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1883

Dienstag, den 27. März

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Ein verhängnitzvoller Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Du antwortest mir nicht, geliebte Nanni! fuhr Otto nach einer Pause fort, indem er ihre Hand ergriff, hast Du kein Wort des Trostes für den Unglücklichen, der allabendlich an dresem Grabe sein Schicksal beweint? — Sieh, Rest hat nur einst geantwortet auf meine verzweiflungsvollen Fragen. Als ich ein welkes Jmmergrunpstanzchen auf meinem Wege fand, pflanzte ich es hierher, mit der kindlichen Bitte an Rest, den Zwerg grü­nen zu laffen, damit der Glaube und die Hoffnung in mein Herz einziehen könnten. Und siehe, wie meine Bitte erfüllt worden ist, wie sich das Hoff­nungsgrün über das Grab hinrankt, eine Himmels- botschaff des Friedens und der Versöhnung.

Lieber, guter Gott! flüsterte Nanni, in Thränen ausbrechend, Du bedurftest dieses äußerlichen Zei­chens nicht zu Deinem Frieden, den keine Schuld noch getrübt hat. — Deute mein Schweigen Nicht m solcher Weise; die drohende Trennung schnürte mir das Herz zu und beraubte mich der Sprache.

Und ich glaubte, daß meine Entfernung einen Alp von Euch Allen nehmen würde, versetzte Otto, ihre Hand fester drückend, glaubte, daß Du Dich darüber freuen müßtest um Deiner Eltern willen, bereit Glück ich, wenn auch ohne meine Schulo, untergraben habe.

Politische Ueberftcht.

Deutsches Reich.

Fulda, 27. März.

* (Kaiserlicher Erlaß.) An der Spitze des Reichsanzeigers wird ein kaiserlicher Erlaß publicirt, in welchem Se. Majestät für die ihm gelegentlich seines Geburtstages dargebrachten Hul­digungen den wärmsten Dank ausspricht.

* (Se. Majestät der Kaiser) leidet an einem leichten Erkältungszustande, welcher Aller- höchstdenselben nöthigt, das Zimmer zu hüten. Erfreulicher Weise befindet sich jedoch Se. Maje­stät bereits bedeutend wohler.

» (Fürst Bismarck und Cardinal Le­tz o ch o w s k i.) Zu der in unserer Samstagsnummer abgedruckten Note v. Schlözers bemerkt die .Köl­nische Volkszeitung':

Es ist erklärlich, daß die von der ,Nordd. Allgem. ata" bekämpfte „Legende" sich bilden konnte um so mehr, als damals von Blättern, welchen gute Verbindungen zu­geschrieben wurden, sehr ernsthaft die Frage EtMrt worden ist, ob eine Auslieferung des Cardinals mcht her­beizuführen sei. Dazu kam ein gewisses in st in ct,v es Mißtrauen, welches durch die wiederholten Versuche des Berliner Cabinets, dem „Culturkampf' eine inter­nationale Unterlage zu geben, genährt worden war und im vorlieaenden Falle mit Rücksicht auf die revolutionäre " ÄTÄ bewiesene schwäche der ttalieNi­schen Regierung besonders lebhaft sich äußern mußte. Wie gesagt, die Vorstellung bezüglich der d-m Eardmal Ledochowski drohenden Gefahr mag ,rr-g g-wesen sem, es war aber begreiflich, daß dieselbe sich bilden konnte.

Wie kommt nun die ,Nordd. Allgem. Ztg. und "'- kommt Hr. v. Schlözer dazu, gerade tm g°se«wmtigen Augenblick der Curie zu versichern, daß Cardinal Ledo­chowski den Vatikan ungehindert verlassen könne? So mel wir übersehen, ist die fragliche „Legende in letzter Zeit nirgends erörtert worden, weder in der e-nhelmischen noch auch in der auswärtigen, speciell der römischen Presse. Es scheint also alle äußere Veranlassung für die m Rede stehenden halbamtlichen und amtlichen Eröffnungen zu fehlen. Das Verständniß erschließt stch aber sofort wenn man die Kundgebung dahin ausfaßt, °s werde durch d,e- selbe dem Kardinal Ledochowski bezw. Sr. He'lig eit dem Papst bedeutet, daß der Kardinal den Vatikan nM nur verlassen könne, sondern auch verlassen solle.So ver­steht die ganze unabhängige Presse den Artikel der .Nord . Allgem. Ztg/ und die Note des Herrn v. Schlözer.^

* (Beantwortung derNoteJakobinis.) Der Moniteur de Rome' bestätigt, daß der preußische Gesandte beim Vatikan v. Schlözer dem Cardinal-Staatssekretair Jakobini die Ant­wort der preußischen Regierung auf dessen Memo­randum vom 19. Januar überreicht hat.

