jy* Mittwoch, den 14. Februar 1883.
Jfulharr HEB Jätung.
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virten und nicht ganz hoffnungslosen Politik und Taktik den Vorzug gibt vor der von der.Germania' und den regulären hiesigen Berliner Corre- spondenten innegehaltenen. Sicher [ift doch jetzt, daß die Unterhandlungen zwischen Berlin und Rom ihren Fortgang nehmen, und daß Kaiser und Papst die Herstellung des kirchlichen Friedens, wenigstens eines modus vivendi, wünschen und erstreben. Wie der leitende Staatsmann zur Sache steht, darüber fehlen die Anhaltspunkte. Jedenfalls wird es sich bald zeigen, ob der Reichskanzler nicht doch, wenn auch aus anderen Motiven als wir, durch legislatorische Vorlagen, an deren Annahme nicht zu zweifeln ist, der Curie die Möglichkeit gibt, auf dem Gebiete des Bestätigungsrechtes die Modalitäten eintreten zu lasse«, welche mit den Existenz- und Lebensbedingnngen der Kirche vereinbar sind. Der längere Besuch, welchen P r i n z W i l h e l m, der sich bekanntlich vor einigen Monaten des Soldatenrockes entledigt hat, nm sich ganz dem praktischen Verwaltungsdienst zu widmen, gestern Abend dem Reichskanzler abstattete, stand jedenfalls in Zusammenhang mit der von Ihrer Zeitung unb der .Deutschen Reichszeitung' zuerst notificirten Nachricht, daß der Papst das kaiserliche Schreiben jetzt dahin beantwortet hat, daß er zu Unterhandlungen und auch zu Concessionen aus der Basis gleichzeitigen Vorgehens seitens der staatlichen Gesetzgebung und seitens der Curie bereit sei. Der
politische peberficht.
Deutsches Reich.
Fulda, 14. Februar.
% Die ,Tribüne', die ,Augsburger All- gemeineZeitung',die,AölnischeZeitung', die frankfurter Zeitung', die ,Areuz- zeitung', die Hanauer Zeitung' und endlich auch die ,Aöln. Volkszeitung' bringen die folgende oder eine ähnliche 2Ucldung über den hiesigen hochw. Herrn Bischof:
„Aus guter chuelle geht mehreren Blättern die ^Nittheilung zu, daß dem Bischof von $ u I b a von Seiten des Papstes für die B i s t h ü- mer Fulda und Limburg die gleichen Functionen gegenüber der Lurie übertragen worden find, welche früher dem Erzbischof von Freiburg für die gesamrnte oberrheinische Ai rch en Provinz oblagen. Auf diese Thatsache scheine das wiederholt colportirtc Gerücht zurückzuführen zu sein, daß eine Vereinigung der genannten beiden preußischen Diäresen zu einem Erzbisthume mit dem Sitze Fulda projectirt sei."
wir sind von maßgebender Stelle ermächtigt, diese ganze Mittheilung für eine Erfindung zu erklären und auf das Entschiedenste zu dementiren. Es ist daran kein wahres Wort.
» (Zur Frage des päpstlichen Briefes) wird der .Schlesischen Bsttszrtlung' aus Berlin Nachstehendes geschrieben: „Das Extrablatt, welches in Breslau resp. in Bonn verbreitet worden ift, und dessen Inhalt Abends auch hier in Berlin bekannt wurde, hat in den katholischen Kreisen des Volkes gewiß ebenso wie in den parlamentarischen Kreisen des Centrums die Herzen mit einiger Hoffnung erfüllt. Wie man in den letzteren Kreisen über die bis jetzt freilich nur in großer Allgemeinheit bekannt gewordene Antwort urtheilt, vermag ich Ihnen, da'ja heute keine Sitzungen stattfanden, noch nicht niitzutheilen. Jedenfalls wirb aber jetzt die Zahl berer immer größer werben, welche Ihrer während der jüngsten 14 Tage beobachteten refer-
Hans Werlrnann.
