Beiblatt zu Nr. 62 der.Huldacr Zeitung/
Sonnab-nd den 17. März 1883.
Vermischtes.
« <Au» dem Bisthum Limburg,) 13. März. Unsere kleine ©iöcife umfaßt mit Einschluß von Frankfurt 154 staatlich anerkannte Pfarreien und etwa 12 MlssionSpf irreien. Durch Uebereinkom« men vom 7. April 1873 stehl dem Landesherrn das Patronat über 28 Pfarreien zu. Bis zum 1. d. M. waren erledigt im Ganzen 42 Pfarreien, davon sind Wtißkilchan, Idstein und Nastätten königl. Patronats. Vom Jahre 1873 an sind diese 42 Stellen in folgender Reihenfolge durch Todesfall erledigt worden: Balduinstein, Hofqeim, Johannisberg, Königstein, Cainberg, Haintchen, Werschau, Höhe, Weißkirchen, Niedererbach, Hel« tersheiin, Eisenbach, Niederzeugheim, Kestert. Breitenau, Hundsnachen, Niederbrechen, Nievern, Höchst, Niederhadamar, Neuort, WirgeS, Helferskirchen, Ooertlefenbach, Kriefrel, Cransberg, Boinmersheirn, Heiligenroth, Arfurt, Großholbach, Geisenheim, Nastätten, Dietkirchen, NeanterShausen, Camp, Rir- desheim, Filsen, Elz, Winden, St. Goarshausen, Flörsheim. Außer den vorgenannten 42 actwen Pfarrern starben 'm Culturkampfe 2 Domcapitu- lare, 2 Titular-Geistliche Räche, 4 Pensionirte Pfarrer, 1 Beneficiat und 2 Hilfspriester. — Von den 6 im Jahre 1833 geweihten Diöcesan- priestern sind noch 2 am Leben und in voller Be- rufsthäligkeit und werd n im Mai und September d. I. ihr 50jähr. Priesterjubiläuin feiern. Von 13 am 12. August 1858 zu Priestern geweihten Herren der Diöcese sind noch 12 am Leben und 11 in beruflicher T äligkeit. Im August d. I. sind dieselben 25 Jahre Priester. — Der älteste Pfarrer des Bisthuins ist Tttular-Geistlicher Rath Pfarrer Frederking in Walluf a. Rh. mit 86, dann Geistlicher Rath Pfarrer Müller in Oestrich a. Rh. mit 85 Jahren. Weilt re 20 Geistliche haben das 70. Lebensjahr vollendet. Unser hochwürd. Herr Bischof Peter Joseph vollendet am 18. April d. I. sein 75. Lebensjahr, das 51 seines Prie« sterlhumS und ist am 26. d. bereits 43 Jahre vom Domcapitel erwählter Bischof der Diöcese. Möge Gott ihm doch bald seine Heerde zurückgeben.
• (Aus Baden.) Wie schamlos und teuflisch bisweilen über katholische Geistliche gelogen wird, gehl aus Nachstehendem hervor. Die ,Basler Nachrichten brachten in ihrer letzten Samstags- nummer folgenden Artikel: „Riehen. Im hiesigen Diakonisienspital sieht seit einiger Zeit eine kalhv- lische junge Frau ihrer vorzeitigen Niederkunft entgegen. Ta tritt neulich der römisch-katholische Psarrverwesir von Stetten ins Krankenzimmer und erkundigt sich nach dem Befinden und nach dm Verhält- Nisien seiner Glaubensgenossin. Als er erfährt, sie lebe mct ihrem protestantischen Manne in zufriedener Ehe, wird der Priester zornig und erklärt der Frau mit grober Mißachtung der vier anderen protestantischen Patienten, daß sie in Folge dieser gemischten Ehe zeitlich vei flucht und ewig verdammt sei Die gequälte Ehefrau gerieth darob in eine Aufregung, welche den Eintritt des Befürchteten beschleunigte. Wer übt denn gegen einen solchen herzlo en Pfaffin das Hausrechl? ' Der in Lörrach Erscheinende (nationalliberale) .Oberländer Bote' findet doch für angezeigt, in einer seiner letzten Nummern über die Sache zu berichten: „Stetten. Die gestern erschienene Nummer 52 der .Basler Nachrichten' enthält eine Correspondenz aus Riehen über einen Vorfall, welcher sich im Spitale dorl- selbst zwischen dem katholischen Pfarrverwestr von Stetten und einer kranken Frau unlängst zugetragen haben und für Letztere von schlimmen Folgen gewesen sein soll. Da genannte Zeitung in Löirach und Umgebung viel gelesen wird und der fragliche Artikel folgerichtig allg m me Entrüstung über solche Handlungsweise eines Geistlichen erregen muß, so können wir zur Steuer der Wahrheit ei» klären, daß nach bestimmter Versicherung de.s Vorstehers derSpitalanstalt an der ganzen gehässigen Darstellung auch nicht ein wahres Wort ist. Gegen den Urheber fraglicherCorrespondenz wird gerichtliche Verfolgung eintreten." Es ist dem wohl kein weiteres Wort mehr beizufügen, sagt die ,Fr.
