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Sonnabend, den 17. März

1883.

®j« .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Blerreljäyritcher ÄbounememSprers ohne «ringerlohn und tiefteUgeio: 1 Ml. ou Pig., mn den illustrirten Sonntagsblält'rn .Im Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 7" Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Politische PeberKcht.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. März.

• (Bundesrathssitzung.) In der am Mitt­woch unter dem Vorsitze des königlich preußischen Staats- und Finanzministers Scholz abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde die Vorlage betreffend den Erlaß von Ausführ­ungsbestimmungen zu dem Verbot der Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten amerikanischen Ursprungs den zuständischen Aus- schnsien zur Vorberathung überwiesen. Die An­träge betreffend die Zollbehandlung von Talg zu gewerblichen Zwecken, wegen Erhöhung des Be­soldungsaufwandes bei Aufrechnung von Zollver- waltungskosten und in betreff der Gewichtermitt­lung sowie der Entwurf einer Verordnung be­treffend die Cautionen der Beamten und Unter­beamten der Reichspost- und Telegraphenverwalt­ung und der Reichsdruckerei fanden die Zustim- mung der Versammlung. Die Eingaben betreffend Fortgewähr der Militärpension an Versorgungs­berechtigte bis zur endgiltigen Anstellung tm Civil- dienst, Zollbehandlung der Roßlederschilder, Be­freiung von Lotterielosen eines Vereins von der Reichsstempelabgabe wurden zurückgewiesen. Nach­dem die Versammlung die Beralhung der Ver­handlungen liber den Abschluß einer Literär- Convenlion mit Frankreich bis zur nächsten Sitz­ung ausgesetzt halte, erfolgte schließlich die Ueber- welsung mehrerer Eingaben von Privaten an die zuständigen Ausschüsse.

* Weimar, 13. März. (Aus Sachsen« Wermar-Eisenach.) Die Frühjahrssession des Landtages nähert sich ihrem Ende. Der Aus­schuß für das revidirte Steuergesetz hat seine Aibeiten beendet und der Referent Abg. Müller (Berga) einen sehr sorgfältig gearbeiteten Bericht dem Plenum erstattet. In Bezug auf die weit­aus größte Riehrzahl von Bestimmungen des neuen Gesetzes herrschte im Ausschuß Emverständ-

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Ein verhängnitzvoller Hatz.*)

Novelle von Emilie Heinrichs.

Tiefe Stelle, nur zuweilen unterbrochen von leisem, unterdrückten Schluchzen, herrschte in dem ärmlichen Raume, wo ein Sterbender soeben den letzten, schweren Kampf durchrang.

E.n junger, schlanker Mann beugte sich über denselben und suchte ihm sitzt durch tröstenden Zu­spruch den Kampf zu erleichtern.

Wegen der Zukunft Deines Kindes magst Du ruhig sterben, Vetter! sprach er, ich schwöre, Vater« sielte an Otto zu vertreten und keinen Unterschled iwlschen ihm und meinen Kindern zu machen, so wahr mir Gott dereinst in meiner Sterbestunde gnädig sein möge!

Amen! Amen! flüsterte der Sterbende mühsam, wobei ein verklätteS Lächeln seine Züge überflog.

Dann schloß er die Augen zum ewigen Schlaf.

Einige Augenblicke blieb der junge Mann, seine Eefe Bewegung niederkämpfend, neben dem Tobten sichen, dann drückte er ihm sanft die Augen zu und wandte sich hierauf zu einem zehnjährigen Knaben, welcher leise schluchzend an dem Belte kniete. <

Komm, Otto, sei vernünftig und brav, sprach Oj zu demselben, nimm Abschied von Deinem armen Vater, welcher nun von seinen langen Leiden aus-

*) Nachdruck verboten. UebersetzungSrecht Vorbehalten.

