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1883.

Donnerstag, den 8. März

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vermag, wider mich zeugt. Ich binßwirklich Robert Kohrfen, eine unselige Ähnlichkeit mit meinem — "

Er verstummte, noch war ihm keine Silbe über diesen Bruder, für dessen Verbrechen er büßen sollte, entschlüpft, er wollte auch jetzt das Ge- heimniß in seiner Brust begraben, um den Namen des Vaters nicht auf immer zu entehren. — Hatte Letzterer doch geschrieben, daß sein Sohn Robert tobt sei — was war geschehen? — Viel­leicht war Philipp um's Leben gekommen und man hatte dessen Leiche für die seinige gehalten? — Es schien ihm die einzige Lösung des grauen­vollen Räthsels zu sein. — Eine stille Resignation kam über ihn — der Vater hatte den verbrecher­ischen Sohn verleugnet, so durfte auch er sich nicht auf diesen Bruder berufen, sondern mußte still sein Schicksal tragen.

Noch einmal blitzte die Hoffnung in ihm auf. Wenn man ihn in die Heimath zurückbrächte, ihn Auge in Auge dem Vater und der Mutter vor­stellte — o, die Mutter, sie würde ihn erkennen, wenn sie auch das Mal auf der Brust nicht er- blickte. Er sprach diese Hoffnung aus — flehent­lich — auf seinen Knieen.

Genug der Komödie", sprach der Oberst kalt, „ich frage Sie zum letzten Male, wollen Sie ein reuiges Bekenntniß ablegen?"

Robert erwiderte nichts, er schien nichts gehört zu haben.

„Wer lockte mich in jenen Hinterhalt?" fragte

er plötzlich; „woher wußten Sie, daß ich an jenem Abend in der Schlucht am Kreuzwege sein würde?"

Der Oberst zuckte ungeduldig die Schultern und winkte ihn fortzuführen.

Dann wurde über den Unglücklichen zu Ge­richt geseffen, und das Todesurtheil gesprochen. Eine Berufung fand nicht statt, kein Gnadengc. such wurde dem Raubmörder und Deserteur ge- währt, das Kriegsgericht kannte kein Erbarmen: Nach drei Tagen sollte das Urtheil an ihm voll­streckt werden. _ „

Robert empfing diese Nachricht ohne Erschrecken, er hatte sich bereits auf den Tod vorbereitet, da des Vaters Schreiben jede Hoffnung auf Rettung vernichtete. Seinen Richtern konnte er ebenfalls keinen Vorwurf machen, sie mußten ihn verur* theilen, da Signalement wie Zeugenaussagen ihn als den überführten Raubmörder bestätigten und der eigene Vater wider ihn gezeugt hatte. So war er denn fest entschloffen, unter dem Namen „Philipp" den Verbrechertod zu erleiden, um auf diese Weise seines Vaters Namen vor Entehrung zu bewahren.

Gewaltsam hielt der Aermste diesen Gedanken fest in feiner Seele, um Muth und Kraft daraus zu sä öpfen, wenn die Verzweiflung ihre düsteren Schwingen über ihn breiten wollte, und sein Herz der Lieben daheim gedachte, sowie des seligen Glückes, welches der Mai ihm hatte bringen sollen.

(Fortsetzung folgt.)

Politische Ueberstcht.

Deutsches Reich.

Fülda, 8. März.

* Der .Reichsanzeiger' publizirt die Ent­bindung Kameke's vom Amte eines Kriegs­ministers. Zu seinem Nachfolger ist nach den neuesten telegraphischen Meldungen nicht

so selbstredend, daß man kein Wort darüber zu verlieren braucht.

