalls Akt nehmen wollen."
* (In dem Befinden des Fürsten Bismarck) ist eine leichte Besserung eingetreten. Nichtsdestoweniger ist derselbe andauernd genöthigt, den größten Theil des Tages in liegender Haltung zuzubringen. Der Erkältungszustand ist im Schwinden begriffen, doch sind die Gesichtsschmerzen noch immer empfindlich genug, daß sich der Reichskanzler die großmöglichste Schonung auferlegen muß.
• Gardelegen, 26. März. (Unsere Stadt ist von einem schrecklichen Krach betroffen.) Ein früheres Mitglied des Stadtraths, Cornelius, hatte es verstanden, sich das allgemeine Vertrauen der Stadt und Umgegend zu erwerben: er spielte den Commissionär zur Unterbringung von Geldern, zahlte hohe Zinsen und Jedermann übergab ihm, was er erübrigte. Jetzt ist der Herr plötzlich verschwunden und befindet er sich bereits auf der hohen See, um in Amerika die Früchte' seiner Erwerbungen zu genießen. Von allen Seiten melden sich jetzt die Leute, welche Ansprüche an den Mann haben, wohlhabende Städter und Landleute und auch gewöhnliche Leute, die ihre Ersparnisse bei ihm angelegt hatten. In« deß, das Melden ist vergeblich: der Mann hat es zu gut verstanden, alles in Sicherheit zu bringen. Zu Hunderten, zu Tausenden zählen die Leute ihre Verluste, und, was das Bemerkenswertheste, selbst sonst vorsichtige Leute sind hereingefallen. Der Fall ist ein neuer Beweis, daß man nicht zu vertrauensselig sein und lieber mit den ge- ringeren Zinsen eines öffentlichen Instituts sich
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Ein verhängnitzvoller Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Sie trocknete hastig ihre Thränen, — eine wunderbare Entschlossenheit war urplötzlich über fie gekommen und ruhig schlug ihr Herz, das alle Hoffnung in wenigen Minuten eingesargt hatte. Wie hätte sie ihr Auge verschließen können vor der furchtbaren Wahrheit, welche die Mutter ihr vorgehalten? — Wie unempfindlich bleiben bei dem Versprechen derselben, deffen Erfüllung sie nicht bezweifeln durfte? — Ein heiliger Frieden erfüllte sie, da sie sich sagen mußte, daß Otto für ste auf ewig verloren und es ihrerseits ein Verbrechen sei, seinen Adlerflug durch eine solche Kette, welche jugendliche Unbesonnenheit sich selber ge- Ichmiedet, zu hemmen.
Die Mutter hatte den Apotheker draußen auf dem Flur vorsätzlich aufgehalten, um Nanni Zeit )u gönnen, ihre Thränen zu trocknen und sich zu faffen.
So fand Herr Wagner denn das junge Mädchen ruhig mit ihrer Handarbeit beschäftigt und nur der trübe Ausdruck ihrer schönen Augen, sowie die tiefe Blässe der einst so rosigen Wangen verkündeten den Zustand ihres Innern.
, Der Apotheker hatte bereits die erste Hälfte nnes Jahrhunderts überschritten, eine bedenkliche, Uchte Stelle auf seinem Kopfe, worüber das bunne aschblonde Haar sorgsam zurückgekämmt war,
begnügen, als für ein oder anderthalb Prozent mehr Zinsen sein sauer erworbenes Verdienst der Gefahr des Verlustes aussetzen soll. (,D. R.')
* Prüm, 27. März. (Nothstand in der Eifel.) Das amtliche ,Kreisblatt' schreibt: „Der Nothstand in der Eifel stellt sich immer mehr als ein ganz enormer heraus. Es ist durch genaue Erhebungen festgestellt, daß ca. 14,000 Personen - schon jetzt von allen Lebensmitteln entblößt sind, und mit jedem Tag die Zahl sich steigert. Schleunige Hilfe thut also dringend Noth. Durch die Mißernten vieler Jahre haben die Schulden mancher Familien eine bedeutende Höhe erreicht, und da überall herzlose Menschen sich finden, welche die Noth und das Elend ihrer Nächsten zu ihrem eigenen Vortheil auszubeuten suchen, so haben diese „edeln" Seelen auch in der Eifel nicht gefehlt. Ganze Gemeinden befinden sich in den Händen solcher Wucherer. Die Bauern, durch die augenblickliche Noth und die hohen Steuern gezwungen, haben Geld geborgt und können bei dem anhaltenden Mißwachs weder Capital noch Zinsen zahlen. Da gibt es neue Schuldverschreibungen zu den höchsten Procenten, neue Anleihen mit 50 Procent und mehr Abzüge und Wechsel. Die Folge davon ist, daß der Executor nicht aus dem Hause kommt, bis daß der Bauer mit Weib und Kindern das Seine verläßt und ins Elend zieht. So sind eine große Anzahl von Bauerngütern, Mühlen rc. be« reits in die Hände dieser Halsabschneider gelangt, und diefe-Hände sind ünbrrmherzig. Meist werden freilich die früheren Besitzer als Verwalter auf dem verlorenen Eigenthum gelassen, aber nur als weiße Sklaven, die mit ihrer Familie hungern und das Wenige, was sie durch den Sa)weiß ihrer Arbeit erzielen, den Blutsaugern abgeben müssen."
