1883.
— mit den
X, ~u[baet aeitunq- erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementsprers ohne Brrngerlohnkund Bestellgeld. 1 Mk. W- ,gutba ■o 8 W Mustrirten Sonntagsblättern ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 M. <5 Pfg.
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. Politische Ueberstcht.
Deutscher Reich.
Fulda, 5. März.
* Die .Franks. Ztg.' stellt in nachfolgender Tabelle übersichtlich dar, wie die Classen- und kinkommensteuer in Preußen auf Grund der Steuererlaße in den letzten beiden Jahre für die »erschiedenen Stufen sich gestaltet hatte, und wie sie, nach den vom Finanzminister nach den vom Finanzminister acceptirten Beschlüssen des Abgeordnetenhauses in der Sitzung vom 21?v. M., in Zukunft sich gestalten wird.
tu s, w. unverändert die volle Steuer.
Effektive Steuer auf Grund der bisherigen Steuererlaß-
Gesetze :
Effektive Steuer nach denBeschlüssen des Abg.-
Hauses :
Zahl der Steuerpflichtigen :
Claffenfteuer
1. Stufe
Mk. 1,75
frei.
2,718,659
2. „
„ 3,50
frei.
1,022.959
3. „
„ 5,25
Mk. 6,75
342,4+9
4. „
„ 7,—
„ 9-
246,546
5. „
„ 10,50
„ 13,50
170,436
6. „
„ 14,—
„ 18,-
135,098
7. „
„ 20,-
„ 22,50
82,216
8. „
„ 24,-
„ 27,-
79,715
9
.. 28.—
.. 31,50
67,859
10. „
„ 32,-
„ 36,—
ick.W'
11. „
„ 40,-
n 45,—
40,008
12. „
„ 48,
„ 54,-
43,855
Einkommen-
steuer
1. Stufe
, 60-
„ 75,—
51,105
2. „
„ 72,-
„ 99,-
29,529
3. ,
„ 84,-
„ 126,-
20,780
4. „
„ 96,—
„ 144,-
15,086
5. „
„ 120,-
„ 162,-
11,543
6. ,,
„ 216,-
„ 216,-
8,009
Es sind in dieser Tabelle natürlich nur die Sätze, welche an Staatssteuern gezahlt werden, aufgeführt; die mit letzterer zugleich zur Hebung
gelangenden C o m m u n a lsteuerzuschlägel sind $ hier nicht mit berücksichtigt, da dieselben durch die Steuererlaße nicht berührt worden waren. K^W
Berlin, 3. März.
» (Im Abgeordnetenhause) entwickelte sich im letzten Theile der Freitagssitzung eine große und bedeutsame Debatte über die Stellung der wohlthätigen Orden. Abg. Dr. Frhr. v. Heere- man schilderte in beredten Worten die traurige Lage, welche durch das Klostergesetz, insbesondere durch die Beeinträchtigung der Thätigkeit der Barmherzigen Schwestern hervorgerufen ist, und bat um Aufhebung dieses Gesetzes. Der Cultusminister suchte ziffernmäßig nachzu, weisen, daß er in seinem Wohlwollen gegen die Krankenpflegeorden „bis hart an die Grenze der Gesetze" gegangen sei. Abgeordneter Bachem schloß sich den Klagen des Abgeordneten Freiherrn v. Heereman an und brachte die vor wenigen Tagen von uns mitgetheilte Verurtheilung des Pfarrers zu Ehrenfeld auf Grund der Maigesetze zur Sprache. Abg. Dr. Windthorst nahm Veranlassung, den Cultusminister um seine Vermittelung in dieser Angelegenheit zu bitten; dieser versprach jedoch nur die Erwägung desselben, wenn diese in irgend einer geschäftsmäßigen Form an ihn gelangen sollte.
* (Disponible Summen für die Ueber- schwemmten) Von den dem Präsidenten des Reichtags noch zur Disposition stehenden 900,000 Vertheilu'ng 400,000 Mark und zwar an die bayerischen Donaubezirke 20,000 Mk., an Elsaß und Württemberg je 10,000, an Hessen, Unterfranken und die Pfalz je 80,000, an die Rheinprovinz 60,000, an Baden 4000, an den Regierungsbezirk Wiesbaden 20,000 Mk. Es bleiben also noch zur Vertheilung übrig 500,000 Mk. von denen 100,000 Mk. reservirt sind.
* Düsseldorf, 2. März. (Zu der Ver- urtheilung des Pfarrers Ropertz) wird nachträglich der .Köln. Volksz.' noch mitgetheilt, von Seiten der königl. Staatsanwaltschaft sei in dem letztverhandelten Prozeß geltend gemacht worden, „als strafmildernd falle ins
Gewicht, daß'LHerr Ropertz durch den öffentlich Aergerniß erregendenLebens- wandel des Ringel gen in eine arg e Noth- lage gedrängt worden sei, weshalb das mildeste Strafmaß in Anwendung komme. Nin- gelgen hatte extra die Reise von Ehrenfeld nach Düsseldorf gemacht, um seinen Pastor verurteilen zu hören. Er stand unter dem Publikum und hatte dort keine Schmeichelreden zu hören. Es that den Richtern aufrichtig leid, Hm. Ropertz verurtheilen zu müßen; aber — sie hatten ein Gesetz u. s. w. Das ist wohl die bitterste Kritik, die jemals an dem Culturkampf-Gesetz vom 20. Mai 1874 geübt worden ist." Wie wir vernehmen, hat Herr Pfarrer Ropertz gegen das Urteil der Strafkammer das Rechtsmittel der Revision eingelegt.
Belgien.
