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M 69

Mittwoch, den 28. März

1883

Fuldaer EW Zeitung.

- Qeihina> „scheint täalich, Sonn- und Feiertag- ausgenommen. Vierteljährlicher Abonncmenrspreis ohne «ringertohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Psg., — mit den

**' -3utbaer 3e,tun9 " illustr-rten Sonntagsblättern ,Im Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 M. 75 Psg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Roum 15 Psg., sog. Platzannoncen 10 Psg.; fo: Wiederholungen entsprechender Rabatt.__

Politische Ueberficht.

Deutscher Reich.

Fulda, 28. März.

* Nachdem Se.Majestät der Kaiser und König eines leichten Erkältungszustandes wegen 6 Tage hindurch das Zimmer nicht verlaßen hatten, waren Allerhöchstdieselben genöthigt, vom Char- freitag ab das Bett zu hüten. Seit vorgestern ist indeßen das Allerhöchste Befinden in entschiedener Besserung und konnten Se. Majestät gestern das Bett wieder verlassen, sind indessen noch genöthigt, das Zimmer zu hüten. (Reichsanzeiger.)

* (Kirchenpolitisches.) Die .Germania' schreibt: Einer unserer römischen Correspondenten theilt uns mit, daß in der Antwort auf die Rote des Cardinal-Staatssecretärs die preußische Regierung sich bereit erkläre, in eine materielle Verhandlung über die beiden Punkte der Jacobini'schen Note einzutreten und die Gewährung von Zugeständnissen nicht ablehne. Die Antwort­note fordere Erläuterungen. Wenn diese Inhalts­angabe sich bewährt, so haben wir darin zunächst eine Bestätigung der Nachricht zu finden, daß die Negierung auf die so viel besprochene „selbststän­dige" Novelle zu den Maigesetzen verzichtet hat und die Verhandlungen in der bisherigen Weise fortzusühren gedenkt. Die beiden Punkte, welche die Note des Herrn Cardinal-Staatssecretärs als die nächsten Objekte der Revision bezeichnete, be­trafen bekanntlich die Erziehung des geistlichen Nachwuchses und die Ausübung des seelsorglichen Hirtenamles.

* (Die Note Schlözer's betr. den Car­dinal Ledochowski.) Bezüglich der durch den preußischen Gesandten v. Schlözer seinerzeit über­reichten Note, den Herrn Cardinal Ledochowski betreffend, beschränkte sich, nach einer Meldung des .Moniteur de Rome', der Cardinal - Staats- secretär Jacobini darauf, den Empfang zu bestä­tigen und zu erklären, daß der Vatican davon Kenntniß genommen. — Das war gewiß die zu­gleich schonendste und würdevollste Art, diesem

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Der verhängnitzvolle Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Was geht hier vor? fragte er unruhig, als er die Anwesenden erkannt.

Bester Vater! begann Otto —

Freilich mit Dir läßt sich besser reden für den jungen Herrn, unterbrach die Frau ihn höhnisch, nicht genug, daß er eins unsrer Kinder uns ge- tödtet, nein, auch das andere muß er uns rauben, — indem er das Herz der Tochter uns abwendig macht, ihren guten Ruf, ihre Ehre mit Füßen tritt und sie zu einer Dirne herabwürdigt, die schamlos genug ist, an dieser Stätte Zusammen­kunft mit dem Buben zu halten.

. Nanni, sprach der Vater sanft, hattest Du diese Zusammenkunft mit Otto wirklich verabredet?

Nein, Vater, nein, rief das junge Mädchen taut weinend, mein Herz war so betrübt, so Ichwer, daß ich zu Rest gehen mußte, um ruhig ?u werden. —

Und ich wollte Abschied nehmen von diesem Grabe, setzte Otto rasch hinzu, so fanden wir uns. —

_ Um gelegentlich eine Liebes-Scene aufzuführen, tzel Frau Eberhard zornig ein, o, welche vortreff- ttche Komödie.

