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JVi. 32

Sonnabend, den 10. Februar

1883

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Jiilbarr Zeitung.

Di« /»utbaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit den Austritten Sonntagsblättern ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Die Auswanderung im Jahre \ 882.

Der zur Ueberwachung des Ausivanderungs- wesens angestellte Reichscommissar hat über seine Thätigkeit im Jahre 1882 Bericht erstattet. Aus demselben geht hervor, daß von ihm die genaue Befolgung der im Interesse der Auswanderer be­stehenden Bestimmungen von Seiten der Landes- Revisionsbehörden, der Auswanderungs - Unter­nehmer und aller bei der Beförderung beseitigten Personen controlirt, die Auswandererschiffe, so roeit cs die gleichzeitige Beaufsichtigung der drei Häfen Hamburg, Bremen und Stettin zuließ, säinmtlich persönlich revidirt und hierbei die See­tüchtigkeit der Schiffe rlnd ihre Geeignetheit zur Passagierbeförderung, die Zweckmäßigkeit der Ein­richtungen für Unterbringung der Passagiere, für Ventilation und Erleuchtung der einzelnen Räume und der Hospitaleinrichtungen festgestellt worden sind. Ebenso sind die Proviantvorräthe aus Qua­lität und Quantität von ihm geprüft, und die Logirhäuser, die Empfangnahme auf den Bahn­höfen, die Einschiffung und Unterbringung an Bord möglichst oft controlirt worden. Die gute Wirkung dieser Reichsinstitution zeigt sich von Jahr zu Jahr mehr; im vorigen Jahre haben Die Revisionen schon zu bedeutenden Ausstellungen nicht mehr Veranlassung gegeben. Vielmehr hat sich herausgestellt, daß, Dank den unausgesetzten Bemühungen des ReichscommiffarS und der Orts- Polizeibehörden, die Einrichtungen überall wesent­liche Verbesserungen erfahren haben. So werden" jetzt fast auf allen deutschen AuSwandererschiffen den Zwischendecks - Paffagieren Strohsäcke und Strohkissen zum Lagern unentgeltlich geliefert und es sind die Logirhäuser mit den zur Sicherheit und zur Erhaltung der Gesundheit erforderlichen Einrichtungen versehen worden.

Alls dem Bericht des Reichscommissars geht ferner hervor, daß der Auswandererstrom aus Deutschland im letzten Jahre erheblich nach­gelassen hat. Die betreffenden Zahlen des Be­richts beruhen zwar zunächst nur auf vorläufigen Ermittelungen, dürften aber erfahrungsmäßig von

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Hans Werlmann.

Orignral-Novelle von Richard Fröhlich. (Fortsetzung.)

Die Kunde davon drang auch nach dem Tan- neuhofe. Der alte Tannenbauer gerieth, als er den ganzen Thatbestand aus sicherer Quelle erfah­ren hatte, in eine dumpfe niedergeschlagene Stim- u'ung; mehrere Tage lang sprach er kaum ein ®ort, er floh die Menschen und schweifte fast den ganzen Tag auf der Jagd umher. Es war für ihn ein harter Schlag, sich an seinem Neffen so schwer getäuscht zu haben; er schämte sich vor sich selbst und vor Anderen und mied mehrere Wocheil lang die Dorfschenke, denn gerade dort hinter dem <4lase hatte er so oft, so oft auf seinen Neffen, „den Kaufmann ans der Stabt" gepocht, dort hatte er ihn häufig genug als das Muster eines jungen Mannes hingestellt, der in der Welt und mit der Welt zu leben wisse und dabei doch seine Sitten und seinen Jins rein und unbefleckt erhalte.

