JV». 43.
Freitag, den 23. Februar
1883
Fuldaer DW Jeilung.
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Politische Ueberlichl.
Deutsches Reich.
Fulda, 23. Februar.
% Die gestrige Morgennummer der ,Nordd. Lllg.Ztg.' veröffentlicht den italienischen Urtext der beiden päpstlichen Schreiben. Derselbe stimmt mit der von uns mitgetheilten Uebersetzung, von kleinen reinen stilistischenLicenzen abgesehen, vollständig überein. Die .Germania' bemerkte gestern, sie erwarte die die Briefe veröffentlichende Nummer des Moniteur de Rome', ehe sie sich eingehender zu dem letzen Schreiben des Papstes äußere. Da auch der Text des Moniteur' nur eine Uebersetzung (französisch) ist, so ist erst durch die Wiedergabe des Urtextes jeder Zweifel über dieMnauigkeit der deutschenUebersetzung gehoben. Die , .Norddeutsche'reproducirt in ihrer Journalrevue eine ganze Reihe von Zeitungsstimmen über die gegenwärtige kirchenpolitische Situation. Nur an einer I einzigen Stelle tritt sie aus ihrer Reserve heraus, und zwar gegenüber der .Nationalliberalen Cor- respondenz'. Sie bemerkt nämlich: „Die .Nationalliberale Corresp.' zeigt sich sehr mißtrauisch, sie scheint unbeachtet zu lassen, daß die Anzeigepflicht der Angelpunkt des ganzen Streites war."
* (Das Wü rite m bergische System.) In eingehender Erörterung zeigte vor niehreren Tagen die ,Germ.' den wesentlichen Unterschied der Ge- .setzgehung in.Württembera und Preußen und machte außerdem auf die wesentlichen Differenzen betreffs i der Anzeigepflicht hier und dort aufmerksam:
Folgende Punkte lassen den tiefgehenden Unter» | schied unschwer erkennen: a) Der preußische I Bischof müß denjenigen Preußen nennen, dem er I die Pfründe oder Stelle übergeben will. Der Bischof | von Rottenburg hat die ganze Liste der Bewerber, die oft 10, 20 und noch mehr Namen enthält, vorzulegen, ohne denjenigen namhaft zu machen, dem er die Stelle übertragen will, b) Die ' Anzeige erfolgt in Preußen an den Oberpräsidenten, der meistens Protestant ist; in Rottenburg geht die Anzeige an den Präsidenten des nur aus Katholiken bestehenden Kirch en raths resp.
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Hans Werlmann.
Original-Novelle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Bei dieser Anrede wurde der Tannenbauer noch verlegener, er sagte mit leiser und merklich zitternder Stimme, und ohne aufzublicken:
„Lieber Hans, — ich habe Dir ein furchtbares Unrecht angethan, — ich habe bösen Zungen mehr getraut — als Deinem Character."
„O, laßt uns doch darüber schweigen," sprach Hans, „wäre ich an Eurer Stelle gewesen, ich hätte am Ende nicht anders gedacht als Ihr."
„Unterdeffen war Heinrich mit seiner Mutter näher gekommen, und Hans trat ihnen mit der- selben Freundlichkeit entgegen wie dem Tannenbauer; er suchte jede Erinnerung an die Vergangenheit zu vermeiden und drückte nur seine Freude darüber aus, die alten lieben Bekannten gesund und wohl wiederzusehen.
Elise war durch Zufall ein wenig zurückgeblieben. Paula führte die anderen schon in's Haus hinein, als diese an Hans herantrat. Ihr hübsches Gesicht war mit einer dunklen Röths übergossen, als Hans ihr freundlich die Hand bot und sie mit freudiF erregter Stimme begrüßte.