Original-Novelle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Als Fritz heimkehrte, wußte er nicht genug Rühmendes von dein Untersuchungsrichter und von dein alten Werlmaun zu erzählen, und sein Werb zog ihn an sich vor Freude über die große Veränderung, die sie von Tag zu u.ag mit ihrem Manne vor sich gehen sah. Er antwortete rh>, indem er feine Anne um sie schlang und sie unter Thränen und Küssen uni Vergebung des Kummers bat, den er ihr so lange Zeit hindurch angethan hatte. Das junge Weib drückte ihm statt der Antwort einen wannen Kuß auf die Stirne.
Fritz sagte: „Hätten wir nicht immer so glücklich sein können, hätten wir uns nicht immer so lieben können, wie heute und danials, als ich Dich im Dorf zum Tanze führte? Ich bin ein Elender gewesen, ich war allein Schuld daran, denn Du warst ja stets so sanft, so gut, als Mädchen, wie als Frau. Aber, so wahr ick Fritz Bucher heiße, Du sollst keinen Kummer und keine Sorgen mehr haben, so lange mich der Himmel gesund erhält, ich habe starke Arme und kann arbeiten."
„Sprich davon nicht, Liebster", sagte die Frau, „wir haben uns ja schon, seitdem Du bei dem Gutsbesitzer arbeitest, manches schöne Stück aussparen können; das wollen wir auch ferner thun, damit wir, sollte einer von uns krank werden,
päpstlichen Antwort Jedem entgegen.
Daß Prinz Wilhelm mit großem Interesse dem Gange der kirchenpolitischen Friedens- Verhandlungen folgt, wurde in Kreisen, die Beziehungen zum Hofe haben, schon längst wahrgenommen. Augenblicklich tritt dieses Interesse recht klar in die Erscheinung. Aehnlich wie die obige Correspondenz der ,Schles. Volksztg.' läßt sich ein Berliner Brief der .Köln. Volksztg.' hierüber aus. Die .Köln. Volksztg.' schreibt:
„Bekanntlich widmet sich Prinz Wilhelm seit mehreren Monaten ausschließlich dem praktischen Verwaltungsdienst. Dies mag auch zum auch dann nicht zu darben brauchen. Nebrigens werden die Kinder mit der Zeit älter und können sich schon allein behelfen, dann kann ich mit der Nadel auch noch manches Geldstück verdienen. — O wie glücklich fühle ich mich heute! Ich kann mich kaum faffen. Doch sagte sie dann, indem sie einen Augenblick inne hielt, und ihre Ltimme wurde leiser und nahm einen beinahe feierlichen Ton an, „lieber Mann, wir dürfen in unserem Glücke den armen Hans nicht vergessen, der unschuldig im Gefängnisse sitzt. Wir wollen, denk ich, ein kleines Gebet für ihn zum Himmel senden". Sie schwieg und kniete auf den Boden nieder. Bucher senkte sein Haupt, faltete die Hände_ und sprach leise ein kleines Gebet für den armen Hans.
„Gottes Wege sind oft wunderbar", sagte Fritz, als' beide Gatten ihr Gebet beendigt hatten. „Ich hatte seine gerechte Strafe verdient durch alll den Frevel den ich Jahre lang getrieben, und Hans, der gute edle Hans sitzt unschuldig im Kerker."