Den übrigen Gliedern der Familie kam der Schlag weniger unerwartet, als dem Vater. Sie waren zwar sehr bestürzt darüber, daß die Geschichte ein so trauriges Ende genommen hatte, aber schon damals, als Karl von Marnheim heimkehrte und meldete, daß Emil vermißt werde, und daß man eine Leiche aufgefunden habe, die ihm an Wuchs und Größe vollkommen gleich sei, hatte ihnen eine leise Ahnung gesagt, die Geschichte werde einen

den später bekannt zu gebenden definitiven Zahlen nicht wesentlich abweichen. Viele Anzeichen sprechen aber dafür, daß ein großer Theil der deutschen Auswanderer sich in auswärtigen Hasen ein­geschifft hat, so daß also die Angaben über die Abnahme der Auswanderung mehr als z weifel- haft sind.

Nachdem die Auswanderung von 1868 bis 1872 stetig zugenommen und darauf bis 1877 wieder regelmäßig abgenommen hatte, war sie von 1878 bis zum Jahre 1881 einschließlich wieder jährlich gestiegen. Auch noch im Anfänge des Jahres 1882 war sie in Zunahme begriffen, dann aber ließ sie in dem übrigen Verlauf des Jahres so sehr nach, daß die Gesammtziffer der Auswanderer des Jahres 1882 nicht unerheblich gegen die des Vorjahres zurückgeblieben ist. Im Jahre 1881 waren noch über die deutschen Häfen im ganzen 247,346 Auswanderer, darunter 184,369 Deutsche befördert worden, im Jahre 1882 dagegen betrug die Zahl 232,210, darunter 168,454 Deutsche. Von den letzteren gingen 71,164 über Hamburg, 96,116 über Bremen und 1174 über Stettin. Aus dem Berichte ist nicht ersichtlich, wie sich die Zahl speciell der deutschen Auswanderer auf die überseeischen Länder vertheilt, da die bezüglichen statistischen Angaben die Gesammtzahl aller, auch nicht deutschen Auswanderer umfassen. Jedenfalls geht aber der Hauptstrom nach wie vor nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Dahin wandten sich von den über Hamburg beförderten 113,221 Auswanderern 110,233 sind von den über Bremen beförderten 117,249 Auswanderern 79,964. Nach Baltimore gingen über Bremen 35,021. Im übrigen waren Brasilien, die La Plata-Staaten, Capstadt, Callao, New-Orleans, Honolulu und Australien die Hauptzielpunkte der Auswanderung.

Unter den gesummten im Jahre 1882 über deutsche Häfen beförderten Auswanderern waren 137,473 männlichen und 94,737 weiblichen Ge­schlechts; dem Alter nach würben 174,047 Er­wachsene, 43,939 Kinder unter 10 Jahren und 14,224 Säuglinge gezählt.

fatalen Abschluß finden. Hatte Emil in der Weiu- laune doch häufig leichtsinnige und zweideutige Aeuße- ruiigen gethan, aus denen man damals zwar noch nichts Bestimmtes schließen konnte — aber jetzt?

Die Untersuchung ergab, daß der Wirth, welcher wegen des an der Waldliese begangenen Diebstahls gefänglich eingezogen worden, in die Sache ver­wickelt war. Der Strolch, welcher anfangs Herrn Bartel um die 50 Thaler hatte beschwindeln wol­len, später aber als der Rädelsführer der Bande sich entpuppte, hatte den Erstochenen seines Geld­beutels, seiner Brieftasche und seiner Uhr beraubt. In der Brieftasche, die den Namenszug des Herrn Vogt trug, hatten sich Banknoten im Werthe von über 500 Thaler, in der Börse mehrere Golbstücke befimden. Alle diese Gegenstände hatte der Schurke den, Wirth in Verwahrung gegeben. Eine in der Spelunke abgehaltene Haussuchung ergab, daß der Elende die Werthpapiere bereits verschleppt hatte, es fanden sich nur die leere Brieftasche, der ge­stickte Beutel und die goldene Uhr.

Die gerichtlichen Verhandlungen über diese Sachen nahmen zwei Tage in Anspruch. Die drei Schur­ken wurden durch das Urtheil der Geschworenen unter Verneinung mildernder Umstände des Tod­schlages für schuldig erklärt, und das Strafmaß lautete auf 10 Jahre Zuchthaus, der Anführer, der außerdem noch des Straßenraubes für über« führt erachtet wurde, erhielt im Ganzen 15 Jahre Zuchthaus.

potitische Ueberficht.

