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Jti 37

Freitag, dm 16. Februar

1883

Jätung

Fuldaer

»u . Q,uuna' eächeint täglich. Sonn» und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Dringerlohn mW Bestellgeld: 1 Ml. 50 Pfg-, mit den Di« .Fuldaer Altung enchemr rage ^onntagsbLtern ,Jm Familienkreise" m tzulda 1 Mk. 70 %. auswärts 1 M. 7o M.

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Hans Werlmann.

Original Rouelle von Richard Fröhlich.

(Fortsetzung.)

„O, der unglückliche Hans!" mar das Erste, was Michel in seiner Bestürzung sagte. Die Alte schien ihm noch mehr mittheilen zu wollen, doch die Anwesenheit des Wärters war ihr augen­scheinlich lästig. Als sie aber einsah, daß sie seine Entfernung nicht verlangen konnte, zog sie Michel nochmals zu sich heran, und sprach zu ihm:

„Michel, ich kann nicht aus dem Leben scheiden, bevor ich alles, alles wieder nach Kräften gut ge­macht habe. Ich habe dich immer schlecht behan­delt, obgleich Du mir niemals auch nur ein hartes Wort sagtest. Ich konnte nicht anders, Michel, ich konnte Dich nicht gerne haben, denn — Du bist nicht mein — Kind. Michel", fuhr sie dann mit keuchender Stimme fort, indem sie ihre bre­chenden Augen zu dem armen Michel erhob, der sprachlos und, ohne sich zu rühren, dastand, „Michel reiße in der Waldhütte vorne in der Stube den Fußboden auf, dort wirst Du ein Paket mit dem Dokument finden, welches das beweist, was ich Dir jetzt sage. — Michel, Michel, aber verzeih' mir, was ich an Dir gethan, ver­zeih mir, daß ich Dir deine Abkunft bis jetzt ver­heimlicht habe. Du bist als kleines.Kind von

wenigen Wochen zu mir in die Waldhütte ge­bracht worden. - - Deine Eltern waren vornehm und reich und vertrauten Dich mir ganz beson­ders an. Einige Tage nachher ließ ein Mädchen aus dem Dorfe, welches ich zu Deiner Aufwar­tung angenommen hatte, Dich so unglücklich auf den Kopf fallen, daß Du hinten am Schädel eine klaffende Wunde erhieltest. Ich war rathlos, ich fürchtete, Deine Eltern würden mir, wenn sie es erführen, diese schöne Geldquelle entziehen. In meiner Verzweiflung vertauschte ich Dich mit meinem Kinde, das von demselben Alter war. — Michel, nicht Du, sondern Emil ist mein Sohn. — Michel, fuhr sie nach einer Pause fort, wäh­rend dicke Schweißtropfen ihr über die Stirne rannen, — „gib mir die Hand und versprich mir, daß Du mir verzeihst."

Michel stand während der ganzen Rede der Alten da wie Einer, der an sich selbst zweifelt und an alle dem, was um ihn her vor sich geht. Bald fuhr er mit der Hand über die Stirne, bald faßte er mit beiden Händen krampfhaft die Lehne des Stuhles, der neben dem Krankenbette stand. Endlich ermannte er sich, drückte der alten Frau die Hand und sprach: „Ja, ich habe Dir verziehen, ich bin Dir nie recht bös gewesen."

„Michel, versprich mir auch, daß Du Hans für mich um Vergebung flehest."

Der gutmüthige Mensch versprach es, und die alte Liese schwieg einen Augenblick, dann aber

Zur Bauern frage.

Von 'Pfarm 01 rebr in Flieden.

IV.

Zn den Statuten des Bauernvereins ist unter den Mitteln zur Erreichung der Zwecke desselben an vierter Stelle die Rede von Gründung gemein­samer, wohlthätiger Anstalten im Interesse des Grundbesitzes und der Landwirthschaft, insbe­sondere von Credit-Jnstituten und gemein- samen Versicherungen. Auf solche Credit-Jnsiitute will ich in diesem Artikel die verehrten Leser aufmerksam machen. Da wir in Flieden in unserm Bauernvereine ein solches Institut, eine Dar- lehnskasse, in's Leben gerufen haben, rede ich aus der Praxis heraus.

