Dienstag, den 20. Februar 1883.
Fuldaer Zeitung.
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Der Brief des Papstes an den Kaiser.
Der Brief des Papstes vom 3O.Jan. c. lautet:
„Das Schreiben, welches Ew. kaiserliche königliche Majestät uns im December letzten Jahres durch den Gesandten v. Schlözer znstellen ließ, hat die Hoffnung, welche wir seit langer Zeit hegten, durch ein volles Einvernehmen den religiösen Conflikt im Königreich Preußen einer Lösung zugeführt zu sehen, bestätigt. Das erhabene Wort Ew. Majestät, welche sich geneigt zeigt, die Hand zur Revision der gegenwärtigen Kirchengesetzgebung zu bieten , läßt uns eine demnächstige Herstellung dieses Einvernehmens erblicken. Wir sprechen Ew. Majestät unfern Dank und unsere Genugthuung für diese Geneigtheit aus. Wir haben in Folge desselben Ihrem Gesandten e. Schlözer durch den Cardinal Jacobini eine Note zustellen lassen, welche, wie wir glauben, bereits zur Kenntniß Ew. Majestät Regierung gebracht worden ist. In dieser Rote wollten wir die Regierung Ew. Majestät aufs Neue unseres festen Willens versichern, den wir schon zu verschiedenen Malen gezeigt haben, den Bischöfen zu gestatten, diejenigen Personen der Negierung zu notifiriren, welche zu Pfarrern ernannt werden sollen. Wir haben jedoch verlangt, daß man gleichzeitig mit einer Modifikation der Maßregeln beginne,- welche heute die Ausübung der geistlichen Macht, des geistlichen Amtes, sowie den Unterricht und die Ausbildung des Klerus verhindern; denn wir glauben, daß diese Modi- ficationen für das Leben der katholischen Kirche selbst unentbehrlich sind. Diese verlangt, daß die Bischöfe die Fähigkeit haben, die geweihten Diener zu unterrichten, sie unter ihrer Aufsicht auszubilden, sowohl den Lehren wie dem Geiste der Kirche entsprechend. Der Staat würde nicht weniger für seine eigenen Beamten verlangen können. In
gleicher Weise ist eine verständige Freiheit in Ausübung der geistlichen Macht und des geistlichen Amtes für das Heil der Seelen unerläßliche Grundbedingung für das Leben der Kirche. Es würde vergeblich sein, für die Pfarrstellen neue Inhaber zu ernennen, wenn dieselben sich sodann verhindert sähen, den Pflichten gemäß, welche ihnen das geistliche Amt auferlegt, zu handeln. Sobald über diese Punkte eine Verständigung hergestellt ist, wird es bei gegenseitigem gutem Willen leicht sein, sich auch über andere nothwendige Bedingungen zu verständigen, einen wirklichen dauernden Frieden, das Ziel unserer gemeinschaftlichen Wünsche, zu sichern. Inzwischen bitten wir, die wiederholten Ausdrücke der warmen Wünsche entgegen zu nehmen, welche wir unaufhörlich für das Wohlergehen Ew. Majestät kaiserliche und königliche Familie hegen. Im Vatikan, 30. Jan. 1883. Leo XIII., Papst."
Wenn durch den nun vorliegenden Wortlaut der päpstlichen Antwort eines constatirt ist, so ist jedenfalls das constatirt, daß der Papst in dem kaiserlichen Briefe seine Hoffnung, den Con- flict seiner Lösung zugeführt zu sehen, bestätigt findet. — Was mögen nun wohl Diejenigen sagen, welche, als die ,Schles. Volkszeitung' und die ,Fuldaer Zeitung' ganz dieselbe Meinung bescheiden zum Ausdruck brachten, auf die genannten Blätter losschlugen und sich nicht entblüdeten, ungereimte persönliche Angriffe gegen deren Leiter mit dieser ernsten i Sache zu verquicken? Nach der in den letzten Wochen leider hervorgetretenen Gepflogenheit einer großen Zahl dieser Organe, von diesen Entgegnungen keine Notiz zu nehmen, werden sie sich auch jetzt ausschmeigen. Das ist eine sehr billige, aber nichts weniger als noble Manier. Wir bemerken dies namentlich gegenüber einem uns eben erst zugehenden unqualificirbaren Artikel der ,Tremo- nia' und einer gewiffen Correspondenz.
An den Papstbrief selbst, der uns gerade vor Redactionsschluß erst im Wortlaut zugeht, können wir erst morgen weitere Betrachtungen anknüpfen.
Politische Peberficht.
Deutscher Reich.
Fulda, 20. Februar.
• Der .Moniteur de Rome' veröffentlicht in seiner Abendausgabe die beiden Briefe, welche der Papst im December und Januar an den Kaiser Wilhelm gerichtet hat. In dem ersten Briefe, welcher vom 3. December v. I. datirt ist, spricht der Papst seine Freude über die Versicherurgen aus, welche der Kaiser bei Eröffnung des preußischen Landtages in Betreff der Erhaltung des europäischeu Friedens gemacht hatte. Der Papst erinnert daran, daß er schon vor Beginn seines Pontificates an, Dank den edlen Gesinnungen des Kaisers, sich der Hoffnung hingegeben habe, auch den religiösen Frieden wieder hergestellt zu sehen. Diese Hofftmng sei durch die Wiederherstellung der preußischen Gesandt-chaft bestätigt worden. Wie für die-Kirche, so sei auch für den Staat der religiöse Friede nur vortheilhaft, denn die Kirche schärfe den Geist des Gehorsams für die Anordnungen der Obrigkeit den Menschen ein. Die Pflichten seines apostolischen Amtes nöthigten den Papst jedoch, zu verlangen, daß die neue Gesetzgebung in Preußen in definitiver Weise gemildert und verbessert werde, mindestens in denjenigen Punkten, die für das Leben der katholischen Kirch wesentlich erschienen. Es werde dies das einzige Mittel sein, zu einem wahren und dauttHrsten.Fpcden .rn gcl^MsN. Die Wiederherstellung des religiösen Friedens ‘werbe die Herzen der katholischen Unterthanen noch fester an den Thron knüpfen, 'sie worbe die würdige Krönung einer langen und ruhmreichen Regierung sein.
