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Fragen, wie in so vielen anderen, stets als die Partei der richtigen Mitte sich bewährt hat, und mit vollem Grunde und zu seinem höchsten Verdienste jetzt ebenso sehr etwaigen socialrst- is chen Programmen und Experimenten widersteht, wie es früher den manch elterlich en einen un­erschütterlichen, leider bet Regierung und Parla­ment oft nicht erfolgreichen Widerstand geleistet hat. Das Cenlrum wird seine positiv socialre- reformerische Thätigkeit mit Elfer — auch in den Punklen, wo bekanntlich die Regierung schon wie­der nicht mltthut — fortsetzen, aber es wird nicht Bestrebungen anheimfallen, welche zwar nicht poli­tisch-revolutionär sind, wie die der Socialdemo­kratie, aber wirthschafts- und socialpolitisch von dieser nur durch Opportunilälsgründe und quan­titativ verschieden sind, und bei ihrer Durchführung nur der consequentern Socialdemokratie d i e W e g e bahnen würden — zum Verderben des Staats und des preußischen Königthums l (Germ.)

Die Ueberbürdungsfrage kam in der Sonnabendsitzung des Abgeordnetenhauses in Verbindung mit der Einführung eines „praktischen Examens" der Candidaten des höheren Schulamts zur Sprache. Bekanntlich schloß die Debatte mit der Ab­lehnung der für dieses Experiment eingestellten Etats­position von 10,800 Mk. Der Gang der Debatte war folgender:

Abg. Stern erklärt sich gegen die Position, weil die­selbe den Zweck, den Lehrern ein praktisches Unterrichten beizubringen und dadurch der Ueberbürdung der Schüler vorzubeugen, nicht erfülle. Die Ueberbürdung werde her­beigeführt einmal durch die allzu einseitige Ausbildung unserer Gymnasiallehrer, die auf den Universitäten zu viel Specialstudien trieben, und durch das System unseres Einjährig-Freiwilligendienstes, welches eine Unmaffe von Schülern den höheren Lehranstalten blos deshalb zuführe, um das Zeugniß für den Einjährig-Freiwilligendienst zu erlangen. In Folge dessen könne der Lehrer den einzelnen Schülern in der Schule nicht mehr recht beurtheilen und müsse sich sein Urtheil aus den Hausarbeiten bilden. Die Directoren der höheren Lehranstalten sollten selbst weniger unterrichten, sondern sich mehr um die Unterrichtsmethode der jungen Lehrer bekümmern und letzteren anleitend zur Seite stehen. Vielleicht empfehle es sich auch, zum Probe­jahr noch ein zweites Jahr mit commiss rischer Beschäfti­gung treten zu taffen. Eine nochmalige Prüfung gewähre keine Garantie und sei nur eine Härte gegen die Lehrer. (Beifall links.)

Abg. Graf Limburg - Stirum hat gefunden, daß die Zöglinge unserer höyeren Lehranstalten in den oberen Blaffen den gleichalterigen Zöglingen der Cadettenhäuser und der englischen Untsrrichlsanstaltcn an körperlicher Entwickelung nachstehen. Er führt dies auf die Ueber­bürdung unserer Schüler mit Schularbeiten und auf den Mangel an Bewegung und körperlicher Uebung zurück. Die Universitäksprofessoren constatirten, daß die jungen Leute von den Gymnasien nicht mehr die nöthige Frische und Auffassungsgabe auf die Universität mitbrächten. In den Reichslanden habe der Feldmarschall v. Manteuffel, der nicht allein in militärischen, sondern auch in politischen Dingen großen praktischen Blick bethätigte, durch eine me- dicinische Fachcommission die Frage der Schulüberbürdung und deren Ursachen und Folgen untersuchen und schrift­lichen Bericht entarten lassen. Diese Praxis empfehle sich auch für unsere Unterrichtsverwaltung. Das Gedächtniß der Schüler werde zu sehr überlastet, und die Lehrer seien zwar oft gelehrt, wüßten aber einen jungen Menschen nicht ordentlich zu behandeln. Der von der Regierung vorge­schlagene Weg werde nicht zu dem gewünschten Resultate führen. Besser sei es schon, Lehrerseminare auch für die Gymnasiallehrer zu errichten, in welchen die angehenden Lehrer speciell im Unterrichten unterwiesen würden. (Bei­fall rechts und links.)

