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1883

g n f e r a t e: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; der Wederholungen entsprechender Rabatt._____________________

Politische Peberficht.

Deutscher Reich.

Fulda, 9. März.

» (GeneralBronsart v. Schellendorf,) der neue Kriegsminister, ist am 25. Januar 1832 als Sohn eines hohen Militärs zu Danzig ge­boren. Sein Vater war zuletzt Generallieutenant und Director des Militär-Orconomie-Departements im Ministerium. Der General selbst ist aus dem Cadettenhause zu Berlin hervorgegangen, trat rn das Kaiser Franz-Grenadier-Regiment Nr. 2 als Secondelieutenant ein, besuchte später die Kriegs- Academie, war als Hauptmann und Compagnie­chef im 2. Regiment zu Stettin, war später zum großen Generatstab versetzt und als Lehrer ander Kriegs-Academie thätig. Als solcher rückte er zum Major auf und lenkte überdies durch seine Thätig- keit das Augenmerk des Königs auf sich. In die­ser Zeit hatte er auch ein Comissorium im Kriegs­ministerium. Während des Feldzuges 1870/71 war Herr v. Bronsart als Oberstlieutenant und Abtheilungschef im großen Generalstab im Haupt­quartier des Kaisers beschäftigt. Nach dem Feld­zuge war er als Oberst Chef des Generalstabs des Gardecorps und wurde später als General­major Commandeur der 1. Garde-Jnfanterie-Bri- gade und darauf als Generallieutenant Comman­deur der 2. Garde-Jnfanterie-Division. General v. Bronsart gehörte auch zu den militärischen Lehrern des Prinzen Wilhelm und hat sich auch durch verschieoene Schriften in militärischen Krei­sen einen Namen gemacht.

Berlin, 8. März.

♦ (Die Commission des Abgeordneten­hauses zur Vorberathung des Gesetzent- entwurfes über die Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen, (Sub- Ha statio ns ordnung,)) hat erstere beendigt und die Vorlage im Wesentlichen in dev vom Herren­hause festgestellten Fassung angenommen. Auf An­trag der beiden hessischen Mitglieder der Commis­sion, Grimm (Kirchhain) und G ö ß m a n n (Fulda) wurden einige auf die Erleichterung der Änwen-

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Die Zwillingsbrüder.

Von Erich Wasserström.

(Fortsetzung.)

„O, Bruder, Bruder", stöhnte er im qualvoll­sten Schmerze, „was habe ich Dir gethan, daß Du mich für Deine Verbrechen opferst? Gott vergebe Dir diese Sünde, wie ich als Sterbender es thue".

Drei Tage noch leben, welche kurze Frist, und doch stahl sich die Hoffnung, diese lieblichste und tröstende Himmelstochter, noch heimlich in das junge Herz, dessen Kerkernacht nur durch die Ruhe des Gewissens erhellt wurde, und hing sich an jede Minute, welche der Zeiger in ruheloser Hast vorwärts rückte. Noch drei Tage, — konnte in die­sem Zeiträume nicht ein glücklicher Zufall seine Fefleln sprengen, des Vaters Herz unruhig wer­den und er selber kommen, den verbrecherischen Sohn, der doch immer sein Kind blieb, noch ein­mal zu sehen, den letzten schweren Gang durch seine Verzeihung zu erleichtern?

„Ich würde es thun — und auch der stets so gütige und liebevolle Vater wird und muß es thun!" so rief die Hoffnung in seiner Seele, und sie flüsterte von dem Mutterherzen, das auch das verlorene Kind mit heißer Liebe umfängt.

„O Mutter, meine Mutter, Du weist es nicht, sonst märest Du längst gekommen — selbst zum Raubmörder!"

düng des Gesetzes aus den Einzelverkauf mehrerer zusammen verpfändeter Grundstücke, sowie die be­sondere rechtliche Stellung der Hypotheken und Grundgerechtigkeiten im ehemaligen Kurhessen be­zügliche Bestimmungen ausgenommen. Die Vor­lage wird erst nach Ostern zur zweiten Brrathung im Plenum des Abgeordnetenhauses gelangen.

