Donnerstag, den 22. März
Fuldaer SB Jeitung.
1883.
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Politische Pederstcht.
Deutsches Reich.
Fulda, 22. März.
* Zum heutigen Geburtstagsfeste unseres Kaisers Wilhelm schreibt die ,Ger- munitt':
„Indem wir uns den Segenswünschen für den greisen Monarchen von Herzen anschließen, geben wir besonders dem Wunsche Ausdruck, daß es dem Kaiser und Könige noch beschieden sein möge, den inneren Frieden, soweit er durch den leider noch fortdauernden Culturkampf gestört ist, wieder hergestellt zu sehen. Die Wirren auf dem kirchen- -politischen und dem socialpolitischen Gebiet haben nach den großen weltgeschichtlichen Erfolgen der Regierungsperiode Wilhelm'S I. noch gewaltige und zugleich herrliche Aufgaben gestellt, deren Lösung in den Lorbeer des Herrschers die schönsten Zweige flechten dürfte. Möchte der Kaiser für die Ausführung seiner friedlichen und gerechten Intentionen stets die recht en Leute finden, welche in der That seine Politik führen und nicht durch Einmischung von eigenen Nebenzwecken und durch Wahl bedenklicher Mittel die edlen Absichten des Herrschers gefährden oder gar vereiteln. 3^ Gottes Segen ist Alles gelegen. Wenn wir nach diesem Spruch, den der Kaiser selbst wiederholt bei feierlichen Gelegenheiten angewendet, an dem Jahrestage seiner Geburt den Segen des Himmels über unser Vaterland und seinen Herrscher herabflehen, dann geb.n wir am Besten den Gefühlen unserer Leser Ausdruck, welche trotz aller Prüfungen, welche die Irrungen der Zeit ihnen auferlegt haben, festhalten an der alten Treue, der Pflicht und der Geduld im steten Gottvertrauen."
* Die ,Norddeutsche Allgemeine' bringt nachstehendes officiöses Entrefilet:
„Man schreibt uns aus Rom, daß Seine Heiligkeit der Papst feine Liebenswürdigkeit für den Kardinal Ledochowski nach wie vor dadurch bewährt, daß demselben die besten Gemächer im Vatican, die päpstliche Küche und vor allen Dingen
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Sirr verhärrgnitzvoller Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Meine Wünsche dürfen bei Deinem künftigen Lebensberufe durchaus nicht maßgebend sein, mein Sohn! sprach Eberhard ernst, die Hauptfactoren desselben sind Talent und Neigung.
So möchte ich etwas Großes in der Welt werden, rief der Knabe mit blitzenden Augen, ein Künstler in des Wortes eigenster Bedeutung. Mit Allgewalt zieht's mich zur Bühne hin —
Bist Du toll? unterbrach ihn Eberhard verächtlich, ein Bühnenheld möchtest Du werden? — darüber würde allerdings Dein Vater seine Freude Sabt haben, — er, der durch seinen unleidlichen eater-Enthusiasmus sich selber und die Seinen ruinirte und in's Verderben brachte.
Bei diesen harten Worten überflog eine jähe Röthe des Knaben blasses Antlitz, während die dunklen Augen zornig blitzten und eine heftige Entgegnung auf seinen Lippen schwebte.
Mit einer übermenschlichen Anstrengung bezwang rr indeffen seine Aufregung und sprach leise mit bebender Stimme: Lasse meinen armen Vater in Frieden ruhen, er hat für jenen Enthusiasmus schwer genug büßen müßen. — Gebiete über mich, Deine Wahl wird die richtige, folglich die beste für mich sein.
