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Beiblatt zu Nr. 35 der,Fuldaer Zeitung/

Mittwoch, den 14. Februar 1883.

und dieses war nachweislich als einjähriges Thier

Inder .Deutschen Fleischerzeitung', also j einem Fachblatte, dem man ein Urtheil über die in Frage kommenden Producte vom praktischen Ge­sichtspunkte aus gewrß nicht ohne Weiteres wird absprechen können, wird die obige Frage einer Be­sprechung unterzogen, die bei Beurteilung der sanitairen Nothwendigkeit jenes Verbotes einiges Gewicht beanspruchen. Das Blatt führt in der Hauptsache aus: „Einen höchst befremdlichen Ein­druck, ein Gefühl des Unmuthes und der Ver­wunderung wird bei jedem Fleischermeister die Rede des Abg. Richter betreffend das Einfuhrver­bot von Producten der amerikanischen Schweine­zucht hinterlaffen haben .... Denn nach Herrn Richters Rede ist die Trichine das harniloseste Thierchen der Welt, dem bitteres Unrecht durch die Nachstellungen der Fleischbeschauer geschieht. Wo sind die Kranken, wo sind die Todten, die infolge der trichinösen Beschaffenheit des ameri- kanischen Schweinefleisches zu beklagen sind? Mit dieser Phrase, die Virchow, der trotz aller Mühe nur einen Trichinenerkrankungsfall hat ermitteln können, attestirt, wird das Einfuhrverbot bekämpft. Die allbekannte Thatsache, daß der amerikanische Schinken und Speck zum größten Theil nicht als solcher, sondern als heimische in Verkehr gebracht wird, bleibt unberücksichtigt. Auf Grund des Be­richtes jenes rheinischen Konsumvereins, der sehr viel amerikanisches Schweinefleisch verkaufte, ohne daß Erkrankungen unter seinen Kunden constatirt sind, schließt Herr Richter, daß infolge der Salz-

könnte, daß Diebstahl und Verunehrung des Aller- heiligsten in der Kirche Folge ihrer eigenen Nach­lässigkeit seien.

Neben der Anschaffung von eisernen Taber­nakeln dürfte sich gleichzeitig die Anlage von electri- schen Läutewerken sehr empfehlen. Eine derartige Einrichtung läßt sich an jedem Tabernakel, Werth- . •—o-------------- , • -n , „n .-

schrank io. leicht anbringen, und bietet den großen | Trichinen ungefährlich, spricht also als neueste | gemästet worden.

Vorzug, daß, falls ein Dieb die Thüre des Ta­bernakels 2C. zu erbrechen oder zu öffnen versucht, eine Alarmglocke im Hause des Pfarrers oder Küsters sofort sich in Bewegung setzt und den Einbruch meldet, ohne daß der Einbrecher selbst davon eine Ahnung hat. Derartige Anlagen be­finden sich seit längerer Zeit auf den Comptoirs vieler Bankgeschäfte und Kaufleute an Cassa- schränken u. s. ro. Ein sogen. Umschalter, wel­cher an der Leitung angebracht wird, macht es möglich, das Alarmiren zu verhüten; wenn also z. B. Nachts ein Priester zu einem Versehgange das Tabernakel öffnen muß, so kann er vorher, vermittels einer geheimen Vorrichtung, die elek­trische Leitung absperren und dadurch das Läuten der Alarmglocke verhüten. Auch die Hansthüre des Pfarrhauses rc. kann mit derselben Leitung verbunden werden. Die Kosten zur Anschaffung einer elektrischen Leitung betragen nach eingezo­gener Erkundigung etwa 50 M., für die Draht­leitung durch die Kirche per Meter 50 Pfg., für die (unterirdische) Leitung außer der Kirche bis zum Bestimnlungsorte 1 M. 50 Pfg., endlich jährliche Unterhaltungskosten und Revision 6 M. Für die Aufstellung wird nichts berechnet. Hier­nach wird Jeder, der eine solche Einrichtung an­zuschaffen beabsichtigt, im Stande sein, die ent­stehenden Kosten selbst festzustellen.

Die Sicherstellung der Tabernakel. |

Der jüngst in der hiesigen Stadtpfarr­kirche verübte Kirchenraub hat den kirchlichen Kreisen in Fulda mehr denn je die Frage nahe aeleat wie man das Haus Gottes und insbeson­dere das Allerheiligste Sakrament selbst, vor frevelhafter Beraubung und Entweihung sicher j stellen könne. Und nicht nur in Fulda allein hat sich in letzter Zeit eine Verbrecherhand an das I Allerheiligste gewagt.

