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1888

Dienstag, den 20. März

M 64

Zeilmig

Jfulharr

schien einer

Otto stand von diesem Shtblid wie bezaubert, er wagte es nicht, näher zu treten, sondern kniete w einiger Entfernung von dem Sarge nieder.

Resi, süße Rest! flüsterte er schluchzend, Du bist ein Engel Gottes und weißt Alles. O sprich, bin ich schuld an Deinem Tode, ich, der ich Dich über Alles geliebt habe?

Der arme Knabe schwieg und blickte starr zu dem tobten Kinde hinüber, als erwarte er von demselben eine Antwort.

Sag' es mir, o sag' es mir, Resi! fuhr er er nach einer Weile angstvoll fort, denn wenn es wahr ist, was die Matter sagt, dann kann ich nicht mit Dir gehen, wie ich es so gern möchte,

verschiedenen Stadttheile, die ich heute durchwandert, boten auch nicht den geringsten Anhalt zu den von der Regierung getroffenen großartigen mili­tärischen Vorkehrungen. Soviel mir bis jetzt be­kannt, sind nirgends Unordnungen vorgekommen. Paris ist vollständig ruhig. Der letzten Sonntag so bewegte Stadthausplatz hat heute sein gewöhn­liches Aussehen. Die Esplanade des Invalides iveist keine Spur auf von irgend einer Kund­gebung. An der Bastille verkehren lauter fried­liche Sonntagsspaziergänger, welche das wirklich herrliche Wetter hinauslockt. Rur in der Nähe des Champ de Mars mache sich einige Bewegung bemerklich, hervorgerufen durch die unbezwingliche Neugier sonntäglicher Müßiggänger, welche sich die Genugthuung nicht versagen können, sich persön­lich von dem Besinden der von der Negierung da­selbst aufgefahrenen Kanonen zu erkundigen, und durch die Gegenwart der bewaffneten Macht sich von der Vorsicht des Ministeriums Ferry zu über­zeugen, welches seine militärische Stärke heute wieder einmal gegen revolutionäre Windmühlen erproben wollte — wenigstens zu erproben sich den Anschein gab. Die Gelegenheit hierzu sollte ihnen jedoch erspart bleiben. Die revolutionären Macher sind denn doch zu pfiffig, um sich wie Mäuse in der Speckfalle von einer überlegenen Militärmacht an einem im voraus bestimmten Rendez-vous fangen und niedermachen zu laffen. Ueberhaupt war es eitel Geflunker, wenn von einem revolutronären Handstreich für heute dir Rede war. Die maßgebendsten Führer der hier bestehenden Revolutionsparteien haben ihren Ge­sinnungsgenoffen sogar ausdrücklich von den ange­kündigten Straßenkundgebungen für den jetzigen Augenblick abgerathen, so daß es fast den Anschein gewinnt, der listige Ferry selbst stehe den geplanten Kundgebungen nicht ganz fremd gegenüber, um durch einen billigen Straßensieg seinem Ministe­rium zu einem besonderen Ansehen zu verhelfen und sich als „Retter in der Roth" aufzuspielen. Ferry fand jedoch nicht Dummköpfe genug, um ihm diesen Dienst auf ihre eigenen Kosten zu erweisen. Nickt einmal die Verhaftungen der

da mein Varer mich nicht un Hriumet oulDen würde.

Du sollst auch nicht mit Resi gehen, Otto, Du sollst bei Nanni bleiben, tönte eine zarte, weiner­liche Stimme hinter ihm, während sich ein kleiner Arm um seinen Hals legte.

Der verlaßene Zwilling drückte das reizende Antlitz an seine von Thränen überströmte Wange und blickte traurig auf Resi, deren festgeschlossener Mund zu lächeln schien.

Hast Du den armen Otto noch immer lieb, kleine Nanni? flüsterte der Knabe, gebrochen vom Schmerz.

Ich hab' Dich so lieb, und Resi, die nun ein Engel geworden ist, hatte Dich auch lieb, sprach das Kind mit wunderbarem Ernste, wenn Du nun aber mit Resi gehen willst, Otto, dann gehe ich auch mit.

Der leidenschaftliche Knabe umfaßte das Kind und sagte leise: Ich bleibe bei Dir, Nanni, mag die Mutter mich auch schelten und mir böse fein.

Eberhard war mit der Gattin leise eingetreten.

Wie kannst Du dem armen Knaben noch zürnen, theure Adelheid? flüsterte der Maler tiefbewegt.

Diese riß sich von dem Gatten los und zog Nanni von dem Knstenden, der sie schmerzlich an­starrte, hinweg. „ „ , m

Geh, Otto! sprach sie hart, hier i|t fein Raum für Dich, ich will allein mit meinen Kindern sein.

Der Knabe erhob sich langsam, warf noch einen

Politische steberlichl.

Deutsches Reich.

Fulda, 20. März.

Die .Germania' schreibt:

„Der Moniteur de Rome' veröffentlicht eine Depesche aus Berlin, welche die Nichtveröffentlich- «ng der Antwort des Kaisers auf das letzte Schreiben des Papstes, die Verzögerung in der Beantwortung der Note Jacobini's, den Artikel „pari paasu“ der ,Provincial-Correspondenz' und die Gerüchte über die Eventualität eines neuen Kirchengesetzes als Symptome bezeichnet, welche für die Herstellung des religiösen Frie­dens wenig günstig erscheinen, worin aber gleichwohl der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die friedlichen Absichten des Kaisers und des Papstes nicht erfolglos bleiben werden.

Diesen Auszug ans dem Moniteur' übermittelt das „Wolff'sche Bureau". Das fragliche Berliner Telegramm theilt demnach in der Sache iiichts Neues mit; seine Veröffentlichung zeigt nur, daß man in den Kreisen des Moniteur' keinen Anlaß hat, sich die Lage nich- ebenso bedenklich vorzn- flellen, als es in der deutschen Presse geschieht."