* München, 27. März. (Schöne Zustände.) Gestern Abend 1/28 Uhr wurde in der Türkenstraße beim Hinaustreten aus einer Wirthschaft ein Mann erstochen. — Heute Mittag zwischen 12—1 Uhr erschoß sich im Pissoir am Sendlinger- thorplatz ein anscheinend den besseren Ständen angehöriger etwa 22jähriger junger Mann.
verrieth hinlänglich fein Aller, und die Pyystog- nomie, wenn auch nicht gerade abschreckend, häßlich, war doch nicht derartig, um irgend welche Sympathie in einem noch dazu jugendlichen Herzen zu erwecken.
Frau Eberhard hatte sich mit einer leicht erklärlichen Unruhe in die Küche begeben; denn wenngleich sie einen Haupttrumpf ausgespielt, so konnte sie doch nicht mit voller Gewißheit auf den Sieg rechnen, da Nanni einen mächtigen Verbündeten an dem Vater besaß; wenn nur sie ihre Einwilligung zu der Verbindung freiwillig gab, dann schien ihr die des letzteren ein Kinderspiel.
Nanni begrüßte den Apotheker mit ruhiger Freundlichkeit. Sie lud ihn zum Sitzen ein und erwartete mit bewunderungswürdiger Fassung seine Anrede.
Ihre Ruhe schien dem Freier seltsam zu irnpo- niren, er setzte sich ihr in sichtlicher Verlegenheit gegenüber und räusperte sich erst verschiedene Male, bevor er seinen Antrag auszusprechen wagte.
Ruhig, ohne ihn mit einer Miene zu unterbrechen, hatte sie ihn angehört und fleißig an ihrer Arbeit weiter genäht.
Als er schwieg, ließ sie die Hände sinken und blickte ihn fest an.
Ich war von meiner Mutter auf Ihren Antrag vorbereitet, Herr Wagner! sprach fie, das Zittern der Stimme mit starker Willenskraft beherrschend, weshalb derselbe mich nicht überrascht. Bevor ich
Oesterreich - Ungarn.
' * Lemberg, 26. März. (In Betreff der gegen eine Anzahl orthodoxer Rabbiner angestrengten Untersuchung) wird gemeldet: In Folge Fryling's Broschüre „Fluch galizischer Rabbiner und Wundermänner" confiscirte das Gericht Tausende Exemplare der hebräischen Zeitschrift ,Machsika Hadas', worin 320 galizische Rabbiner und Wundermänner allen Juden mit Fluch drohen, welche bei den herannahenden Wahlen für die re« formirten Juden stimmen werden. Die Staatsanwaltschaft strengte gegen die Autoren dieses Fluches den Proceß wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit an. Morgen soll der Landtagsabgeordnete Dr. Philipp Zucker in dieser Angelegenheit verhört werden. Bekanntlich erließen die Rabbiner den Fluch deshalb, weil Dr. Zucker im Landtage gegen die Chajders (Judenschulen) für Schulzwang und Rabbiner-Seminarien sprach. Die ganze Angelegenheit erregt das größte Aufsehen. Unter den orthodoxen Juden herrscht große Panik.
* Pest, 29. März. (Die über die Ermordung des Präsidenten Majlath) bis jetzt ermittelnden Umstände scheinen doch auf einen Raubmord hinzuweisen. Die Uhr, die Börse, die Brieftasche und der vom Finger herabgezogene Ring des Ermordeten fehlen; an dem Cassenschranke sind Spuren einer versuchten gewaltsamen Oeffnung sichtbar. Der G.richtsarzt hat gesehen, daß die Kinnlade des Elawrö>ten zerschmettert ist.' Tie Erdrosselung erfolgte durch eine Rebschnur; der Ermordete war an Händen und Füßen gefesselt, das Gesicht war schwarz, die Leiche lag im Nachthemde am Boden, das Bett war noch unberührt. Der Ermordete scheint im Begriff gewesen zu fein, sich niederzulegen. Der Mord muß gegen Mitternacht verübt worden fein, da Präsident Majlath um 11 Uhr noch von seinem Schwiegersohn Pal- lavicini besucht wurde. Die Flucht der Mörder ist wahrscheinlich mit Hülse einer Rebschnur vom Altan aus auf die Basteimauer'und von dort auf den Erdboden erfolgt, wo man Stiefelspuren im weichen Erdreich eingedrückt gefunden hat. Die
Ihnen eine bestimmte Amworl gebe, muß ich mich ganz offen gegen Sie aussprechen. —
Ich bitte selber darum, mein Fräulein! beeilte sich der Apotheker hocherfreut zu versichern, Ihr Vertrauen kann mich nur ehren.
Nun denn, mein Herr, — ich liebe einen Anderen —
Das ist mir bekannt, schaltete Jener süß lächelnd ein.
Nanni erröthete, da sie sich sagen mußte, daß ihre Mutter es ihm mitgetheilt.
Wenn ich trotz alledem Ihren Antrag annehmen werde, fuhr sie, nach Fassung ringend, fort, so geschieht es nur aus dem Grunde, um die augenblickliche trübe Lage meiner Eltern zu verbessern und denselben eine sorgenfreie Zukunft zu verschaffen.
Theuerste Nanni, rief der Apotheker, entzückt ihre Hand ergreifend, ich werde alle Ihre Wünsche erfüllen. —
Hören Sie mich zu Ende, Herr Wagner! sprach sie ernst und nachdrucksvoll, ihm mit einer raschen Bewegung die Hand entziehend, Sie müssen meine Bedingungen unterschreiben, — dürfen es niemals vergessen, — daß nicht Liebe mich zu diesem Schritt gedrängt, sondern einzig und allein die kindliche Pflicht, — daß es für mich also ein Opfer ist. — Fühlen Sie nach diesem offenen Bekenntniß noch Verlangen nach meiner Hand? —
(Fortsetzung folgt.)