M 67.
Sonnabend, den 24. März
1883.
Fuldaer Altung.
SU .Fuldaer Bettung' erscheint täglich. Sonn- unv Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und^Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit den illustrirten Sonntagsbläit:rn ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
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Erstes Blatt.
Alleluja!
Während der Frühling vor dem gestrengen Spätwinter nicht zur Geltung kommen kann und die Natur noch immer vergeblich ihrer Auferstehung harrt, hat das hl. Osterfest bereits seinen gnadenreichen Einzug gehalten. Von den Kirchthürmen jubeln die Glocken ihr „Alleluja", und die feierlich frohen Klänge finden tausendfachen Wiederhall in den Herzen. Es webt sich ein seltsamer Zauber um die kirchlichen Feste, keine weltliche Feier hat einen so geheimnißvollen, mächtigen Einfluß auf die Gemüthsstimmung und das Fühlen und Denken der Menschen. „Alleluja" braust es durch die Hallen der Gotteshäuser, und der andächtige Sinn schwingt sich in höherem Fluge zu seinem Schöpfer empor. Alle Sorgen und Lasten, aller Gram und Kummer sind für einige Tage vergesien, überall soll Freude herrschen und friedliche Harmonie. Am Tage der Auferstehung des Herrn feiert auch das arme Menschenherz im Andenken an den erhabenen Gottmenschen, im demüthigen Gebet und in freudenvoller, feierlicher Stimmung fein Fest der Auferstehung, sein Osterfest.
Auch die politische Welt hat ihre Osterstille und ihre Osterrast. Die Vertreter des Volkes erholen sich in ihren heimathlichen Kreisen von den Mühen dep parlamentarischen Arbeit, und selbst die hohe Diplomatie gönnt sich einige Tage Ruhe, wenngleich wichtige und folgenschwere politische Fragen fast in allen europäischen Staaten der Entwickelung und Entscheidung harren. Gleich als hielte die Weltgeschichte einen Augenblick inne, um nicht die Weihe des Osterfestes zu stören, maät sich in diesen Tagen in dem ganzen sonst so rastlosen., politischen Streiten und Ringen ein merklicher Stillstand geltend.
Die Hoffnung, es würden die Osterglocken diesmal einen Fortschritt auf dem Wege zum kirchlichen Frieden verkünden, ist nicht in Erfüllung ge-
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Der verhängrritzvolle Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Mutter! Mutter! unterbrach Nanni sie erschreckt, ich liebe Otto —
Schweig, Unselige — Du weißt und mußtest es von jeher wissen, daß ich eine solche Liebe verdammen würde. —
Sie wandte ihr den Rücken und begab sich in chr Zimmer, uni im finsteren Grübeln, das ihre Jugendschönheit vernichtet, ihr Eheglück untergraben und ihren ganzen Charakter verbittert hatte, neuen Groll und neue Qual in sich aufzu» nehmen.
Nanni aber blickte ihr bleich und im innersten Herzen erregt nach, — der unnatürliche Haß der Mutter hatte mit rauher Hand die heiligen, unentweihten Blüthen ihrer Liebe, deren Dasein sie selber kaum ahnte, an's Licht gezogen und versucht, dieselben mit dem eisigen Reif eines ungerechten Fluchs zu vernichten. —
.Nein, nein, flüsterte das junge Mädchen, beide Hände^ auf's Herz pressend, Gott kann einen solchen Fluch nicht annehmen, es kann keine Sünde Mn, ihn zu lieben, der nichts gethan, wodurch er Haß verdient hätte.
Sie seufzte tief, die Arme, der furchtbare Zwiespalt, welcher wie ein Verhängniß die Herzen der
gangen. Die Entscheidungen und Entschließungen der Diplomatie fordern allerdings mehr Zeit und Erwägung, als uns in unserer ungeduldigen Erwartung lieb ist. Aber nach menschlichem Ermessen sind die Aussichten auf einen baldigen Ausgleich zwischen Kirche und Staat wiederum in weite Ferne gerückt. Verlieren wir darum n.-cht unseren Muth und nnser Gottvertrauen! Nichts, was Dauer haben soll, wird in einem Tage, mit einem Schlage groß und stark, jedes Ding muß seine Entwickelung durchmachen. So auch die große Frage, welche alle Gemüther unseres christlichen Volkes in Bewegung hält. Mag auch eine Hoffnung des Augenblickes vereitelt werden, — wenn Alle ausharren in dem alten Geiste und der alten Kraft und Einigkeit, dann wird sich der Sieg an unsere Fahnen heften. Im Kreuze ist Heil! Alleluja!
Politische Ueberficht.
Deutscher Reich.
Fulda, 24. März.
* (Marineminister Caprivi.) Der soeben zum Chef der Admiralität ernannte General-Lieutenant v. Caprivi-Caysara de Montecuculi ist zu Anfang der 30er Jahre in Berlin geboren. Sein Vater war ein hoher Justizbeamter, seine Mutter die Tochter des Berliner Gymnasialdirektors Prof. Köpke. Herr. v. Caprivi verließ das hiesige Werder'sche Gymnasium mit dem Hengmß der Reife und trat, wiessein jetziger College, der Kriegsminister v. Bro ns art, in das Kaiser-Franz-Regiment. Er gehörte später dem Großen Generalstabe und dem Generalstabe des Gardecorps an und machte sich nach dem Feldzuge zuerst als Abtheilungschef im Kriegsministerium bemerklich, besonders durch den ihm zugeschriebenen Entwurf des CasernirungS- gesetzes und seine Thätigkeit für Einführung des Mausergewehres. Er erhielt sodann ein Bcigade- Commando in Stettin, das Commando der 2. Garde-Jnfanterie-Brigade und im December vor. Jahres unter Ernennung zum General-Lieutenant
Eltern getrennt, umdüsterte auch ihr Leben und warf lange Schatten in ihre Zukunft hinein.
