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Donnerstag, den 29. März
1883
Fuldstr SS Intung.
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Politische Peberftcht.
Deutscher Reich.
Fulda, 29. März.
* Der Kaiser hat vergangene Nacht im Allgemeinen gut geschlafen. Das Befinden ist besser als an den vorhergehenden Tagen. Der Kaistr be» absichtigte, schon gegen 10 Uhr Vormittags das Bett zu verlassen. Der Kaiser ist von seiner Un- päßlichkeit soweit wieder hergestellt, daß er bereits heute wieder die regelmäßigen Vorträge Pückler's, Perponcher's und Älbedyll's entgegennahm. Um 12 Uhr stattete der Kronprinz dem Kaiser einen Besuch ab. Später erschienen die Prinzessin Heinrich der Niederlande, die gestern eingetroffen ist, sowie das Herzogspaar Connaught.
* (Bewaffnung.) Nach den neuesten Nachrichten aus Frankreich scheint es nunmehr keinem Zweifel mehr zu unterliegen, daß dort die Bewaffnung der gesammten Linien-Jnfanterie mit einem Repetirgewehr beschloffene Sache ist.
* (Kirchenpolitisches.) Die heutige .Germania' schreibt: An unsere gestrige Nachricht über dieAntwort auf die No te Jacobini's knüpft das ,Berl. Tagebl.' ein römisches Telegramm, wonach die Antwortnote (welche selbstverständlich von Herrn v. Schlözer, dem Adressaten der Note Jacobini's, gezeichnet ist) im Vatican „eine durchaus nicht ungünstige Aufnahme" gefunden habe. Das mag wohl richtig sein, da man im Vatican mit Freuden Alles ausnimmt, was auch nur die geringste Chance zur Anbahnung des Ausgleichs zu bieten scheint; man wird aber trotzdem die begleitenden ungünstigen Symptome nicht übersehen.
Derselbe Correspondent des ,B. Tgbl.' bezeichnet es als wahrscheinlich, „daß die Asiaire Le« dochowski durch eine freiwilligeUebersiedelung des Cardinals aus dem Vatican nach der Stadt Rom erledigt wird. Diese Wahrscheinlichkeit will uns gar nicht einleuchten. Selbst abgesehen von den mehrfach erörterten sachlichen Gründen, welche gegen eine solche Verlegung des Domicils sprechen, halten wir es um des P rincips willen geboten,
Ein verhängnisvoller Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Als Nanni soweit genesen war, um das Bett verlassen und ihren gewöhnlichen Beschäftigungen Nachgehen zu können, wurde das Verhältniß zwischen den Ehegatten immer unleidlicher, nahm die Entfremdung der Herzen immer mehr zu. Eberhard hatte es schon längst aufgegeben, dre Verbitterung der sonst so sanften und geliebten Frau wieder in Liebe und Güte umznwandeln, während diese ihrerseits keinen Schritt that, um den furchtbaren Bann ihrer Häuslichkeit abzuschütteln und so die Hoffnung des Gatten, die sich an Otto's Entfernung geknüpft, zu erfüllen; verblendet wie sie war, sah sie den Abgrund nicht, an dessen Rand sie finster und trotzig dahinwandelte.
Die natürliche Folge davon war, daß Eberhard sein Haus floh und in lustiger Gesellschaft sein Leid zu vergessen suchte. Seine bange Ahnung ging leider nur zu bald in Erfüllung, mit Otto war sein guter Geist von ihm gewichen, das Atelier war ihm zuwider, seitdem er allem darin schaffen sollte, — die Kunst ekelte ihn an, da das Ideal seines Herzens zertrümmert war und nach den wüst durchbrachten Nächten mußte ihn die Arbeit anwidern, das fleißige Schaffen ihm verhaßt werden.
Aus der winzigen Flocke war eine Lamme ge-
daß der Herr Cardinal jetzt im Vatican verbleibt. Würde er dem Drängen der Gegner weichen, so brächte er ein Opfer, welches wir für zu groß erachten müßten. WiDW-
* (Lehrerpensionsgesetz.) Wie die ,Voss. Ztg.' aus zuverlässiger Quelle wissen will, sollen im Cultusministerium vorbereitende Schritte im Gange sein, um dem Landtage im Herbst ein neues Lehrerpensionsgesetz, entsprechend der vom Abgeordnetenhause angenommenen Resolution Bennigsen, vorzulegen.
Berlin, 28. März.
* (In der .Internationalen Correspond enz' finden sich nachträglich noch einige Enthüllungen über die Gründe des Rücktritts des Herrn v. Slosch, die nicht uninteressant sind, freilich auch nicht ohne weiteres verbürgt werden können. Wir wollen Einiges daraus mittheilen:
Am Mittwoch, den 14. d., heißt es da, hatte der Chef der Admiralität das Schreiben des Kaisers erhalten, welches sein Entlassungsgesuch in so schmeichelhafter Weise ablehnte, daß Herr v. Stosch es seinem Monarchen gegenüber für seine Pflicht hielt, nicht ferner auf seiner Demission zu bestehen. Der Marineminister gab diesen Entschluß f; fort in deutlichster Weise seiner amtlichen Umgebung wie seinen militairischen Freunden gegenüber kund, und es wurde dadurch noch am Mittag desselben Tages auch im Abgeordnetenhause bekannt. An demselben Abend und in tser 'vtgekbvii Nrrcht w hör girish-lwsirasie
ein neues Schriftstück, welches am Donnerstag dem Kaiser unterbreitet wurde, und dessen Inhalt, als er Herrn v. Stosch bekannt wurde, diesen veranlaßte, auf's neue und in dringenderer Weise, nicht mehr ausschließlich durch Gesundheitsverhältnisse motivirt, um seine Entlassung zu bitten.
