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M 34.

Dienstag, den 13. Februar

1883.

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Der (Longreß deutscher Kandwirthe in Berlin.

Den Congreß deutscher Laudwirthe er­öffnete am Donnerstag Bormittag im großen Saale des Hotel zum Norddeutschen Hos unter äußerst zahlreicher Betheiligung der Landes- Oeconomie-Rath Schütze (Heinersdorf) mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, Pastor Bodelschivingh (Bielefeld) referirte hierauf über die Bagabondage und die Mittel zu ihrer Abhilfe, und wurde von der Versamm­lung einstimmig folgende Resolution angenommen: a) Die bisherigen freiwilligen Vereine gegen Bettelei haben sich nur dann als nützlich erwiesen, wenn die Unterstützung der Regel nach nur in Naturalien (Obdach, Speisung, Kleidung) und nur gegen eine Arbeitsleistung gewährt haben. Die Hauptschwie­rigkeit ivird hierbei in der Beschaffung von Ar­beitsgelegenheit gefunden. Es ist daher erforder­lich, daß man b) als freie Liebesthätigkeit, unter­stützt von den Provinzial-, beziv. Kreisverbänden zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, ländliche Arbeiter-Colonien für größere Districte (Provinzen und Kreise) in'S Leben ruft, in welchen eine fitt- lich-religiöse Einwirkung auf die Colonisten möglich ist; sodann mit größter Energie die Einrichtung von Herbergen zur Heimath betreibt, c) die Or­gane der Selbstverwaltung nach einheitlichen, von der Staatsregierung vorgeschlagenen Regeln^Natu- rulverpfleamrgöstalionen in Stadt und Land nn- richlen. (Lebhafter Beifall.) Als nachahmungs- werlhes Beispiel für die Anlegung ländlicher Ar­beiter-Colonien empfiehlt die Versammmlung die Ackerbau-Colonie Wilhelmsdorf bei Bielefeld der Beachtung aller betheiligten Kreise. (Beifall.)

Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst sprach hierauf über die Bauernvereine. Derselbe warnte vor jeder Eifersüchtelei zwischen Bauern- Bereinen und landwirthschaftlichen Ver­einen. Beiden liege die Förderung der land- wirthschaftlichen Interessen in einer Weise ob, die jede Collision ausschließe. Während die land-

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Hans Werlnrarm.

Original-Novelle von Richard Fröhlich, (Fortfetzung.)

An dem oberen Ende des Tisches saß ein alter, freundlich aussehender Herr mit silberweißem Haupt­haar. Fritz war anfangs etwas befangen; als je­doch der alte Herr ihn (ragte, was er wünsche, bekam er Muth und begann seine Mittheilungen.

Der würdige Beamte rückte während der Er- zählung des Mannes seinen Stuhl näher an den Tisch heran, setzte seine Brille zurecht und setzte sich vorn herüber, ein Beweis, daß er dem Berichte äußerst gespannt folgte.

„Warum haben Sie mir das nicht Alles schon früher mitgetheilt?" waren seine ersten Worte, als Fritz Bucher geendet hatte. „Sind Sie bereit, Ihre Aussagen auch eventuell eidlich zu erhärten?"

„Gewiß, Herr Richter, was ich gesehen habe, das habe ich gesehen, darin kann mich auch Nie­mand irre machen."

Der Untersuchungsrichter rief aus dem Neben­zimmer seinen Sekretär und ließ diesen die Aus­sagen des Fritz Bucher protokollarisch ausnehmen. Als dies Geschäft beendigt war, wurde Fritz auf­gefordert, seine Unterschrift unter das Schriftstück zu setzen. Er zögerte einen Augenblick, denn, wenngleich er auch zur Zeit seinen Namen hatte schreiben können, war er doch ungewiß, ob er das auch jetzt zu Stande bringen werde.

