1883
Sonnabend, den 3. März
titung
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Es sind der Centrumsfraction des Abgeordnetenhauses anläßlich der Berathung des Cultus- etats aus allen Theilen des Vaterlandes von Vereinen, Versammlungen, wie von einzelnen Personen so zahlreiche Zustimmungsadressen und Telegramme zugegangen, daß es unmöglich ist, dieselben einzeln zu beantworten.
Wir sprechen deshalb Allen, welche uns durch derartige Kundgebungen beehrt haben, hierdurch unseren herzlichsten Dank aus. Ihr begeisterter Zuruf gibt uns neue Kraft im Kampfe für die heiligsten Güter. Wir entnehmen daraus mit Ge- nugthuung, wie innig und fest Wähler und Gewählte mit einander verbunden sind, daß alle Versuche — von welcher Seite sie auch ausgehen mögen —, die Einigkeit der Centrumspartei zu zerstören oder die Abgeordneten bei ihren Wählern zu verdächtigen, an dem gesunden Sinne des katholischen Volkes scheitern.
Berlin, den 1. März 1883.
Die Centrumsfraction des Abgeordnetenhauses.
I. A.:
Der Vorstand:
Freiherr v. Schorlemer-Alst. Windthorst. Dr. Neichensperger (Köln). Dr. Reichens- perger (Olpe). Graf Matuschka. Borowski, de Syo. Hüffer. Biesenbach. Scholz.
Kaufmann. Freiherr v. Heeremann.
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in Abzug gebracht werden sollen, ein alter Wunsch des Landtages, dessen Erfüllung aber nur möglich ist „durch das indirecte Steuersystem des Reiches", wie der Chef der Finanzverwaltung sagte. Mit Recht, denn in Folge desselben sind die Matricularbeiträge hinter den Auszahlungen aus der Reichscasse an das Großherzogthum um 40,000 Mark jährlich zurückgeblieben. Auch ist schwer abzusehen, was die Einzelstaaten machen sollten, wenn die „indirecte Steuergesetzgebung des Reiches" ihnen nicht Erleichterung ihrer schwer bedrängten finanziellen Lage geschafft hätte.
Politische Uekersicht-
Deutsches Reich.
Fulda, 3. März.
* Die .Germania' bringt heute nach dem Offervatore Romano, den italienischen Wortlaut der Jakobinischen Rote. Sachlich stimmt der Wortlaut mit der Uebersetzung der ,Rordd. Allg. Zeitungfi Hervorzuheben ist aber, was auch die .Germania' betont, daß Jakobini im ersten Satze sagt, das Antwortschreiben des Kaisers sei „mit dem Gefühle ganz besonderem Wohlgefallen und froher Hoffnung" ausgenommen worden. Diesen Paffus hatte die .Norddeutsche' weggelaffen. — Wir constatiren nochmals, daß wir bei Be
kanntwerden des Kaiserbriefes dasselbe gesagt haben, und daß man uns dies von gewisser Seite sehr übel vermerkt hat.
— „Es ist natürlich," schreibt die.Franks. Ztg.', „daß dieGouvernemental-Conservativen heute, wo das Verhältniß zwischen Regierung und Centrum wieder einmal ein recht gespanntes ist, auf den Bundesgenossen von gestern losschlagen. Die der Richtung der Herrn Stöcker nahestehenden Blätter, wie.Kreuzzeitung' und.Reichsbote' halten sich ziemlich reservirt. Jeder Streit mit den Ultramontanen ist ihnen unangenehm, weil bei einem solchen regelmäßig der Liberalismus die Rolle des tertius gaudens spielt. Desto ungenirter fallen die eigentlichen Gouvernementalen über das Centrum her. Es ist ergötzlich zu lesen, wie sie Herrn Windthorst und seine Getreuen abkanzeln. Windthorst verlangt für die Katholiken „Freiheit des Unterrichts". Darauf meint ein in der Wolle gefärbtes „social-conservatives" Blatt: „Freiheit des Unterrichts", wie schön das klingt! — fast wie „Freiheit des Verkehrs", das Schlagwort des Manchesterthums. Und in derThat sind die beiden Begriffe ziemlich verwandt: das Manchester- thum auf dem Gebiete des Unterrichtswesens würde sogar zu noch weit verderblicheren Resultaten führen, wie es auf dem volkswirthschaftlichen Gebiete geführt hat." Darum könne die Regierung -- so lautet die konservative Schlußfolgerung — nie auf die Forderungen Windthorst's eingehen. Die
an ihre „Einsicht". Daß auch der geniale Einfall auftaucht, der Kaiser möge sich direkt an die Katholiken Deutschlands wenden, fit bei Politikern nicht verwunderlich, die weder vom Constitutiona- lismus eine Ahnung haben, noch die festgefügte Organisation des Ultramontanismus kennen.'
* Weimar, 28. Febr. (Landtag.) Der Landtag hat die Steuervorlage an einen besonderen Ausschuß verwiesen. Die Vorlage wird, wenn sie auch nicht allen Wünschen entspricht, als eine willkomniene Verbefferung begrüßt. Das Wesentlichste in derselben ist die Bestimmung, daß künftig die Schuldzinsen vom steuerpflichli^iEinkommen^ Dich sprechen, Bruder, wenn noch ein Fünkchen Liebe für den heimathlosen Flüchtling in Deinem Herzen lebt, dann sei zwischen sechs und halb sieben Uhr heute Abend in der Schlucht am Kreuzwege. Philipp." _ . ,
Das Pferd bog in die bekannte L-traße nach dem Bornemann'schen Hause ein. „Nicht dorthin, Liese", seufzte Robert, den Zügel ergreifend und den Hals des Pferdes klopfend, „Du kennst mem Herz, treues Thier, und weißt genau den Weg meiner Sehnsucht. Heute Abend führt uns das Geschick einen düsteren Pfad, dort hinunter, Liese, nach der verrufenen Schlucht, wo das Verbrechen sich birgt und die Schande."