Still, gebot Eberhard finster, wenn die Kinder­

sonderbaren Vorstoß der preußischen Diplomatie zu begegnen. Der Moniteur de Rome' bemerkt noch zu den Angriffen auf den Papst und den Cardinal: „Eine solche Haltung verräth durchaus keine friedlichen Intentionen; sie sucht die öffentliche Meinung zu verwirren, indem sie Fragen secundärer Art auf den ersten Platz stellt. Hat die Regier­ung diese sonderbare Strategie nothwendig? Muß man immer Jemanden angreifen, um das Frie­denswerk zu fördern? Die Regierung weiß sehr wohl, daß der Cardinal Ledochowski immer eine würdige und reservirte Haltung bewahrt und sich nicht in die kirchenpolitische Frage gemischt hat. Wenn ein katholisches Organ dem Beispiel der ,Nordd. Allg. Ztg.' folgen und so beleidigende Insinuationen gegen den Kaiser und seinen Hof richten würde, dann erhöbe sich in Deutschland gerechte Entrüstung. Was den katholischen Or­ganen verboten ist, sollte das denn der liberalen Presse gestattet sein?" (Germ.)

* (Protestantische Stimmen zur Beur- tHeilung der Lage.) Die altconservativen ,Polit. Gesellschaftsblätter' schreiben in ihrer neue­sten Nummer: „Daß der Culturkampf auch in den Verhandlungen des Herrenhauses neu eclatirt ist, betrachten wir als ein übeleö Symptom und befinden uns leider außer Stande, den betreffen­den Deductionen des Hm. Cultusminister zu folgen. Unzweifelhaft ist die Fortsetzung des Culturkampfes für Kirche und Staat gleichmäßig vom Nebel, und haben wir deßhalb auch schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die Gefahren der Zeit nur durch das ein.müthige Zusammenwirken beider beschworen werden können, und vatz Die Kirche üver den Ge­fahren des Staates auch die eigenen nicht ver­gessen möge. Dennoch halten wir es nicht für ein staatsmännisches Argument, wenn der Cultus­minister die Passivität der Gesetzgebung und die Nichtausführung beschlossener Gesetze damit zu rechtfertigen versucht, daß dadurch die Kirche in analoger Weise geschädigt werde wie der Staat. Wenn man sich mit der Curie nicht verständigen kann, dann thue nian zunächst selbst, was man für recht und geboten hält, und wenn man dies nicht thut,

sich lieben, so finde ich fiin Unrecht davei, viel­mehr nur Tadelnswerthes in Deinem Betragen, am Grabe Deines Kindes nur öffentlichen Scan- dal hervorzurufen. Geh' mit der Mutter nach Hause, Nanni, setzte er sanft.hinzu, fürchte Dich nicht, ihr Haß entspringt ja nur einer übergroßen Liebe. Du aber, Otto! wandte er sich an den jungen Mann, wirst mich begleiten.

Einen Augenblick kämpfte Frau Eberhard mit sich, ob sie der Aufforderung ihres Mannes Folge leisten solle, da zog sie ihr Tuch fester um ihre Schulter, und trat, zittemd vor Erregung, den Heimweg an. Die verbitterte Frau blickte sich nicht nach Nanni um, welche ihr zagend folgte, und schwieg beharrlich, bis sie die Schwelle ihres Hauses überschritten, da erst wandte sie sich um, und sagte hart: Lege Dich schlafen! Seufzend gehorchte die Arme und begab sich nach ihrer Kammer; — hier setzte sie sich an's Fenster, um hinauszustarren in die monderhellte Nacht, bis ein Frösteln ihren Körper durchschauerte und Fieberhitze ihre Schläfen klopfen ließ. Da wankte sie nach ihrem Lager, um Ruhe zu finden, doch der Schlaf floh sie und der Morgen sandte seine Strahlen auf eine Schwerkranke, während in der­selben Stunde das Dampfroß den Mann ihrer Liebe entführte.