wirthschastlichen Vereine die Technik des landmirth- schaftlichen Gewerbes zrt entwickeln berufen seien, biete sich den Bauern-Vereinen ein reiches Gebiet der Thätigkeit zur Wahrnehmung der Interessen des Grundbesitzes, namentlich des kleinen Grund­besitzes. Außer den gemeinsamen Interessen, die sich bisher leider mehr in Klagen als in Aus­drücken der Freunde knndgeben, müßten sie den Gedanken eines befferen Erbrechtes fördern, dem Grundbesitz den nöthigen Credit schaffen durch An­bahnung von landschaftlichen Lassen und Tarlehens- Cassen nach Raiffeisen'scheu System, Feuer- und Hagel-Versicheruugs-Cassen errichten und den Winkel- advocaten und der Proceßsucht durch Einigungs- Gerichte entgegentreten. Auf die Bauerntage übergehend, warnte der Referent dringend vor einer Vermischung von politischen und religiösen Fragen mit den landwirthschastlichen. Die Bau­erntage seien der Gefahr auf dergleichem Gebiete am meisten ausgesetzt, außerdem aber würden sie der Landwirthschaft nicht die Dienste leisten, wie Bauern-Vereine. Darum sei die Bildung der letz­teren anzustreben. Herr v. Schorlemer-Alst warnte vor der schon jetzt in Anregung gebrachten Cen- tralisation, die nicht allein durch das bestehende Vereins-Gesetz, sondern auch deshalb unthrmlich sei, weil die ganze Bewegung dafür noch ztt jung sei, und man schließlich nur viel Generäle und keine Armee, viel Geschrei und wenig Wolle haben werde. Im Congreß der Laudwirthe möge mau die.Magrn k-ber"'gemenffam .si.psnndcne Schäden vorbringen, hier sei der Ort. Aber die Bauern- Vereine sollten selbstständig bleiben. Der Con­greß der Laudwirthe bilde jetzt ein Forum, das über die Zeit längst hinweg sei, in der über seine Verhandlungen gelächelt worden sei. Es sei gerade wie mit der Börsensteuer. Wenn früher Einer davon gesprocheit habe, sei er von gewieg­ten Börsenleuten mitleidig über die Achsel ange- scher worden; jetzt überlaufe die ehemals so Zu- ver'i' tlichen eine Gänsehaut, und sie mürben jetzt schon gern bereit sein, wenn sie sich mit einer aversionalen Börsensteuer loskaufen könnten. (Leb­hafter Beifall.) Vor allem verlangte Herr von

Der Secretär schrieb ihm denselben auf einem Zettel vor, und Fritz machte die Züge, so gut er konnte, nach.

Froh, dent Haus einen großen Gefallen erwiesen zu haben und im Innern stolz auf.sich selbst, weil er den Muth gehabt hatte, ohne Kenntniß der Verhältnisse Liesen Schritt zn thun, eilte Bucher seiner Heimath zu.

Er konnte es sich aber nicht versagen, obwohl es schon ganz dunkel geworden war, uutenvegä einen kleinen Abstecher nach dem Forsthause zu machen. Der Förster wunderte sich anfangs, daß er erst jetzt zum Untersuchungsrichteramt gegangen sei, denn er hatte geglaubt, daß Fritz schon damals gleich feinem Rathe gefolgt sei.

Jedoch war er deshalb dem ehemaligen Wilderer nicht böse, denn er merkte immer mehr die völlige Umwandlung, die mit dem sonst so rauhen und starren Menschen vor sich gegangen war.

Der alte Werlmann ging sogar so weit, daß er Bucher bestimmte, mit ihm eine Flasche guten Rothwein zu trinken, denn er konnte es nicht über sich gewinnen, den Mann, dec für seinen Sohn Sohn in dem kalten frostigen Wetter den weiten Weg gemacht hatte, ohne Weiteres ziehen zu lassen. Brecher war heiter und guter Dinge. So freund­lich hatte er sich den alten Förster denn doch nicht oorgestellt. Jetzt, wo er das schlimme Handwerk aufgegeben hatte, sand er es gar nicht bedenklich,

