jy» gg Donnerstag, den 15. Februar 1883-
Fuldaer SÜ Jeilung.
— mit den
»u, iurjw— Reituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn unh Bestellgeld: i M. -0 Psg., Li« ,Fuldoer Zrttung- ericyemc «8»-^ SonntagsdUUtern ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 M. 70 Psg., auswärts 1 M. 7ö M.
Inserate: Die vierspallige Zeile^oder deren Raum 15 Psg.. sog. Platzannoncen 10 Pfg.: bet Wiederholungen entsprechender Raba.t.
Komische Kcbersichl.
Deutsches Reich.
Fulda, 15. Februar.
G (Die Berechtung unserer Taktik) wird, so schreibt die .Schles. Volks; tg.' in ihrer gestrigen Morgennunnner, nicht nur durch die Logik derThatsachen täglich in immer weiteren Kreisen anerkannt, sondern auch durch die Stimmen derer, welche sich in den jüngsten Tagen die nöthige Ruhe und Objektivität bewahrt haben.
Zu diesen Stimmen gehört die in Creseld erscheinende .Niederrheinische Volkszeitung', eines der größten und angesehensten Blätter der Rheinprovinz. In seinerSonn- tagsnummer bringt dasselbe unter der Ueberschrist: „Zu viel Diplomatie" einen Leitartikel, welchem wir das Folgende entnehmen:
„Es ist von jeher ein Vorzug der Centrumspartei gewesen, daß jener Cadavergehorsam, der von anderen geübt, und von diesen uns vorge- worfen wird, bei uns nie bestanden hat. Die Centrumspartei ist vor allen, einig in bezug auf die Religion, und diese bis in's kleinste gehende gleiche Weltanschauung bedingt auch eine gleiche Richtung der großen Linien. ..... Immerhin aber finden sich auch Gebiete, in welchen die Ansichten sehr auseinandergehen können, und diese verschiedenen Ansichten sehen wir auch im Centrum vertreten.
Das ist bei uns möglich, ohne der Einheit zu schaden, ohne. Cadavergehorsam, ohne daß das Vertrauen zwischen Volk und Führern Noth leidet. Za noch mehr! Wir sind die einzige Partei im Reiche, deren Presse in einem gegebenen Falle anderer Ansicht sein kann, als die Fraction, ohne daß das irgend welche andere Folge hätte, als eine Verständigung. Wir brauchen lange nicht, wie andere Parteien, alles zu loben, was vom Centrum ausgeht, damit das Ansehen keinen Ähaden leide. Unser Ansehen besteht nicht in den Personen, sondern in den glei-
22
HanS Werlmann.
Original-Novelle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Der alten Liese Trotz begann schon wankend zu werden. Sie wollte sprechen, aber nicht die Wahrheit wollte sie gestehen um keinen Preis! Als sie wieder in ihrer Zelle saß, dachte sie darüber nach, wie sie ani besten die Sache darstellen könnte, um sich so wenig als möglich compomit- tiren. Von Emil wollte sie nichts entdecken, das nahm sie sich wiederuni fest vor. Warum scheute sie es eigentlich so sehr, Emil zu verrathen? War es Furcht vor seiner Rache? War es der Einfluß seiner letzten schrecklichen Drohung, ivas sie zu diesem beharrlichen Schweigen über seine Schuld bewog? Oder endlich war es Hoffnung auf spätere reiche Belohnung seinerseits? Vielleicht wirkten alle diese Gründe zu dem von ihr gefaßten Entschlüsse zusammen, eine Geschichte zu ersinnen, bä der sie selbst und vor allem Emil unschuldig daständen. Doch vergaß sie dabei zwei wichtige Fragen zu berücksichtigen: War sie überhaupt fähig, ein so feines Lügengewebe zu spinnen? Und ferner: Glaubte man ihr, ohne daß sie schwerwiegende Beweise vorbrächte?
