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M 63.

Montag, den 19, März

1883.

Fuldm ZW Jeitung.

Dl« .Fuldaer Zerrung' erzcyernt täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AdonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, — nirt den illustrirten Sonntagsblättern ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile ober deren Raum 15 Ma., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Näherung zwischen Roni und Berlin nicht zu zer­stören vermocht haben. Nicht aus dem Ministerium, sondern von dem Kaiser selbst ist seiner Zeit der erste Anstoß zu einer Aenderung der kirchen­politischen Verhältnisse ausgegangeu. Und der Kaiser scheint nach wie vor das Bestreben zu haben, endlich zum Frieden mit der Kirche zu ge­langen.

Elstern und vorgestern sind aus Rom zwei Meldungen eingelaufen, welche wiederum bestäti­gen, daß die Verhandlungen fortgesetzt werden, daß sie sogar in den Tagen, wo die Presse von Pessimismus überlief, recht eifrig betrieben wur­den. Der .Osservatore Romano', ein aus dem Vatikan gut informirtes Blatt, zeigt sich hoch­erstaunt über die Sprache der preußischen Offizi­ösen. Das Blatt constatirt einen Widerspruch zwischen den versöhnlichen Schritten, welche der Reichskanzler gerade in diesen Tagen bei der Kurie that und der Sprache der offiziösen Presie.

So telegraphirt man dem ,Berl. Tagebl/ ans Rom. Ein nicht minder beachtenswerthes Symp­tom ist ein in der gestrigen Nummer des .Moni­teur de Rome' veröffentlichtes Berliner Telegramm. In der Depesche heißt es: „Die Nichtveröffent- lichuna her Antwort Kaisers. auLhoe I.pte päpstliche Schreiben, die Verzögerung der Beant­wortung der Note Jacobini's. der Artikel „Pari Passu" der Provinc>at-Correspondenz und die Ge­rüchte über die Eoentualiiät eines neuen Kirchen­gesetzes würden als wenig günstige Symptome für Herstellung des religiösen Friedens angesehen. Trotzdem sei zu hoffen, daß die fried­lichen Absichten des Kaisers und des Papstes nicht erfolglos bleiben würden." Wir sind wett entfernt davon, zu behaupten, daß diesen Kundgebungen eine entscheidende Be­deutung beizumcsien sei, wir glauben sie jedoch gegenüber den Nachrichten, daß nun wieder alle Friedenshofsnungen total zerstört seien, besonders hervorheben zu müssen. Unser Blick wendet sich nur nach Rom! Roma locuta, causa finita! W> nn Rain lein Urtbeil ne-

O Zur §age.

Fulda, 19. März.

Die kirchenpolitische Situation findet schon seit Wochen in der Preise nicht nur nach der Partei­richtung, sondern auch innerhalb derfelben Par­teien eine so verschiedene Beurtheilung, daß man schon aus diesem äußerlichen Umstande schließen kann, wie u n z u r e i ch e n d die Informationen sind, und daß die weitaus größte Zahl der betreffenden Auslastungen lediglich auf Combinationen beruhen. Selbst das Thatsächliche, die angeblich hüben und drüben geschehenden Schritte sind oft an einem und demselben Tage in sonst wohl unterrichteten Organen so grundverschieden dargestcllt, daß das Publicum allen diesen Nachrichten mit einem ge- wiffen Mißtrauen gegenüber steht. Wir erinnern nur an die von Tag zu Tag wechselnden Mit­theilungen über eine neue kirchenpolitische Vor­lage. Wir haben demgegenüber ausdrücklich an der Austastung festgehalten, daß die Verhandlungen mit Rom f o r t d a u e r n, daß si lbst eine solche Absicht der Regierung mit dem Abbruch der Verhand­lungen nicht gleichbedeutend sei. Sollte die Zukunft unsere noch immer nicht hoffnungs­lose Beurtheilung der Lage nicht rechtfertigen, so werden wir jedenfalls ruhig und ohne Scheu an dieser Stelle eingeslehen, daß wir geirrt haben. Ein solcher Jrrthum ist ja um so verzeihlicher, da er aus dem dringendsten Verlangen nach einer endlichen Lösung der Staat und Kirche bedrücken­den Wirren hervorgeht. Wir werden dann nicht das kurze Gedächlniß derjenigen Organe zeigen, welche heute einen Abbruch der Verhandlungen con- staliren und übermorgen die Verhandlungen ruhig fortgehen lasten. Voiläufig können wir unseren „Jrrthum" übrigens noch nicht eingestehen. Wir halten noch immer an der Auffassung fest, daß die offiziösen Artikel, ebenso wie die Darlegung des Kultusministers im Abgeordneten- und Herrenhause allerdings von einer großen Ver­stimmung gegen die Centrumspartei zeugen, die naturgemäß auch den Gang der Verhandlungen be­einflußt, daß sie aber trotzdem bisher die An-