Die beiden glücklichen Menschen saßen noch eine Zeit lang still besinnend beisammen. Als aber von dem nahen Kirchthurm her die Glocke die elfte Stunde der Nacht verkündigte, suchten fie ihr Lager auf. . . ,
Am folgenden Morgen ließ der Untersuchungsrichter in Marnheim sofort die alte Liese vor- sühren und theilte ihr mit, was Fritz Bucher freiwillig gegen sie ausgesagt hatte Herr Held hatte früher nicht geglaubt, daß die Gefchichte des Geld-
Theil das lebhafte Jntereffe erklären, welches er für die Verhandlungen zwischen der Curie und der preußischen Regierung bethätigt. Wie der präsumtive Thronfolger um die Weihnachtszeit bei dem leitenden Staatsmann Kenntniß von dem Inhalt der nach Rom ergangenen Antwort sich verschaffte, so hatte auch der längere Besuch den er gestern dem Fürsten Bismarck abstattete, keinen anderen Zweck, als sich von der eingegangenen Rückäußerung des Papstes und von den eventuellen Dispositionen der Staatsregierüng unterrichten zu lassen. Formelle Entschließungen in Bezug auf die seitens der Curie ergangene Antwort sind augenscheinlich bis jetzt noch nicht gefaßt. Der König soll erst am Dienstag aus den Händen des Staatssecretairs Grafen Hatzfeld die aus dem Vatican eingesandten Schriftstücke entgegengenommen und darüber am Freitag Nachmittag [nahezu eine volle Stunde mit dem Vicepräsidenten des Staatsministeriums, Herrn v. Puttkamer, conferlrt haben. Es heißt auch, daß der Letztere vor und nach dieser Conferenz längere Besprechungen mit dem Fürsten Bismarck hatte, und daß die in Rede stehenden Schriftstücke den Gegenstand eingehender Erörterung in dem Ministerrath gebildet haben, welcher vor einigen Tagen im Conserenzzimmer des Abgeordnetenhauses abgehalten wurde."
Berlin, 13. Febpuar.
Tj/k#<■ cTttr^tu”cf wn; Ääe ganz eigenartige. In allen Tribünen bemerkte man Offeriere aller Waffen und Grade und in der Hofloge fast die ganze Adjutantur des Kaisers und des Kronprinzen. Es war wohl zu merken, daß etwas ganz besonderes vorgegangen sein muffe. Es handelte sich um das Schicksal des Militär-Pensionsgesetzes Und des Relictenge- setzes. Die Dinge schwebten an einem seidenen Faden. Es ist ein offenes Geheim- niß, daß man sich an allerhöchster Stelle für diese Gesetze ungemein lebhaft interessirt, und man weitz in parlamentarischen Kreisen, daß die Ablehnung der Entwürfe nicht ohne Rückwirkung^auf—die beutels auch auf bte Schuld ober _ Unschuld des jungen Werlmar.n ein helleres Licht verbreiten
„Wenn Ihr mir sagt, wer Euch bas ®olb_ gegeben hat, und wenn ihr mir den Beweis liefert, daß Ihr es ehrlich erworben habt", so redete der der Untersuchungsrichter sie an, „so werdet ^hr sofort entlassen werden."
Doch die Alte schwieg und zitterte vor schrecken am ganzen Körper. Nach einer Weile brach ne ihr beharrliches Schweigen, jedoch nicht, um zu gestehen, sondern um eine Fluch von Verwünschungen über Fritz Bucher ergehen zu laffen, den sie einen Spitzbuben, einen Wilddieb, einen verkommenen Menschen nannte. .
Herr Held bedeutete ihr, daß sie ihre Zunge im Zaume halten und bester seine Fragen beantworten solle, denen sie schon seit zwei Monaten ein eigensinnige«, hartnäckiges Schweigen entgegen- ^Unverrichteter Sache wurde das Weib wieder in seine Zelle abgefiihrt. Herr .Held traf aber sofort Anordmingen, nm über die Vergangenheit Buchers und seine Glaubwürdigkeit bei der Orts- behörde Erkundigung einznziehen. Die Antwort, die am nächsten Tage einlief, lautete dahin, bap Fritz Bucher allerdings früher in einem üblen Rufe gestanden habe, daß er aber gerade feit dem fraglichen Vorfälle ein anderer Mensch geworden sei.
Nach langer Berachung wurde von den Rich-