Abg. Dirichlet hat an seinen Jungen nichts von Ueberbürdung bemerkt (Heiterkeit) und hält die diesbezüg­lichen Klagen für übertrieben, lieber die Ueberbürdung werde auch mehr in den großen, als in den kleinen Städten geklagt. Richt allein die Schule, sondern auch die Fa­milie und Gesellschaft seien daran Schuld. Man dürfe den Zutritt zum Lehrerfache nicht noch mehr erschweren, und müsse Maßregeln ergreifen, daß sich auch weniger be­mittelte junge Leute dem Lehrfach widmen könnten. Führe man die neue Prüfung ein, so würden die Candidaten sich bemühen, hinter die Unterrichtsmethode des prüfenden Schulraths zu kommen, und diese ihm bann vormachen. (Heiterkeit.) Man möge die Position ablehnen.

Reg.-Comm. Bonitz weist zunächst den Vorwurf zurück, als ob die Regierung der Ueberbürbungsftage nicht die Nöthige Aufmerksamkeit widme; das geschehe wohl. Bei allen Revisionen würde das Hauptaugenmerk z. B. auf bte Quantität der schriftlichen Arbeiten gerichtet) und die Re­gierung fei so in den Besitz eines nicht geringen Materials gelangt. Ein Theil der Oberpräsidenten und Schulräthe leugneten die Existenz der Ueberbürdung überhaupt, wäh­rend andere sie anerkennen. Aus dem Material zieht er bett Schluß, daß gegenwärtig keine höheren Anforderungen °n Abgangsprüfungen gestellt würden wie früher; nur bte Vertvenbung ber verschiedenen Unterrichts-Gegenstände fet jetzt eine andere. AuS der jetzigen Prüfungsordnung fei jebe übermäßige Stnforberung an das Gedächtniß befei-- «S--J?Orben‘ Ueberbürdung zeige sich nur in den großen etobten, wo der Zudrang zu den Gymnasien ein außer­ordentlicher fet, in kleineren Orten mit Gymnasien klage manroegen Ueberbürdung nicht. Freilich hätten dort die Schuler auch mehr Gelegenheit, sich in frischer Luft zu er­

gehen. Der große Zudrang führe den Gymnasien auch weniger befähigte Elemente zu, die bann über Ueberbür­dung klagten. Der Bericht der elsässischen Medictner-Com­mission über die Ueberbürbungsftage fei ber wissenschaft­lichen Deputation für bas Medtcinalwesen Überwiesen wor­den, damit sich dieselbe darüber äußere, was medicinischer- feitä gegen die Einrichtung unseres Unterrichtswesens ein- zuwenben sei. Er empfehle, dieses Gutachten abzuwarten. Das Haus möge daraus ersehen, daß sich die Unterrichts- Verwaltung redlich bemühe, in die Sache Klarheit zu brin­gen. Gegenüber dem zweiten praktischen Examen seien Be­denken geltend gemacht worden zunächst wegen der Remu­neration der Candidaten; allein diese Frage hänge davon ab, ob der Bedarf größer fei, oder das Angebotsverhält- niß, deshalb könne auch den Candidaten für das Jahr der commiffarischen Beschäftigung die Möglichkeit des Bezuges einer Remuneration zugesichert werden. Unbegründet sei auch der fernere Einwand, daß in dem Examen über die Befähigung nichts ermittelt werden könne. Die praktische Prüfung solle nicht eine Fortsetzung der wissenschaftlichen Prüfung bilden, sondern nur bestimmt sein, zu ermitteln, »b der Candidat die Kunst des Unterrichtens sich in aus­reichendem Maße erworben habe. Zu diesem Zwecke habe der Candidat eine Probelection zu halten und in einer mündlichen Prüfung zu erweisen, daß er mit der Lehrein­richtung mit der Methodik und mit den Lehrmitteln sich genau bekannt gemacht habe. Die praktische Prüfung sei auch nichts Neues, sie habe sich schon in Hessen vorzüglich bewährt' und dürfte auch in diesem Hause Wohlwollen finden.