z

Der verhängnitzvolle Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

2.

Am dritten Tage darauf wurde der Vetter be­graben; Otto mußte den Vater mit zu Cfiabe ge­leiten, während Nanni und Resi ihr Gärtchen plünderten, um den Sarg zu schmücken, eine Liebe, welche das Herz des düsteren Knaben ganz außer­ordentlich rührte. Er hatte diese Blumen m's offene Grab gestreut und nur ein Vergißmeinnicht iurückbehalten, welches er zur Erinnerung an diese Stunde mit nach Hause nahm und wie ein Heilig- thum aufbemahren wollte.

In der Nacht, welche diesem traurigen Tage folgte, erkrankte Otto so heftig, daß sogleich der Arzt gerufen werden mußte. Dieser erklärte die Krankheit für ein N.roeufieber der gefährlichsten Art, besten Stoff der Knabe schon längere Zeit in stch getragen haben mußte, und enipfahl die größte Vorsicht. Unter den qualvollsten Leiden trug die gute Natur des Kranken endlich den Sieg davon und von der aufopferndsten Pflege umgeben, konnte Otto, nachdem er wochenlang darniedergelegen, das Bett verlosten, zur großen Freude der Zwillinge, die den Bruder schon so lange liebgewonnen hatten.

Doch war die Freude nur kurz; denn noch am selben Tage mußte die kleine Rest krank in ihr

Be.rcy.u g.ttgl werden, uon öeiii)eiveu unyeun» lichen Gaste, der den Bruder soeben erst losge­lösten hatte, darniedergeworfen.

Die Angst der Eltern war unbeschreiblich; während Nanni aus dem Hause gebracht wurde, um sie vor der fürchterlichen Krankheit zu be­wahren, wich die Mutter nicht von dem Lager des kleinen Liebling, besten Haupt der kalte Flügel- schlaz des Todes bereits umrauschte.

Alles, was Elternliebe und ärztliche Kunst er­sinnen konnte, das Kind zu retten, war umsonst, der Tod siegte und küßte mit eisigen Lippen den Mund der kleinen Dulderin, die in der Mutter Armen die hellen Aeuglein für immer schloß.

Vor innerem Leid fast vergehend, trug Eber­hard die ohnmächtige Gattin von der Leiche des Kindes hinweg.

Es war ein furchtbares Verhängniß; Otto war genesen, während Resi das Opfer geworden.

Als man dem Knaben den Tod der Kleinen mitlheilte, stand er wie erstarrt und alles Leben schien aus ihm gewichen zu sein; er konnte es nicht begreifen, daß Gott einen Engel harte ster­ben lasten.

Im Nebenzimmer hörte er die Mutter weh­klagen, hörte, wie sie im veizweiflungsvollen Schmerz den sanften Trost des Gatten von sich wies. Betäubt wollte er sich entfernen, als plötz­lich sein eigener Name an sein Ohr schlug, und unwillkürlich seinen Fuß hemmte.

sprachen hat, dann hat sich Jeder der Autorität zu beugen. So lange aber Rom sein letztes Wort noch nicht geredet hat, steht es Niemanden zu, dem vorgreifen zu wollen.

