1883.
tikung
f)i» »Suloaer Bettung' er.chemt tägii - Sonn- u»° S-'-rtage ausgen mmen. V-rteljährlicher Abo.m-mentspr-is ohne «ringerlohn und Bestellgeld: 1 Ml. 50 Mg'"- mit den ct„r.. . tllustrrrtcn Sonntagsblättern ,3m Faimllemreye' m Fulda 1 Mk. 70 Pfg,, auswärts 1 M. 75 Psn v'9
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Politische Peberficht.
Deutsches Reich.
Fulda, 12. März.
, * (In bautechnischen Kreisen) macht sich eine gewisse Verstimmung geltend über die in der letzten Mittwochsitzung gegen einzelne Bau- beamte und gegen eine bautechnische Fachzeitung gerichteten Angriffe. Wir machen darauf aufmerksam, daß der Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst, welcher mit großer Entschiedenheit die Würde des Hauses gegen die Insinuationen der Bauzeitung in Schutz nahm, ausdrücklich erklärt hat, daß er den Stand als solchen nicht angegriffen habe. Der Stand der deutschen Bautechniker verdient auch im Allgemeinen volle Anerkennung, und liefert im Vergleich zu Technikern anderer Staaten ausnehmend solide und zuverlässige Arbeiten. Zum Beweise hierfür geben wir mit Vergnügen die nachstehenden Zahlen und Daten wieder: Auf den nordamerikanischen Eisenbahnen sind nach der ,Railroad Gazette' im vergangenen Jahre 38 Brücken unter Eisenbahnzügen eingestürzt; durch offene Drehbrücken sind 6 Züge verunglückt. In 1881 betrug die Zahl der durch Einsturz von Brücken verunglückten Züge 44, in den Jahren 1876 bis 1880 dagegen nur bezw. 16, 17, 21, 21, 20. Die auffallende Zunahme in den letztvergangenen beiden Jahren dürfte der überaus schnellen Vergrößerung des Bahnnetzes (in jedem dieser Zayre mehr als io,uuu atiumuuij _uuu dem damit in Verbindung stehenden Bau sehr vieler und langer Holzgerüstbrücken (trestle works) zuzuschreiben sein. Ueber den Einsturz von Brücken, bei welchen Züge nicht verunglückt sind, fehlen die Nachrichten. Angesichts dieser schrecken- erregendenZahlen dürfen wir gewiß unserer Befriedigung über den Zu st and der von unseren deutschen Baubeamten errichteten Brücken und die dadurch bewirkte große Sicherheit unseres Eisenbahnverkehrs Ausdruck geben.
Berlin, 10. März.
* (Der .Reichsanzeiger') publiicirt die Ernennung des Generals Bronsart vonSchel-
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Die Zwillingsbrüder.
Von Erich Mass erström.
(Fortsetzung.)
Eine bekannte Stimme schlug plötzlich an sein Ohr, sie erschien dem Unglücklichen wie Himmelsmusik, und mit dem Aufschrei: „Gott im Himmel, meine Mutter!" stürzte er auf die Kniee.
„Mein Sohn, mein Sohn!"
Die rauhen Krieger traten unwillkürlich zurück, um der Mutter Raum zu geben, ihren Sohn noch einmal zu umarmen, dieser heldenmüthigen Mutter, die alle Hindernisse siegreich überwunden hatte, ihr Kind zu sehen, demselben, wenn sie es auch nicht zu retten vermochte, den letzten Trost zu bringen.
Schluchzend hielten sie sich umschlungen und manchem schlachterprobten Soldaten stieg bei diesem Anblick die Thräne in's Auge.
„Mutter, sieh mich an", sprach Robert mit athemwser Stimme, „erkennst Du in meinem Antlitz die Schuld? Bin ich der Verbrecher Philipp, als welcher ich den Tod jetzt erleiden soll?"
Starr und forschend blickte sie ihn an und brach dann mit dem gellenden Schrei: „Robert, mein Sohn!" ohnmächtig in seinem Arm zusammen.