• (Mit der Vorlegung des Reichshaus­haltsetats für 1884/85) noch in dieser Session wird es nun doch wirklich Ernst. Als der Etat für 1883/84 im Bundesrathe angenommen war, erklärte in der Sitzung vom 21. v. M. der Finanzminister Scholz als Vorsitzender, daß es sich empfehlen werde, den Entwurf zum Reichs­haushaltsetat für 1884/85, nachdem dessen gleich zeitige Berathung mit dem Etatsentwurfe sür 1883/84 vom Reichstage abgelehnt worden, dem letzteren alsbald nach seinem Wiederzusammentritt mit den Aenderungen, welche sich aus den seit der ersten Einbringung veränderten Verhältnissen er­geben, von neuem vorzulegen; es liege in der Ab­sicht, die entsprechenden Vorbereitungen alsbald zu treffen. Der Bundesrath werde bei der dem- nächstigen Einbringung des Gesetzentwurfs Gele­genheit finden, sich seinerseits in der Frage schlüssig zu machen.

* München, 6. März. (Der bayerische Handwerker-Delegirtentag) findet zu Ostern dahier statt. Der Ostersonntag ist für den Em­pfang der Delegirten und für die nöthigen Vor­besprechungen, der Ostermontag aber als Verbands­tag bestimmt. ..Eine großartige Kundaebunq des bäyerischei(Händsverkerstünves"töu es fein, oie oer hiesige allgemeine Gewerbeverein vorbereitet, sie soll sich gestalten zu einem feierlichen Protest gegen die schrankenlose Gewerbefreiheit, zu einem energischen Veto gegen die Auswüchse un­serer jetzigen Socialgesetzgebung, bei deren fernerem Fortbestände der allmähliche Untergang des einst so blühenden bayerischen wie deutschen Handwer­kerstandes unausbleiblich ist. Da wäre nur zu wünschen, daß die Delegirten mit größter Energie auf obligatorische Innungen drängen und der ewigen Hinneigung zum Liberalismus, die sich im Gewerbeverein geltend macht, Halt geböten. —

5.

Nein, die^Mutter wußte nichts davon, sie hätte den Sohn nicht verleugnet, nicht das unselige Kind, für desien Rettung sie ihr Leben mit Freuden ge­opfert haben würde, ohne Trost gelassen. Wie oft, wenn ihr Gatte ruhig schlief, hatte die arme Mutter ihr Kiffen mit Thränen benetzt um den Verlorenen, der ihrem Herzen ebenso nahe stand, als der gute treue Robert.

Herr Kohrsen hatte ihr deshalb auch das letzte Schicksal des Unseligen, welches seinem verbrecher­ischen Leben ein Ziel setzen sollte, verheimlicht; mochte sie lieber ihre beiden Kinder als Todte betrauern, die Zeit mußte diesen Schmerz doch endlich lindern — oder ihr Leben sanft zu Ende führen — warum dasselbe durch jene grausige Mittheilung kürzen? —

Er war ein Mann von festem Characten, aber auch von eisenfester Constitution — nachdem er einmal entschlossen war, den Raubmörder zu ver­leugnen, um die eigene Ehre fleckenlos zu be­wahren, wandte er sich wieder mit aller Energie dem Leben zu, das er sich durch eine nutzlose Ver­zweiflung nicht verbittern und verkürzen wollte.

Ganz klar war ihm der verhängnißvolle Tod seines Sohnes noch immer nicht geworden. Er sowohl, als mehrere seiner Knechte hatten den Ge- tödteten an jenem Abend vom Hofe reiten sehen, und Letztere bestätigten alle übereinstimmend seine eigene Ueberzeugung, wonach Robert mit einem

Bei der Wahl in Culmbach wurden (die'Libe­ralen zu ihrer großen Ueberraschung von den ver­einigten Katholiken und konservativen Protestanten geschlagen und der Protestant. Agrarier Fritsche gewählt. Rittler erhielt in Traunstein nur eine Stimme weniger als 1881.