Die Roth wendig keil solcher Darlehnskassen ergibt sich: 1) ans dem Bedürfnisse eines Betriebs­kapitals für den BanerSmann zu landwirthschaft- lichen Zwecken; 2) aus dem Bedürfnisse, denselben in augenblicklicher Roth vor den Händen der Wucherer zu bewahren.

Es ist eine bekannte Thatsache, daß seit Jahren in unserm Vaterlande die „Großindustrie" und der „Großhandel" von oben herab besonders begünstigt, daß sie als Schooßkinder behandelt worden sind. Diese hatten den Nutzen von allen wichtigen Erfindungen und Verbesserungen, von allen Erfolgen der For­schung auf dem Gebiete der Natnrwiqen'änlft, der Crlnchterutig und Erweiterung des V jeglicher Beziehung, namentlich durch Handels- und Zollvcrträae, weil sie, abgesehen von .ihrer Fähig­keit, diese Zeitverhältnisse bcfier auszunutzen, auch da« nöthige Kapital oder den Credit vollauf hatten. Ganz anders erging es in dieser Beziehung dem „Kleinbauern" und dem „Kleingewerbe". Sie waren und sind noch das „Stiefkind", dem es nicht blos an Kapital, sondern auch an Credit fehlt.

Mag der gute Bauer noch so sehr bemüht sein, mehr rationell zu witthschasten, und sich allen durch die Praxis bewährten Verbesserungen anzu­schließen entschlossen fein; mag er fortan besser

und Ausgabe, Gewinn und Verlust jederzeit Rechen­schaft zu geben, — fehlt ihm das nöthige Be­triebskapital für seine Landwirthschaft, so ist er nicht im Stande, eine wesentliche Verbesserung in seinen Verhältnissen zu Wege zu bringen. Es kommen aber auch Unfälle über den armen Bauers­mann : Mißernten, Witterungsfchäden, Viehsterben u. s. w., wodurch er in augenblickliche Roth ge­rät h. Er bedarf des Geldes, um diese Schäden

und Verluste auSzubessern und zu beseitigen. Trifft gar ein oder das andere Mißgeschick die ganze Gemeinde, so können einzelne Mitbürger beim besten Willen einander oft nicht helfen; selbst wenn Wenige betroffen werden, so ist der Geldmangel auf dem Lande meist so groß, daß die Betroffe­nen in der Regel dem Wucher preisgegeben sind. Da gibt es besonders eine (Haffe von „Geschäfts­leuten", welche sich dem in Roth befindlichen Bauern gerne als barmherzige Samariter an­bieten und sich gerade ihn mit Vorliebe zum Opfer auserfehen. Sie benutzen die augenblick­liche Roth des Bauern zum „Anbinden", was ihnen leider so oft gelingt, zumal sie den Handel, besonders den Viehhandel, meist in Händen haben. Der Bauersmann hat eine Kuh eingebüßt; er muß nothwendig eine andere haben. Sofort ist der Moses ober Nathan bei der Hand, um dem guten Manne aus der Verlegenheit zu helfen. Er braucht ja kein Geld - er braucht bloß einen Schein zu unterschreiben. Armer Bauer! Diese tbev.re Sh* -- d'-s-e un­

glückselige SchuldHein liefern dich höchstwach,- gänzlich in di»..Hönd- d'ffet- „Geschäft'.

mannes"/ Da wird um Johanni unerwartet ein Capitälchen gekündigt, ober es ist ein Zins fällig, ober ein Ziel muß bezahlt werden — es ist kein Geld da. Wo Geld hernehmen? Run, der Mann ist ja bekannt, der schon Manchem geholfen hat. Abends, in der Dämmerung schleicht er hin zu ihm; Nieiuand solls sehen und wissen. Daß der Geschäftsmann schweigt, weiß er. Er bekommt Geld und unterschreibt einen Schuldschein. Sein Schicksal ist damit besiegelt. Die Zahlungsfrist fünft nfi 91hi>rmnfa kein Geld Was Khabet'S.

meint der barmherige Gläubiger. Der Zins wird zum Capital geschrieben und iwch etwas für Pro- visivn hinzu. So gehts eine Zeit lang fort. End­lich kommt der rechte Augenblick; wo der Mann, der sein Geschäft gut versteht, den Strick zuzieht — und der Bauer ist verloren. Viele find auf diese und ähnliche Weise bereits zu Grunde gegangen.

