Fuldaer ffli Jeitung.
Freitag, den 30. März 1883.
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„Der Herr ist nahe."
(Auff Weihensonntag.)
Nur noch wenige Tage trennen uns von dem festlichen Tage, an welchem innerhalb der Mauern unserer Stadt und an so vielen anderen Orten der Diöcese ein Triumphzug gefeiert werden soll, dessen geheimnißvolle Herrlichkeit ein' Schauspiel, für die Engel ist und eine Wonne für die Menschen. Es ist der Triumphzug des Weltheilandes in tausende von reinen Kinderherzen und mit ihm verbunden die Spendung der höchsten Gnaden des göttlichen Kinderfreundes an die Kinderseelen. „Der Herr ist nahe."
Die Nähe des Heiligsten, besten Heiligkeit so unendlich groß und erhaben ist, daß die Engel des Himmels in Ewigkeit nicht ermüden, sie zu verherrlichen, verlangt nothwendig die Entfernung alles Unheiligen und Sündhaften. Deßhalb suchen die Kinder, denen das Glück beschieden ist, den Heiligsten der Heiligen in ihr Herz aufzunehmen, mit ernstlicher Prüfung die Falten des Herzens zu durchforschen und zu wiederholten Malen im heiligen Sacramente der Buße alles Böse und Sündhafte in ihrem Herzen zu tilgen; denn sie misten wohl, daß, wie nichts Unreines in den Himmel eingehen kann, ebenso auch der Herr des Himmels in keinem unreinen Herzen seine Wohnstätte aufschlägt.
Die Nähe des Allbarmherzigen erfüllt auch die jugendliche^ Herzen mit Vertrauen und Muth; wie gering auch die Zahl ihrer Lebensjahre sein mag, die Kinder sind sich doch bewußt, daß auch an ihnen die göttliche Barmherzigkeit in reichstem Maße sich bethätige, und wo sie im Hinblicke auf die eigene Unwürdigkeit unb Schwäche verzagen sollten, da öffnen sie im Vertrauen auf die Erbarmung Gottes ihr junges Herz der Gnade Gottes und dem Gott der Gnade.
Die Nähe des Königs der Herrlichkeit verlangt eine außergewöhnliche Vorbereitung zu königlichem Empfang. Was in den Familien von Eltern und Kindern seit Jahren als ein hochwichtiges Ereigniß behandelt und besprochen wurde, gg—»MM»»»————gg
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Der verhängnitzvolle Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Dem Hause gegenüber befand sich eine Conditorei. Ein Mann stand vor einem Fenster derselben und blickte unverwandt nach dem Eberhard'« schen Hause hinüber.
Unverschämter! zürnte Eberhard. Was hat dieser Mensch hier zu begaffen? — Will er mich verhöhnen?
Das wohl nicht, Vater! versetzte Nanni, ihren Stuhl weiter in's Zimmer rückend. Es ist unser Nachbar Wagner, er scheint schon seit längerer Zeit unser Haus sehr interestant zu finden.
Eberhard wandte sich hastig zu ihr.
Ich will doch nicht hoffen, daß der alte Pillendreher sein begehrliches Auge auf Dich geworfen hat? fragte er finster.
Und warum solches nicht hoffen? tönte die Stimme der Mutter von der Thüre her. Der Apotheker Wagner ist ein sehr angesehener, sehr reicher Mann in seinen besten Jahren, der überall anklopfen darf.
Meinetwegen mag er anklopfen, wo ihm aufge- than wird, hier soll er es nicht wagen! rief Eberhard fest und drohend, so weit ist es noch üicht mit mir gekommen, daß ich mein Kind an °rn ersten, besten Handelsmann verkaufe.