* Aus dem Großherzogthum Hessen, 8. März. (Zur Ueberbürdungsfrage.) Nach­dem in Folge der Verhandlungen über die Frage der Ueberbürdung der Schüler höherer Lehranstalten das griechische Scriptum als Aufgabe der Maturitätsprüfung in den Gymnasien weggefallen ist, hat das Ministerium neuerdings angeordnet, daß auch die s. g. Extemporalia und Domestika in der griechischen Sprache nicht mehr zu verlangen, und andere Uebungen nur in beschränktem Maße und zur Einübung der gram­matischen Formen und Regeln zulässig sind. Aehn- liches gilt beim Unterricht in der lateinischen Sprache, Uebersetzungen sind vorzugsweise während der Un­terrichtsstunden zu fertigen und sollen sich der Klaffenlcctüre anschließen. In den übrigen Unter­richtsgegenständen sollen solche schriftlichen Arbeiten, soweit sie bisher üblich, als Uebungsmittel der Schüler, wie als Hilfsmittel des Lehrers zulässig bleiben, jedoch unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß denselben bei Beurtheilung der Reife der Schüler kein entscheidender Einfluß zum Nachtheil des Schü­lers beigelegt werden darf.

• Weimar, 7. März. (Von dem Landtag von Sachsen-Weimar-Eisenach.) Der Land­tag hat in den letzten Tagen zumeist in den Aus­schüßen ytut'oenei.' Tie Xküuyung" »t«.

Vorlage ist ziemlich weit vorgeschritten. Der Ge­setzentwurf findet eine immer freundlichere Beur­theilung Seitens der Abgeordneten, und es ist wohl mit ziemlicher Bestimmtheit die Annahme deffelben zu erwarten, wenn auch mit einigen Ab­änderungen. Die größte Schwierigkeit wird die Frage bereiten, ob Bestimmungen über eine Pro­gressivsteuer in denselben ausgenommen werden sol­len oder nicht. — Der Landtag hatte eine Rege­lung der bei Heranziehung der Eisenbahnen zu den Gemeinde-Abgaben in's Auge zu fassenden Verhält­nisse gewünscht. Die Regierung erkennt in emem grauen Anzug bekleidet gewesen sei, während der Todte dunkle Kleidung getragen, die man aller­dings auch für die {einigen erkannt hatte.

„Ihr habt Euch getäuscht", hatte Bornemann darauf erwidert, „die hereinbrechende Dämmerung läßt die Farben nicht so genau mehr unterscheiden."

Kohrsen mußte ihm Recht geben, obgleich seine Ueberzeugung nicht wankend dadurch wurde, — er grübelte immer mehr darüber nach und rief sich mit grausamer Genauigkeit das blutige Ant­litz seines Sohnes ins Gedächtniß zurück. War ihm der starke Schnurrbart desselben nicht aus­gefallen? - Und wo war sein Pferd geblieben, da alle Nachforschungen nach demselben bis zur Stunde vergeblich geblieben waren?

Eine ungeheure Angst legte sich seit der Ab­sendung des Briefes an das Kriegsgericht auf seine Seele. Wenn eine Verwechselung wirklich stattgefunden, die Gendarmen fernen Robert an­statt des signalisirten Verbrechers ergriffen und fortgeschleppt hätten? Wenn --

Er mochte den Gedanken, daß Philipp die Aehn- lichkeit benützt, um sich der Verfolgung zu ent- ziehen und den Bruder für sich büßen zu lassen, nicht vollenden, er erschien ihm zu ungeheuerlich. War der Todte doch auch an seinen eigenen Klei- dem kenntlich genug gewesen.

Und dennoch — Kohrsen konnte die furchtbaren Zweifel nicht los werden, wieder befand er sich in einem qualvollen Zwiespalt, noch qualvoller als