„Sie hat mich erkannt", rief Robert, „bei der göttlichen Gerechtigkeit beschwöre ich Euch, tobtet m:ch jetzt nicht, gebt mir noch eine kurze Frist, Ihr würdet einen Mord begehen".
lendorf zum preußischen Staats- und Kriegs- ininister.
* (Bundesrathssitzung.) In oer am 8. März unter dem Vorsitze des königlich preußischen Staats- und Finanzministers Scholz abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde beschlossen, daß die für eine Enquote über die Zuckerbesteuerung zu berufende Commission (statt aus vier) aus fünf Beamten der Steuerverwaltung und (statt aus acht) aus sieben Sachverständigen der Zuckerindustrie und des Rübenbaues zuiammenzusetzen sei. Der Vorsitzende legte eine seitens des Herrn Reichskanzlers eingegangene weitere Nachweisung der Veränderungen im Bestände der vom Reiche auf Grund besonderer Rechtstitel erworbenen Grundstücke vor. Den Gesetzentwürfen für Elsaß-Lothringen betreff. Unterstützung der durch Hochwasser BJchädigten und betreff, die Kosten der Unterbringung verurtheilter Personen in ein Arbeitshaus ertheilte die Versammlung ihre Zustimmung. Die Mittheilung wegen der Besetzung zweier vacanten Stellen bei dem Reichsgericht und ein Antrag betreff, die Gebäude, Jnventarien und Utensilien des am 1. April d I. außer Wirksam- keit tretenden kaiserlichen Hauptzollamtes in Bremen wurden den zuständigen Ausschüssen zur Vorbe- rathung überwiesen. Die Eingaben von Privaten betreff, die Einführung eines Eingangszolls für Knochenkohlen-Jndustrie, sowie die Genehmigungs- pflichtigkeit der Knochenbrennereien und betreff, die
den Ruhestand erhobene Recursgesuche wurden zu- rückgewiesen. Schließlich erfolgte die Ueberweisung mehrerer Eingaben von Privaten an die zuständigen Ausschüsse und bezw. an den Herrn Reichskanzler.
* (lieber den konservativen Antrag auf Einführung obligatorischer Arbeitsbücher) bemerkt die .Provincial-Corresp.': „Hier handelt es sich um eine Angelegenheit, welche wegen der ihr von vielen Arbeitern beigelegten principiellen Wichtigkeit zu ungewöhnlicher Bedeutung gelangt ist. Bei der Entscheidung dieser viel erörterten Principienfrage werden neben den von der Mehrheit der Commission geltend gemachten
praktischen, allgemeine social-politische Gesichtspunkte in Rücksicht gezogen würden müssen, welche da» schließliche Resultat um so zweifelhafter erscheinen lassen, als der Bundesrath sich bei Berathung der Vorlage gegen die Einführung obligatorischer Arbeitsbücher ausgesprochen hatte." Die Ablehnung des Antrages ist nicht zweifelhaft.
* Hannover, 10. März. (Unter dem Titel „Der Altkath olicismus") erschien hier im Verlage vonHelwing vor einiger Zeit eine Bro- schüre, welche die herkömmlichen Entstellungen des vaticanischen Concils und die gröbsten Schmähungen der katholischen Kirche enthielt. Einige hiesige Katholiken unterbreiteten die Broschüre, welche alsbald in allen Buchhand- lungs- Schaufenstern paradirte, der Staatsanwaltschaft zur weitern Veranlassung. In der Strafkammer-Verhandlung benannte der Verleger als Verfasser des anonymen Libells den in Karlsruhe wohnhaften Oberst a. D. v. Beaulieu - Marconnay, einen Protestanten, und bemerkte gleichzeitig, daß ihm dasselbe durch den hiesigen Divisions-Auditeur Mertz übermittelt sei. Das Gericht fand in der Broschüre eine strafbare Beschimpfung der katholischen Kirche und verfügte die Confiscation, sprach abir den Angeklagten frei, weil derselbe den Verfasser benannt habe und Fahrlässigkeit wegen der unverfänglichen Art, in welcher die Schrift an ihn herangekommen, nicht anzunehmen sei.