Zehntes Kapitel. Geständnisse und Ende der alten Liese.
Monate waren vergangen. Der kalte strenge Winter hatte dem lieblichen Lenz Platz gemacht
chen Principien, und in einer Frage, wo ein solches Princip nicht da ist, dürfen wir getheilter Ansicht sein, deswegen gehen wir ;um Acrger unserer Gegner doch wieder zusammen, sobald ein Princip in Frage steht.
Für uns hat es sein Gutes, wenn die Preffe manchmal andere Ansichten äußert, als sich gerade in der Fraktion kund thun. Man weih dann, daß die Organe der öffentlichen Meinung aus dem Posten sind, und da.ß ihre Zustimmungs- äußerungen nicht auf eine gewisse Denkfaulheit zurückzuführen sind. Wenn mir einer ins Gesicht sagt: „Deiner Ansicht bin ich nicht," dem kann dann ich einen Werth beimessen, wenn er sagt: „Deiner Ansicht bin ich". Wenn tatsächlich nie ein Widerspruch aus dem Volke gegen die Fraktion erfolgt, fo weiß die Fraktion nie mehr, oh sie wirklich im Einklänge mit ihren Wählern noch steht, und sie könnte einmal an die Wand gequetscht werden, wie der große Bismarck die kleinen Liberalen an die Wand gequetscht hat. Vor dieser Gefahr behütet aber die Preffe das Centrum, ivenn sie sich auch dann kein Schweigen auferlegt, wenn sie nicht mit dem eingeschlagenen Wege einverstanden ist. Der Grundsatz: „Im Nothwendige« Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem Liebe," entstammt einem der ersten Philosophen und dazu einem der weisesten und heiligsten Männer. Nnd^wenn andere Parteien im Zweifelhaften keine Freiheit ertragen können, so rührt das daher, daß sie im Rothwendigen keine Einheit und namentlich in allem keine Liebe besitzen."
Berlin, 14. Februar.
» (Die Verhandlugen über eine Lite- rar-Convention zwischen Deutschland und Frankreich) werden fortgesetzt. Eine Hauptschwierigkeit, so schreibt man der ,Rat. Ztg.', besteht darin, daß Frankreich einen Schutz für Uebersetzung auf zehn Jahre beansprucht, Deutschland aber nur fünf Jahre gewähren will. Es liegt in der Absicht, Sachverständige zu vernehmen, um einen Ausgleich herbeizuführen.
und Wiese und Anger, Flur und Wald dufteten von Tausenden der schönsten Blumen. Als der Michel an einem schönen Maientage heimkehrte, fand er in der Waldhütte dicht hinter der Haus- thür auf der Flur einen Brief, den der Briefbote offenbar in dem Glauben, daß der Michel bald wiederkehren werde, unten durch die Ritzen der verschlossenen Hausthür gesteckt hatte. Der Bries lag schon, wie der Stempel besagte, seit 4 Tagen an dieser Stelle. In demselben wurde dem Michel gemeldet, daß seine Mutter bei einem unglücklichen Falle sich so erhebliche Quetschungen zugezogen habe, daß der Gesängnißarzt ihren Zustand, in Anbetracht ihres hohen Alters für sehr gefährlich halte. Ohne sich zu bedenken, trat Michel den Weg nach Marnheim an. Er unterdrückte jedes widerstrebende Gefühl bei dem Gedanken, daß es seine Mutter sei, die er vielleicht zum letzten Male besuchen werde. Der Gefängniß- wärter meldete ihm in kurzen und barschen Worten, daß der Zustand seiner Mutter ein höchst gesähr- licher sei, und daß der Arzt erklärt habe, die Alte werde wohl schwerlich die Nacht erreichen. Der Geistliche, der sie schon mehrere Male besucht, hatte nichts mit ihr ausreichen können; sie weigerte sich, zu deichten und wollte überhaupt von geistlichem Zuspruche nichts wissen. Als der Waldmichel in die Zelle trat und die Waldliese blasser und eingefallener, als vorhin, auf ihrem Lager erblickte, konnte er sich .her Thronen nicht er-
41 (Zur Frage der Sonntagsruhe.) Aus Magdeburg kommt eine Nachricht, welche den Liberalen große Freude machen wird. Wie die ,Magdeburgische Ztg.' meldet, ist durch eine gerichtliche Entscheidung vom 13. Febr. die Sonntags-Polizeiverordnug des Oberpräsidenten von Sachsen für nicht r echtSgiltig erfiärt worden.