Der zweite Brief, welcher auf das kaiserliche Schreiben vom 22. December v. I. beantwortet, ist vom 30. Januar datirt. Derselbe liegt nunmehr im genauen Wortlaute vor. Er ist an der Spitze der heutigen Nummer abgedruckt.
Berlin, 17. Februar.
* (Das Landes-Oekonomiecollegium) setzte am 16. die Discussion über die Lage der bäuerlichen Verhältniffe fort. Der Kronprinz er«
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Hans Werlmarm.
Original - Novelle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Der gute Michel hatte kein Wort des Tadels gegen die beiden Frauen, er wies ihre Entschuldigung und ihre Bitten um Vergebung zurück.
Die alten Frauen versprachen ihin mit Thränen in den Augen, daß sie das Gesagte, wenn nöthig, auch eidlich bekräftigen würden. Äst gegen Mitternacht schritt Michel der Waldhütte zu. —
Geduldig wartete derselbe die Zeit ab, bis seine alte Pflegemutter begraben war, ehe er in der wichtigen Sache weitere Schritte that. Die Leiche der Waldliese würbe auf dem Kirchhofe zu Tannenweiler beigesetzt. Ihrem Sarge folgten nur wenig Leidtragende. Außer Michel sah man einige alte Mütterchen, die für die Seelenruhe des reumüthig gestorbenen Weibes einige stille Ave's zum Himmel lanbten, und Fritz Bucher in Begleitung seiner Mutter und Tante, die der alten Liese nach den Ereignissen der letzten Tage um so näher zu stehen glaubten.
Am Tage nach dem Begräbnisse begab sich Michel früh Morgens nach Marnheim. Er lenkte leine Schritte sofort zu der Wohnung eines alten Rechtsanwaltes, dem er die ganze Geschichte vortrug. Der erfahrene Mann schüttelte bedenklich den Kopf, als Michel geendet hatte; selbst
das Vorhandensein des Documentes wollte ihm wenig Vertrauen auf eine Erfolg versprechende Betreibung der Sache einflößen. Erst als er erfuhr, daß die beiden in dem Testamente genannten Weiber noch lebten, und bereit seien, die Wahrheit der Behauptung eidlich zu bekräftigen, wurde seine Hoffnung größer, doch entließ er Michel mit bem Bescheid, daß die Geschichte sehr fatal sei, er werde thun, was in seinen Kräften stehe, um ihn als Rechtsnachfolger des verstorbenen Emil Vogt anerkennen zu lassen.
Wochen vergingen, Michel ging sehr häufig zur Stadt, um Erkundigungen bei dem Advocaten einzuziehen. Der alte Herr machte stets eine bedenkliche Miene und sagte schließlich dem Michel, daß der einzige Weg, den man einschlagen könne, nämlich ein Prozeß gegen die Erben des Verstorbenen, sehr langwierig werden könne.
Endlich, es war an einem Sonntage, als Michel gerade aus dem Hochamte heimgekehrt war, erhielt Michel einen großen versiegelten Brief aus Marnheim, worin ihm fein Anwalt anzeigte, daß die einzigen Erben des verstorbenen Vogt, die Frau de» Tannenbauers, im Einverständnisse mit ihrem Manne und ihren Kindern freiwillig aus die Erbschaft verzichtet und sie ihm als dem legitimen Emil Vogt übertragen hätten.
Michel war fast außer sich vor Freude. Ohne Säumen eilte er zum Tannenhofe, um der Familie, die er schon früher für sich und seine Pflege
mutter um Vergebung alles Unrechtes gebeten hatte, aus innerstem Herzen für den Act der Großmuth zu danken. Michel sah recht wohl ein, daß er das Geschäft seines Ziehbruders nicht mehr fortsetzen konnte, und verkaufte deßhalb dem Herrn Bartel seinen Geschäftsautheil und das stattliche Wohnhaus neben der Fabrik. Nachdem er so fein ganzes ihm so lange mit Unrecht vorenthaltenes Vermögen zu Geld gemacht hatte, faßte er den Entschluß, der alten Welt „Vale" zu sagen und im fernen Westen die Ruhe und den Frieden zu suchen, die er weder in seinem Geburtsorte, noch in Tannenweiler finden konnte, wo ihm alle Gegenstände die traurige Vergangenheit in's Ge- dächtniß zurückriefen. Der Pfarrer von Tannenweiler, ein verständiger Alami, der im allgemeinen gegen das Auswandern eingenommen war, rieth trotzdem dem Michel, seinen Plan durchzuführen, denn Lr erkannte die Gründe an, die diesen dazu bewogen. Der gefällige Greis setzte sich sofort mit der Agentur für die Versorgung der kath. deutschen Einwanderer in Verbindung und wußte nunmehr Michel in guten zuverlässigen Händen.
Der Erbe besuchte, bevor er sein Vaterland verließ, nochmals alle seine früheren Bekannten. Er ging auch zu dem Forsthause und bat dort Hans und den alten Förster mit Thränen in den Augen für sich und seine verstorbene Pflegemutter um Vergebung. Die Beiden vergaben ihm und auch der alten Liese von Herzen, besonders, da sie