Stimme' dazu. Wir aber möchten doch noch die Frage hinzufügen, ob Jemand unter allen kacho- rschen Blättern Deutschlands Eines aufzuführen weiß, in welchem auch nur ein einziges Mal solche Lüge enthalten gewesen wäre, wie diese und wie sich ähnliche in den Blättern unserer Gegner öfters vorfinden?
* (Der jetzt versandte Jahresbericht )er Görres-Gesellschaft) bringt u. A. folgende interessante Angaben: „Der Mitgliederbestand weist im abgelaufenen Jahre nachstehende Veränderungen auf. Dasselbe begann mit der Zahl von 14 Ehrenmitgliedern, 15 Mitgliedern auf Lebenszeit, 1423 Mitgiedern und 611 Theilneh- mern. Neu hlnzugekomrnen sind ein Ehrenmitglied, 3 Mitglieder auf Lebenszeit, 166 Mitglieder und 72 Theilnehmer, dagegen ausgeschieden durch den Tod oder andere Ursachen: 2 Ehrenmitglieder, 98 Mitglieder und 48 Theilnehmer. Mithin ergibt sich ein Zuwachs von 3 Mitgliedern auf Lebenszeit, 68 Milgliedern und 24 Theilnehmern. Die Einnahmen der Gesellschaft beliefen sich im vorigen Jahre auf 31,406,13 Mk. Unter den größeren Zuwendungen ist zu erwähnen ein Geschenk von 1000 Mk., welches der Gesellschaft im Andenken an den kürzlich verstorbenen Professor H.rrn Constantin v. Schätzler gemacht wurde." Der Bericht constatirt mit Freuden, daß der hochw. Fürstbischof von Breslau Roben Herzog beabsichtige, die Gesellschaft in gleich hochherziger Weise zu unterstützen, wie dies seitens seines Vorgängers geschehen ist.
• (Die Gründung einer kathol. Universität in New-Park,) so schreibt man aus New- Park, ist in der nächsten Zeit zu erwarten. An der Spitze des Unternehmens, das natürlich der Privatinitiative entsprungen ist und vollständig mit Privatrnitteln ins Leben gerufen werden soll, steht der Bischof Spalding von Peoria, Illinois, der sich zur Zeit in Europa befindet und das Project dem Papste und dem Cardinalpräfecten der Propaganda unteibreitet hat. Wie versichert wird, soll bereits ein Fonds von einer Million Dollars vorhanden fein, zu welch-m ein bekanntes Mitglied der kathol. Kirche allein 700,000 Doll, gezeichnet haben soll. Die Universität soll alle wissenschaftliche Disciplinen umfassen.
* (Die Ein- und Ausfuhr von Eiern in Deutschland) betrug nach den amtlichen Berichten in der Zeit voin 1. Januar bis Ende August 1882, resp. 1881:
Einfuhr in Tonnen Ausfuhr in Tom-en 1882: 14,294 1882: 1,300
1881: 11,558 1881: 1,430.
Nun sind 14,294 Tonnen -- 14,294,000 Kilogramm. Nehmen wir nun das Durchschnittsgewicht eines Eies zu 50 Gramm, so gehen 20 auf ein Kilogramm. Innerhalb der ersten acht Monate vorigen Jahres wurden alfo eingeführt 285,880,000 Stück. Den Durchschnittspreis pro Stück nur zu 4 Pfennig angenommen, ergibt dieß die Summe von 11,435.000 Mark. Dieser kolossalen Position stehl die Ausfuhr gegenüber nur mit 26,000 Stück — 1040 Mark, so daß das Facit an das Ausland im Minimum bleibt t l'/z Millionen Mark. Die 45 Millionen Einwohner Deutschlands zahlen daher durchschnittlich pro Kopf ich acht Monaten 24 Pfennig an das Ausland allein für Eier. Rechnet man aber auf einen Haushalt von 5 Personen nur 1 Ei pro Tag, also 240 pro acht Monat, so participiren an dem Consum dieser Einfuhr nur 1,857,833 Haushaltungen oder 9,289.165 Köpfe. Der Bedarf für die übrige Koiszahl von rund 36 Millionen muß durch das Inland gedeckt werden. Das Inland muß auf diese Weise vier Fünftel des Bedarfs decken und mithin in acht Monaten 1,783,519,680 Stück probuciren. Da aber Eier in bedeutender Menge auch in der Industrie verwendet werden, io ist diese ungeheure Zahl bei Weitem nicht ausreichend, ober — unb bas ist der traurige Schluß: .rotz ber collossalen Einfuhr und inlänbischen Production gibt es Millionen Deutscher, welche in ihrem Haushalte bas ganze Jahr über nicht ein Ei verwenden können. Nichts dürfte geeigneter
fein, den hohen Werth der Geflüchelzucht klar zu stellen, wie diese Zahlen!