Den neuesten Meldungen zufolge ist die An­nahme des wiederholten Entlastungsgesuches des Marineministers Stosch nicht mehr zu be­zweifeln. Wie die .Liberale Correspondenz' wiffen will, foll der Reichskanzler in einem Memorandum über die Verwaltung des Marineministers ge­äußert haben, er müste für die Zukunft die Ver­antwortung für dieselbe ablehnen. Das wäre allerdings für Herrn von Stosch deutlich genug gewesen. Ob die ,Lib. Corresp.' recht berichtet ist, läßt sich natürlich noch nicht beurtheilen; so­viel scheint aber wohl festzustehen, daß Differenzen mit dem Fürsten Bismarck, die auch früher ein­mal aufiauchten, aber beglichen wurden, den Fall Slosch's herbeigeführt haben. Nach einer in der Sonntagsnummer der .Germania' enthaltenen Auf­stellung sind, seitdem Bismarck in Preußen am Ruder ist, bereits 24 Minister gegangen und ge­gangen worden, davon nahm einer aus wirklichen Gesundheitsrücksichten feinen Abschied, ein anderer starb. Herr v. Stosch wäre also soweit der 23te Minister, der unter Bismarck aus politischen Grün­den demissionirt ha^. .

Daß Fürst Bismarck an seinen einmal gefaßten Plänen lange Zeit mit einer gereiften Zähigkeit sisthält, ist bekannt, man braucht nur an das Ta­baksmonopol zu erinnern. Eines ferner lieb st en Schooßkinderist auchderVolkswirthschaftS- rath. Trotzdem nun das Abgeordnetenhaus die Bewilligung der für das Institut geforderten 16,000 Mark al g lehnt hat und damit doch auch dieses felbst rnrunheilt hat, foll der preußische Volksreirthschaflsrath nun doch „gegründet" werden. Gleich nach dem ablehnenden Votum trat die .Norddeutsche' mit dem Gedanken hervor, die 16,000 Mk. könnten durch Zeichnung von Privatpersonen gedeckt werden. Und beute ist die Sacke bereits so weit .gevi-hen, daß das genannte officiöse Blatt meldet, zur Deckung der Ansnaben seien „deviis narebaste Beträge zur Ver-

R.iii, Eeeehaed, iputy Lin Wori dagegen, hörte er die arme, junge Mutter ausrusen, dieser Knabe ist unser Unglück, er hat den Tod über unsere Schwelle getragen, unser Kind gelobtet. Wie soll ich noch ferner seinen verhaßten Anblick ertragen? Wird er, den der Tod verschonte, mich nicht stünd­lich an meinen Liebling erinnern? O, warum muß­test Du mir diesen Unselig n zuführen?

Kind, wie ungerecht macht Dich Dein Schmerz! rief Eberhard, was kann der arme, verwaiste Knabe für dieses Unglück, das uns so schwer ge­troffen? Macke Gott oder die Natur verantwort­lich dafür, daß sie den Armen mit dem tödtlichen Krankhettsstoff behastete — nicht den Unschuldigen, welcher den Schmerz um unfern Liebling ebenso tief empfindet, wie wir. Nein, mein gelübted Weib, fitzte er zärtlich milde hinzu, Du bist zn edel, um den Armen das entgelten zu lassen, was Gott an Leid uns gesandt.

Der vom Unglück des Lebens frühgereifte Knabe hatte unbeweglich die fürchterliche Beschuldigung, welche ihm den Tod der kleinen Resi aufbürdete, mit angehört. Wie ein Trunkener schwankte er nach seiner Karniner, um hier in ein tiefes, un­heimliches Grübeln zu versinken, worin in Nie­mand störte, da ein Jeder im Hause dem einen großen Schmerze nur sich hinzugeben schien.

So war es Abend giroorbin, fiin Mensch hatte sich um ihn bekümmert, selbst bei Tisch schienen die trauerenden Ehegatten ihn nicht vermißt zu