Otto war am Morgen sortgereist. Sein Pflege­vater hatte nach der letzten Scene auf dem Kirch­hofe die Nothwendigkeit einer sofortigen Entfern-

so gibt man leider dem Argwohn Nahrung, daß der Regierung nicht die Beseitigung des Cul­turkampfes und bie Sorge für die religiösen In­teressen der eigenen Unterthanen, sondern die parlamentarischen Nebenzwecke die Haupt­sache sind." Auf den letztem Grund für die fort­dauernde Schwierigkeit der kirchenpolitischen Lage haben wir dieser Tage in dem Artikel über die neueste Ministerkrisis hingewiesen. Die .Niederrh. Volksztg.' stellt ähnliche Betrachtungen an, indem sie schreibt: „Schon seit vielen Jahren vollzieht sich in unfern Staatsleben ein Proceß, welcher die be­denklichsten Folgen nach sich ziehen wird. Immer mehr sehen wir die Gewalt eines Mannes wachsen, immer mehr sehen wir in Einer Hand alle Macht unse­res Staatslebens sich concentriren. Leider haben wir uns an die Entwickelung die'er Dinge bereits so gewöhnt, daß wir im Allgemeinen kaum noch etwas Auffallendes darin erblicken; nur bei beson­deren Anlässen wird unsere Aufmerksamkeit auf diese gefahrdrohende Erscheinung hingelenkt. Eden jetzt machen wir diese Erfahrung wieder in der kirchenpolitischen Frage. Alle Welt weiß es, daß — so weit menschliche Macht überhaupt reicht, und nicht außerordentliche Ereignisse eimreten — die Entscheidung allein vom Fürsten Bismarck abhängt. Will er — so haben wir Frieden; will er nicht, so dauert der Culturkampf mit all' seinen Verwüstungen, Kränkungen und Erbitterungen noch eine Weile fort, bis es Gott gefällt, in anderer Weise eine Entscheidung herbeizuführen, welche über das rein menschliche Ermessen und Erwägen hinausgeht." (Köln. Volksztg.)

* München, 24. März. Der König hat den erblichen Reichsrath Georg Freiherrn zu Franckenstein wiederum für die Dauer des auf den 5. April l. I. einberufenen Landtages als ersten Präsidenten der Kammer der Reichs- räthe ernannt.

Oesterreich - Ungarn.

19 Wien, 24. März. Die Nachricht, daß sich in der Herzegowina und zwar im Narenta- thale wieder aufständische Bewegungen ung des seinem Herzen so nahe stehenden jungen Mannes nur zu wohl erkannt und deßhalb noch in derselben Nacht mit Otto gemeinschaftlich den Koffer gepackt, um seine Abreise zu beschleunigen, was ihm um so leichter wurde, als er bereits seit längerer Zeit sich mit diesem Gedanken be­schäftigt und die Vorbereitungen zur Ausführung desselben getroffen hatte.

Als er vom Bahnhofe nach Hanse zurückkehrte, ergriff ihn mit einer unheimlichen Gewalt die Ahnung, daß mit dem Sohne fein guter Geist von ihm geschieden sei und des Hauses Zwietracht wie ein Gespenst sich fortan an seine Fersen heften werde.

Run saß er an Nanni's Lager, bekümmert dem Ausspruch des Arztes lauschend, der achsel­zuckend den Ausbruch eines gesährlichen Fiebers conftatirte.

Auch das noch! murmelte er, während seine Gattin auf's Neue in harten Worten des Urhebers all' ihres Unglücks gedachte und sich nicht ent* blödete, selbst dieses neue Unheil auf die Rech­nung des Verhaßten zu schreiben, bis, der schwer- gebeugte Mann ihr Schweigen auferlegte und zum ersten Male ihr raub und hart begegnete.

4.

Nur langsam genas die Fieberkranke, von der Liebe des bekümmerten Vaters bewacht, da die Mutter selbst in dieser schlimmen Zeit sich immer mehr von dem einzigen Kinde abznwenden schien,