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Dienstag, den 6. März
1883
Fuldaer SB Intung.
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* Das moderne Heerwesen, i.
Bei der jüngsten Berathung des Militär- ttats im deutschen Reichstage platzten hin und »jeder die Geister sehr heftig auf einander. Der Abgeordnete Richter warf sich gegenüber den Mehrforderungen für militärische Zwecke zum Anwalt der Sparsamkeit und Einschränkung auf, seine Worte machten aber selbst auf der linken beite des Hames wenig Eindruck, weil er sich, wie so oft, in Uebertreibungen g. fiel und über das Ziel hinausschoß. Einzelne rheinische Centrumsorgane, wie die ,Riederrh. Volksztg.' und .Deutsche Reichszeitg/ haben es zwei Mitgliedern des Centrums übel vermerkt, daß sie mit einer gewissen Wärme für die Militärverwaltung und verschiedene geldraubende militärische Einrichtungen ins Zeug gegangen sind. Wir wollen an dieser Stelle nicht untersuchen, ob und in wieweit die Beschwerden über die Taktik dieser beiden Centrumsvertreter gerechtfertigt waren, oder nicht. Bekanntlich wurde die Militärpensionsgesetz- Novelle auf AntragWindthorst an die Commission zurückverwiesen, und es wird daher über einige Zeit wieder die allgemeine Frage der hohen Belastung des Militär-Budgets in den Vordergrund treten.
Das ganze moderne Heerwesen fast aller europäischen Staaten bedingt einen so ungesunden und geschraubten Zustand im Volksleben, daß man nicht oft genug auf dieses vorderhand allerdings nothmendige Uebel Hinweisen kann.
Tas stehende Heer raubt der Nation alljährlich hunderttausende von kräftigen Männern, tut für den Volkswohlstand schaffen könnten, die Jtrabe in den Jahren, wo sie eben begonnen ha- en, ihr Gewerbe, ihre Beschäftigung mit Erfolg |u betreiben, aus den Werkstätten, den Fabriken, den Bureaux, hinter dem Pfluge und vom Felde h«r weggcholt werden, um sich drei Jahre lang im Kriegsdienst und in der Führung der Waffen |u üben.
Wir wissen sehr wohl, daß es grade zu unverantwortlich sein würde, wollte man im
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Die Zwillingsbrüver.
Von Erich Wasserström.
(Fortsetzung.)
Der Schuß war bim Unglücklichen in die Stirne gedrungen und mußte seinen Tod fast augenblicklich herbeigeführt haben. Es war ein furchtbares Verhängniß, da Niemand daran zweifeln konnte, daß der Getödtete Robert Kohcsen sei, der vielleicht seine Braut, welche ihn nicht mehr erwartete, hatte necken und überraschen wollen. Er trug einen dunklen gleichmäßigen Anzug, den Bornemann gut kannte, da Robert ihn öfters mit einem grauen wechselte.
Es galt vor allen Dingen jetzt die Faffung bewahren und die Folgen dieser übereilten That überlegen. Herr Bornemann trug vorerst mit Hi.se des Knechtes die ohnmächtige Tochter in's Haus, bei welcher er die jammernde Mutter lasten mußte und sorgte dann für den Todten, bei besten Anblick ihm fast das Herz brechen wollte.
Wir übergehen den Jammer des Gutsbesitzers Kohrfen und feiner Frau, welche durch dieses traurige Ereigniß um die letzten Hoffnungen ihres Lebens betrogin wurden.
Der arme Vater war am beklagenswerthesten, d» er neben dem herzzerreißenden Schmerze um ben getödteten Sohn auch noch die Angst und Sorge um den verfolgten Philipp allein zu tragen hatte und seinen ehrlichen Namen durch diesen
gegenwärtigen Augenblick in Deutschland eine erhebliche Reducirung der Friedenspräsenzstärke des Heeres verlangen. Wir wissen aber auch eben so gut, daß die Diplomaten, welche heutzutage in großen europäischen Conferen- zen und Congresten über die wichtigsten Fragen des Völkerfriedens zu Gericht sitzen und der Türkei, Egypten, Rumänien, Serbien re. Verhaltungsmaßregeln und Bedingungen dictiren, bei gutem Willen wohl im Stande wären, auch für ihre eigenen Staaten, für die europäis chen Großmächte, Maßnahmen zu treffen, welche zum mindesten eine bedeutende Herabminderung der Friedenspräsenzstärke der Heere zufolgen haben könnten. Wenn man internationale Verträge gegen die Reblaus vereinbaren kann, dann wird man auch in der Lage sein, Europa durch andere Präventivmittel, als durch die Aufstellung von Millionen bis an die Zähne bewaffneter Friedens- tiuppen, vor dem menschenmordenden Nngethüm, welches man Krieg nennt, so weit sicher zu stellen, daß wenigstens die Gefahr einer plötzlichen Ueber- rumpelung der einen Macht durch die andere ganz ausgi schloffen wäre. Fürst Bismarck würde sich ein unsterbliches Verdienst um die Menschheit erwerben, wenn er, welcher doch zur Zeit als unbestrittener erster Leiter des europäischen Völker- concertes gilt, in dieser Frage ein befriedigendes Resultat zuwege brächte. So lange Frankreich sich rjrht in diesem Punkte, mit Deutschland einigt, dürfen wir natürlich an eine Abrüstung nicht denken, aber wir halten diese Eventualität durchaus nicht für ausgeschlossen, da unserer Ansicht nach den Staatsmännern nur der ernste Wille und durchaus nicht die Macht und Möglichkeit fehlt, dieses Ziel der Verwirklichung näher zu bringen.