Abg. Dr. Kro patsch eck (Oberlehrer in Brandenburg a. d. H.) erklärt, daß er darin mit dem Abg. Dirichlet ein­verstanden sei, daß nicht allein die Schule, sondern auch die Familie und die Gesellschaft Grund der Ueberbürdung der Candidaten seien, Redner geht dann auf die philolo­gische Ausbildung derselben näher ein. Die philologischen Seminare an den Universitäten seien nur eine halbe Re­form für die Ausbildung, so lange dieselben nicht mit Probeschulen verbunden würben. Das Probejahr werbe von ber Regierung auch zu hoch geschätzt, es werbe babei übersehen, baß auch bie Directoren, bie vorzüglich zur Ausbilbung der Candidaten befähigt seien, mit Stunden und Arbeiten zu sehr überlastet würden. Von der com- missarischen Anstellung halte er nicht viel, die Candidaten würben währenb berfetben nur neue Bücherweisheit über Päbagogik in sich aufnehmen unb ein Examen machen, ohne vorher einen Abschluß in ihrer praktischen Vorbildung erreicht zu haben. Die Volkslehrer seien methobisch viel besser auSgebilbet, als bie Lehrer an höheren Anstalten. Der junge Gymnasiallehrer komme zumeist als Lehrer an bie Sexta, unb hier gerade seien pädagogische Kenntnisse und Erfahrungen am nothwendigsten. Eine Besserung sei am meisten von der Einrichtung pädagogischer Seminare in Verbindung mit einer ihnen angehörigen Schule zu er­warten.

Abg. Perger erklärt sich gegen die geplante zweite Probelection und das zweite cornrnissarische Jahr. Das jetzige Probejahr genüge vollkommen. Wenn der Director öfters die Lectionen besuche, so könne er sich besser von der pädagogischen Leistungsfähigkeit des Candidaten über­zeugen, als eine Commission, die auch den besten Lehrer durchfallen lassen könne, wenn sie wolle.

Abg. Löwe (Bochum) meint zwar auch, daß wir mit den vielen examinibus in ein Chinesenthum hineingerathen seien, und daß in demselben den Kenntnissen der Vorzug vor dem Können gegeben werde, freut sich aber doch darüber, daß hier von ber Regierung bie Frage ber Ueber­bürdung praktisch in Angriff genommen fei. Das zweite Examen, bem bie Schulamts-Candidaten unterworfen wer­ben sollten, halte er nicht für so ganz werthlos, wie es geschilbert worben fei, auch fei eine übermäßige Gelbausgabe bei ben Canbibaten bamit nicht oerbunben, eventuell könne man ja auch bas Examen an bas Enbe bes Probejahres verlegen. »

Die Ablehnung ber Position erfolgte fast einstimmig

Vermischtes.

* Düsseldorf, 27. Febr. (In dem Cul- turkampfsprozeß) wegen Anmaßung bischöf­licher Rechte lautete das heute Vormittag verkün­dete Urtheil der Straffammer des hiesigen Land- g richtes gegen Herrn Pfarrer R o p e r tz von Ehren- feld auf sechs Monate Gefängniß und auf Frei­sprechung gegen Herrn Dechanten Weis Haupt von Widdersdorf.

* (Eine Studie über die katholischen Gesellenvereine in Deutschland), he­rausgegeben von Paul Dehn, gibt ein über­sichtliches Bild von der Ausdehnung, welche diese Vereine gewonnen haben. Arn Schluß des Jahres 1880 bestanden überhaupt 540 Gesellenvereine mit 70—80,000 Mitgliedern, wovon auf Deutsch­land 411, auf Preußen 231, auf Bayern 120, auf Württemberg 24, auf Baden 22 entfallen. In Oesterreich-Ungarn gab es 84, in der Schweiz 21, in Holland 6, in Amerika 4 solcher katho­lischer Gesellenvereine. Man muß anerkennen, vaß die katholische Geistlichkeit das Volksleben zu erfassen versteht. Ohne daß diese Vereine einen eigentlich confessionellen Charakter an sich tragen, unterstütz, n sie doch die katholische Kirche und ihre Organisation, denn in' jedem Vereinslokale prangt das von dem ersten Gründer dieser Vereine ver­faßte Aufnahmedocument, stn welchem es heißt: »Der heilige katholische Glaube ist das Fundament