Er spornte das verwundert die Ohren spitzende Pferd und sprengte dann in wildem Galopp dem Kreuzwege zu, der sich wohl eine halbe Stunde weit entfernt von dieser Stelle befand und Abends nicht gern betreten wurde, nicht blos der Gespenster halber, die hier um Mitternacht dem Volksaberglauben nach ihr Wesen treiben sollten, sondern weil die Schlucht in der Regel als Sammelplatz und Versteck lichtscheuer Verbrecher benutzt wurde und so auch nicht silien im Jntereffe der irdischen G^rechligkeit als Falle diente.
Unweit des Kreuzweges stieg Robert vom Pferde, band dasselbe an einen Baum und schritt jetzt rasch der unheimlichen Stätte zil. Alles ^war allster und still, er mußte also zu früh zum Stelldichein gekommen sein. Vielleicht wagte sich der
Flüchtling mchl hervor aus sernem Versteck. Er hustete deshalb und rief leise den Namen des
Da ertönte plötzlich ein schriller Pfiff, der in der dunklen Schlucht schauerlich wiederhallte und das Herz des jungen Mannes erbeben niachte. War er in. einen Hinterhalt gefallen? Er vermochte diesen Gedanken nicht zu verfolgen, denn im selben Moment fühlte er sich zu Boden gerissen und an Händen und Füßen gebunden ^sem Hilferuf wurde durch ein zusanimengedrehtes Tuch, das man ihm in den Mund schob, erstrckt und wehrlos mußte er mit sich geschehen laffen, was seine Ueberwältiger für gut befanden.
In diesem Augenblicke wurde eine Fackel entzündet und mit schmerzlichem Staunen erblickte Robert sich in den Händen von Gendarmen Er war also das Opfer eines Mißverständntffes geworden und doch nicht im Stande du ch eine Bewegung oder ein einziges Wort dasselbe auf» 5UtlÖkr ist das Porträt des Burschen", sprach der" Anführer, „nun laßt uns untersuchen, ob wir den rechten Vogel gefangen haben oder angeführt
, Zug uui Zug derselbe — bis auf den Bart , fuhr er vergnügt fort, nachdem er das Gesicht des am Boden Liegenden mit einem Holzschnitt und dem dabei befindlichen Signalement genau ver- gltchen hatte. „9ia, darauf kommt's nicht an, den
Belgien.U W
* Brüssel, 27. Febr. (Die Ausgaben für die belgische Staatsschuld) haben sich Vinnen 10 Jahren mehr als verdoppelt. Nach dem Budget von 1873 beliefen sie sich auf 47 061 000fr; jetzt für 1883 betragen sie 96 519 119fr 47o.» Allerdings steht ihnen als Gegenwerth ein vortreffliches Eisenbahnnetz gegenüber; auch ist mit der Ausführung der großen Staatsbauten der Wohlstand des Landes erg verknüpft, sowie auch die Schuleinrichtungen den geistigen und sittlichen Fortschritt des Landes fördern. Dennoch wird man sich fortan etwas sparsamer einzurichten haben. Der Finanzminlster Graup hat daher auch in einem an den Centralausschuß der zweiten Kammer gerichteten Bericht die Summen genau bezeichnet, auf die man bei merdeb^üsätzeii der Einzelbudgets für 1883 sich'
* S31 ■^a"tUl muycn.
HerabminderäuMrz. (Der Antrag auf Bischöfe) wurde abgelehnt. LäfläM -dTr die Beseitigung der Canonicate und derjenigen Vicariate beschlossen, welche über die im Gesetze vom Jahre 1866 bestimmte Zahl hinausgehen. Dem Minister wurde die Freiheit gelaßen, in jedem besonderen Falle geeignete Bestimmung zu treffen.
Frankreich.
-ug.Paris, 28.Febr. (Anarchistenprozeß.) Vor dem Apellgerickt zu Lyon wurde gestern
Die Awillingsbrüver.
Von Erich Wasserström.
(Fortsetzung.)
Gegen Abend wollte Robert zu seiner Braut reiten. Er theilte sein Vorhaben, wie er stets zu thun pflegte, den Eltern mit, ließ sich sein Pferd satteln und ritt in raschem Trabe fort.
In einem Hohlwege, den er zu paspren hatte, begegnete ihm ein Taglöhner, an dem er, m Gedanken versunken, langsam vorbeiritt. Dieser schien ihn erst erkannt zu haben, als er bereits am Ende des Hohlwegs sich befand. Seinen Namen laut rufend, kam er eiligst zurück. „Was wollt Ihr?" fragte Robert unwirsch.
„Ich wollte jetzt zu Ihnen, Herr Kohrsen", versetzte der Mann athemlos, „habe einen Brief für Sie, den mir ein Mann am Kreuzwege gegeben."
Robert nahm denselben und ritt langsam weiter. Die Dämmerung war bereits angebrochen, doch war es ihm noch möglich, die Adreffe zu lesen. Beim Anblick der Schriftzüge entfielen die Zügel vor Schreck seiner Hand. Hastig erbrach er den Brief und fab nach der Unterschrift. „Er lst's" murmelte er bleich und bebend, „ber Unselige wagt es, zurückzukehren".
Nur mit großer Mühe vermochte er die flüchtig geschriebenen Zeilen zu entziffern; er zündete ein Streichhölzchen an und las Folgendes: „Ich muh