Ohne die stehenden Heere ganz abzuschaffen, könnten die Mächte sich darüber einigen, daß nur ein bestimmter Procentsatz der Bevölkerung eines Staates im Frieden zu den Waffen eingezogen werden dürfe. Wenn dieser Procentsatz auch noch so gering wäre, so würde dadurch unseres Erachtens an der verhältnißmäßigen Stärke der Armeen nichts geändert, es bliebe also im Grunde
oecvrechenschiu Sohu von Schunpf und Entehrung bedroht fand.
Nur einmal sah die Mutter den Todten im Sarge, doch war ihr Auge umflort und getrübt vom vielen Weinen, und das feinige geschlossen — da sie sonst vielleicht erkannt hätte, daß dieses Auge nicht das ihres Robert sei.
Amalie lag krank darnieder, sie sah den Geliebten nicht mehr, der am 3. Tage nach der fürchterlichen Katastrophe mit einem großen Trauer- geleite aus der ganzen Gegend, zur Gruft getragen wurde.
3.
Mittlerweile war der gefangene Raubmörder, für welchen Robert galt, nach der nächsten Stadt gebracht und sogleich unter sicherer Escorte auf der Eisenbahn weiter befördert worben, da er in Elsaß vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollte.
„Man wird dort wenig Umstände mit ihm machen", meinte der eine Gensdarm, „wenn'S nach mir ginge, würde er sogleich erschossen.
„Oder gehenkt", meinte der andere, „ein Soldatentod ist für eine solche Kanaille viel zu ehrlich".
„Na, Kugel oder Strick, es kommt auf eins heraus".
Wie Robert bei solcher Unterhaltung zu Muthe war, läßt sich denken. Rian hatte ihm den Knebel aus dem Mund genommen, welche Begünstigung er sogleich benutzte, feine Unschuld zu betheueru und das Mißoerständniß zu erklären.
genommen alles beim Alten. Wie groß Jbie Er- sparniß an Arbeitskräften für Industrie, Gewerbe und Landwirthschaft fein würde, wird man am besten erkennen, wenn man sich die enormen Ziffern vergegenwärtigt, welche augenblicklich die Friedensstärke der Armeen der Hauptstaaten Europas repräsentieren. Deutschland hat 427,274, Frankreich 472,008 (davon gehen ab 52,750 für Algier), England 161,802, Italien 486,310, Oesterreich-Ungarn 296,982, Rußland 970,000, Spanien 106,000, Dänemark 17,000, Portugal 30,300, Niederlande 63,500, Belgien 40,590 Soldaten auf Friedensfuß, so daß, wenn man die kleinen Staaten noch hinznzieht, im Ganzen in Europa mit Ausschluß der südöstlichen Ecke allein 31/» Millionen Menschen im besten Mannesalter tagtäglich fern von ihrem Lebensberuf sich im Waffenhandwerk üben.
Es liegt klar auf der Hand, daß alle europäischen Staaten das höchste Jntereste daran haben, daß dieser ungesunde Zustand, den das 19. Jahrhundert als fein eigenstens Werk in Anspruch nehmen darf, jedenfalls erheblich gemildert und in seinen Consequenzen abgeschwächt werde. Außerdem daß, wie bereits erwähnt, die tüchtigsten Kräfte der Nation Jahre lang der Theilnahme an dem allgemeinen Erwerbsfleiß entzogen sind und dadurch dem Volkswohlstand ein beträchtlicher Ausfall entsteht, sind auch die für die Heere aufzubringenden Kosten in allen Staaten so groß, daß gegen sie die übrigen Posten der Staatsausgaben fast verschwinden.
_ Politische Ueberficht.
Deutsches Reich.
Fylda, 6. März.
Schon vor mehreren Tagen tauchte in der Presse das Gerücht auf, die Regierung beabsichtige, noch in der laufenden Session dem Landtage eine neue kirchenpolitische Vorlage zu unterbreiten. So lange der Nachricht ein bloßes on dit zu zGrunde lag, nahmen wir von derselben keine Notiz, neuerdings tritt die Kunde in einigen regierungsfreund-
„Ruhig, Bursche", war ihm hierauf bedeutet worden, „sonst erhälst Du ohne Gnade wieder das Tuch in den vorlauten Mund — vertheidige Dich vor dem Richter, bei uns ist es nutzlos".
Robert sah dies ein und ergab sich schweigend in sein Schicksal; ewig konnte diese Reise doch nicht währen, und mit einer wahrhaft verzweiflungsvollen Ungeduld fehnte er sich nach seinen Richtern, die ihm mindestens Gehör und darnach unzweifelhaft die Freiheit schenken mußten.
Endlich war auch dieses Ziel erreicht, dumpfe Gesängnißmauern umgaben ihn, aus denen er vor die militärischen Richter geführt wurde, die ihn fester anblickten und dann sich kopfschüttelnd zu fragen schienen, wie hinter diesem offenen, ehrlichen Gesicht ein fo verruchter Mörder sich bergen könne.
Robert bebte vor Entsetzen zurück, als ihm die Anklage vorgelesen wurde. Er sollte nach derselben eine reiche französische Wittwe mit ihrer Toch- ter grausam ermordet und beraubt haben; auch erfuhr er daraus, daß sein Bruder Philipp als Militärarzt in die deutsche Armee eingetreten war und den Feldzug mitgemacht hatte.
„Aber ich bin ja nicht der Mörder, für welchen Sie mich halten", rief er außer sich, „ein unseliges Mißverstäudmß hat mich in die Hände der Gendarmen gebracht — wie ich Ihnen erzählen werde".
Die Herren zuckten die Achseln, nachdem sie ihn angihört hatten.
(Fortsetzung folgt.)