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Domerstag, den 1. März
1883
Icilmig
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„In gleichem schritt."
* Die neueste, heute erscheinende Numnier der ,Provinzial.Correspondenz' beschäftigt sich in einem Artikel „JngleichemSchritt" eingehend mit dem Briefwechsel zwischen Papst und Kaiser und zwar speciell mit der Untersuchung der Frage, ob bisher die Curie mit der preußischen Regierung gleichen Schritt gehalten habe bezüglich der faktischen Nachgiebigkeit in der Frage des Cultur- kampfes. Wir geben nachstehend die wesentliche Stelle des Artikels im Wortlaut. Die Ausfüh- rungen sprechen so deutlich für oder vielmehr gegen sich selbst, daß wir für heute einen Com« mentar dazu nicht zu geben brauchen. Der officiüse Waschzettel schreibt:
„An direkten Kommentaren zu diesen Kundgebungen der Curie haben es die publicistischen Organe der Centrumspartei, an indirecten die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses nicht fehlen lassen. Auf die ersteren besonders einzugehen, liegt um so näher, als der der Note des Cardi- uals-Staarssecretärs zu Grunde liegende Gedanke gleichzeitig von beiden Seiten zu thuender Schritts, in den Spalten der,Germania' eine Interpretation erfahren hat, die von der bisher maßgebend gewesenen und geschichtlich anerkannten Auffassung (?) erheblich abweicht. Zur Feststellung darüber, wa» unter dem in einer Note des Reichskanzlers vorn 4. April 1880 gebrauchten Ausdruck »pari paasu“ seiner Zeit von den zunächst Betheiligten verstanden, genügt eine Erinnerung an den bisherigen Gang der Ausgleichs-Verhandlungen.
„Den Ausgangspunkt dieser Verhandlungen haben bekanntlich die im Jahre 1878 zwischen dem Reichskanzler und dem von dem damaligen Cardinal- Staatsftcretär Franchi beauftragten Nuntius Masella geführten Besprechungen gebildet. Wie in der Folge aus dem Staatsministerialbeschluß vom 17. März 1880 und aus der am 4. April
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Die Zwtllingsbrüder. *)
Von Erich Wasserström.
1.
Schneeglöckchen läuteten den Frühling ein, wie die Kirchenglocken den Frieden, der dem Blutver- gießen ein Ende machte und die Herzen wieder freudig auiathmen ließ nach all' der Trauer und den zahllosen Thränen des Krieges.
Auf einem Feldwege, der am Dorfe entlang nach dem nahen Gute hinführte, schritten zwei Männer in leiser Unterhaltung dahin. Der Gutsbesitzer Kohrsen war's mit seinem Sohne, einem jungen Manne von 25 Jahren, der sich durch ein hübsches, stark gebräuntes Gesicht mit dunkeln, ernstblickenden Augen und einem kecken Schnurrbart, sowie eine hohe, kräftige Gestalt vortheilhast auszeichnete.
„Wir dürfen von alledem der Mutter nichts mittheilen", sprach der Vater leise, mit gepreßter Stimme, „sie könnte den augenblicklichen Tod davon haben; bester ist's überhaupt, daß wir die entsetzliche Thatsache vor Jedermann verheimlichen".
„Freilich wäre es das, Vater", nickte der Sohn düster, „und unsere eigene Ehre würde das auch schon gebieterisch verlangen; Du vergißt indesten, daß der Unglückliche steckbrieflich verfolgt wird und sogar sein Porträt dem Signalement äigefügt ist,
’) Nachdruck verboten.