Es war ein herrlicher Sommerabend, die Sonne sandte ihre letzten Strahlen auf das Getriebe der Menschen, auf Wald und Flur, und Nanni's Seele sehnte sich hinaus, fort aus dem düstern Hause, hin zu Rest, um ihr all' ihr Leid zu klagen.
Die Mutter ließ sich nicht wieder blicken, weß- halb das junge Mädchen es wohl wagen durfte, unbemerkt und unvermißt von ihr das Haus zu verlassen. Flüchtigen Fußes eilte sie hinaus nach dem Friedhöfe. Auf Resi's Grabe blühten in üppiger Fülle die Kinder des Lenzes, Veilchen, Primeln und Schneeglöckchen, umwunden von dem Immergrün der Hoffnung, das sich lind und tröstend um Nanni's Stirn legte, als diese nieder- knieend, ihr Haupt unter heißen Thränen auf das Grab niederbeugte.
O Nesi, theuerste Schwester, warum mußtest Du von mir gehen, klagte sie, sichst Du in Deinem Himmelsfrieden nicht herab auf all' das Leid und Elend, welches Dein Tod über uns gebracht? — Kann kein Strahl des Lichts, der allbarmherzigen Liebe von dort herab in die Seele der Mutter fallen, um den düstern Bann von uns zu nehmen, unter dem wir Alle seufzen?
Ach, keine Antwort kam aus dem Grabe, das sein Opfer so lange schon umschlossen hielt, — mir das scheidende Licht des Tages küßte ihr
das Commando der" 30. Division in Metz. Er gilt für einen der. fähigsten Offiziere in der Landarmee; auf dem Gebiete der Marine ist er vollkommen Neuling. Die Ernennung Caprtvi's zum Chef der Admiralität wird in Marinekreisen viel besprochen. Verwunderung würde es dort nicht erregen, wenn auch Bätsch, der sich vom Schiffsjungen zum Admiral herausgedient, in den nächsten Tagen das .Bedürfniß empfinden sollte, in den Ruhestand zu treten. (Siehe „Neueste Nachrichten" unter Kiel.) Unsere Seeleute hofften, daß der neue Marineminister aus ihren eigenen„ Reihen genommen würde.
* Der Bundesrath hat die Verordnung in Betreff der Erhebung eines Zuschlagzolls für Artikel ausSpanien und dessenBe- sitzungen genehmigt.
* (Verhältniß Italiens zu Oesterreich und Deutschland.) Zu den in der italienischen Deputirtenkammer vom Minister Mancini abgegebenen Aeußerungen in Betreff der irredenti- stischen Bestrebungen und des Verhältnisses Italiens zuOesterreich und Deutschland bemerkt die ,Nordd. Allg. Ztg.', daß man denselben auch in den maßgebenden politischen Kreisen Deutschlands eine warme Zustimmung entgegenbringe. Daran ist allerdings nicht zu zweifeln. Die Frage ist aber nur, ob man hier auch Vertrauen in die Loyalität und Festigkeit eines Regiments setzt, welches durch die Macht der Verhältnisse augenblicklich zu einer Annäherung an Oesterreich und Deutschland sich gedrängt sieht, und da stellen sich allerdings ernste Zweifel ein, wenn man sich der Rede Bismarcks vom 14. Juni v. I. erinnert. (Köln. Volksztg.)
* Die .Vossische Ztg.' schreibt: „Ueber den Inhalt der Antwort auf die Note Jakobini's, die der preußische Gesandte v. Schlözer beim Vatikan überreicht hat, verlautet nichts. Jndeß darf wohl als feststehend angenommen werden, daß die preußische Negierung auf ihrer Forderung beharrt, der römische Stuhl möge durch positive Maßnah, men sein Entgegenkommen dokumentiren. Daß Haupt, und die duftenden Veilchen und die Schneeglöckchen erzählten ihr flüsternd von dem Liebeslenze, der jubelnd die Erde umfange und in alle Menschenherzen, die in Jugendlust schlagen, beseligend einziehe.
Liebe und hoffe, du junges Herz, so tönte es rings aus jedem Blüthenkelch, so schmetterte es in diesem Augenblick die kleine Nachtigall aus jubelnder Kehle dort drüben in dem dunkeln Cy- Pressengebüsch. Aus Gräbern blüht neues Leben, liebe und hoffe, du junges Herz.
Wie lange Nanni diesen tröstenden Stimmen gelauscht, — sie wußte es nicht. Als sie endlich sich erhob, lag die Dämmerung bereits über dem stillen Friedhof und wob ihren geheimnißvollen Nebelschleier um die grauen Leichensteine. Sie wandte sich zum Gehen und bebte plötzlich mit einem leisen Schrei zurück, vor ihr stand eine schlanke Männergestalt, deren leisen Schritt sie trotz der Stille, die ringsum herrschte, nicht vernommen hatte.
Ich bin's, Nanni! sprach Otto, — denn kein anderer war's — vergieb, daß ich Dich erschreckt habe.
Ich hörte Dein Kommen nicht, lieber Otto! flüsterte das junge Mädchen, und habe mich bei Nesi verspätet. Ach Gott, es wird schon dunkel und die Mutter weiß es nicht, daß ich hierher gegangen.
Es ist nicht dunkel, liebe Nanni! — sieh, dort