Die .Germania' beliebt die Worte „Symp­tome, welche für die Herstellung des reli­giösen Friedens wenig günstig erschei­nen" durck Sperrdruck hervorzuheben und darauf den Hauptton zu legen. Wir sehen nicht ein, warum der Nachsatz: „Worin aber gleichwohl der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die friedlichen Absichten des Kaisers und Papstes nicht erfolglos bleiben werden", nicht gleichfalls Anspruch darauf haben sollte, hervorgehoben zu werden. Hoffnungs­rosig sieht die Lage gewiß nicht aus, aber ganz hoffnungslos ist sie auch nicht. Die Ver­handlungen dauern fort.

Frankreich.

Ug-Paris, 18. März. (Der heutigeJahres- tag der Commune) ist bis zum Abgang dieser Zei­len ohne nennenswerthen Zwischenfall verlaufen. Die

Als es ganz dunkel um Otto geworden , er einen Entschluß gefaßt zu haben; mit energischen Bewegung schüttelte er das schwarze Haar zurück und murmelte: Ich will Resi selber fragen.

Geräuschlos schlich er hinaus, um sich bei der Magd zu erkundigen, wo sich Resi befinde, worauf er behutsam das Tranergemach betrat; hier lag Rest, von Kerzen umgeben, von Blumen fast ganz verhüllt, auf ihrem letzten Bettchen, das Eltern­liebe unter heißen Thränen ihr bereitet.

Äie Heilung- «jd&eint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld. 1 Mt. 50 Pfg-, mit bcn

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Ein verhängnitzvoller Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

letztens Tage haben ihm hiezu etwas genützt; denn gerade die davon betroffene Partei gab am entschiedensten die Losung aus, sich auf der Straße heute absolut ruhig zn verhalten. In diesen Kreisen scheint man die Absicht gemerkt zu haben, und wurde darüber erst recht nicht verstimmt, — wenigstens kam die Verstimmung nicht äußerlich d. h. durch Straßenkundgebungen zum Ausdruck. Dafür hielten sich die Revolutionäre aller Gat­tungen aber reichlich schadlos in geschloffenen Ver­sammlungen, wo die Redner ihren Ingrimm gegen die Regierung wie überhaupt die ganze bestehende Ordnung in der heftigsten Weise Lust machten, und bei der Gelegenheit hauptsächlich der Verherr­lichung der Comulmie um die Wette das Wort redeten. Zn diesen besonderen Zweck finden heute Abend denn auch einige 20 Bankette statt — gilt doch der heutige Jahrestag den Communarden als ihr „Nationalfest", welches sie, gleich den Repub­likanern ihren 14. Juli, durch Zechen und Gerede festlich begehen. Aus Anlaß dieses „Festtages" ist das offtcielle Organ der social-revolutionären Arbeiterpartei ,Le Prolätaire' heute im „Festge­wand" — nämlich auf blutfarbenem Papier er­schienen. Aus gleichem Anlaß hielt die nämliche Partei im Rivolisaal heute Nachmittag eine große Volksversammlung ab, in welcher Coffrin fGe­meinderath), Labnsquiöre rc. die Commune in noch nie dagewesener Weise zu verherrlichen suchten, und dieselbe übereinstimmend priesen als die Ret­terin der Republik und erste Etappe der kommen­den großen Revolution. Der einzige Redner, der einigen Tadel gegen die Commune äußerte war Leboucher und zwar deßhalb, weil dieselbe nach seiner 'Meinung nicht genug an — Brand und Mord gethan hätte, was bei der nächsten Gele­genheit nicht mehr vorkommen dürfe.

— Paris, 19. März. Im Laufe des gest­rigen Nachmittags sanden in verschiedenen Loka­litäten öffentliche Versammlungen statt. Dieselben verliefen aber fämmtlich ohne Zwischen­fall. In einer in La Chapelle abgehalteneu öffentlichen Versammlung hielt' der Muni cipal- ratb Jofsrin eine Lobrede auf die Com- herzzerreitzuiven Blick aus Die Tovte und ging mit gesenktem Kopf hinaus.

Eberhard blickte ihm mitleidig nach und seuszte tief. Er vermochte das Räthsel der selbstsüchtigen Mutterliebe, welche ihren unersetzlichen Verlust mit eigensinnig starrem Haß auf die unschuldige Ur­sache desselben wälzte, nicht zu begreifen.

Nein, nein, schrie Nanni jetzt auf und suchte sich den Händen der Mutter zu entwinden, ich will zu Otto, er wird mit Rest gehen und mich hier allein lassen.

Rührt Dich die Liebe der Kinder nicht? fragte Eberhard schmerzlich erregt.

Soll es mich rühren, wenn dieser Unglücks- knabe mir auch noch das Herz meines einzigen Kindes raubt? Zu ihm will Nanni, die 'Mutter ist ihr nichts mehr.

Großer Gott, wie hat der Schmerz Dich ver­wirrt, mein armes Weid! klagte der Maler, sie und das Kind mit inniger Zärtlichkeit in die Arme schließend, komm, weine Dich an meinem Herzen aus und dann kehre zurück zu der alten Liebe, die keine ungerechte Selbstsucht, keinen un­gerechtfertigten Haß kennt.

Auch Dir hat es dieser Knabe angethan, sprach sie sich hastig seinen Armen entwindend und sich zu'dem tobten Kinde flüchtend. Angesichts dieses Engels höre mich an, Eberhard! fuhr ;ie düster fort, ist meine Ruhe Dir etwas werth, und soll Ergebung in mein zerrissenes Herz einziehen, dann