Nachdem sodann eine Parallele zwischen der Situation des Herrn v. Stosch und der des Grafen Arnim gezogen, und angedeutet worden, daß die wiederholte Ablehnung der Rücktrittsge- fuche des Letzteren seine Lage dem Fürsten Bismarck gegenüber wesentlich verschlimmert habe, heißt es weiter:
morden, welche unerbittlich das ganze Glück des Hauses verheerend begrub, nicht allein den stillen Frieden, sondern auch den Wohlstand, das Fundament der äußeren Existenz.
Spiel und Wein in lustiger Gesellschaft waren dem unglücklichen Eberhard schon jetzt unentbehrlich geworden, und so konnte es nicht ausbleiben, daß bald die Sorge und die Noth ihren Einzug in das einst so glückliche Haus des Künstlers hielten.
Mit Entsetzen sah Frau Eberhard dieses Unheil hereinbrechen, doch roeyrte sie sich verzweiflungsvoll gegen die Erkenntniß der eigenen _ Schuld, und erging sich in den bittersten Vorwürfen gegen den Gatten sowie gegen die Tochter, denen sie die ganze Schuld ihres Elends beimaß und in der Zuneigung derselben zu dem fremden Eindringling eine unauslöschliche Schmach und die Ursache ihres Ruiu's erblickte.
So wurde denn immer düsterer, immer unheimlicher das Schicksal der kleinen Familie, — die Noth stieg höher, je tiefer der Vater sank, doch mitten in all' dieser Zwietracht, diesem tiefen Zer- würfniß und Elend stand Nanni wie ein versöhnender Friedensengel, stets zärtlich bittend und flehend und die wilden Stürme beschwörend, um mindestens vor der Außenwelt den Schein der häuslichen Ehre zu retten.
Welche geheime Scham und Reue mochte das Herz der Eltern erfüllen bei den Thränen der
Des Herrn v. Stosch große Begabung, seine Biederkeit und Gradheit, bei der man immer genau weiß, woran man ist, sein Geschick in der Behandlung verschiedener, divergirender Charaktere haben ihm eine starke Position nicht nur bei dem Kaiser, sondern auch namentlich beim Kronprinzen wie bei allen selbständigen Elementen des Reichstages verschafft, so daß dies, wo Neigung zum Mißtrauen vorhanden ist, solches wohl zu wecken vermochte. Klatschereien dienstbeflissener Zwischenträger, welche einzelne Worte falsch verstanden haben und in ihrem Sinne auslegten, mögen wohl das Fünkchen des Mißtrauens zur Flamme angefacht haben, und daß dieselbe sich besonderer Umstände halber nicht freie Bahn zu verschaffen vermochte, hat sicher nicht zur Abschwächung des Argwohns beigetragen. Die Art und Weise, wie jetzt die Differenzen zum Austrag gebracht worden sind, dürste aber das, was befürchtet wurde, zu geeigneter Zeit eher befördern als verhindern. Herrn v. Stosch ist ein so vorzüglicher Abgang zu Theil geworden, wie keinem seiner vorange- gangenen Collegen, und die Augen aller politisch». Kreise sind nun erst recht auf ihn gerichtet worden. Die Meinung, daß Hr. v. Stosch in nicht ferner Zeit berufen fein wird, feine reichen Gaben in noch einflußreicherer Stellung als im letzten De« cennium zu verwenden, finbet heute noch mehr Vertreter als jemals zuvor.
Das .Berliner Tageblatt', welches dahin gestellt sein läßt, in wie weit diesen Angaben unbedingte Glaubwürdtgkeu ceiäumegen mV w»bw „Wir sehen so viel von Jahr zu Jahr klarer, daß, seitdem Fürst Bismarck das Wort des Kaisers hat, er werde sich niemals von ihm trennen, jeder Minister, der mit ihm in Conflict geräth, unausbleiblich seinen Posten räumen muß. Ob ein solcher Zustand auf die Dauer zum Heile des Landes ausschlagen kann, mögen Andere entscheiden.
» (Der Handelsvertrag mit Spanien.) Die Verhandlungen über einen neuen Zoll- und Handelsvertrag zwischen Deutscyland und Spanien sind noch nicht zum Abschluß gelangt und es scheint, daß ein solcher auch nicht in naher Ans- Tochter, deren Lebensglück und Jugendparadres sie blind zertrümmerten 1 —
Es mußte so kommen, murmelte Eberhard dann wohl im düstern Grimm und dachte des fernen Pflegesohnes, um dessentwillen er sich selber jetzt verachten mußte, so sehr er sich auch gegen drese Erkenntniß sträubte.
Und der Bude schreibt nicht einmal! Der unglückliche Mann blickte sein Kind an bei diesem heftigen Ausruf und ballte die Hände in ohnmächtiger Wnth.
O Vater, sprich nicht so hart von Otto! bat Nanni, ihm sanft die Wangen streichelnd, dre Furcht vor der Mutter hält ihn vom Schreiben zurück, doch vergessen kann er uns niemals!
Die Furcht vor der Mutter? wiederholte Eberhard finster lächelnd, das wäre eine wunderliche Feigheit, mein Kind! — Sprich, wie lange ist er nun schon fort?
Heber ein Jahr. — .
So lange schon? - Ach, mein Kopf wird schwach, ich bin ganz irre in der Zurechnung. — Heber ein Jahr also und noch kein Lebenszeichen von dem jungen Herrn, der mir Alles verdankt; — wie nennt man ein solches Schweigen, mein Kind?
Nanni beugte sich tiefer über ihre Arbert, um dem Vater die Thränen zu verbergen.
Dieser betrachtete sie eine Weile schweigend; in seinem bleichen Antlitz, welches bereits die Spuren