niß mit der Regierungsvorlage. Hinsichtlich der vielleicht wichtigsten Frage für den gegenwärtigen Berathungsgegenstand ist indessen im Ausscliuß selbst eine Einigung nicht erzielt worden. Nach der Vorlage sollen die Einnahmen aus Gehalten und Capitalzinsen wie bisher fatirt werden, die Feststellung der Einnahmen aus Gewerben u. s. w. durch Einschätzung erfolgen, doch soll auch die freiwillige Declaration der Einnahmen letzterer Categorie gestattet sein. Die Mehrheit im Aus­schuß beschloß im Sinne der Regierungsvorlage, die Minderheit dagegen beantragte Declarations- zwang für alle Einnahmen, welche nicht zweifellos unter dem Betrage von 6000 Mk. bleiben. Wei­tere Differenzen innerhalb des Ausschusses stellten sich heraus in Bezug auf tue Frage, ob die Zin­sen und Gewinnantheile, welche an die Mitglieder inländischer Actiengesellschaften vertheilt werden, zum steuerpflichtigen Einkommen der letzteren ge­rechnet oder von den Empfängern versteuert wer­den müssen. Nach dem Entwurf gehören diese Ueberschüsse zum steuerpflichtigen Einkommen der Geiellschasten, sind aber auch von den Besitzern der Äcrien als Dividende zur Versteuerung anzu- melden. Ferner über die Frage, inwieweit den Steuerpflichtigen zur Bekräftigung der von ihnen selbst gemachten Angaben die Versicherung an Eidessiatt abzufordern ist. Schließlich beantragt der Ausschuß, die Regierung möge rechtzeitig eine Vereinbarung mit dem Landtage erlassen, kraft deren sofort nach'Inkrafttreten 'des neuen 'Steuer- " gesetzes eine Erleichterung der Niedrigstbesteuerten einzutreten hat, und mit Einführung der Progres­sivsteuer vorzugehen, sobald eine sichere financielle Unterlage dafür gefunden ist. Der Ausschuß glaubt, daß der Zeitpunkt, der die Einführung der Progreli vsteuer gestaltet, nicht fern sein werde.

Gesterreich - Ungarn.

*Wien, 14.März. (Affaire v. Schönerer.) Das lokale Interesse unserer Phäakenstadt concen- trirt sich jetzt auf drei Dinge, nämlich vor allem auf den großen Socialistenprozeß, der sich jetzt vor dem Landgerichte dabier absvielt, dann

ruht. Von dieser Slunve bin ich Dki» Vater und hoffe einen gehorsamen Sohn zu bekommen, damit des Todten Segenswünsche ganz sich erfüllen.

Der Knabe warf sich krampfhaft schluchzend über die Leiche des Vaters, dessen bleichen Mund er wiederholt küßte.

Dann erhob er sich still, reichte seinem Beschützer die Hand und sagte leise: Ich will Dir stets em gehorsamer Sohn sein, Onkel, auf daß der tobte Vater feine Freude an mir habe.

Man sah es dem Antlitz des schlanken Knaben an, daß er viel Noch und Elend, viel Hunger und Kummer hatte erdulden müssen; hohl, fast durch­sichtig waren die bleichen Wangen, während die schwarzen Augen so düster und trotzig blickten, als hätten sie es niemals gelernt, zu lächeln und sich kindlich zu freuen. Krank, recht krank und müde sah der arme, verwaiste Otto aus.

Herr Eberhard, der Vetter des Todten, bedeckte das Gesicht des letzteren mit einem Tuche und versprach der eintretenden HauSwirthin, nicht blos für das Begräbniß Sorge zu tragen, sondern auch die nicht unerheblichen Schulden des Verstorbenen bezahlen zu wollen, worauf er des Knaben Hand ergriff und mit ihm das Trauerhaus verließ, um denselben in seine eigene, freundliche Behausung zu führen.

