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65, Mittwoch, den 21. März 1883.

Fuldaer SB Jeitung.

<ut «ulbcer Beitun«' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn undHBefiellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit de« illustrirten Sonntagsblätt-rn ,Im Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserat«: Die vierspaltig« Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei^Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Milische Heberfidit.

Deutscher Reich.

Fulda, 21. März.

* (Kirchenpolitisches.) In ihrer heutigen Morgennummer schreibt die ,Kreuzztg.', das Organ der Conservativen: Nachdem alle auf die baldige Einbringung einer kirchenpolitischen Vorlage umlaufenden Gerüchte sich, wie es schien, als unbegründet herausgestellt hatten, bringt nunmehr die ,Magd. Z.' die bestimmte Nachricht, daß eine solche Vorlage noch während der Dauer dieser Session im Ab­geordnetenhause bestimmt werde eingebracht werden. Unsere Informationen lassen uns auch diese neueste Nachricht für eine irrige halten. Wir glauben, daß man an maßgebender Stelle die mit der Curie schwebenden Verhand­lungen keineswegs für ganz aussichts­los oder gar für bereits abgebrochen ansieht — ist doch die Note Jacobini's bis heute noch nicht officiell beantwortet — und daß man keineswegs beabsichtigt, den weitereu Ver­lauf dieser Verhandlungen im jetzigen Stadium durch ein einseitiges Vorgehen zu durchkreuzen. Was zu geschehen hat, wenn die Verhandlungen mit der Curie sich wirklich demnächst als hoffnungs­los erweisen sollten, darüber ist, wie es scheint, zur Zeit ein Beschluß noch nicht gefaßt. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß in einem solchen Falle die Entscheidung in dem von uns wieder­holt befürworteten Sinne ausfallen und daß die Ltaatsregierung sich entschließen wird, selbstständig mit der nothwendigen Revision der kirchen-politischen Gesetzgebung vorzugeheu und dadurch die ver- hängnißvolle Anschauung des Herrn v. Bennigsen und seiner Freunde, als habe der Staat ein eigenes Jntereffe an der Wiederherstellung des kirchlichen Friedens nicht und könne warten, ent­schieden zu desavouiren.

— Die ,Germania' schreibt:

„Man weist liberalerseits darauf hin, daß die ersten „Schwerinstage", die im Reichstage sowohl als im Abgeordnetenhaus nach den Ferien bevor-

4

Der verhLrrgnitzvolle Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

3.

Diese Hoffnung sollte sich leider sobald nicht erfüllen; starr hielt die junge Frau den Haß in ihrem Herzen fest und behandelte den unglücklichen Knaben, sobald dieser einmal die Schwelle des Hauses zu überschreiten wagte, mit einer unver­hohlenen feindlichen Kälte und einer Abneigung, die sich bis zum offenen Widerwillen steigerte.

Otto, deffen vielseitige Talente sich nach und nach unter einer verständigen Leitung wunderbar entwickelten, ertrug sein Loos mit ruhiger Ergebung, während Eberhard, an welchem der Knabe mit schwärmerischer Zärtlichkeit hing, den ungerechtfer­tigten Haß seiner Gattin durch verdoppelte Zärt­lichkeit gegen denselben auszugleichen suchte. —

Auch Nanni, welche sich immer lieblicher ent­faltete, bewahrte dem Bruder Otto, wie sie den­selben trotz der Mutter strenges Verbot stets nannte, ihre volle, unveränderte Zuneigung und äußerte offen ihre herzinnige Freude bei jedem Wiedersehen mit ihm.