* München, 25. März. (Zwei rasch auf- einanderfolgende Verbrechen) haben in unserer Stadt in allen Kreisen ein lebhaftes Ge­fühl der Unsicherheit hervorgerufen. In der königl. Refidenz, in Anwesenheit Sr. Majestät des Königs wurde aus der Casse des Obersthof­meisterstabes die gesammte vorräthige Baarsumme (12,000 Mk.) gestohlen und am Hellen Tage wurde in der Amalienstraße von zwei Zimmer- miethern die Quartierfrau ermordet und beraubt? ohne daß es der Polizei gelungen wäre, in beiden Fällen auch nur die Spur der Verbrecher aus­findig zu machen. „ ,

• Osnabrück, 26. März. (Jubiläum der Diöeese Osnabrück.) Karl der Große, der Stifter des hiesigen Bisthums, besetzte den Bischofstuhl 783 mit einem Friefen Namens Wiho, den die Diöcese jetzt als Heiligen verehrt. Das Fest desselben wird am 20. April gefeiert.. In diesem Jahre soll am Tage des genannten Bischofs das elf hundertjährige Jubiläum des Bis­thums'Osnabrück begangen werden. Die Feier wird wesentlich eine kirchliche sein. Nähere Be- flimmungen nuv üunrtct noch MHi getroffen.

Gesterreich-Ungarn.

» (Im Soeialistenproceß) wurde das Urtheil verkündet. Engel und Pfleger wurden wegen Raubes zu fünfzehnjährigem, mit Fasten verschärften, schweren Kerker, Berndt wegen Mitschuld am Raube zu zweijährigem schweren Kerker verurtheilt. Die übrigen 21 Angeklagten wurden freigesprochen. Die Schuldfragen aus Hochverrath, event. Ruhestörung wurden verneint.

Frankreich.

* (Zur Lage.) Der.Kreuzzeitung' entnehmen wir • Dem jetzigen Ministerium in Frankreich scheint der innere Erfolg, den es unzweifelhaft davonge- der Nachtigall; ringsum aber flüsterte der Lenz: Letimd hoffet - aus Gräbern blüht neues Leben, während der Mondstrahl wie prüfend über die schönen, blassen Gesichter der beiden Liebenden $ O Du süßes, geliebtes Wesen, fuhr Otto nach einer Weile mit einem tiefen Athemzuge fort, ich fühle es auch ohne Dein Geständniß, was Dem Herz für mich empfindet. So nimm an diesem Ms Beiden so heiligen Grabe den Schwur ewiger Liebe und Treue und halte die Hoffnung und den Glauben fest in Deinem Herzen, sowie ich an Dich glauben werde als das höchste Glück meines Lebens. Gott wird uns gnädig sein und das Herz der Mutter wenden, daß es nicht ferner etnen Unglück­lichen hasse, der diesen Haß doch im Grunde nicht

Ah Bube, hoffe nicht darauf! tönte plötzlich eine höhnende Stimme dazwischen, und wie vom Blitzstrahl getroffen fuhren die beiden Liebenden aus ihrem süßen Traum empor und starrten aus eine Gestalt, welche wie aus Gräbern gestiegen ihrem entsetzlichen Blick erschien.

Meine Mutter! flüsterte Nanm, vor Schreck er- ^Hier also treffe ich meine tugendhafte Tochter, rief Frau Eberhard mit vor Zorn heiserer Stimme, schamlos gibt sie dem Mörder ihrer Schwester auf oem Grabe derselben ein Stelldichein, ohne Gottes Rache zu fürchten. Elende, entferne Dich auf der

Es ist gewißem ganz unerhörter Vorgang, daß in solcher Weise versucht wird, auf die Entschließungen eines Sou­veräns einzuwirken, ihm nahezulegen, wen er in seiner Umgebung dulden und bei wem er sich Raths erholen solle. Dieses ungewöhnliche Vorgehen entspricht aber ganz der Neigung an gewisser Stelle, die Dinge persönlich zuzuspitzen, und unwillkürlich erinnert man sich bei dieser Gelegenheit der mehr als zwei Dutzend Minister, welche Fürst Bismarck überdauert hat und von denen einige unter eigenthümlichen Verhältnissen abtraten. Aber Cardinal Ledochowski ist eben so wenig ein Minister-„Col- lege" des Reichskanzlers wie der Abg. Windthorst, dessen Ausstoßung aus den Reihen des Centrums von den Osstciösen so häufig offen und verblümt gefordert worden ist.