(Fortsetzung folgt.)

politische Ueberficht.

Deutsches Reich.

Fulda, t6. Februar.

Die .Kölnische Volkkszeitung' beglei­tet das ihr diesseits nütgetheilte Dementi der den hachw. Herrn Bischof betreffenden unwahren Nachricht der .Tribüne' ic. mit der sehr berech­tigten Bemerkung: „Es ist erstaunlich, mit rvelcher Dreistigkeit die liberale Presse kirchenpolitische Nachrichten in die Welt setzt. In Fulda speciell scheint der Chef eines Bureaus für die Verbrei­tung falscher Nachrichten seinen Sitz zu haben." Wir bemerken dazu mir, daß der einsichtsvolle Theil der Presse sich durch solche, schon in sich ungereimte 'Nachrichten nicht leicht ins Bor­horn jagen läßt. Der Rest ist Schweigen.

4 (Gebührende Abfertigung der offi- ciösen und anderer Stimmen.) Der .Lster- vatore Romano' bringt nach einem Telegramm ivr N 5r Pi- ‘ folgendes ffmmmmüvjA

Die neuesten Phasen der zwischen dem h. Stuhle und der Berliner Kanzlei obschwebenben Verhand­lungen gaben einigen deutschen-Blättern. Gelegen­heit, Urtheile und Glossen zu veröffentlichen, welche von den liberalen italienischen Blättern gierig aus» gebeutet wurden. Jene Blätter sahen in der Haltung des CentrumS be» deutschen Parlaments ein Hinderniß gegen den friedlichen Ausgang be­sagter Verhandlungen. Derartige Deduktionen sind unbegründet und böswillig. Wer sie auf» nimmt und verbreitet, verkennt ganz und gar die hohe Mission des h. Stuhles und mißachtet die elementarsten Rücksichten aus die Würde deffelben

wurde sie wieder unruhig und rief nach dein Priester und dem Untersuchungsrichter. Der letz­tere erschien bald darauf, und das alte Weib legte nun ein offenes Geständniß alles desien ab, was zwischen ihr und Emil vorgefallen war. Während der pflichttreue Beamte, froh, daß endlich seine Hoffnung in Erfüllung gegangen war, sofort die nöthigen Schritte that, um die Freilassung des jungen Werlmann zu veranlaffen, trat der Diener Gottes zum dritten Male an demselben Tage in die Zelle der alten Frau. Er war er­staunt, eine so gänzliche Sinnesänderung an ihr zu entdecken.

Michel verließ mit dem Wärter die Zelle, und als der Priester eine halbe Stunde später heraus­trat, um in der nahen Kapelle die h. Sterbe­sakramente zu holen, leuchtete ihm die Helle Freude aus den Augen. Nach dem Empfang der letzten Wegzehrung wurde die alte Liese allmählich ruhiger und gefaßter. Sie bat in Gegenwart des Priesters und Michels laut Alle um Vergebung, denen sie damals zu nahe getreten war und bat Michel nochmals dies insbesondere der Förstersfamilie und der Familie des Tannenbauers mitzutheilen. Dem Geistlichen trug sie auf, den Pfarrer ihres Dorfes zu ermächtigen, an dem folgenden Sonn­tage vor versammelter Gemeinde ihre reumüthige Bitte um Vergebung aller Beleidigungen und Kränkungen, die sie jemals einem Dorfbewohner zugefügt habe, vorzutragen. (Forsetzung folgt.)