* Haag, 1. März. (Demission des Ministeriums.) Zwei Tage lang hatte das Ministerium van Lynden darüber berathen, ob es beim Könige die Auflösung der Kammer beantragen oder selber zurücktreten solle. Heute ist es zu dem Entschluß gekommen, vor der Kammermehrheit, die ihm wiederholt ihre Mißgunst zu erkennen gegeben, zu weichen und dem Könige die Ernennung eines ganz neuen Cabinets anheimzustellen. Da die Linke, trotz ihrer Neberzahl in der Kammer, außer stände ist, ein gleichartiges Ministerium aus sich heraus zusammenzubringen, und ein ober» manges „GeMsls^-Ministerium-, wie das bensche gewesen, keine Aussicht auf Dauer hat, so wird der König sich wohl entschließen, es mit den Männern der Rechten zu versuchen. Auch der Generalgouverneur von Indien, F. 's Jacob, hat, wie das ,Dagblad' erfuhr, seine Entlassung nachgesucht. /
Frankreich.
ng. Paris, 2. März, (Harmlose Attentäter. — Gerechte Strafe.) Zwei aus Rußland vertriebene Schnorrer, Namens Brendis und Hirschfeld, welche auf ihren ziel- und zahllosen Wanderungen ihr Bettelbrod bis nach Frankreich zu suchen kamen, standen dieser Tage vor der
4
Die Zwillingsbrüver.
Von Erich W asserström.
(Fortsetzung.)
2.
Vergebens erwartete Amalie Bornemann an tiefem Abend den Verlobten; ihre Unruhe wuchs von Minute zu Minute, da er allabendlich zu kommen pflegte und selbst das schlimmste Wetter ihn nie hatte zurückhalten können. An diesem Abend nun erwartete sie ihn um so sicherer, als am nächsten Tage ihrer Mutter Geburtstag war, und sie einige Ueberraschungen mit ihm noch hatte verabreden wollen.
Der Vater lachte über ihre Unruhe und meinte, das käme davon, wenn man, wie Robert, sein Bräutchen so sehr verwöhnt habe.
„Unvorhergesehene Geschäfte werden ihn zurückhalten", setzte er im zuversichtlichsten Tone hinzu, wobei er eine Flinte von der Wand nahm und ihren Lauf untersuchte.
„Was hast Du vor, Vater?" fragte die Mutier besorgt.
„O, nichts von Bedeutung, Kind", versetzte er lächelnd, „Ihr Frauen seid heute Abend ja merkwürdig ängstlich. Hans sagte mir vorhin, daß sich wieder allerhand Gesindel in der Gegend um« hertreibe und es am Kreuzweg auf's Neue spuke."
„Gottlob, den braucht Robert nicht zu passiren", bemerkte Amalie mit einem schweren Alhemzuge.
„Sei doch nicht thöricht, Kind, Dich mit ängstlichen Gedanlen zu plagen", sprach der Vater mit ruhigem Ernste, „Robert ist ein Mann in des Wortes vollster Bedeutung, der sich so ziemlich auf seine eigene Kraft verlaßen kann, es braucht ja nicht gleich ein Unglück geschehen zu sein, wenn er einmal fortbleibt. Unser Haus liegt einsam, Karl hat den Hund nach der Stadt mitgenommen und kehrt vor morgen nicht heim, da ist es unter allen Umständen rathsam, auf der Wacht zn stehen, um sich nicht bestehlen zu laßen".
Er lud die Flinte mit Schrot und verließ das Zimmer, Mutter und Tochter in Angst und Unruhe zurücklaßend.
Eine halbe Stunde verging; Amalie trat an's Fenster und blickte hinaus in den vom dämmernden Mondlicht erhellten Garten.
Näherte sich nicht dort eine Gestalt dem Hause? Sie bebte erschreckt zusammen und blickte dann schärfer hin; sie hatte sich nicht getäuscht, die Gestalt schlich dem Fenster zu, scheu, geräuschlos.
„Mutter", flüsterte sie athemloS, „draußen schleicht eine verdächtige Gestalt umher ; wenn's ein Dieb wäre!"
Da tönte draußen die Stimme des alten Knechtes: „Steh' oder ich schieße!"
Keine Antwort.
„Noch einmal", rief Hans, „sprich, oder ich mache Ernst!"
Es knackte in den Büschen.
Hans rief zum dritten Male, und als noch immer keine Antwort erfolgte, knallte der Schuß durch den Garten.
Ein lauter Schrei ertönte — bann war Alles still.
Auch die beiden Frauen schrieen angstvoll auf und stürzten aus dem Zimmer. Draußen begegnete ihnen der Vater, der sie zu beruhigen suchte.
„Dem Diebe ist recht geschehen", sprach er; „die Nothwehr erlaubt uns eine solche Selbsthilfe, warum antwortete der Mensch nicht, und was hat er in fremder Leute Gärten umherzuschleichen? Geht nur hinein, ich will jetzt sehen, ob Hans ihn getroffen hat — ängstigt Euch nicht weiter, der Schuß wird für seine Spießgesellen eine abschreckende Wirkung haben".
Er führte Gattin und Tochter in's Wohnzimmer zurück. Als er dasselbe wieder verlassen rooUte, stand der alte Hans mit kreideweißem Gesicht auf der Schwelle.
„Na, was hast Du denn, Alter?" fragte er erschreckt, „ist er schlimm zugerichtet?"
„Ach Gott, ach Gott", jammerte der Knecht, „wer konnte da» auch denken, Herr Bornemann?"
„Was gibt's denn nur, so sprich doch, Alter l Was konntest Du Dir nicht denken, Hans?"
„Daß der junge Herr Robert Kohrsen sich wie ein Dieb zu der Braut schleichen würde —" setzte Hans beinahe schluchzend hinzu; „ich bin unschuldig daran, Herr Bornemann, wer konnte so wa» denken?"