Deutsches Reich.

Fulda, 10. Februar.

Die uns vorliegenden katholischen Blätter, vor Allem die .Kölnische Volkszeitung' und .Germania' nehmen in ihren letzten Nummern bei Besprechung des bekannten Artikels der ,Prov.- Corresp.' in ausgiebiger Weise von unserer in dem Leiter vom 6. Februar enthaltenen Stellungnahme zu der offiziösen Jnsinution Notiz und constatiren, indem sie gleichzeitig die gestern an dieser Stelle mitgetheilte Auslassung der .Schles. Volkszeitung' wiedergeben, mit Befriedigung, daß die Offiziösen, wie die ,Germania' wörtlich sagt, mit der Belo­bigung der ,Schles. Volkszeitung' und der .Ful­daer Zeitung' „hereingefallen" sind und gleich jenem Propheten mit dem Esel wider Willen den Segen über die katholische Eintracht ausge­sprochenhaben. — Wir constatiren übrigens an dieser Stelle, daß es eine sehr bedauerliche Gepflo­genheit der.Germania' ist, bei solchen Vorkomm­nissen stets kleine spitzige persönliche Bemerkungen in ihre Darlegungen einfließen zu lassen. Die der .Schlesischen Volkszeitung' gegenüber gebrauch­ten. von einer gewissen gereizten Stimmung zeu­genden Redewendungen wie „eigenthümliche Individualität des Redakteurs'', „das Temperament der Autors" sind nicht nur durchaus uncollegialisch, sondern es mangelt ihnen'auch jedwede Objektivität. Du Men mir uns doch die strenge Sachlichkeit und Noblesse, welche die ,Köln. Volkszeitung' von jeher ausgezeichnet hat, die Freund und Feind Achtung und Anerkennung abnöthigen muß.

Wir erwarten jetzt auch von der ,Germania', daß sie die theilweise sehr ungenauen und unvoll­ständigen Schlußfolgerungen aus unserem stück­weise reproduzirten Leiter vom 6. Februar durch einen Auszug aus unserem gestrigen Artikel „Zur Abwehr" rektifiziren wirb. Es ist insbesondere ein großer Jrrthum, anzunehmen, wir hätten etwa „eingelenkt''. Abgesehen von dem kleinen

Der Wirth mußte seine Hehlerei und seinen Diebstahl vermittelst Einbruch mit 4 Jahren Zucht­haus büßen.

Die alte Liese erfuhr von dem Tode Emils Nichts, denn Niemand außer dem Wirthe Zahnte, daß sie an ihm einigen Antheil nahm. Sie be­obachtete noch immer ein beharrliches Schweigen über den Erwerb der großen Summe Geldes. Die Untersuchungshaft dauerte deshalb fort, denn, daß das Weib das Geld nicht ehrlich erworben hatte, bewies schon der Umstand, daß sie zu keinem Geständnisse zu bewegen war, obwohl davon ihre Freilaffung abhing.

Wochen vergingen. Die Alte blieb ganz stumm wie das Grab, sie hatte es ihm ja versprochen, als er drohend vor ihr stand. Sie bewunderte sich selbst in diesem vermeintlichen Heldenmuthe. Hätte sie jedoch gewußt, wie es um Emil stand, sie hätte wahrscheinlich nicht länger geschwiegen. Aber wie konnte sie es auch erfahren? Kam sie doch mit Niemanden, als mit dem Untersuchungs­richter und dem Gefangenivärter zusammen! Denn Michel hatte ihr merkwürdiger Weise noch keinen Besuch abgeplattet; von ihm wußte sie Nichts.

Schon das plötzliche Verschwinden seiner Mutter war Michel uneicklärlich gewesen, er hatte in der ganzen Umgegend nach ihr geforfcht und gefragt. Als er aber ihre Verhaftung erfuhr, war er wie von Sinnen gewesen, denn daran hatte er nie in seinem Leden gedacht. Also gab es doch Umstände