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Jß. 3S.

Montag, den 19. Februar

Fuldaer IlB Jalung.

1883.

•i# ^uibcer Reituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, mit den ** '?utbaK d“tU 0 ” 9 illustrirten Sonntagsblältern ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Politische Ueberficht.

Deutscher Reich.

Fulda, 19. Februar.

S (Die .Norddeutsche Allgemeine' und die Anzeigepflicht in Württemberg.) Anknüpfend an einen Artikel der .Schlesischen Zeitung' über die Verhandlungen mit der Curie und über die in Württemberg geltende Ordnung der Kirchenverhältnissenamentlich bezüglich der Anzeigepflicht, äußert sich die ,Nordd. Allg. Ztg.' u. A. wie folgt:

„Wir stimmen mit der .Schlesischen Zeitung' „darin überein, daß, wenn die Curie uns das „Gleiche zugestehen will, was sie Württemberg zn« „gestanden hat, ein modus vivendi gefunden wäre."

Wir sind überzeugt, daß die preußische „Regierung auch heute noch eine Sicherung der „Rechte des Staates nach Maßgabe derjenigen „Bedingungen, welche die Curie Württemberg ge- „genüber zugestanden hat, acceptiren wird, und „daß sie ihrerseits selbst eine solche Regelung der „Verhältnisse in Vorschlag bringen würde, wenn „Aussicht für eine Annahme derselben seitens Roms „vorhanden wäre."

Diesem Artikel der ofsiciösen Zeitung wird all­gemein eine große Bedeutung beigemeffen, wie schon daraus ersichtlich, daß verschiedene kathol. Provinzialblättcr in fetter Schrift einen ihnen tele­graphisch zugegangenen Auszug aus demselben mittheilen, und daß die .Germania', sowie die .Köln. Volkszeitung' demselben bereits Leitartikel gewidmet haben. Bereits in der Nummer vom 19. Januar wurde an dieser Stelle die Anzeige­pflicht in Württemberg und ihr grundsätzlicher Unterschied von den betreffenden preußischen Gesetzes­bestimmungen eingehender beleuchtet. Wir werden in einer der nächsten Nummern abermals auf diese nunmehr in den Vordergrund tretende Frage zurückkommen und beschränken uns heute auf die Wiedergabe des Satzes, mit welchem die .Ger­mania' ihren bezüglichen Leiter in der SonntagS- nummer schließt:

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Harrs Werlmarrrr.

Original-Novelle von Richard Fröhlich.

(Fortsetzung.)

Schon begann es zu dunkeln. Michel bemerkte es kaum, er ging fast mechanisch auf dem be­kannten Wege fort. Seine Gedanken weilten bei den Ereigniffen des Tages. Eine unermeßliche Kluft begann sich zwischen seine Vergangenheit und Zukunft zu stellen. Ein ganz neues Leben stand ihm bevor, wie es sich gestalten würde, konnte er sich noch keine Vorstellung machen.

Ohne daß er es bemerkte, war Michel unter« dessen an dem kleinen Häuschen angelangt, wo die beiden alten Frauen wohnten. Bevor er an die Thür anklopfte, tastete er in die Brusttasche hinein, um sich zu versichern, daß er das Docn- ment noch besitze. Eine eigenthümliche Beklem­mung befiel ihn, er hatte große Lust umzukehren, doch sah er ein, daß er den Schritt thun müsie. Er trat au das Häuschen heran und pochte drei­mal gegen die Thür. In dem kleinen Stübchen rechts brannte Licht, doch ließ sich durch die rothen Gardinen kein Einblick in dasselbe ge- winnen. Alsbald hörte Michel nahende Schritte, an der unteren Thürritze zeigte sich ein schmaler Lich tftreisen und eine schwache Frauenstimme fragte nach seinem Begehr.

„Oeffuet doch, bitte, ich bin's ja, der Michel!"