Elise war anfangs so befangen, daß sie keine pafsestde Antwort finden konnte. Sie flüsterte dem jungen Mann leise zu:
an dieses Collegium, c) In Preußen sind auch^die nicht definitiven Anstellungen der Anzeigepflicht unterstellt; in Rottenburg hat der Bischof die Bestallung sämmtlicher Verweser und Vi- care (auch bei der Stadtpfarrei) völlig frei, d) Nach den Maigesetzen kann der Oberpräsident einen Geistlichen, der ihm auf eine Stelle präsentirt wird, auch auf Grund kirchlicher Tendenzen perhor- resciren, indem er den „öffentlichen Frieden" erforderlichen Falles auch auf dogmatische und moralische Dinge ausdehnen kann. Will die königl. württembergische Regierung die exclusiva geben, so kann sie dies nur thun (Artikel 4 des Gesetzes) unter Anführung von Thatsachen, auf Grund deren ihr der Präsentirte in bürgerlicher ober politischer Beziehung mißfällig ist. c) Die preußischen Gesetze bestrafen den Bischof empfindlich, wenn eine Stelle innerhalb einer bestimmten Frist nicht besetzt ist, nöthigen ihn also, immer neue Persönlichkeiten zu nennen und beim Präsidenten anzuzeigen, bis schließlich der Mann gefunden ist, den die Regierung will, d. h. mit anderen Worten, der Oberpräsident besetzt die Stelle. Kommt in Württemberg der Fall vor (es soll bis jetzt (also in mehr als 20 Jahren) ein Mal vorgekommen sein, daß ein Name auf der Liste gestrichen wurde) so steht dem Bischof frei, die Stelle einfach durch einen Verweser versehen zu lassen, oder aber einen andern Priester, falls ein Geeigneter auf der Bewerberliste war, zu nennen.
Berlin, 2l. Februar.
* (In Bezug auf das gleichzeitige Tagen des Reichstages und Abgeordnetenhauses) sucht die .Nordd. Allgem. Ztg.' „statistisch" zu beweisen, daß dieses gleichzeitige Tagen bei den jetzigen Einrichtungen unvermeidlich sei: durch Addition der Anzahl von Tagen, welche in jedem Jahre die Sessionen des Reichstages und des Abgeordnetenhauses zusammen in Anspruch genommen, kommt das Regierungsblatt zu dem Ergebniß, daß die beiden Parlamente zur Erledigung ihrer Arbeiten durchschnittlich zusammen 9 Monate im Jahre brauchen, ein Zeitraum, der mit Rücksicht auf die nothwendige Sommerpause
„Hans, ich habe nie an Ihrer Unschuld gezweifelt, ich . . . ."
Mehr konnte sie nicht hervorbringen, doch der liebevolle Blick, mit dem sie Hans bei den wenigen Worten ansah, ließ ihn ahnen, was sie ihm sagen wollte.
Geschickt wußte der junge Mann ihre Verlegenheit der Aufmerksamkeit der Uebrigen zu entziehen, und führte sie mit der Zuvorkommenheit und dem edlen Anstande, die Jedermann an ihm bewunderte, in das hübsch und geschmackvoll eingerichtete Fremdenzimmer, in welchem schon die übrigen Mitglieder der Familie Platz genommen hatten.
Bald darauf trat auch der alte Förster ein, nachdem die Bekannten und Freunde, die in dem Wohnzimmer gewesen waren, Abschied genommen hatten, und begrüßte die Ankömmlinge ebenfalls mit der größten Freundlichkeit, als wenn nichts vorgefallen wäre, was das freundschaftliche Ver- hältniß der beiden Familien in etwa getrübt hätte. Der Förster und sein Sohn hatten in ihrer Freude alles Vergangene gerne vergessen, ihnen war nur der eine Gedanke lieb, daß die alten Verbindungen ungestört wieder angeknüpst wurden. Und Hans hatte noch einen besonderen Grund, weshalb er über die Annäherung der Tannenhofer entzückt war.....
