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Sonnabend, den 24. Februar
1883
Fuldaer Zeitung.
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* Die Note des Lardinalftaatssecretärs Iakobini.
Die eben eingetroffene gestrige Abendnummer der ,Nordd. Allg. Zeitung' veröffentlicht den Wortlaut der Note des Cardinalstaats- secretärs Jakobini, auf welche das päpstliche Schreiben vom 30. Januar hinweist. Von dem Satze, welchen die .Germania' und eine große Zahl von katholischen Blättern sich von Rom haben melden lassen und als angeblichen Schwer- und Angelpunkt der Jakobinischen Note bezeichneten, findet sich kein Wort in der Note.
Von einem Abbruch der Verhandlungen kann heute auch keine Rede mehr sein, denn der Cul- tusMinister hat gestern ausdrücklich zugegeben, daß die Regierung bereits geantwortet habe, und der Schriftwechsel fortdauere. Die schlimmen Erfahrungen, welche ein Theil der Preffe fortwährend mit ihren voreiligen Schlüssen und Combinationen gemacht Hat, mahnt uns zur größten Vorsicht und Reserve auch in unserem Urtheil. Wir bitten aber unsere Leser, selbst Angesichts der heftigen Culturkampfsdebatte die Hoffnung auf einen Ausgleich zwischen Papst und Kaiser nicht aufzugeben. Das Cent rum lag der Regierung resp. dem Ministerium schon lange schwer im Magen, weil es sich nicht gebrauchen läßt. Vielleicht wird das heftige Aufeinar.dcrplatzsrr der Meinnngev . nur dazu dienen, die Situation endlich vollends zu klären und auch die Regierung zu überzeugen, daß das katholische Volk endlich seine Geduld verliert und nach Thaten verlangt an Stelle der billigen Versprechungen.
Die Jacobini'sche Note lautet:
„Aus den Gemächern des Vatican, den 19. Januar 1883.
Das Antwortschreiben Sr. Majestät des Kaisers von Deutschland an den hl. Vater vom 22. v. M. ist mit ganz besonderem Wohlgefallen ausgenommen worden; es bekundet dasselbe nicht nur von Neuem die versöhnlichen Absichten Sr.
Majestät und Allerhöchstdeffen Regierung, sondern ist auch ein neuer Schritt zur Vereinigung.
Die Hauptschwierigkeit, welche der letzteren entgegensteht, ist die preußische Gesetzgebung in denjenigen Punkten, welche in Widerspruch stehen mit der göttlichen Constitution der katholischen Kirche.
Da nun jetzt Se. Majestät zu erklären geruht haben, Allerhöchstdeffen mächtige Mitwirkung eintreten lasten zu können, damit die genannten Gesetze von den gesetzgebenden Factoren von Neuem in Betracht gezogen werden, sobald die Anzeigepflicht gewährt würde, so läßt sich nicht verkennen, daß zwischen den Wünschen des heiligen Stuhls und den Absichten der Regierung in Berlin sich eine Annäherung vollzogen hat.
Der heilige Vater hatte schon in dem bekannten Schreiben an den Erzbischof von Köln ausgesprochen, daß Er die Anzeigepflicht gestatten wolle, wenn auf dem Gebiet der Gesetzgebung die entsprechenden Reformen zu Stande gekommen wären.
Um nun jetzt zu bezeugen, welch' hohen Werth Seine Heiligkeit auf die in dem kaiserlichen Schreiben enthaltenen friedlichen Erklärungen legt, und wie lebhaft Er den Wunsch hegt, mit aller Bereitwilligkeit die Ursachen der Uneinigkeit zu beseitigen, auch ohne die vollständige Prüfung aller der Kirche nachtheiligen Bestimmungen abzuwarten, ist Er geneigt, einzuwilligen, daß sich jene Prüfung für jetzt nur auf einige Punkte beschränke, und daß die Bewilligung uet Anzeige gleichen Schritt es mit der Revision der Gesetze erfolge.
Derselbe hat dennoch dem unterzeichneten Car- dinalstaatssecretär befohlen, zu erklären, daß den Bischöfen ertheilt werden sollen die geeigneten Instructionen zur Anzeige an die Regierung der neuen Titulare all.:r der jetzt vacanten Parochien, welche in dieselben mit kanonischer Institution eingesetzt werden müßten, sobald — nach an die gesetzgebenden Körperschaften erfolgtem Vorschlag von Maßregeln, welche ausreichen, um wirksam zu gewährleisten die freie Ausübung der kirchlichen Jurisdiktion, sowie die Freiheit
der Erziehung und Instruktion des KleruS — diese gesetzgebenden Körperschaften ihreZustimmung kund gegeben haben wird.
Die Anzeige, welche für jetzt zeitweilig begrenzt sein würde auf den Fall der factischen Vakanzen, wird einen ständigen Charakter für die Zukunft gewinnen unter Formen, welche durch gemeinsames Uebereinkommen zu bestimmen sind, sobald nur die Revision der Gesetze abgeschlossen sein werden.
Der heilige Vater, auf's Tiefste Sr. Majestät zu Dank verpflichtet für die ihm kundgegebenen versöhnlichen Gefühle, ist der Ueberzeugung, daß Aller- höchstdieselben die dargelegte Entschließung als einen Beweis des Geistes der Freundschaft und der Mäßigung, von welchen alle Seine Handlungen gegen das Deutsche Reich von Beginn seines Pontificats geleitet waren, erachten, und daß Sr. Majestät Regierung, den großmüthigen Absichten Allerhöchstdesselben sich anschließend, mit Ihm gleichen und 'festen Schrittes deni gewünschten Ziele der Einigkeit zustreben wolle.