Freilich, das sieht Dir ähnlich, lachte die Frau
ist nunmehr in unmittelbare Nähe gerückt, 7und wenn die Häuser und Zimmer zum heiligen Feste verschönert werden, oder sonstige äußerliche Zeichen der Feierlichkeit hervortreten, wenn neue und beffere Kleider für die glücklichen Kinder beschafft werden, so ist alles dies doch nur ein Hinweis auf die innere Erneuerung und Ausschmückung der Seele, nur ein Theil und zwar der am wenigsten wichtige Theil der Vorbereitung auf den Empfang des Königs der Herrlichkeit, Heber« aus thöricht würden daher die Eltern \ handeln, welche die Sorge für die Vorbereitung und Ausschmückung der Seele den Kindern und ihren Seelsorgern allein überlassen, selbst aber ihre ausschließliche Sorgfalt nur auf die ganz nebensächlichen Aeußerlichkeiten verwenden wollten. Die Ettern, denen an einer recht würdigen Vorbereitung ihrer Kinder gelegen ist, werden vor und mit ihren Kindern, über die nothwendige Beschaffung der Kleider, den Empfang der Festgeschenke und dergleichen unnöthigerweise gewiß nicht einmal reden, am allerwenigsten in einer Weise, welche den Sinn des Kindes auf irdische Eitelkeit zu leiten geeignet ist. Sie werden vielmehr durch eifriges Gebet und fromme Lehren das Herz ihres Kindes zu läutern suchen, und die Kinder selbst werden bedenken, daß der König der Herrlichkeit, der sie heimsuchen wird, viel mehr auf das Herz schaut, als auf den Leib und das, womit er gekleidet. ' Die Näh.e des Friedensfürsten verlangt vor Allem den heiligen Frieden der Seele. Im Vorbereitungsunterrichte lernten die Kinder den Frieden, den die Welt nicht geben kann, über Alles schätzen und suchen, dieser Frieden aber ist in vorzüglicher Weise in der stillen Zurückgezogenheit zu finden. Wo ein Kind, der Nähe des Friedensfürsten eingedenk, in der Kirche oder int stillen Kämmerlein des elterlichen Hauses sich sammelt, sein Herz und Gemüth zu Gott erhebt und betet, da steigen die Engel des Himmels zu ihm nieder, um ihm den Segen eines wunderbaren Himmelsfriedens in's Herz zu senken, und die Eltern zu segnen, welche ihrem Kinde die Anleitung und Mahnung zu stiller Zurückgezogenheit gegeben haben, bitter, hier spielst Du urplötzlich wieder den zärtlichen Vater, während Du Frau und Kind dem Moloch der Armuth und des Elends erbarmungslos opferst.
Schweig I knirschte Eberhard, mit geballten Händen vor sie hintretend, wer hat diesen Moloch heraufbeschworen, Weib? — Wer den Feuerbrand auf unser Dach geschleudert? —
Ich etwa? fragte die Frau, zornig seinen vorwurfsvollen Blick erwidernd, klage Dich selber an, Du allein trägst die Schuld und häufst sie stündlich im blindbn Taumel, bis sie uns Alle begräbt. — Auf Nanni setze ich meine letzte Hoffnung, von ihr erwarte ich die einzige Rettung von dem Abgrund, der sich vor uns öffnet. — Herr Wagner liebt sie, er fürchtet nur Dich. —
Ah, diese Furcht ist begründet, lachte Eberhard ingrimmig, wage es der Pillendreher nur, hier anzuklopfen! - Dich aber, Frau! setzte er mit funkelnden Augen hinzu, warne ich vor dem Kuppelpelz, Du wirst ihn Dir nicht verdienen, so lange ich die Augen offen habe.
Er drückte seinen Hut in die Stirn, .nickte der Tochter, welche ihn angstvoll bittend anblickte, düster zu und entfernte sich rasch.
Wohin der unglückliche Mann ging, um der Zwietracht des Hauses zu entfliehen und den nagenden Wurm seines Innern zu betäuben, das wußten die beiden zurückbleibenden Frauen nur zu wohl.
