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Jfiilbarr ISS 3ritmig.

Montag, den 12. Februar 1883.

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— mit den

* Der Brief des Papstes an den Kaiser.

Nach einem gleichlautenden Telegramm der Köln. Volkszeitung', .Deuschen Reichs- z eitnng' u. A. hat der Papst in seiner Antwort auf das kaiserliche Schreiben erklärt, ein Neber- einkommen betreffs des Einspruchsrech­tes könne nur gleichzeitig mit einer Re­vision der organischen Maigesetze erfol­gen. — Ein sicherer Schluß auf den günstigen oder nn günstig en momentanen Stand der Verhandlungen läßt sich aus dieser Mittheilung nicht ziehen. Diejenigen Interpretatoren der katholischen Presse, welche aus dem kaiserlichen Briefe nur das Versprechen einer Revision der sog. „K a m p f g es e tz e" herauslesen zu können glanb- len, werden die päpstliche Antwort zu einer Ab­lehnung des Angebots der bloßen Revision der „Kampfgesetze"'stempeln müssen. Wir sehen aber trotz der neuerlichen Hetzereien der .Nord­deutschen', trotz des Artikels der .Provinzial-Cores- pondenz' die Sache nicht so schwarz an. Die gemannten Blätter bezweckten unserer Ansicht nach mit ihren ofterwähnten Herzergüssen lediglich einen gewissen Druck auf die allgemeine politische Haltung der Centrumspartei, nichts mehr und nichts weniger; indeß gehen die Verhandlungen in Rom und mit Rom ungeftött weiter. Darauf deutet auch die nachstehende Stelle aus einer der letzten Nummern des Moniteur de Rome' hin, welche lautet:

„In einem Theile der deutschen Presse ivird die Frage erörtert, ob in dein Briefe des Kaisers an Seo XII f. von einer Revision der grundlegen­den Maigesetze vom Jahre 1873 oder nur der Kampfgesetze vom Jahre 1874 die Rede ist. Uns scheint diese Erörterung einstweilen eine ganz müßige. Denn sobald die Regierung und der hl. Stuhl zu einer Verständigung in der Frage der ..Anzeigepflicht" gelangen, fallen die Kampf- aeseye eben dadurch thatsächlich ganz von selbst; denn in diesem Falle haben sie ja durchaus keine

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Hans Werlman«.

Original-Novelle von Richard Frbhli ch.

(Fortsetzung.)

Neuntes Kapitel. Der Wildere r.

Es war am 1. December. Die ganze Gegend ivar mit einer Schneedecke überzogen, und Feld Wald gewährten einen prächtigen Anblick. Die dunklen und hier und dort mit schmalen, blendend weißen Streife» nnd Flecken bedeckten Stämme, Aeste und Zweige der Bäume stachen sehr schön gegen den Boden ab, der ungefähr einen Fuß hoch mit frischgefallenem, lockerm Schnee verhüllt war und aus dem nur hier und dort ein paar dünne Halme oder niedriges Gestrüpp hervorlugten. Die mit Milliarden funkelnder Sternchen überfäete Landschaft erhöhte noch den Zauber und die An- muth, welche eine Schneelandschaft für jedes frische und für Naturschönheiten empfängliche Gemüth ge­mährt.

Gegen 2 Uhr Nachmittags verließ Fritz Bucher seine Wohnung und schritt über die Tannenweiler Haide mitten durch den hohen Schnee ans dem nächsten Wege auf die Hauptstraße zu. Der Mann hatte etwas Wichtiges vor, das sah man an seiner ernsten Miene und seinem nachdenkenden, fast immer zu Boden geschlagenen Blick.

„Ich hält' es schon längst thun müssen," mur-

Bedeutung mehr. Wenn also der Kaiser die Mög­lichkeit einer Revision betont, so ist es ganz na­türlich, daß diese Revision sich auf die organi­schen Gesetze von 1873 erstrecken werde; um so mehr, als die Kirche niemals die Bestimmungen betreffend den kirchlichen Gerichtshof und den Unterricht in den Seminarien annehmen kann."