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Bergungsdampser „Kattegat", welche das Wrack der „Clinbria" untersuchten, erklären, sie konnten wegen der trüben Beschaffenheit des Wassers nur zwei Fuß vor sich sehen und waren genölhlgt, sich durch das Gefühl zu onentiren. Sie bemerkten zwischen den Trossen Körpertheile, circa 7 Menschen. Für die Taucher war es sehr schwie- rig, sich von der Takelage des Wracks frei zu halten. Sie mußten mehrere Male aufsteigen, da die Schläuche unklar wurd.n. Sie glauben, von der Ladung sei Nichts zu bergen, da drei Decks gesprengt werden müßten, um zu derselben zu gelangen, worauf sie sich nicht einlassen könnten.
Der die Execunon commandirende Offtcrer zuckte ungeduldig die Achseln, fühlte sich aber doch bewogen, einen Soldaten zu dem Oberst zu senden, um ihn von diesem seltsamen Zwischenfall in Kenntniß zu setzen und um eine neue Verhaltungsordre zu bitten.
Rach kurzer Zeit erschien der Oberst selber, um sich von dem Vorgefallenen zu überzeugen. Die Ohnmacht der fremden Frau erschien ihm nicht als Komödie, rasch befahl er, den Gefangenen in den Kerker zurückzuführen, die Ohnmächtige aber dem Gefängnißinspector zu übergeben und dieselbe, wenn sie wieder zur Besinnung gelangt, zu ihm zu bringen, da es seinem Gerechtigkeitssinn widerstrebte, den Verurtheilten erschießen zu lassen, bevor er die Mutter gehört und diesen Zwischenfall genau untersucht hatte.
Eine halbe Stunde später stand Frau Kohrsen vor ihm und erzählte mit zitternder Stimme, was der treue Sohn, um die Ehre der Eltern zu wahren, so standhaft verschwiegen hatte.
Der Oberst schüttelte, wenn auch tief bewegt von der tragischen Geschichte, doch zweifelnd den Kopf.
„Ihr Gatte hat diesen Sohn vollständig ver- leugnet", sprach er nach einer Pause.
„Weil er den Mörder nicht mehr als seinen Sohn anerkennen und die Eyre seines Namens retten wollte".
„Ich kann an eine solche Aehnlichkeit nicht
glauven", fuhr der Ooern fort, „Der Mörder Philipp trug einen Vollbart, rote ist es möglich, daß er, selbst nach Beseitigung desselben, dem Bruder so ähnlich sein konnte, um von den eigenen Eltern verwechselt zu werden? Ich kann es nicht glauben, obgleich es immerhin möglich wäre, daß b,-r Bruber von ihm nach jener Schlucht verlockt worben, um diesen anstatt seiner in Die HänDe der Polizei zu spielen. Wir erhielten eine anonyme Zuschrift, worin Tag und Stunde, sowie der Ort, wo wir den Raubmörder Philipp fangen könnten, genau angegeben waren. Das Bild paßte auf ein Haar bis auf den Bart, es ist also natürlich, daß man sich seiner bemächtigte".
Er schwieg und blickte nachDenklich vor sich hin. „Haben Sie kein Unterscheidungszeichen zwischen Ihren Söhnen?" fragte er endlich werter.
„Mein Rodert hat ein linsenförmiges Mal auf der linken Brust, das dem Anderen fehlt."
„Ohne die Wahrheit der feltsamen Verwechselung noch glauben zu können, will ich doch die Sache genau untersuchen", fuhr der Oberst wohlwollend fort, „und zu diesem Behufe emen befliss, nen Mann nach Ihrer Heimath fenDen, um Der Ausgrabung Ihres verstorbenen Sohnes beizuwohnen unb wo möglich Die Aehnlichkeit, wie bas Fehlen Des bezeichneten Males zu conftatüen. Daß Der Verurtheilte bis dahin vor der Vollstreckung der Executron sicher ist, Dürfen sie als selbstversiänblich voraussetzen." (Forlsetzung folgt.)