Kommt dann der Tag und die Stunde der heiligen Communion selbst, so ist in vollster Wahrheit „der Herr nahe". ■■
Die Nähe des höchsten Wohlthäters, welcher jeder Sitte, die in seinem Namen an den himmlischen Vater gerichtet wird, die Gewährung, jedem Anklopfen das Oeffnen des Thores versprochen hat, wird ■ über die Kinder gewiß die ganze Fülle der Gnaden und Gottesgeschenke ausgießen. Und neben den vielen Bitten für sich und die Seinen, die das Kind an den in seinem Herzen gegenwärtigen Heiland richtet, dürfte wohl kaum eine dem Erlöser angenehmer sein als diejenige, in welcher es angesichts der Glaubenslosig- keit und Kälte unserer Zeit um die Gnade bittet, stets das theuere Kleinod des heiligen katholischen Glaubens treu zu bewahren, zu schätzen und durch pünktliche Erfüllung der Gebote Gottes sowie auch der fünf Gebote unserer heiligen Kirche zu be- thätigen.
Die Nähe Gottes, welcher in der Seele des Kindes feine Wohnung nahm, muß die Gedanken des Kindes, feiner Eltern und Angehörigen erfüllen auch da, wo nach der Rückkehr aus der Kirche äußerliche häusliche Festlichkeiten veranstaltet sind. Die Weihe der Gottesnähe soll den ganzen Tag das Kind und die ganze Umgebung des Kindes durchdringen. „Der Herr ist nahe", sagen sich die christlichen Eltern, und wo sie ihrem Lieblinge am Tage seiner ersten heiligen Communion auch eine irdische Freude zu bieten sich gedrängt fühlen, da werden sie vor allem Rücksicht nehmen auf die Gottesnähe im Herzen ihres Kindes.
„Der Herr ist nahe"; allein er muß auch nahe bleiben, und daß dies geschehe, dafür haben namentlich die Eltern zu sorgen, am Commumon- tage und dem folgenden Tage, wie auch in der weiteren Zukunft. Das beste Mittel aber, daß der Herr den Kindern nahe bleibe, stets nahe bleibe, ist der regelmäßige monatliche Empfang der hl. Communion. Eltern, denen an der Zucht und Sittsamkeit ihrer ihnen gerade am heutigen Tage so theueren Kinder, an deren zeitlichem und ewigem Glücke gelegen ist, werden darum aufs
Die Mutter blickte einen Augenblick schweigend ans dem Fenster; als sich drüben der Apotheker wieder zeigte, erhellte sich ihr zorniges Antlitz, sie gab ihm ein heimliches Zeichen und wandte sich dann rasch zu Nanni.
Was ich vorhin von unserm Nachbar, dem Apotheker, sagte, begann sie in sichtlicher Hast, wirst Du Dir, so hoffe ich, zu Herzen genommen haben. Herr Wagner ist ein reicher und sehr ehrenwerther Mann, er liebt Dich und wird Dir das Leben so angenehm wie möglich machen. Wenn Du ihm Dem Jawort gibst, wird auch der Vater nichts dagegen haben können, da derselbe es nicht zu verhindern vermag, daß wir nächstens durch seine Schuld nicht allein obdachlos, sondern vollständige Bettler sein werden. Du kannst das Alles abmenden, handle nun, wie Ehre und Kindespflicht Dir gebieten.
So glaubst Du wirklich, der Apotheker werde um meine Hand anhalten? fragte Nanni mit stockendem Äthern.
Freilich wird er das, nickte die Mutter, und täufche ich mich nicht, so wird Herr Wagner in der nächsten Minute schon vor Dtr stehen.
Erbarmen, Mutter! flehte das junge Mädchen außer sich, ich kann seine Gattin nicht werden.
So hoffst Du vielleicht noch auf den Mörder Deiner Schwester, Unselige? zürnte die Blutter, auf ihn, der Dich längst vergeffen hat draußen in der großen Welt und Deiner in den Armen