1880 erlassenen Note des Reichskanzlers an den Geschäftsträger Grafen B e r ch e m bekannt geworden, waren damals als Zugeständniste in Aussicht genommen worden: von päpstlicher Seite die Anerkennung der Anzeigepflicht bei der Anstellung von Geistlichen, von preußischer Seite die Wiederherstellung des diplomatischen Verkehrs. Mit diesen Maßregeln sollte der Anfang zu »pari pasau“ zu haltenden ferneren friedlichen Annäherungen gemacht werden, wie sie damals den beiderseitigen Absichten und Gesinnungen entsprachen. Die Möglichkeit eines Einvernehmens schien zur Zeit dieser Verhandlungen so nahe gerückt zu sein, daß in dem bekannten oben erwähnten päpstlichen Breve für den Fall eines solchen eine Anerkennung der Anzeigepflicht in Aussicht genommen wurde, die sich auf alle von den Bischöfen zur Ausübung der Seelsorge berufenen Priester beziehen sollte, ohne daß eine Umgestaltung der kirchenpolitischen Gesetzgebung vorgängig gefordert worden wäre. Nach einer Austastung, an welcher noch mehrere Jahre später festgehalten wurde (wir kennen dieselbe aus der Nachschrift zu dem Berichte, welchen Prinz Reuß am 15. April 1880 über seine Verhandlung mit dem Cardinal Nina erstattete) sollte es genügen, „wenn der Papst den Gläubigen wenigstens die Hoffnung vorhalten könne, daß man früher aber später zum Frieden, zu einem modus vivendi .auf., ges-'tzl'ch^ Grundlazr, bei hriA zu einer Revision der Kirchengesetze gelange.' Kurz darauf erfolgte der Abbruch der Verhandlungen. Ohne Rücksicht darauf hielt sich die Regierung für verpflichtet, diejenigen Schritte, welche nach der ursprünglich getroffenen Abrede von der anderen Seite in entsprechender Weise begleitet werden sollten, allein zu thun: außer einer Milde in der Praxis, die sich seit dem bekannten Wechsel in der Leitung des Unterrichts-Ministerium» bis an die Grenze des gesetzlich Möglichen bewegte (vergl. die Noten des Reichskanzlers an den Prinzen Reuß vom 20. April und 21. Mai 1880) folgten einander das Gesetz vom 14. Juli 1880, die Wiederherstellung des diplomatischen Verkehrs mit der Curie und ein zweites Gesetz wegen Abänderung der kirchenpolitischen Gesetze, dasjenige vom 31.
ein fürchterlicher Schlag, namentlich für mich, btr ihm zum Verwechseln ähnlich sieht".
»Ja, ja, es ist fürchterlich, sprach der Gutsbesitzer mit einem schweren Seufzer, „wer konnte auch dies neue und schrecklichste Unglück nur ahnen, es trifft uns gerade in diesem Augenblick, wo der Friede eingeläutet wird, wie eine tückische Kugel aus dem Hinterhalt. Mein Qk>tt, wie viel Leid und Kummer hat dieser Sohn uns schon bereitet, um schließlich unfern Namen mit Schande zu brandmarken".
„Er wird sich sicherlich hierher nach der Heimath wenden", bemerkte der junge Mann.
„Das wird er nicht wagen, der Unselige", erwiderte der Vater, erschreckt stehen bleibend,, „nein Robert, so verworfen kann er nicht sein, entehrt, verfolgt, das Vaterhaus aufzusuchen".
„Könntest Du ihm ein Obdach weigern, Vater?" „Ja, bei Gott, das könnte und würde ich", sprach der Gutsbesitzer mir einer furchtbaren Ruhe; „ich habe an ihm gethan, was in meinen Kräften stand, weitaus über meine väterliche Pflicht. Er hatte als Student schon fein Erbtheil dahin, was er später noch erhalten, ist Dir entzogen worden, mein Sohn, Dir, der den Eltern nur Ehre und Freude gemacht. Was hast auch Du von diesem unnatürlichen Brüder erdulden müssen, wie hat er Dich schon als Knabe tyranmsirtl"
„O, laß die alten Geschichten ruhen, Vater", bat Robert abwehrend.