Das verletzende Aktenstück, welches Herr v. Schlözer zu überreichen hatte, zeigt auf's Neue, wo die Hauptschwie­rigkeit zu suchen ist, welche sich der endlichen Herbeifüh­rung geordneter kirchenpolitischer Zustände auf dauern­der Grundlage und unabhängig von persönlichem Be­lieben entgegenstellt. Mehr und mehr muß sich die Ueber- zeugung befestigen, daß an eine Wiederherstellung des innern Friedens nicht zu denken ist, so lange der Einfluß derjenigen Stelle maßgebend bleibt, welcher die ,Nordd. Allgem. Ztg.' als Sprachrohr dient."

* (Regierung untzCentrum.) Der.West­fälische Merkur' schreibt:

„Daß die Centrumsfraction des Abgeordnetenhauses nach Ablauf der Osterferien die kirchenpolitischen Anträge wieder auf der Tagesordnung sehen will, ist in diesem Blatte bereits mitgetheilt worden. Ein noch­maliger Aufschub könnte nur gerechtfertigt sein, wenn die Verhandlungen mit Rom sehr ernsthaft geführt würden untz vielleicht ihremLbichluss« na!»,- wären. Wir haben sehr 6'eoauert, sehen zu müssen, daß die Offi- ci öfcn der aus tausend Wunden blutenden Kirche, und dem doppelt mit ihr l'/d-ni--» Volke nicht einmal den Frieden des hl. Oster­festes gönnen wollen."

• Der .Germania' wird von durchaus zuver­lässiger Seite geschrieben:

In der eben publicirten Note des Herrn v. Schlözer wird behauptet, die preußische Regierung hätte die Extra­dition des Cardinals Grafen Ledochowski nicht verlangt und nicht einmal verlangen können. Das weiß ich mch^ aber ich weiß ganz bestimmt (weil ich kurz daraus nach Rom kam und aus bester Quelle die Wissenschaft habe), daß der König Victor Emmanuel Se. Heiligkeit den Papst durck einen Adjutanten hat benachrichtigen lassen, daß auf »erlangen res preußischen Gouvernements der Cardinal von der italienischen Regierung ausgeliefert werden sollte. Deßhalb befahl der h. Vater dem Cardma, sofort nach dem Vatikan überzusiedeln. Mem Name steht, wenn nöthig, zur Disposition."

Otto! , , „ . .

O, Nanni, wähnst Du, ich fei leichtsinnig oder kurzsichtig genug, um die furchtbaren Folgen, die mein Eintritt in Euer Haus und Resi's Tod ge­habt, nicht zu ermessen? — Wähnst Du, mein Gewissen wäre weit genug, um Euer Unglück tra­gen zu können? - Ich muß fort, das steht un­umstößlich fest, fort, je eher, desto besser. Vielleicht zieht das Glück und der Frieden wieder em unter Euer Dach, nehme ich doch die Gewißheit mit mir in die Ferne, daß zwei Herzen daheim sich des Verlassenen stets erinnern und ihm einen Brosamen ihrer Liebe bewahren werden.

O, sprich nicht so, Otto, weinte Nanni, Du brichst mir das Herz.

So hast Du mehr für den Verwaisten, als einen Brosamen? flüsterte der junge Mann, zärt­lich den Arm um sie legend und sie an feine Brust ziehend. Nanni, Du Trost und Schutzengel meines Lebens, darf ich an dieser heiligen Stätte die Ge- wißheit mit mir fortnehmen, daß ich Deinem Her- zm mehr bin als ein Bruder? O, gib mir Ant­wort, Du Süße, Herrliche, für die mein Herz schlagen wird in Liebe und Dankbarkeit bis an's Grab.

Nanni erbebte an feiner Brust vor Wonne und Weh, die Veilchen auf Resi's Grabhügel sandten ihren süßen berauschenden Duft in die jungen 5er« ten deren Liebe gereift war im Thränenthau und leise erklang aus düsteru Cypressen der Glückwunsch

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