„Würde die Regierung erklären, daß sie sich „voll und ganz auf den Boden des württem- „bergischen Systems stelle, so würden wir neue „Hoffnung auf einen baldigen Frieden fassen. Der „Versuch, bei einigen entlehnten Einzelheiten das „Falsche System im Wesentlichen aufrecht zu er- „halten und auf Umwegen einzuführen, ist in „demselben Augenblicke, wo er durchschaut ist, aus- „sichtslos geworden."

Leider bieten die Auslassungen der ,Nordd. Allgem.' keinen genügenden Anhaltspunkt dafür, daß die R e g i e r u n g sich auf den Boden des würt- tembergischen Systems stellen will. Nach langjäh­rigen, in der letzten Zeit noch ganz besonders be­stärkten Erfahrungen sind solche ofsiciösen Artikel meist lediglich zu dem Zwecke geschrieben, um die Mei­nungsäußerungen der verschiedenen Parteien her- vorzuloaen. Sind letztere in die Erscheinung ge­treten, so fällt es den Ofsiciösen nie bei, etwaige Einwürfe zu widerlegen; es genügt dann, daß die Stimmen der Presse, soweit sie den Officiösen gerade passen, registrirt werden.

O (Der Fuchs predigt den Hühnern.) Die .Norddeutsche Allgemeine' führt in einem „Die deutsche Zeitungsmisöre" überschrie­benen Artikel der Sonntagsnummer Klage darüber, daß die deutsche Presse sich zu wenig „erhaben zeige über Kirchthumpolitik und Kannegießerei", daß sie zu wenig auf die „Geltendmachung „großerGesichtspunkte".halte und „inOppo­sition wie in Zustimmung chevalereske For­men" außer Acht lasse. Dann heißt es weiter wörtlich:

„Das politische Parteiwesen hat unsere Presse mit corrumpirt: wir können das besonders beider kleineren Provincialpresse beobachten, die zwar zahlreich ist, aber nicht von eigenen Gedanken lebt, sondern von Waschzetteln, dieser Erfindung des Liberalismus."

Mau traut kaum seinen Augen, wenn man das officiöseBlatt über die Waschzettel klagen hört. Was wohl der General-Waschzettel, die ,P r o v i n z i a l-Correspondenz'zudieserfreund-

Sofort wurde der Riegel zurückgeschoben, und Michel trat ins Haus. Die beiden Frauen waren sehr erstaunt, zu so später Stunde den Michel noch zu sehen. r ,

In ziemlich unbeholfener Weise legte Michel den Zweck seines Kommens dar. Der arme Mensch stockte nicht selten in seinem Redeflüsse und sah die beiden Alten au, als ob er befürchtete, von ihnen ausgelacht zu werden. Diese hatten sich, während Michel in seiner schlichten Weise den ganzen Hergang erzählte, ganz entfärbt, und eine namenlose Angst leuchtete aus ihren Augen. Als er endlich das Document hervorzog, sprangen sie beide von ihren Stühlen auf und beugten sich über das vergilbte Papier.

Die Aeltere, die Mutter des „langen Fritz," brach zuerst das minutenlange Schweigen, welches nach der Erzählung Michels eiugetreten war. Sie vergaß ganz, ihre Verwunderung über den Tod der alten Liese auSzudrückeu, das anfängliche Staunen über diefe unerwartete Nachricht war völlig in den Hintergrund getreten vor dem Ge­danken an die schlimme Lage, in die sie sich jetzt versetzt glaubten.

In abgebrochenen Worten erzählte die alte Frau mit bleich und verstörten Mienen, daß sie mit ihrer Schwester bei der alten Liese anwesend ge­wesen wären, als das Mädchen das Kind hätte fallen lassen. „Die Alte war rathlvs," sprach sie „sie fürchtete, die Eltern möchten ihr das Kmd

nachbarlichen Schmeichelei sagen wird? Wahr­scheinlich wird sie nach dem schönen Motto: „Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus" — schweigen. Nun, uns können solche „Bekenntnisse einer schönen Seele" an sich ziemlich gleichgültig sein. Wir haben sie mehr zur Kennzeichnung der .Norddeutschen' ü. zugleichzurBereicherung der maßgebenden Urtheile über die famose Einrichtung der „Waschzettel" etwas tiefer ge­hängt, damit Jeder sie lesen kann.