Weniger Glauben verdient eine römische Correspondenz des,Berliner Tageblatt', der zufolge Herr von Schlözer in seinen Verhand­lungen schon ziemlich weit gediehen sein soll; die Correspondenz, welche sich natürlich auf die Vor­verhandlungen des Gesandten mit der Curie bezieht, besagt, „die Unterhandlungen zwischen Hrn. v. Schlözer und der Curie wären bereits zu einem gewissen Abschluß gelangt und versprächen in kürzester Zeit ein volles Einverständniß. Vor- läuftg sollen folgende Zugeständnisse beiderseits vereinbart sein: Preußen hebt den kirchlichen Ge­richtshof auf und ruft die im Auslande sich auf­haltenden Bischöfe auf ihre Bischofssitze zurück, mit Ausnahme des Grafen Ledochowski; die Curie dagegen willigt ein, die Anzeigepflicht anzuer­kennen, aber nur für die wichtigsten Pfarreien und höheren Stellen, sowie sie auch zugesteht, daß das Erzdisthum Posen nur mit beiderseitigen! Ein­verständniß besetzt werde. In Betreff der An­zeigepflicht auch bei Besetzung aller übrigen Pfar­reien habe die Curie Vorschläge gemacht, über die indeffen eine feste Verabredung noch nicht, stattge­funden hat. Hr. v. Schlözer hoffe, die nunmehr in vollem Fluß begriffenen Unterhandlungen binnen kürzester Zeit zu erfolgreichem Abschluß zu bringen."

Der Schlußsatz des Telegramms über die päpftl. Antwort, welcher lautet: „Ein Schreiben des Car- dinal-StaatSsecretärs regele die ganzen Verhandlungen", deutet ziemlich klar darauf hin, daß man in Rom die Verhandlungen keines­wegs für aussichtslos hält. Weitere Fol­gerungen lassen sich aus dem vorliegenden Inhalte der päpstlichen Antwort schon deshalb nicht ziehen, weil sie nicht im Wortlaut vorliegt, und — selbst die wortgetreue Richtigkeit des kurzen Auszuges vorausgesetzt —, der Gesammtcha- melie er vor sich hin, „ich war eS dem Hans schul­dig; aber es ist nun einmal nicht geschehen und ich muß cS d'rum nachholen."

Fritz Bucher hatte lange Zeit keinem Menschen außer der alten Liese etwas von dem mitgetheilt, ivas er an dem verhängnißvollen Abend in der Waldhütte bemerkt hatte. Endlich — es war un­gefähr vor einein Monate gcivesen — hatte er sich ein Herz gefaßt, war zu dem Forsthause gegangen und hatte dem alten Förster erzählt, was er ge­sehen und gehört hatte.

Der Alte, welcher anfangs dem früheren Wild­diebe noch nicht recht traute, aber doch schon zu seinem Gunsten gestimmt war, weil er seit dem Tage, wo Hans ihn ertappt hatte, nichts mehr von dem berüchtigten „langen Hans" gehört hatte, rieth ihm, er solle nach Marnheim zum Unter­suchungsrichter gehen und demselben inittheilen, was er von der Sache misse.

Fritz hatte schon oft genug von dem Unter­suchungsrichter gehört, er halte früher von seinen Kumpanen erfahren, daß sie von diesem Manne ausgeforscht und trotz' all ihrer Schlauheit und wohl überlegten Kniffe doch endlich überführt wor­den seien. Darum schreckte er vor diesem Vorhaben zurück, er fürchtete, eü möchte die Sprache auf seine Wilddieberei kommen und er am Ende jetzt noch dafiir bestraft werden. Er zögerte darum Wochen lang. Doch leuchtete ihm ailmählig ein, daß es seine Pflicht sei, endlich mit der Sprache

rakter des Schreibens je nach den verschiedenen möglichen verbindenden und überleitenden Gedan­ken ein gar sehr verschiedener sein kann.