die päpstlichen Gärten zur Verfügung gestellt werden. Es liegt für diese Auszeichnung, welche zugleich dm politischen Nutzen eines täglichen Vortrages bei den täglichen Begegnungen im Garten mit sich bringt, ein sachlicher Grund nicht vor. Um sie herbeizuführen, ist eine Fiktion nothwen- dig gewesen, welche dieser kluge Kirchenfürst zu akkreditiren und bisher aufrecht zu halten gewußt hat, die Fiktion nämlich, daß der Kardinal Ledochowski, wenn er den Vatikan und seine Gärten verließe, Gefahr liefe, von den italienischm Behörden aufgehoben und an Preußen zur Verbüßung weiterer gerichtlicher Strafen ausgeliefert zu werden. Es gehört eine vollständige Unbekanntschaft mit unseren Verhältnisien und Zuständen dazu, um einem so absurden und für jeden Eingeweihten lächerlichen Gerüchte Glauben zu schaffen. Es existirt durchaus kein Vertrag, vermöge deffen Italien verpflichtet wäre, den Kardinal Ledochowski auf Preußens oder Deutschlands Verlangen auszuliefern; die italienische Regierung würde sich auch zu einer solchen Dienstleistung keinesfalls geneigt finden und noch viel weniger würde die preußische Regierung auf dm Gedanken kommen, diesem Kirchenfürst ein leichtes Märtyrerthum zu bereiten. Der Gedanke ist in preußischen Kreisen niemals aufgetaucht und existirt nur in der Legende, welche dem Kardinal die Wohnung und den täglichen einflußreichen Vortrag bei Sr. Heiligkeit dem Papste sichert.
Zu den vielen nicht kirchlichm Elementen, welche ein Jnte-ess- haben. ,den Mrchensireit nicht zur Ruhe kommen zu lassen, gehört' naluruch das Polnische neben dem Welfifchen in erster Linie, und der Graf Ledochowski ist ganz der Mann, dasselbe durch seine hohe persönliche Begabung zur Geltung zu bringen. Er hat mehr in der Welt gelebt, er ist bester unterrichtet, als die meisten übrigen Cardinäle und weiß diese Vorzüge durch Arbeitsamkeit und Schlagfertigkeit im Redm noch wirksamer zu machen. Man darf wegen des Mißlingens aller bisherigen Verständigungsversuche zwischen weltlichen und kirchlichen Behörden weder den Papst noch den preußischen Staat ausschließ-
Eberhard reichte ihm beschäutt die Hand und zog ihn dann an seine Brust.
Laß es gut sein, Otto! ich meine es nicht so böse und bereue aufrichtig das übereilte Wort. Vertraue mir ferner und glaube, daß ich es wahrhaft gut mit Dir meine, doch mußt Du mir versprechen, nicht weiter an die unselige Theater-Idee zu denken. Ein größer Maler steckt in Mr.
Dann will ich ein solcher werden, versetzte Otto einfach.
Und dabei blieb es. Eberhard, welcher den Unterricht des Pflegesohn's selber übernehmen wollte, mußte nun freilich der unglücklichen häuslichen Verhältnisse halber täglich zu seinem Schüler sich begeben, was ihm doch auf die Länge zu unbequem erschien, weßhalb er auch schon nach einem halben Jahre ein Atelier in einer der Vorstädte miethete, wo er mit seinem talentvollen Schüler im fröhlichen Schaffen wahrhaft glückliche Stunden verlebte.
Hierher kam auch Nanni oft heimlich, da die Mutter das Atelier in der Vorstadt noch niemals betreten hatte und es auch deshalb, ohne ein bestimmtes Verbot, wohl für ganz unmöglich halten mochte, daß ihre Tochter sich dorthin verirren könne. Doch liebte Nanni ihren Vater zu zärtlich, fühlte auch selber eine zu große Leidenschaft für seine Kunst, als daß sie nicht aus die Gefahr hin, den Zorn der Mutter zu erregen, sein stilles Asyl aufgesucht hätte. Ob auch Otto'S Gegen-
lich anklagen; die Beziehungen zwischen Beiden werdm eben durch mannigfache Einflüsse getrübt, welche mit dm kirchlichen Fragen nur in soweit zusammenhängen, als sie dieselben für weltliche Zwecke Ausbeuten."