Es wird für die Bauern gewiß sehr spaßig zu hören fein, daß nach Ansicht der ,Hess. Mor­genzeitung' selbst in denjenigen Fällen, in welchen die Bauern das Gros, den Hauptbestand derBauernvereine bilden, keine Berechtigung vorliege, diese Vereine „Bauern-Vereine" zu nennen. Welcher geniale Einfall wird denn da in dem Casseler Blatte die Welt erblickt haben? mag vielleicht Mancher fragen! Sie hießen rich­tiger: „Bauernfang-Vereine", so lautet der Spruch des Orakels! Die „Morgenhessin" darf sich auf diese Erfindung ein Patent geben lassen! Wir fühlen uns wirklich sehr geschmeichelt von diesem Compliment, denn unfer Blatt gehört ja zu denjenigen, die seit Monaten für die Sache der Bauernvereine unausgesetzt Propaganda gemacht haben. Also »Bauernfänger'" sind Diejenigen, welche zur Bildung von Bauernvereinen auffordern. Wir sind ob dieser Anschuldigung so zerknirscht, daß wir nichts Eiligeres zu thun haben, als un­seren Lesern auf dem Lande über die in Cassel neuentdeckte „Bauernfängerei" die Augen zu öffnen, sie vor den „Bauernfängern" zu war­nen. Wir sind also doch jedenfalls ehrliche Bauernfänger!

Es ist allerdings nur zu leicht möglich, daß die Bauern diese liberale Warnung ganz mißver­stehen und sie vielmehr für eine Bekräftigung und Besiegelung der »inten /Sache der „Bauernfang- Vereine" ansehen. Sagt ja das Sprüchwort schon: „Die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen." —

Es wird den gegen die Bauern-Vereine sich er­hebenden liberalen Stimmen nicht gelingen, die „dummen Bauern," wie sie früher immer genannt wurden, noch länger mit schönen Worten auf bessere Zeiten zu vertrösten. Die ,Hess. Mor­genzeitung' sieht dies auch selbst ein, schreibt sie doch, daß sie aus unseren Ausführungen entnommen habe, „daß Nichts mehr im Stande ist, die Bil­dung jenes, den ganzen Regierungsbezirk umfaffenden Vereins zu verhindern."

Geradezu komisch ist es aber, daß das liberale Organ sich so gewaltig über den „politischen" Character derBauernvereine echauffirt. Insofern die Bauernvereine Socialpolitik treiben und einen Einfluß auf den Gang der Gesetzgebung ge­winnen wollen, — und das ist ja neben der Selbst­hilfe und gegenseitigen Unterstützung der Mitglie­der auch eine Thätigkeit der Bauernvereine, wenig­stens der größeren Centralvereine sind sie aller­dings, wenn man will, mehr oder minder politisch. Ist das ein Fehler?

Sollen denn nur die Bürger das Vorrecht haben, sich in allen möglichen Vereinen mit den brennenden socialpolitischen Fragen zu befaffen und für ihre Ideen Freunde zu werben? Ist der Bauer vielleicht ein Unterthan zweiter Claffe? Nein, und nochmals nein! Was dem Bürger recht ist, ist dem Bauer billig!

Es mag manchen Leuten unangenehm fein, daß der Bauer nun endlich zur Erkenniniß kommt und sich die schönen Freundes- und Liebesdienste der libe­ralen „Gold- und Glücksaera" einmal bei Licht be­sieht." Der Bauer hängt an der Scholle und am altem Brauch, Gesetz und Recht. Er ist im wahren Sinne des Wortes conservativ. Darum hat er auch lange, lange Geduld und läßt Gottes Waffer gern über Gottes Land laufen. Wird er aber einmal argwöhnisch, bricht ihm die Geduld, so läßt er sich durch wohlfeile Schönrederei nicht wieder beschwichtigen; er will Th aten sehen. Und zu diesen T hat en, theils der Gesetzgebung, (Heils des gemeinfn'ti«,tt Zusammenwirkens, wird es allem Anscheine nach schon bald kommen müssen, trotz Liberalismus und trotz .Hes­sischer Morgenzeitung.'