Fast in jeder Woche berichten die Zeitungen über Einbrüche und Diebstähle in Stadt- und Dorf-Kirchen. In den meisten Fällen werden die | Tabernakel und Sanktuarien erbrochen, um die । heiligen Gefäße zu rauben. Manche Kirche ist schon in der empfindlichsten Weise geschädigt wor­den, da die geraubten Sachen einen unersetzlichen j Kunstwerth hatten oder durch jahrelange Samm- i lungen erst beschafft werden konnten. Das | Schlimmste aber ist die fast immer damit ver- bundene Profanation des allerheiligsten Sakra­mentes, indem die h. Hostien zertreten oder aus dem Wege zerstreut werden. Nachtwächter und I Vergitterung helfen da nicht viel. Es kommt nur selten vor, 'daß die Diebe auf der That ertappt oder später überführt werden können; leider ist auch die Zahl gewissenloser Menschen groß, die um geringen Preis die gestohlenen Sachen kaufen und sofort dem Schmelztiegel übergeben, so daß eine Untersuchung in der Regel resultatlos bleibt. | Die Furcht vor dem Zuchthause ist auch keine nachhaltige; noch jüngst erhielt ein alter Sünder, der schon vier Mal wegen Diebstahls an Opfer­stöcken bestraft war, drei Jahre Zuchthaus.

Was ist nun zu thun, um wenigstens so viel wie möglich das Allerheiligste sicher zu stellen? Soll einigermaßen Sicherheit geschaffen werden, so muß man, wie erfreulicher Weise auch schon vielfach geschehen ist, seine Zuflucht zu starkem Eisen nehmen und einem Einsatz für das Taber­nakel Herstellen laffen, welcher aus Stahlpanzer­oder sonstigen dicken Eisen-Platten gefertigt und mit gutem Kunstschloß versehen ist.

Die Kosten sind nicht erheblich; selbst bei einem großen Tabernakel dürften sie 100 Mark kaum erreichen. Diese Kasten werden, um das Rosten zu verhüten, ganz verzinkt oder gemennigt und können dann beliebig lackirt, bemalt und vergoldet werden, je nachdem die Mittel vorhanden sind. Die Befestigung auf dem Altar geschieht durch eiserne Bolzen oder starke Schrauben. Die Ein­richtung ist leicht so zu treffen, daß die bisher vorhandene Holzthüre verbleibt und gleichsam als Vorverschluß dienen kann.

Die vorschriftsmäßige Decoration im Innern mit Seide bietet auch keine Schwierigkeiten, da ein Pappdeckel von der Größe des Einsatzes oder Schränkchens mit Seide bezogen, ebenso nach der Höhe mit Seide garnirt und dann durch eine ein­fache Flügelschraube, welche oben in dem Einsatz angebracht ist, befestigt wird und leicht herausge­nommen werden kann.

wiffenschastliche Erkenntniß aus: daß die See­krankheit ein probates Mittel gegen die Trichinen ist. Herr Richter deutet nun an, es sei also eigentlich überflüssig, amerikanisches Schweinefleisch noch auf Trichinen zu untersuchen, will aber zur Beruhigung der Consumenten die Anstellung der Untersuchung gut heißen und behauptet, daß in den Einfuhrhäfen, speciell in Hamburg, genügende Einrichtungen für diese Untersuchung vorhanden seien. In Hamburg sind nun zwar Fleischbeschauer in Menge vorhanden, es ist aber in das Belieben der dortigen Großimporteure gestellt, ob und von wem sie die eingeführten Speckseiten und Schinken untersuchen laffen wollen. Es ist deshalb vorge­kommen, daß recht billig arbeitende Fleischbeschauer in Hamburg an manchen Tagen gegen hundert Speckseiten und Schinken untersucht haben, und so passirt es häufig, daß die so leichtfertige und flüchtig pro forma untersuchten Maaren bei einer späteren Nachrevision dann trichinenhaltig befunden werden. Ebensowenig werden in Hamburg bei der Untersuchung die sonst mehr oder weniger verdäch­tigen Speckseiten und Schinken ausgeschieden, wie der Abgeordnete Richter ausführt. Der Fleisch­beschauer, der Derartiges wagte, hätte die längste Zeit Beschäftigung gehabt. In Hamburg besteht weder eine Polizeiverordnung, noch sonstige gesetz­liche Bestimmungen über Trichinenschau. Die dort vor längerer Zeit in Aussicht genommene Einfüh­rung einer obligatorischen Fleischschau ist im In­teresse der amerikanischen Speck- und Schinken­importeure und der dort hausenden Groß-Importeure

l deutscher Schinken und Speckseiten unterlassen ' worden. Warum deckt Herr Richter die Verhält- i nisie der Trichinenschau in Hainburg nicht ebenso unverblümt auf, wie er es mit denen auf dem platten Lande gethan? Vielleicht aus Rücksicht

i auf die dort wohnenden Speck- und Schinken-Im­porteure und Spekulanten, denen die Einführung

