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1883

Freitag, dm 9. Februar

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O Zur Abwehr.

In einem Artikel mit der Überschrift „Das Allerhöchste Handschreiben vom 21. Dezember v. I. und die Presse der Centrumspartei" zieht auch die neueste Nummer der ,Provinzial-Correspon- deu;' unsere von der.Norddeutschen Allgemeinen' und anderen Blättern ihres Schlages ebenso wie von einem Theile der katholischen Presse, natür­lich in verschiedenem Sinne, behandelte erste Ans- lassung zum Kaiserbriefe für ihre S o n d e r z iv e ck e in die Diskussion. Wir muffen uns für alle der­artige Complrmente officiöser Stimmen ganz entschieden bedanken und werden im Folgenden kur; klarstellen, daß die Offiziösen gar falsch berichtet sind, wenn sie uns für „Elemente" halten, „die von gewissen ausderZeit des Kam­pfes herrührenden Verbindungen und Traditionen nicht loszukommen ver­mögen." Wir verbitten uns solche Zuniii- thungen besonders aus dem Munde derer, welche, wie niänniglich im weiten Vaterlande bekannt ist, nur nach des jeweiligen Meisters Pfeife tanzen und sich den Text ihrer Epistel stets vordiktiren lassen. Doch lassen wir zunächst die ,Prov.-Korr/ selbst reden. Der Artikel lautet im Auszuge wie folgt:

„ .... In Veranlassung des Allerhöchsten Schreibens vom 22. Dezember lassen gewisse Organe der Centrums- partci es sich angelegen sein, eine bestimmte Auffassung dieses AclcnstückeS einzubürgern, die die Bestimmung hat, im gegebenen Augenblick' 'als -unwiderstehlicher Ausdruck der Meinung des katholischen Volks ocrwerthet zu werden. Diese Meinung soll dahin gehen, daß cs „wieder Nichts sei", daß das Allerhöchste Schreiben wohl seiner Form, aber nicht seinem Inhalte nach Anerkennung verdiene und daß eine sachliche Förderung der angeknüpsten Verhand­lungen von demselben nicht zu erwarten stehe. . . . Un­mittelbar nach dem Bekanntwerden des Handschreibens vom 22. Dezember und unter dem frischen und unmittelbaren Eindruck deffelben hat ein erheblicher Theil der ka­tholischen Presse sich die Freiheit genommen, die diametral entgegengesetzte (?) Anschauung auszusprechen und seiner Besriedigung über dieses Aktenstück einen Jlusdruck zu geben, für welche die Approbation gewisser für maßgebend angesehener Kreise offenbar nicht eingeholt worden ist. — Diese in der ,Schles. Volksztg.', der .Fuldaer Ztg.' u. s. w. zu Gehör gekommenen, unzweifelhaft gut ka­tholischen Stimmen zu übertönen und die That- sache aus der Welt zu schaffen, daß dieselben Organe eine Strömung sind, deren Ursprung bis in die Centrums­partei zuriickreicht, ist das lebhafte Bemühen der „Ger­mania' und eineö bekannten katholischen Correspon- denten......

„. . . . Die Staatsregierung hat sich durch diese Vor­gänge weder an der Weitervcrfolgung ihrer Versöhnungs- Politik noch an der unbefangene» Beurtheilung der wahren Stimmungen des katholischen Volkes behindern lassen. Die Negierung weiß zu unterscheiden zwischen den Elemen­ten, die von gewissen aus der Zeit des Kampfes herrührenden Verbindungen und Traditionen nicht loszukommen vermögen (???) und denjeni­gen, die den kirchenpolitischcn Frieden nicht wollen. All den Bestrebungen zum Trotz, welche den Schein einer fest „geschloffenen Einheit" des katholischen Volkes aufrecht er­halten wollen, läßt sich durchsehen, daß die Meinungen über die vom Staate zu verlangenden Zuge­ständnisse getheilte (?) sind, und daß ein vollstän- Btfiet Verzicht aus di« während des vorigen Jahrzehnts in Anspruch genommenen staatlichen Rechte überall da für unmöglich gehalten wird, wo man die Herstellung des .yttebens, überhaupt ernstlich wünscht. Für das Vorhan- drnsein solcher Friedensstimmungen sprach außerdem das Verhalten, welches von anerkannten Vorkämpfern der ka- -holischen Jnterrffen in solchen Fragen befolgt wurde, welche das kirchenpolitische Gebiet nicht berührten, und deren Behandlung nach einseitigen Parteistandpuncten allein bei der systematischen Opposition herkömmlich ist.