(Ablehnung des Antrags Lingens.) Die von dem Centrumsmitgliede Dr. Lingens beantragte Resolution auf Einschränkung des Postbetriebs an Sonntagen wurde in der letzten Sitzung des Reichstages wider alles Er­warten ab gelehnt, und zwar mit 103 gegen 103 Stimmen, also mit Stimmengleichheit. Nach dem Fractionsverzeichniß war für den Antrag eine Mehrheit gesichert, und das bedauenls- werthe Resultat ist leider — ebenso wie vor Kurzem die Ablehnung des Antrages Ackermann über die Rechte der Innungen — dem Umstande zuzuschreiben, daß auf de« Bänken der Conserva- tiven und des Centrnms sich große Lücken zeig­ten, während die Liberalen vollzählig erschienen waren. Die .Germania' macht Angesichts dieser Niederlage, deren Schuld die säumigen Abgeord­neten nicht von sich abwälzen können, wiederholt auf die schwere Verantwortung aufmerksam, welche eine solche Vernachlässigung der Pflichten nach.sich zieht.

Berlin, 17. Februar.

* (Douceurs für Unterofficiere.) Das General-Commando des Garde-Corps hat, wie die ,Berl. Ztg.' meldet, kürzlich eine Verordnung er« lassen, wonach es den Einjährig-Freiwilligen strikte verboten ist, ihren Unterofficieren :c. ohne Wissen der höheren Vorgesetzten Geschenke zu machen; Zuwiderhandelnde sollen wegen Ungehorsams resp. Bestechung die zuständige Strafe erhalten. Den Unterofficieren rc. ist dagegen streng verboten wor­den, von ihren untergebenen Einjährig-Freiwilligen ohne Vorwissen der höhern Vorgesetzten Geschenke irgend welcher Art anzunehmeu. Im Zuwider- nehmen und ihr so auch das schöne Verdienst ent6 ziehen. Die Kopfwunde war wirklich so stark, daß an eine baldige Heilung vor der Hand nicht zu denken war; ich glaubte sogar ganz bestimmt, daß das Kind an der Verletzung sterben werde. Ich machte deshalb zuerst den Vorschlag, die beiden Kinder mit einander zu vertauschen, da man dies bei dem zarten Alter und der zufälligen Aehnlich- keit der Züge nicht leicht bemerken könnte. Ich glaubte damit kein Unrecht zu begehen, denn ich dachte nur an die unglücklichen Eltern, die sonst ihr Kind voraussichtlich tobt wiedersehen würden. Der alten Liese schien der Plan anfangs ganz zu­zusagen, sie dachte im ersten Augenblicke eben nur an ihr Verdienst, doch machte. sich auch bei ihr das Mutterherz geltend, nach eiiftgem Nachdenken konnte sie sich nur mit Mühe zu dem Schritt ent­schließen. — Tas Mädchen wurde sofort ent­lassen und die Kleidchen der Kinder gewech,elt. Wir Beiden mußten der Alten mit einem feierlichen Eide geloben, während ihrer Lebzeiten nichts von dem Vorfälle zu entdecken. Gegen Erwarten bliebst Du am Leben, Michel, aber die Verwechselung war einmal geschehen; ohne-den Eltern etwas zu sagen, ließ sie sich nicht mehr ändern. Und dazu konnten wir die alte Liese nicht mehr bewegen, denn das glaube mir, Michel, schon bald nach der Thal kam die Reue, wenigstens bei uns. Wenn wir Dich als Knaben auf der Haide spielen sahen, wenn wir Dich zuweileii an der Seite der alten