Politische Neberstcht.

Deutsches Reich.

Fulda, 12, Februar.

Die .Köln. Volksztg.' citirt in ihrem drit­ten Blatt von Samstag die wichtigsten Stellen unseres Leiters vom 9. Februar, und fügt hinzu: „Wir haben zu dem Artikel der Prov.- Corresp.' genau dasselbe bemerkt." Sehr treffend bemerkt die ,Germania':

„Daß unsere Offtcwsen bei ihrem Reden nicht immer Silber producire», haben mir oft genug nach­gewiesen. Mit dem Golde des Schweigens wissen sie manchmal besser Bescheid. Vergebens suchen wir in den weiten Spalten der freiwillig gourerne- mentalen Blätter auch nur ein Sätzchen jener Repliken zu entdecken, durch welche die .Schles. Volksztg.' und die ,Fuld. Ztg.' die Interpretationskünste der ,Pro.-Corr.' und der Mordd. Allg. Ztg.' zu Schanden gemacht haben. Tiefste Stille rings umher. Man setzt die Unwahrheit in die Welt und küm­mert sich um alle Erwiderungen nicht."

Diese taktlose Manier der osficiöseu Wasch­zettel erscheint in einem nm so seltsameren Lichte, wenn man erwägt, daß der größte Theil der Aus­lage der betr. Nummer der ,Prov.-Corr.' erst mit der „Samstagsnummer" der großen Schaar von Kreis- und Amtsblättern in's Land geworfen wurde, also zu einer Zeit, wo die Sache längst aufgeklärt und die Voraussetzung des schönen of- ßciösen Elaborats hinfällig geworden war. —

Wir müssen uns sehr über die Art und Weife beklagen, wie die Majunke-Correspondenz' die Beziehungen der .Schles. Volksztg.' und ,F u l d a eZ e i t u n g' zu dein Artikel der ,P r o v Corresp.' zu erörtern beliebt. Die betreffende Correspondenz enthält zunächst ein langes Raison- nement, welches die Bemerkungen der.Prov.-Corresp.' herauszurücken. Er theilte Alles, was er von der Geschichte wußte, seinem Weibe mit und fragte sie um ihre Meinung und ihren Rath. Sie rieth ihm, ohne Zögern zu dem Pfarrer des Ortes zu gehen und sich alsdann nach dem zu richten, was dieser würdige uns verständige Mann ihm anratheu iverde

Fritz that dies, und der alte Geistliche redete ihm alle seine Bedenken aus, so daß er sich schließ­lich bewegen ließ, nach Marnheim zu gehen.

Es bot sich schon bald eine Gelegenheit, wo er ohne Arbeitsversäumniß diesen Schritt unternehmen konnte. Am 1. December nämlich fand auf dem Hofe seines Herrn eine großartige Hochzeitsfeier statt und die Arbeiter wurden daher schon vor Mittag mit reichlichen Geschenken an Geld, Klei­dungsstücken und Lebensmitteln entlasten.

Fritz begab sich darum an diesem Tage auf den Weg. Unterwegs prägte er sich Alles genau ein, was er vor dem gestrengen Herrn sagen wollte, und so kam er in Marnheim an, ehe er sich'ü ver- sah. „Fritz," sprach er zu sich selbst, „nun heißt's: Aufgepaßt! Nimm Deinen Kopf zusammen und schwatze kein dummes, ungereimtes Zeug."

Auf dem Wege durch die Stadt bis zum Justiz­gebäude wiederholte er nochmals kurz das Wesent­lichste von dem, was er vor dem Untersuchungs­richter sagen wollte. Endlich war er vor dem Portale «»gekommen. Er fragte den ersten Beam­ten. den er heraustreten sah, nach dem Unter­suchungsrichter Held, dessen Name er von dein