Eberhard's Lieblingsplan war, den Knaben zu einem tüchtigen Maler heranzubilden, welcher Plan allerdings die Rückkehr desselben in sein Haus nothwendig bedingte. Hier stieß er selbstverständ­lich auf den entschiedensten Wiederstand der Gattin,

stehen, zur Berathung der kirchenpolitischen Anträge Windthorst verwendet werden dürf­ten. Wenn die Discussion dieser Anträge Jeman­dem unbequem ist, so möge er das ©einige dazu thun, um die Negierung zu dem in der Jaco- bini'schen Note verlangten Zugeständniffe einer Revision der Maigesetze zu bewegen. Würde die Regierung auf dieser Basis die Verhand­lungen behufs Feststellung der Grenzen der noth­wendigen Revision fortsetzen, so würde das Cent­rum in der bisherigen Reserve verbleiben können. Die fortgesetzte Weigerung der Revision fordert von den Vertretern der Katholiken die Erfüllung ihrer parlamentarischen Pflicht".

* (Abänderung in der Eidesformel.) Wie die .Vossische Ztg.' meldet, treffen die Peti­tionen zu Gunsten der Annahme des von dem Abg. Frhrn. v. Maltzahn eingebrachten An­trages auf Abänderung des Eides zahlreich seitens konservativer Kreise im Reichstage ein.

Berlin, 20. März.

* (Demission Slosch.) Die .Norddeutsche Allgemeine Ztg.' schreibt: Wie die ,B. P. N.' erfahren, ist das Ausscheiden des Chefs der Ad­miralität, v. Slosch, perfect geworden, nachdem die Entlaffungsurkunde die Unterschrift Sr. Ma­jestät erhalten hat. Ueber die Nachfolgerschaft des ausscheidenden Chefs der Marine verlaute noch nichts Bestimmtes. Gegenüber den diesbe­züglichen Kombinationen aber wollen die ,B. P. N.' bemerken, daß es nicht in der Absicht zu liegen scheine, eenen General crn die Spitze dieses Refforts zu berufen, vielmehr soll sich die An­schauung an maßgebender Stelle dahin neigen, angesichts des Umfangs und der Entwickelung unserer Marine einen Seeofficier als Chef der Admiralität zu berufen.

* (Stosch — Caprivi.) Ein kaiserlicher Erlaß an Stosch von heute sagt: Der Kaiser habe, nachdem er aus dem Schreiben Stosch's vom 7. März mit lebhaftestem Bedauern ersehen, welche großen Schwierigkeiten ihm sein Gesund­heitszustand für die Fortsetzung des Dienstes mache, sich mit schwerem Herzen entschließen müffen,

ein Widerstand, der sich bis zu einer so heftigen Scene steigerte, daß jene vor dem inhaltsschweren Worte „Trennung" nicht zurückbebte.

Eberhard stand erstarrt und blickte die Gattin wortlos an. Er fühlte es mit unsäglichem Weh, daß in dieser unheilvollen Stunde die Axt an die Wurzel seines häuslichen Glückes gelegt worden war.

Doch hielt er den Glauben an das Herz seines Weibes mit angstvoller Verzweiflung noch aufrecht und appellirte daran mit den Tönen jener ersten Liebe, die sich vermeffen eine ewige nennt.

Umsonst, — im eigensinnigsten Trotze befangen, von verderblicher Selbstsucht, die sie thöricht mit dem heiligen Gefühle der Mutterliebe zu recht­fertigen suchte, verblendet, — blieb sie taub gegen die Bitten des Gatten, und mit verhülltem Ant­litz entfloh der Frieden des Hauses, der Genius des häuslichen Glucks.

Mehr und mehr entfremdeten sich die Herzen der Gatten seit jener verhängnißvollen Stunde, und so mußte es leider nach und nach kommen, daß dem Maler das eigene Haus, welches einst seinen ganzen Himmel umfaßt hatte, durch die schroffe Begegnung und kalte Haltung der Gattin zuwider wurde, daß er Gesellschaft und nicht immer die beste aufsuchte und sich einem Leben ergab, welches er selber früher auf's Schärfste verdammte, und das nun seine besten Kräfte, sowie feinen Wohlstand langsam und sicher unter­graben mußte.