Mai 1882. Das erstere Gesetz war von der Partei, welches sich besonderen Eifers für die Jnte- reffen der Curie rühmte, lebhaft bekämpft, da» zweite von derselben Partei um einige seiner wichtigsten Bestimmungen gebracht worden.
„Danach ist der Gang der Dinge dieser gewesen, daß aus dem »pari passu“ zurückzulegenden Wege der beiderseitigen Zugestänbniffe eine von der preußischen Regierung ohne entsprechende Begleitung zurückgelegte Wegestrecke, — ein Vorsprung geworden ist, der von der anderen Seite eingeholt werden zu müssen scheint, wenn ein gleichzeitiges Anlangen am Ziele überhaupt noch möglich bleiben soll! — Von der .Germania' aber werden wir neuerdings darüber belehrt, daß da» »pari passu“ nur den Sinn haben könne, daß die preußische Regierung zunächst bis an da» Ende des zurückzulegenden Weges zu gehen und die Hauptsache dessen, was überhaupt gewährt werden könnte, d. h. eine so vollständige Revision der kirchenpolitischen Gesetze zu gewähren habe, daß der Rest nahezu gleichgültig würdet Dann erst, und nicht früher, werde man sich von der andern Seite in Bewegung fetzen — und nicht etwa, um bis an das Ziel derjenigen Anerkennung der Anzeigepflicht, welche in dem mehrgenannten päpstlichen Breve vorgesehen worden, zu gehen — sondern, um efl bei einet bedingten und erst zu ttnstruir«ndrn Änzeigeoßlrcht bewenden zu lassen, „da ja das Einspruchsrecht in seinem maigesetzlichen Zusammenhang stets für unannehmbar erklärt worden fei."
Diese ganze Apostrophe scheint nicht so sehr an die .Germania', als nach Rom gerichtet zu sein, denn was die.Germania' diesbezüglich gesagt hat, geht sehr klar ans der Jakobini'schen Note hervor
Politische Peverficht.
Deutscher Reich.
Fulda, 1. März.
* (I n einer vielen kathol. Zeitungen zugehenden Berliner Correspondenz) findet sich neuerdings eine weitschweifige AuSeinan-
„Aus jenen alten Geschichten enifpral.g aueS Folgende", fuhr der Gutsbesitzer düster fort; „hätte ich feinen tückischen Charakter besser erkannt, demselben bei Zeiten, als er noch ein schwanke» Rohr in meiner Hand war, mit kräftiger und weiser Zucht eine ungefährliche Richtung gegeben, e» wäre uns viel Leid und diese letzte, schwerste Prüfung erspart worden. Aber — aber —"
Er schwieg und schritt hastig weiter, seufzend folgte ihm der Sohn, der den abgebrochenen Satz nicht einmal im Herzen zu ergänzen wagte.
Wohl ruhte ein schwere» Geschick auf dieser Familie, die vom irdischen Glück so reich begünstigt, ein beneidenSwertheS Leben hätte führen könne. Die herzlichste Liebe verband die Eltern, deren Glück vor 25 Jahren durch die Geburt eines Zwillingspaares vollständig wurde.
Die beiden Knaben, Robert und Philipp, sahen sich zum Verwechseln ähnlich, eine Aehnlichkeit, die selbst mit den Jahren durch keinen Unterschied verwischt wurde. Derselbe hohe Wuchs, dieselben GesichtSzüge und Augen, ja selbst gleiche Beweg- ungen machten das Unterscheiden sogar den Eltern schwer und veranlagten nicht selten bie unangenehmsten Mißverständnisse. Ein brauner, linsenförmiger Fleck auf der linken Brust war Robert'» einziges Merkmal, obgleich die Mutter sie dennoch genau zu unterscheiden verstand und sich nur selten in ihrer Person irrte, während der Vater sich's angewöhnt hatte, jedem der Zwillinge beide Namen beizulegen.