* Zur Frage der Bauernvereine.

Unser Bericht über die am vergangenen Sonn­abend in Bebra stattgehabte Versammlung behufs Anbahnung und Vorbereitung eines Cen- tral-Bauern-Vereins für den Regie­rungsbezirk Cassel hat die liberale ,Hess. Morgenzt g.' so sehr in Aufregung gebracht, daß sie in Anknüpfung an denselben einen Leitartikel über den „Provinzial-Bauernverein für Hessen" in die Welt setzt. Das wäre nun an und für sich nichts fo Merkwürdiges, da es ja ge­nugsam bekannt ist, daß die allenthalben auftau­chenden Bauernvereine den Liberalen schwer im Magen liegen. Merkwürdig im höchsten Grade ist nur die ganze Manier, wie die Mor­genhessin ihren Groll über die Bauernvereine zum Ausdruck bringt. Statt zu kritisiren wird ge­schimpft, statt objectiver fachlicher Erwägung müssen Phrasen und Gemeinplätze herhalten. Zunächst sind es die „Leiter" der Bauernver- eine, die dem liberalen Organ Mißvergnügen ver­ursachen. „Blicken wir auf die Leiter der Bauern­vereine, so tritt uns meistens der hocharistokratische Name eines Großgrundbesitzers entgegen oder der­jenige eines königl. Landraths oder Pastors," so läßt sich das liberale Blatt vernehmen. In zwei­ter Linie wollen ihm die Mitglieder derBauern­vereine nicht behagen, es sollen „viele Kauf­leute" barunter fein, die mit ihrem Beitritt nur ihr Geschäftsinteresse verfolgen. „Bauern sind 'auch dabei," heißt es dann ferner, als wenn die Bauern so ganz Nebensache wären. .Wenn dem fo ist — und die Morgenhefsin muß es ja wissen — fo braucht sie sich wahrlich keine Sorge um die Sache zu machen, denn dann würde den „Bauern" ja die Schlafmütze über den Ohren sitzen bleiben.

Wir sind jedoch anderer Ansicht, ja wir wissen sogar sehr genau, daß bei den Bauernvereinen nicht bloß Bauern „auch dabei sind", sondern daß die Bauernvereine wirklich ans Bauern bestehen. Daß alle Vertreter der bäuerlichen Interessen, auch wenn sie nicht Landwirthe sind, in den Bauern­vereinen mit offenen Armen empfangen werden, ist

Die Zwillingsbrüder.

Von Erich Wafserström.

(Fortsetzung.)

4.

Wieder stand der unglückliche Robert vor seinen Richtern, die ihn mit einem triumphirenden Lächeln anblickten. „Die Antwort des Gutsbesitzers Kohr­fen ist eingetroffen," begann der Vorsitzende, „ich werde Ihnen dieselbe vorlesen."

Er las: „Dem hohen Gerichte die Mittheuung aus das mir zugegangene Schreiben, daß mein einziger Sohn Robert seit einigen Tagen im Grabe ruht. Hoffentlich wird diese Thatsache genügen, die Aus- sagen und Behauptungen eines Verbrechers zu widerlegen."

„Großer Gott, wie ist das möglich!" murmelte Robert, als der Oberst das Schreiben zusammen­faltete.

„Wir haben Ihren Wunsch erfüllt," sprach Letzterer ruhig, „Sie sehen, was Sie damit er­reicht, indem Sie einzig ilnd allein die Ueberzeng- ung des Gerichts von Ihrer Schuld bestätigt haben. Sie werden hoffentlich nun nicht länger -leugnen oder gar ein neues Märchen erfinden".

Ich kann nichts weiter sagen, als fort und fort meine Unschuld befeuern", rief Robert ver­zweiflungsvoll; „Gott allein kann sie an's Licht bringen da selbst mein guter Vater durch em fürch­terliches Verhängniß, das ich nicht zu enträthseln