Die gute Elise war sofort für die muntere Paula eingenommen, und es dauerte nicht lange, so waren die Beiden in ein intimes Gespräch ver-
und auf die Vorbereitung der Vorlagen nicht verfügbar sei. Der Fehler dieser Berechnung liegt auf der Hand: die hohe Durchschnittszahl ergibt sich, wie die ,Nat.-Ztg.' richtig bemerkt, nur dadurch, daß fast in j°dem Jahre jedes der beiden Parlamente vermöge der Rücksicht, welche es auf das andere nehmen muß, einen Dheil seiner Sessionszeit verliert. Wenn man die beiden Versammlungen nicht zu gleicher Zeit zusammentreten läßt, die Vorlagen rechtzeitig fertig stellt und aussichtslose Entwürfe nicht erst einbringt, wird keine Verlegenheit entstehen.
* (Der deusche Landwirthschaftsrath) wurde am Montag von dem ständigen Vorsitzenden v. Wedel! in einem Zimmer des Reichstagsgebäudes eröffnet. Minister Lucius begrüßte die Versammlung Namens der Staatsregierung und bemerkte: obwohl die Lage der deutschen Land- wirthschast im Allgemeinen eine bessere geworden, seien doch die übereinstimmenden Klagen aus den Kreisen der Landwirthschast über zu hohe Produc- tionskosten und Steuerlasten geeignet, die Hilfe der deutschen Regierungen erforderlich zu machen. Die preußische Staatsregierung werde den Wünschen der Landwirthschast in dieser Beziehung entsprechen; sie hoffe auch, der Unterstützung dieser Körperschaft sicher zu sein. Eine längere Debatte über die Lage der bäuerlichen Verhältnisse bezw. über eine auf die außerpreußischen Staaten auszudehnende Enquete führte noch zu keinem Beschluß.
Frankreich.
* Paris, 22. Febr. (Frkf. Ztg.) (Das Ministerium Ferry.) Das Amtsblatt veröffentlicht heute die bereits mitgetheilte Zusammensetzung des neuen Cabinets, mit der Aenderung, daß Herisson zum Handelsminister ernannt ist. Die gambettistischen Organe bewillkommen dasselbe lebhaft. .Voltaire' meint, wenn es wider Erwarten nicht Stich hielte, so wäre eine Kammer-Auflösung unvermeidlich. Die radicalen und antirepublikanischen Blätter stimmen dahin überein, daß das Ministerium vorwiegend einen autoritären und gambettistischen Character trage. ,Rappel' will jedoch nicht den Stab über dasselbe brechen, ehe es sich
tieft. Paula übertraf zwar Elise an Lebhaftigkeit der Phantasie und Gesprächigkeit, doch an Tiefe der Empfindung und unschuldig reinen Sinn waren beide Mädchen gleich.
Kaum war eine Stunde verflossen, seitdem die beiden Mädchen einander näher kennen gelernt hatten, als auch schon ein inniges Freundschaftsband sie umschloß. Sie fühlten sich zu einander hingezogen, und wenn auch Paula einige Jahre jünger war, als Elise, war sie doch schon so weit entwickelt, daß sie in Elisens Jdeenkreis einbringen konnte.
Die beiden Freundinnen schritten bald Arm in Arm durch den Garten und erzählten gegenseitig Erlebnisse aus dem Pensionat.
Ihr Beispiel lockte auch die Mutter, Heinrich und Hans hinaus, die, als ob die Vergangenheit nur ein vorübergehender Traum gewesen wäre, in ungezwungener Heiterkeit in der Laube Platz nahmen und unter traulichen Gesprächen die milde Frühlingsluft einathmeten.
Der alte Förster und der Tannenbauer blieben drinnen in dem Zimmer sitzen und besprachen ernstere Dinge, wie man aus dem gedämpften Ton der Stimmen leicht entnehmen konnte. Was sie besprachen, ließ sich schwerlich errathen, doch aus der zufriedenen Miene, mit welcher beide endlich aus der Laube traten, sah man, daß sie in ihren Meinungen überein gekommen waren. Auf den Wunsch des Försters kamen auch Elise und Paula herbei,