• Dublin. (Emen geradezu teuflischen Vorschlag) macht die in New-Park erscheinende und von Feniern rebigirte Zeitung ,Irish World'. Sie fordert auf zur Bildung einer Organisation, welche „Krieg führen soll nicht gegen Engländer und Engländerinnen, sondern gegen englisches Sa« mal, englische Paläste, englische Waarenhäuser, Fabriken, gegen englische Schiffe unb gegen Englands Werften unb Häfen". „Für diese Methode ber Kriegführung", heißt es in dem Artikel weiter, „brauchen wir 500 nüchterne, tapfere Männer unb 500,000 Dollars für ihren einjährigen Unterhalt im gelbe. 300 biefer Männer sollten London, 50 Manchester, 50 Liperpool, 50 Bristol unb 50 Glasgow occupiren. Jeder dieser Soldaten sollte sich ein möblirteS Zimmer miethen. Nach diesem Zimmer sollte er eine Kanne mit 5 Gallonen Kohlenöl in seinem Koffer schaffen und eine Schachtel Streichhölzchen. In einer stürmischen Nacht, auf ein Signal des commanbiren# den Ofsiciers, sollten 300 Brände in verschiedenen Theilen Londons ausbrechen, und geschürt durch einen Aequinoctialsturm würden sie eine Feuersbrunst bilden, welche das Wunder der Welt sein würde. Die Brände von Moskau und Chicago würden Krnderspiel dagegen fein. Beim Scheine dieses Brandes mürben wir die Charte unserer Unabhängrgkeit als eine Nation lesen."
• (Praktische Erfindung.) Die verschiedentlich vorkommenben Unglücksfälle welche beim Fensterputzen durch Hecavsallen von P-rsonen staltfinben, haben ihren Grund ausschließlich in ber unpraktischen Anordnung der Fenster, welche bedingt, daß beim Putzen ber oberen Scheiden auf bie Außenseite getreten werben muß. Auf sehr einfache Werse wird dieser liebel« stand durch das dem Glaser Thiem in Leipzig patentirte Sicherheits-Fenster beseitigt. Bei geöffneten unteren Flügeln sind die oberen Fensterscheiben herablaßbar, ind.rn sich der Rahmen in der äförmigen Nuts, welche sich im Fen- stergerüst befindet, auf sehr leichte Art niederschieben läßt. Das Putzen der Fenster wird, da es vom Fußboden des Zimmers aus geschieht, dadurch ganz wesentlich erleichtert und vollständig gefahrlos gemacht; Gardinen bleiben durchaus unbelästigt, auch ist das herabgelassene Fenster ein vollkommener Schutz für Kinder. Die ganze Con- ftruction ist in jeder Beziehung praktisch, überraschend, einfach und durchaus nicht theurer, als die bisher gebräuchliche. Der Generalvertrieb, bez. das Recht, allerorts Licenz von Innungen, Glaser, Rahmenmacher, Baufabriken rc. abzugeben, liegt in den Händen des Herrn Hugo Burckhardt, Leipzig, Färberstraße 5.
• (Alkoholvergiftungen) tn Folge des übermäßigen Genusses von Spirituosen sind in Berlin keine allzu seltenen Erscheinungen. So wurde in der vergangenen Nacht ein unbekannter, circa öOjäljrtger Mann in ber Neuen Friebrichs- straße in sinnlos betrunkenem Zustande ausgefunden und, da er absolut nicht zum Bewußtsein zu bringen war, nach ber Wache geschafft. Kaum dort angekommen, verstarb der Unglückiiche p ötz- lieb, ehe noch ärztliche Hilfe beschafft w-rden konnte. — Am Sonnabend Abend hatte sich ber in der Reichenbergerstraße > 39 wohnende Arbeiter Alben Brehmer in Gesellschaft mehrerer Freunde derart betrunken, baß er schließlich zu Hause getragen und, da seine Wohnung verschlossen war, _öor ber Thür niebergelegt werben mußte. Am Sonntag Morgen fanb man ihn bort als Leiche vor.
• (Der Familienname Müller) gilt al» einer ber bieberften beulschen Namen. Ein Franzose, welcher Deutschland durchreist hatte, setzte sich, als er wieder nach Hause gekommen, an seinen Schreibtisch und schrieb ein Buch, bas mit den Worten anfing: „Die Deutschen sind ein Volk, das Müller heißt." Der Mann hatte so Unrecht nicht. Nach den neuesten staiistischen Nachrichten leben in Deutschland nicht weniger als 629,987 Müller. Der 73. Mensch in Deutschland ist also, mag er wollen ober nicht, ein Müller.