des Vereins, ehrenhafte, christliche Sitte ber Mit­glieder seiner Würde. Darum halten die Mit­glieder des katholischen Gesellenoerems die Religion heilig, die Sitte rein, bte Ehre des Mannes und des Handwerks hoch." Auch der Protestant wird solchen Grundsätzen zustimmen können, wenn er auch die Exclustoität nicht billigen kann, welche Oie Vereine charaktertsiren. Eine der Grundbe­stimmungen setzt nämlich fest, daß nur Handwerks­gesellen katholischer Religion unb ledigen Standes ausgenommen werden, während andere Personen, insvesondere protestantische Handwerksgesellen, nur als außerordentliche Mitglieder ohne Stimmrecht in die Vereine treten können. — Allgemeiner ist das Ziel, welches sich die Arbeiter-Fortbildungs­vereine gesteckt haben. Sie beschränken bie Mit­gliedschaft nicht auf den Gesellen- und ledigen Stand und kennen keine confessionellen Unterschiede. Auch sie erstreben sittliche Veredelung und Ver­breitung nützlicher Kenntnisse in Verbindung mit geselliger Unterhaltung. Wie aber im Katholi- cismus Alles nach Centralisation strebt, so hul­digen auch die katholischen Gesellenvereine dem Autoritätsprincip. Sämmtliche Vereine stehen in Verbindung und haben einen Geueraloorsitzenden. Die Ortsvereine besitzen zwar eine selbstständige Verwaltung, aber an der Spitze eines jeden der­selben steht ein katholischer Geistlicher, welcher frei gewählt, aber vom Bischof genehmigt fein muß. Man sieht hieraus, daß auch da wo katholische Männer Menschlich-Gutes erstreben, ber Grund­gedanke bet katholischen Kirche nach Erweiterung ihrer Herrschaft zum Ausdruck gebracht wird. Uns Protestanten erwächst daraus die Aufgabe, nicht zu schlafen, wenn die Katholiken ihre Machtfülle auf allen Gebieten zu befestigen und zu erweitern bestrebt sind.

* (Dem Jahresbericht der deutschen Rational-Stiftung von Campo-Santo in Rom pro 188 2) entnehmen wir Folgendes: „Der Aufgabe, als wohlthätige Stiftung die materiellen und geistigen Interessen der Landsleute zu fördern, suchte ber Verwaltungsrath gerecht zu werden durch einen ansehnlichen Beitrag für den deutschen St. Vincenz-Verein, durch regelmäßige Unterstützung armer und kranker Mitglieder der Erzbruderschaft und durch außerordentliche Gaben in dringenden Fällen; aus der Wagner'schen Stif­tung wurden an dürftige heimreisende Landsleute gegen 400 L. vertheilt; an Aussteuer für arme Mädchen deutscher Herkunft sind aus frommen Stiftungen über 700 L ausgezahlt worden. In Anerkennung des segensreichen Wirkens des deut­schen Lese-Vereins wies der Verwaltungsrath dem­selben zunächst auf drei Jahre je 100 S. an. Den vom Hochwasser so schwer heimgesuchten Tyrolern wurden 200 Gulden, bald nachher den lieber» schwemmten am Rhein 200 Mk. übersandt. Das Priester-Collegium zählte 10 Herren, von welchen 4 Kirchengefchichte, einer christliche Alterthumskunde, drei Theologie des hl. Thomas und zwei Kirchen- recht ftubirten. Das bis zum Frühjahr unterhal­tene historische Kränzchen konnte leider zu Herbst nicht erneuert werdcn, zumal da zwei der thätig- sten Mitglieder, P. Ehrte und P. Tenifle, zu archivalischen Forschungen nach England und Spanien sich begeben hatten; dagegen wurde ein kirchenrechtlicher CirkU in's Leben gerufen, dessen Leitung der Herr Prof, des kanonischen Rechtes am Römischen Colleg. P. Wernz 8. J., über­nahm. In den von allen Herren an den Sams­tags-Abenden besuchten Zusammenkünften hielten die Einzelnen der Reihe nach Vorträge aus den verschiedenen Gebieten ihrer Studien. Die Bib­liothek wurde theils durch Ankauf, zumal von Werken über Kirchengeschichte der letzten drei Jahr­hunderte, theils durch Geschenke bedeutend ver­mehrt. Das Cabinet christlicher Alterthümer wurde durch einige werthvolle Stucke bereichert; auch die Münzen-Sammlung erhielt einen nicht unan­sehnlichen Zuwachs."

* (Afsencultus.) In ber Berliner ,Volks­zeitung' lieft man Folgendes: „Der junge Go­rilla im Aquarium hat jetzt Spielzeug erhalten, einen Hampelmann nut Pfeife und eine elegante versilberte Klapper, mit denen er sich wie ein Kind die Zeit vertreibt. (!) Die Zahnperiode greift das Thier naturgemäß an, aber es scheint dieselbe ohne ernstliche Beschwerden überstehen zu wollen. Ein Augenzahn und zwei Backenzähne sind bis jetzt durchbrochen.

Verantwortlicher Rebacteur Ur. jur. Armin ftau;en. — Druck unb Verlag ber Fulbaer Acüenbruckerei.