> Schorleirier-Alst, daß die Bauern-Vereine, unab­hängig von der Gunst oder Ungunst der jeweiligen Regierung sich haltend und mehr auf die Se 1 bst - Hilfe als auf Staatsunterstützung Werth legend, die Träger der socialen Ordnung, die Verthei- diger des Vaterlandes und des Thrones bleiben. Sollten die Bauern-Vereine diese Vorzüge, ivelche stets dem deutschen Bauernstände eigen gewesen, aufgeben, so müsse die Bildung der Bauerrt-Ver- eine tief bedauert werden. (Allseitiger Beifall.) Frhr. v. Schorlemer-Alst empfahl hieraus die Annahme folgender Resolution, die ohne Dis­kussion angenommen wurde: der Congreß em­pfiehlt dringend die Bildung von Bau­ernvereinen für die einzelnen Land es- theile zur Erhaltung des Bauernstandes und Wahrnehmung feiner Interessen. Der Congreß deutscher Landmirthe erscheint zur Zeit als der geeignetste Centralpunkt, um die dem Grundbesitze im deutschen Vaterlande gemeinsamen Beschwerden zum Ausdruck zu bringen und mit allseitiger Unterstützung, wozu hierdurch die Auf­forderung ergeht, ans deren Abhilfe hinzuwirken".

Den dritten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Frage: „Wie kann der noch nicht genügend cultivirte Boden (Moor, Bruch, Sand) besser wie bisher benutzt werden?" Die diesbezüglichen Referenten, Abg. Schulz (Lu- pitz) und Freiherr von Massen bach (Pinne) befürworteten folgende Thesen, die dem Aus­schüsse zur Berücksichtigung überwiesen wurden: „Der Congreß ertheilt seinem Ausschüsse den Auf­trag, dahin wirken zu wollen, daß f) die bessere Benutzung der noch nicht genügend fultivirten Nie- denmgsmoore vermöge der Rimpan'schen Tamm- hiltur, unter Beobachtung eines Wasserhaushaltes, wo erforderlich, auf Grund des preußischen Gesetzes vom 1. April 1879, Abschnitt III, eine Förderung erfahre; daß 2) die Beschlüsse des deutschen Land- wirthschastsrathes in Betreff Antrages auf ein ReichSwassergesetz aus den Jahren 1875 und 1880 kräftig unterstützt werden; daß 3) die bessere Be­nutzung des Sandbodens durch eilten vollen Boden- mit dem Alten offen über sein früheres Leben zu sprechen.

„Fürwahr", sagte er, „Eurem Sohne verdanke ich es, daß ich ein anderer Mensch geworden bin. Hätte er mich nicht ertappt, so wäre ich ohne Zweifel noch beileibe Mensch, wie vorhin, hätte er mich aber jur Anzeige gebracht, so wäre ich am Ende in'ö Zuchthaus gewandert und vielleicht noch schlimmer geworden. Jetzt aber darf ich mich rühmen, daß ich ein fleißiger Arbeiter geworden bin und meine Frau und Kinder redlich ernähre. Mein armes Weib, wie oft hat sie mich angefleht, das Wildern zu laffen, aber, — ich weiß nicht wie es kam, — ein innerer Drang trieb mich jeden Abend hinaus, und wenn ich es ihr auch im Ernste versprochen hatte, ging ich doch wieder, wenn die Nacht hereinbrach. Jetzt ist sie aber zufrieden mit mir, sie sieht seit der Zeit, daß ich das Wildern aufgegeben habe, wieder frisch und blühend ans und lacht auch wieder, wie damals, als wir noch nicht verheirathet waren, und ich ihr nie etwas abschlagen konnte, wenn sie mich mit ihren treuen Augen ausah und mich nm etwas bat. Ja, jetzt könnte ich für Euren .Hans mein Leben lassen, ich sehe ein, daß die Förster nicht so wilde, grausame herzlose Menschen sind, wie ich sie stets in meiner Jugend schildern hörte."

Der Alte lächelte bei den Auseinandersetzungen des Mannes. Er hatte damals seinem Sohne im Geheimen fast gezürnt, weil er den berüchtigte,,