Daß die Inspiratoren des Herrn Pindter dem Kardinal Ledochowski eine mehr als gewöhnliche Antipathie entgegenbringen, weiß man; daher kann der officiöse Geifer über die Achtung, die der Kardinal in Rom genießt, nicht sonderlich auf« fallen. Auffallend im höchsten Grade ist jedoch der Zeitpunkt, an dem das officiöse Blatt den obigen Hetzartikel gegen Ledochowski und den „Welfen" Windthorst vom Stapel läßt. Nach einer von ihr selbst gebrachten Mittheilung hat der Gesandte v. Schlözer am Dienstag in Rom die Antwort auf die Jakobini'sche Note überreicht. Soll dieser Artikel nun bloß einen Druck auf die Nachgiebigkeit der Curie ausüben? Leider scheint es sich bei diesem osficiösm Essay wieder um eine jener Doppelzüngigkeiten zu handeln, die vor einigen Tagen ein römisches Blatt so treffend kennzeichnete. Hoffen wir, daß der gute Wille der beiden maßgebenden Persönlichkeiten endlich über diese „diplomatischen" Schachzüge den Sieg davon- trägt.
Die .Germania' bemerkt zu der officiösen Ler- stung u. A.:
„Wir habm neulich mittheilen müssen, daß die ohne Zustimmung des h. Stuhles erfolgte Veröffentlichung der Note Jakobini's in Rom einen schlechten Gndruck gemacht habe. Wir haben schon »Lberedt conßatirt, daß die Ofsiciösm über die Interna des Vatikans in einem Tone rcd«-n, bei sich nicht ziemt gegenüber einem Souverain, mit welchem Se. Majestät regelmäßige diplomatische Beziehungen und zur Zeit sogar einen unmittelbaren freundschaftlichen Briefwechsel unterhält. Heute haben wir abermals den obigen Artikel des sich als „Organ der Regierung" gerirenben Blattes als beleidigend für den h. Stuhl zu kennzeichnen. So wenig wir es dulden würden, wenn ein auswärtiges officiöses Blatt unferm Kaiser Vorhaltungen über die Ausübung seiner Gastfreundschaft
wart das schöne Mäochm dorthin zog, wollen wir nicht weiter untersuchen, für unmöglich halten wir es nicht. Doch müssen wir constatiren, daß Nanni's Gegenwart allerdings einen bedeutenden Einfluß auf den jungen Maler auszuüben schien, welchen Einfluß Eberhard sehr wohl bemerken mochte; er ließ als kluger Mann die Dinge indessen ruhig gehen, da nichts Weiteres vorlag und ein gewaltsames Eingreifen in dieses stille Glück gar leicht die herrliche Entwickelung der jungen Künstlernatur auf lange Zeit hinaus hemmen ober gänzlich stören konnte.
So vergingen bie Jahre.
Mittlerweile hatte Eberharb bereits einige Bil- ber von Otto in bie Kunst-Ausstellung gesandt, welche Beifall gefunden und vortheilhaft verkauft worden waren; ein Eceigniß, das Nanni in ihrer Herzensfreude der Mutter nicht glaubte verherm- lichen zu dürfen, obwohl diese niemals nach dem verwaisten Knaben gefragt, ober sich nach seinen Fortschritten erkundigt hatte.
Frau Eberhard zuckte verächtlich die Achseln und meinte wegweisend, dem Vater geschehe ganz recht, wenn der fremde Eindringling, um dessent- willen Rest hatte sterben müssen, zu guterletzt noch seinen Verbimst unb schwererworbenen Ruhm ihm rauben werde.
In Thränen ausbrechend, bat Nanni die harte Mutter, nun wieder gut zu sein wie in früherer Zeit, unb ben armen Otto nicht ferner mehr zu