Se. Heiligkeit ist fest überzeugt, daß diese Einigkeit große Vortheile für die Lebensbedingungen der Kirche wie des Staates hervorbringen und die katholische Bevölkerung mit immer unverbrüchlicheren Banden der Treue an den Thron und ihren Souverain knüpfen würde.
Das ist es, was der unterzeichnete Cardinal die Ehre hat, Euerer Ezcellenz mit dem Ersuchen mit- zutheilen, davon Ihre Regierung in Kenntniß setzen zu wollen, indem er zugleich die Gesinnung seiner ausgezeichneten Verehrung erneuert.
fgez.) L. Card. I a c o b i n i.
An den königlich preußischen außerordentlichen' Gesandten und bevollmächtigten Minister beim heiligen Stuhle."
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Hans Werlmann.
Original-Novelle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Der Tannenbauer, der sich sonst in Gesellschaft sehr gerne sprechen hörte, war heute auffallend ruhig und zurückhaltend. War es nur das Bewußtsein, daß er dem armen Hans Unrecht ae- than, oder war es vielmehr auch die Einsicht, daß das Ganze vielleicht nicht so gekommen wäre, wenn er anstatt zu poltern und zu schimpfen, mit klarer ruhiger Ueberlegung über Alles und Jedes nachgedacht hätte?
v Dem sei, wie ihm wolle! Genug, der Tannenbauer wurde von dem Tage an, wo er die Unschuld des Hans klar und unwiderleglich erkannt hatte, ein anderer Mensch: Er polterte und donnerte niemals mehr, wenn ihm etwas nicht nach Wunsch erging; zwar kostete es ihm zuweilen große Ueberwindung, doch er brachte das Opfer und fand sich recht gut dabei.
Im Laufe des Gespräches kam auch die Rede auf Karl, dessen Abwesenheit den Förster und auch Hans schon befremdet hatte.
Heinrich erzählte, daß Karl, der zwei Jahre jünger war, als er, vor wenigen Wochen als Einjährig-Freiwilliger bei den Husaren eingetreten sei, und daß er in Kurzem einmal zum Besuche nach Tannenweiler zurückkehren werde.
„Ich habe ihm gestern sofort Deine Freilassung
nebst den nöthigen Bemerkungen mitgetheilt," sagte Heinrich, „der gute Karl wird seine Freude daran haben, denn der sagte stets: „Ich glaube nicht an das, was die Leute schwatzen, ich kenne den Hans."
Das Gespräch wurde sofort wieder auf einen anderen Gegenstand gelenkt, denn man merkte, daß es sowohl den Tannenbauer als auch den Förster "unangenehm berührte, wenn man von der Geschichte sprach.
Erst gegen Abend trennten sich die beiden Familien. Hans und Paula gaben den lieben Gästen noch eine Strecke das Geleit und mußten versprechen, in Kurzem auf dem Tannenhofe einen Besuch zu machen.
Zwölftes Kapitel.
Schluß.
Seitdem Heinrich in dem Forsthause gewesen war und Paula kennen gelernt hatte, dachte er fast den ganzen Tag an das schöne junge Mädchen, welches trotz seines jugendlichen Alters schon einen so lebendigen und geweckten Geist besaß. Heinrich hatte kein unruhiges lebhaftes Naturell, jedoch war er auch nicht pflegmatisch zu nennen, sein Wesen hatte etwas Ruhiges, Besonnenes, was für ihn einnahm. Seiner Ruhe lag keine Gleichgültg- keit, seinem Ernste keine Empfindungslosigkeit zu Grunde. Der junge Mann besaß eine sinnige und für alles Schöne empfängliche Natur. Er lebte in sich hinein und fand kein größeres Vergnügen,
als wenn er ganz allein dies stille Leben der Natur betrachten oder dem Gesänge eines einsamen Vogels lauschen konnte.
Daher war es wohl begreiflich, daß ein blühendes gewecktes Mädchen, welches mit Schönheit und Liebreiz ausgerüstet war, auf ihn seinen Eindruck nicht verfehlte. Heinrich konnte den Tag kaum erwarten, wo er wieder das Glück haben würde, Paula zu sehen. Der Tag des Wiedersehens kam schon bald.
Bei dem Besuche, den Hans und Paula auf dem Tannenhofe machten, mied Heinrich mit verständigem Gefühle alles, was Paula seine erwachende Neigung verrathen konnte. Er sah ein, daß es unverzeihlich wäre, wenn er in dem erst 15jährigen Mädchen durch ein besonderes aufmerksames Benehmen eine zu frühe Neigung wachzurufen versuchen würde.
Als Paula wieder ins Pensionat zurückgekehrt war, besuchte Heinrich den Hans sehr häusig im Forsthause. Es entspann sich zwischen den beiden jungen Leuten ein intimes freundschaftliches Ver- hältniß, und diese Freundschaft bot dem Hans eine günstige und erwünschte Gelegenheit, häufiger und ohne Aufsehen zu erregenden Tannenhof zu besuchen.
Elise war immer trauritz, wenn sie Hans mehrere Tage nicht gesehen hatte; kam er aber, so erhellte sich ihr Gesicht und sie entfaltete eine Heiterkeit und Lebendigkeit, die man sonst an ihr nicht sah.
Fortsetzung folgt.)