' einer obligatorischen Fleischschau einige Kosten und j Unbequemlichkeiten im Gewerbebetrieb verursachen ! würde. Wenn Herr Richter die Jntereffen des

armen Mannes dadurch zu wahren denkt, daß er ihm trichinenhaltigen Speck und Schinken verschafft

i und denselben so der nicht wegzuleugnenden Gefahr an Leben und Gesundheit aussetzt, so befindet er sich

j zum mindesten in einem beklagenswerthen Jrrthume. | Ist denn für Herrn Richter die zweifelhafte Auf- i gäbe, die unbeschränkte Freizügigkeit für die ame- 1 rikanische Trichine in Deutschland im Jntereffe I weniger Speculanten an so hervorragender Stelle ! öffentlich zu vertreten und zu fordern, so verdienst- ! voll, daß er offenbar Gefahren für Leben und ! Gesundheit seiner Nebenmenscheu gleich nichts äch­

tet? Jeder, der keine Sonderintereffen vertritt, ! wird unseren Standpunkt in dieser Sache theilen ! und das Einfuhrverbot von Producten der ame- ; rikanischen Schweinezucht so lange als Noth- ! wendigkeit anerkennen, bis in den Einfuhr- I Plätzen eine Sicherheit garantirende Fleischschau I eingeführt ist.

Interessant ist es auch, was in Sachen des Einfuhrverbots für amerikanische Schweineproducte aus Elberfeld berichtet wird:

— obschon in derselben Zeit an amerikanischem Schweinefleisch mehrfach Trichinose festgestellt wor­den — nur ein einziges als trichinös befunden,

ung, Pökelung, Räucherung und des langen Trans­portes, dem die amerikanischen Maaren unterworfen sind, bevor sie in den Verkehr gelangen, die etwa vorhandenen Trichinen getödtet oder nicht mehr ün

Das Einfuhrverbot amerikanischer Schweineproducte und die Trichinenschau.

„Im Juli 1880 wurden circa 900 lebende amerikanische Schweine nach Deutschland impor- tirt, von welchen 40 Stück am Elberfelder städtischen Viehhof zum Verkauf gelangten. Einige davon gingen nach auswärts; von dem Reste -- 27 Stück — erwiesen sich 3 Stück, also 11 pCt., als stark trichinös. Ein ähn­liches Ergebniß hatte die Untersuchung in Cöln, Caffel, Braunschweig und anderen Städten, welche auch an jenen 900 importirten Schweinen parti- zipirten. Dagegen wurde unter 45,000 Schwei­nen, welche in den Jahren 1880, 1881 und 1882 ain hiesigen städtischen Viehhof geschlachtet, und von denen über 40,000 Stück untersucht wurden

Jeder tüchtige Geldschrank-Fabricant oder Schlos­sermeister wird im Stande sein, die Anfertigung derartiger diebesicherer Einsätze zu übernehmen; es wird nur einer Anftage in den öffentlichen Blättern bedürsen, daß genug Meister sich melden. Sollte eine Kirche oder Kapelle auch noch so arm sein, sn werden doch die Gläubigen gern beisteuern, um ,

ihr Heiligstes vor Profanation und Raub sicher ; Stande sind, auf den menschlichen Organismus zu stellen. Die hochwürdige Geistlichkeit aber irgendwie eine schädliche Wirkung auszuüben. Herr

sowie auch die Kirchenvorstände mögen nicht säumen, Richter verschweigt aber vollständig die ihm und unverweilt die geeigneten Maßregeln zu treffen. 41 Ä rwnVx0''

Es handelt sich hier um eine heilige Pflicht, deren Unterlaffung ihren den schweren Vorwurf zuziehen

den amerikanischen Speculanten gewiß nicht unbe­kannte aber ungelegene Thatsache, daß von den ersten Autoritäten im Medicinalsach, so auch von seinem Freunde dem Profeffor Virchow wissen­schaftlich festgestellt ist: „daß weder die^Pökel­ung, noch die Räucherung der Trichine das Geringste von ihrer Lebensfähigkeit oder Schädlichkeit nimmt", — ja er be­hauptet sogar das Gegentheil; er meint ferner, , «..u — -- -j—

ber lange Seetransport mache die amerikanischen aus Rußland nach Westfalen verkauft und dort