Daß diese von der Regierung gemachte und conseqnent festgehaltene Unterscheidung eine sachlich berechtigte ist, liegt gegenwärtig klar zu Tage, wo ein Theil der zur Cen­trumspartei haltenden Preise mit der tleber- zeugung nicht mehr zurückhält, daß die Zeit der Unnachgiebigkeit ebenso vorüber sei, wie diejenige des Klagens und Weinens, während diejenigen Elemente, die bisher sür die maßgebenden angesehen wur­den, dem Volke einzureden versuchen, daß dasselbe Nichts

Politische Uederstcht.

Deutsches Reich.

Fulda, 9. Februar.

Htz Die uns soeben zugehende gestrige Morgen- Nummer der .Schlesischen Volksztg.' drückt sich über die von der ,Prov.-Corr.' behauptete Spaltung in den Centrumsblättern und die daran geknüpften sonberbaren Folgerungen des officiösen Blattes in ähnlicher Weise ans, wie unser heutiger Leiter. Sie schreibt u. A.:

„Nicht dadurch unterschied stch die Haltung der Schlesischen Volkszeitung' unb der .Fuldaer Zei­tung' von der Haltung der .Germania' unb der ihr folgenden katholischen Blätter, baß nur jene den Kirchenfrieben wollten, sonbern darin, das; wir dem kaiserlichen Briese gegenüber etwas mehr Hoffnung und Vertrauen hegten und we­nigstens zum Ausdruck zu bringen, für gerathen hielten, als die .Germania' wenigstens anfangs. Unseres Erachtens ist jetzt in der gesammten Centrumspresse, in welcher in kirchlichen Dingen principielle Gegensätze niemals stattfailben und stattfinden werden, auch hinsichtlich der -r.amk

einanbersetzungen präcisirt. Der .Germania' gegenüber bemerken wir übrigens,daß es der Wahr- heit nicht entspricht, wenn sie unsere Zeitung' 'bas .Wests. Volksbl.' re. als solche hinstellt, die sich der in der katholischen Presse einzig dastehen­den, übrigens durchaus wohlmeinenden In­dividualität des Herrn Dr. Hager (Schle­sische Volkszeitung) „associirt" hätten. Erstens haben wir unsere Meiitung selbstständig zu einer Zeit ausgesprochen, als uns die Ansicht des Herrn Dr. Hager nicht bekannt sein konnte, zweitens unterschreiben wir keineswegs alles, was die ,Schlesische Volksztg.' zu „rein taktischen Zwecken" geäußert, wie sie selbst sagt. Es fällt uns aber auch andererseits nicht bei, und von der .Germania' unsere jeweilige Meinung diktiren zu lassen. Vielleicht könnte auch die .Germania' darin irren, baß sie annimmt, eine Antwort ans die Frage, ob bas kaiserliche Schreiben die or­ganische Revision der Maigesetze verspricht, fehlte noch heute. Es genügt vorläufig, wenn die Kurie diese Antwort kennt, und sie wirb darüber wohl kaum im Unklaren sein.

Schließlich haben wir mit der „liberalen" .Hanauer Zeitung' noch ein Wort zu reden. Wir schrieben dem genannten Blatte am Schluffe des Leiters vom 6. Febr. einen Vers in's Stammbuch, aus ben wir wenigstens eine kleine Berichtigung ober Rkvlick erwartet hätten. Jedoch die ,H a- nauer Zeitung'vergilt Gutes mitBösem. Trotzdem sie auf unsere Randglossen zu ihren Bebauptungen mit bescheidenem L- ch w e i g s n antworten muß, versteigt sie sich in ihrer dst oerläugn ungin ber gestrigen Nummer so weit, bat, sie in einer Correspondenz ber diesseitigen Redaktion wegen ihrer „mehr oersöhnlicheii und ge­mäßigten Richtung" ein Lob erteilt., Wie uns ein Lob ans solchem Munde wohl gefreut haben mag?! Nein, und nochmals nein, die feindselige unb in ihren Zwecken nur zu leicht zu burchschauenbe allgemeine Tendenz der beregten Correspondenz hat unsere Meinung über die .Hanauer Zeitung' nur bestätigen können. Mag man sich aber auch von gewisser 'Leite noch so viel Mühe geben, einen künstlichen Zwie­spalt in die Reihen der Katholiken hinein in- terpretiren zu wollen, uns rühren solche Manöver nicht, wir bleiben einig in Krieg unb Frieden, in Kampf unb Sieg.