dem Abschiedsgesuche zu entsprechen. Stosch habe die Stellung eines Chefs der Admiralität elf Jahre lang nicht nur zur vollsten Zufriedenheit des Kaisers ausgeführt, sondern in derselben in der Thal Ungewöhnliches geleistet, indem er die Entwickelung der jungen Marine in kaum zu hoffender Weise gefördert und dieselbe in feste und sichere Bahnen gebracht habe. Es ist dem Kaiser ein tief empfundenes Bedürfniß, Stosch hierfür im Augenblick des Scheidens nochmals den wärm­sten Dank auszusprechen. Als äußeren Ausdruck dieser Empfindungen hat der Kaiser Stosch eine bauernbe Ehrenstelle in der Marine durch die Bestimmung angewiesen, Stosch auch ferner in den Marinelisten ä la suite des Sceossiziercorps mit Admiralsrang und ä la suite des Seebatail­lons zu führen. Der Kaiser wünscht hierdurch auch die Marine fortgesetzt an die Pflicht danken­der Erinnerung an Stosch zu mahnen. Der Kaiser wünscht, daß Stosch in Erinnerung an das Wohlwollen und die gnädigen Gesinnungen seines Kaisers und Königs, dessen Dank und An­erkennung sich stets vergegenwärtigen möge. Ge­neral v. Caprivi ist mit der Anciennität als Viceadmiral vom 2. Februar 1880 zum Admi­ralitätschef ernannt worden. — Der .Reichsan­zeiger' enthält bereits die Ernennung Capri­vis zum Marineminister.

* (Ein Zollkrieg mit Spanien) steht in Sicht. Die .Nordd. Allg. Ztg.' schreibt:

Nachdem der 15. März I. I. verstrichen ist, ohne daß zwischen Deutschland und Spanien eine Verständigung über eintn neuen Handelsvertrag zum Abschluß gelangt ist, unterliegt nach einer den spanischen Zollbehörden zugegangenen Mini­sterialbekanntmachung die deutsche Einfuhr in Spanien drr Zollbehandlung nach den höheren Sätzen des Generaltarifs. Obwohl dies eine un­mittelbare Folge des betreffenden spanischen Ge­setzes ist, und die Vertragsverhandlungen zwischen beiden Staaten, wie wir hören, keineswegs als gescheitert anzusehen sind, vielmehr einen nahen positiven Abschluß erwarten lassen, so wird es doch Aufgabe der Reichsregierung fein, Mittel der

So haben unbedeutende Ursachen oft die unab­sehbarsten Wirkungen im Leben der Menschen; und wie die unscheinbare Flocke, welche hoch oben von der Alpe sich loslöst, zur todtbringenden Lawine anwachseu kann, so sind cs meistens die kleinen Dämonen des menschlichen Herzens, die Selbstsucht, der Hochmuth, der Eigensinn und Trotz, mit ihrem Gefolge häßlicher Lannen, welche den Frieden des häuslichen Herdes untergraben und vernichten. Die Zeit rauscht unbekümmert darüber hinweg, sie verweilt bei keinem Glück, bei keinem Leid, doch führt sie mit sich das Ver­gessen und die Erinnerung, jene oft lindernd ober töbtenb, diese beseligend ober vernichtend.

“ Otto war jetzt herangewachsen, und die hoch­wichtige Frage eines künftigen Berufs trat nun an ihn heran, eine Frage, welche bei seinen viel­seitigen Talenten nicht leicht zu beantworten war. Zu jenen Genie's gehörend, die alles spielend er­lernen, aus jedem Gebiet des Lebens etwas Be­deutendes zu werden versprechen und eben deshalb meistens mitergehen, machte es dem Pflegevater des Knaben keine geringe Sorge, eine richtige 'Wahl zu treffen, bis er es schließlich vorzog, ihn selber darob zu befragen.

Otto blickte bei dieser Frage lange sinnend vor sich und versetzte endlich ruhig: Wie immer, werd' ich auch hierin Deinen Wünschen mich fügen, lieber Vater! (Fortsetzung folgt.)