• Frankfurt, 13. Febr. Tas ,Frkf. Journ.' meldet: „Der Vertrag Preußens mit den Obermainstaaten, betreffend die Maincanalisatiori, ist jetzt abgeschlossen und der Austausch der Raü- ficationen unmittelbar bevorstehend."
Oesterreich - Ungarn.
♦ Wien, 12. Febr. (Assaire Kaminski.) In einem gestern erschienenen Extrablatt des Sta- nislauer Localblattes .Echo' veröffentlicht Kaminski eine Vertheidigungsschrift, in welcher er die Linke als diejenige Partei bezeichnet, welche aus einer „reinen ProvisionSangelegenhett" eine Staateaffgire mache. Er betheuert, nie die Schwelle der Genetalinspection übertreten.und mit keinem Beamten verkehrt zu haben. Seine Ansprüche auf die Provision begründen sich aus seine Thätigkeit als Privatperson, indem er Baron Schwarz nu- schätzbares Material zur Verfügung stellte; keinesfalls aber sei er als Abgeordneter für ihn thätrg. gewesen. Er wünsche nichts sehnlicher , als den Zusammentritt der parlamentarischen Commission. Die Untersuchung werde seine vollständige Makellosigkeit darthun. Die für gestern einberufene Wählerversammlung in Stanislau verlief resultatlos, nachdem gleich bei der Wahl des Vorsitzenden ein tumultuöser Streit zwischen den Anhängern und den Gegnern Kaminski's ausbrach, in Folge deffen der Regierungscommissar die Versammlung auflöstc.
Belgien.
s Brüssel, 10. Febr. (Beiträge für die gesperrten Priester.) Der Bischof von Lüttich hat in einem Schreiben an den Clerus der Diöcese zu Beiträgen für die durch Minister Bara gesperrten ausländischen Priester^ausgesordert^Der wehren. Dieser Anblick schien aus die Alte einen tiefen Eindruck zu machen. Sie winkte dem Michel, sich ihr zu näheren. Das Erste was sie sagte, war:
„Hast Du nichts von Emil gehört."
Mau kann sich das Staunen des jungen Menschen denken. „Wie", sagte er mit zitternder. Stimme, „wie, das weißtt Du nicht, daß Emil erstochen worden ist, und zwar an demselben Tage, wo auch im Walde das Verbrechen stattsand?"
Die Alte sah den Michel mit stieren Augen an, dann bedeckte sie ihr Gesicht mit beiden Händen. Eine furchtbare 'Aufregung bemächtigte sich ihrer. Sie zitterte am ganzen Körper, ihre bebenden Hände griffen nach der Decke, bald streckte sie sie krampfhaft empor. Eine völlige Nmwand- lunq schien mit dem verstockten Weibe vor sich zu gehen. Sie verlangte sofort nach dem Untersuchungsrichter und nach dem Geistlichen.
Als der Wärter itjr bedeutete, daß sie mindestens noch eine halbe Stunde »arten müsse, bevor sie einen der beiden Herren sprechen könne, faßte sie Michel bei der Hand, zog ihn an sich und flüsterte ihm leise in's Ohr:
„Hans ist unschuldig, Emil hat mich berebet, alles das gegen Hans zu sagen, was ich Dir und dem Richter über ihn erzählt habe."
Der arme Michel traute kaum feinen Ohren.
(Fortsetzung folgt.)