Hier bringe ich Dir einen Sohn, meine ttjeure Adelheid! sprach er, der jungen blühenden Gattin die Hand reichend, ich habe dem armen Vetter,

auf die „Kornblumiaden" der Schönerergarde und endlich auf die Gern ein d erat hsergänzungs- wahlen. Was den Socialistenprozeß anbelangt, so zeigt derselbe eclatant, von welch' unreifen, aber höchst gefährlichen Ideen ein glücklicherweise nur sehr kleiner Tbeil der österreichischen Arbeiter er­füllt ist. Tas Verhör der Angeklagten liefert hie- für entsprechende Belege und wird man maßgeben­den Ortes den gefährlichen Geistern in der Tiefe wohl künftig mehr Beachtung schenken. Ein Aus- nahmsgesetz für die Socialdemokratie, wie es in Deutschland geschaffen wurde, dürste wohl nicht zu den Projecien der Regnrung gehören, aber eineftram« mere Durchführung der Vorschriften über Ver- sammlungs- und Vereinsweseii gegenüber der so­cialdemokratischen Propaganda ist jedenfalls am Platze, um der Vergiftung unserer Arbeiterkreise durch gefährliche Theorien unklarer Köpfe vorzu- beugen. — Was die „Kornblumiaden" anbelangt, so ist die Entrüstung in Wien über das unquali- ficirbare Vorgehen Schönerer's und seiner panger- manislischen Studenten eine allgemeine und wirkt dies im Vereine mit dem entschiedenen Vorgehen des Rektorats sehr abkühlend auf die Demon­stranten. Jetzt will auf einmal Niemand etwas von Ausschreitungen wissen, und auf der ganzen Linie der beim Wagnercommers beteiligten Stu­denten sucht man jetzt die gravirenden Verfälle theils zu beschönigen, theils ganz abzuleugnen. Die beim vollen Glase in Phiaien so tapferen Musensöhne find sehr rle'mlaut geworden und» uifte ihnen angesichts der ihnen seitens der Bevölkerung zu Theil gewordenen emmüthigen Abweisung wohl die Lust zu ferneren D'Monstiationen für eine Zeit lang vergangen sein. Bemeikenswerth ist es, daß sich die Wiener StudentencorpS ganz entschieden gegen die pangermanistische Propaganda ausge­sprochen und ihre (Kommilitonen entschieden vor jeder öffemlichen Betheiligung an der Tagespolitik gewarnt haben. Der überwiegend gkößeie Theil der Studentenschaft ist über die bei jenem berüch­tigten Wagnercominerse vargefallenen Ausschrei­tungen auch höchst aufgebläht und verurtheilt ent­schieden alle bergkicben Temonftiationen.

i,er uiOuaj Oiv eis.hliie yiuyt wubtig«.fuiibeii, es in die Hand gelobt, Vatetstelle an dem Verwaisten zu vertreten, ihn unfern eigenen Kindern gleich zu halten, welches Gelübde Du durch Mutterliebe mir erleichtern wirst.

Gewiß, lieber Eberhard, versetzte die junge Frau, dem Knaben freundlich die Wangen streichelnd, er soll unser Sohn sein und wird, so hoffe ich, unsere Liebe durch Gegenliebe vergelten.

Durch die halbgeöffnete Thur schauten in diesem Augenblick zwei wunberschöne Kinder, ZwiUtngs- schwestern im Atter von vier Jahren, neugierig in’s Zimmer.

Nanni — Rest — kommt herein! rief Eber­hard , ich habe Euch einen Bruder mitgebtacht, der täglich mit Euch spielen wird und viele schöne Geschichten zu erzählen weiß.

Die kleinen Mädchen kamen schüchtern näher, um sich den neuen Bruder anzuschauen. Als die Eltern das Z.mmer verlassen hatten, waren sie indessen bald mit ihm vertraut und auch der traurige Otto, der die beiden blonden Lockenköpfe stets mit einander verwechselte, da sie sich voll­ständig glichen, thaute endlich unter ihrem reizen­den Geplauder auf.

Es waren die einzigen Kinder der beglückten Eltern, welche innige Neigung mit einander ver­bunden hatte. EberhaiD war Landschaftsmaler, ein echter Künstler, dessen Bilder g.sucht waren und deshalb auch gut bezahlt wurden; somit ver-