hoffe und Nichts zu hoffen habe. Wenn diese Elemente — wider Erwarten — noch einmal die Oberhand behal­ten sollte», so wird mindestens das Eine als feststehend angesehen werden können, daß dieselben sich nicht mehr auf die Volksstimmring berufen können, sondern daß es einer künstlichen Agitation bedarf, damit die katholische Bevöl­kerung in dem Glauben an die friedfertigen Absichten ihres Königs und seiner Regierung beirrt werde.

Wir fassen unsere Gebanken über dieses offi­ziöse Schreiben kurz wie folgt zusammen: ~

Daß bie Meinungen über bie vom etoate zu erlangenden Zugeständnisse in Centrumskreisen „g et heilt" sind, unb daß ein vollständiger Verzicht auf die während des vorigen Jahrzehntes in Anspruch genommenen staatlichen Rechte überall da für unmöglich gehalten wird, wo man die Herstellung des Frie­dens überhaupt ernstlich wünscht (— ^eine echt offiziöse Umschreibung! muß m dem nur zu klaren Sinne ber ,Prov.-Corr.' be- ftritten werben. Wir wünschen recht sehn­lich ben Frieden, bannt endlich den heillosen Zu­ständen in der Seelsorge allenthalben ein Ende gemacht wird, und das Land sich überhaupt mit Lust unb Siebe den dringenden Fragen der materiellen Wohlfahrt uiii. der Sozialpolitik hingeben kann. Ader wir wünschen, wie wir bereits gestern be­merkten, keinen faulen Frieden. Auf die vom i Staate zu erlangenden Zugeständnisse hat das Zentrum unb feine Presse weder einen maß­gebenden Einfluß noch auch Über dieselben ein imwahrenSinne des Wortes authentisches Ur- theil.Kein Partckorgan beansprucht dies, im Gegeniheil versichern alle, baß sie sich jeberzeit den Entschlie­ßungen bes Papstes willig unterwerfen werben. Daß aber nun bie katholischen Blätter, ebenso wie bie Gegner, sich über die möglichen Erfolge unb Nichtersolge in längere Untersuchung einlassen, kann ihnen Niemanb verbeulen. Die Centrums- partei hat ben Kamps seit einem Jahrzehnt muthig ausgehalten unb treu zur Fahne ber Kirche gehalten. Daß man ihr nun beim Aus­gleich ber Fragen, welche sie ehebem allem zu verfechten hatte, eine wenigstens berathende Stimme einräumt, ist nicht mehr als billig, lieber bie wichtige Frage ber kirchlichen Anzeigepflicht hat sich beispielsweise eine völlige liebereinffinunung der Meinungen in ber gesammten katholischen Presse gezeigt, kein Centrnmsorgan befürwortet eine An­erkennung ber Anzeigepflicht, wie sie heute Gesetz ist. Wenn einige Blätter, zu dem auch unser Blatt gehört, das Versprechen des Kaisers bezüglich des „Entgegenkommens" aus dem Gebiete der Anzeigepflicht so auffaffen, daß nicht etwa volle Anerkennung des Gesetzes sondern nur eben eine „Annäherung" aus die­sem Gebiete staatlicherseits begehrt würde, so spricht das ja grade für unsere obige Behaup­tung. Die Centrumspresse ist im Prinzip einig, die Differenz ber Meinungen liegt diesmal nur in ber Auffassung eines Satzes bes Kaiser­briefes. Gerade indem wir u. N. auch aus dem Kaiserbriefe das Versprechen einer organischen Revision der Maigesetze herauslesen zu sollen glaubten, bewiesen wir doch zur Genüge, welche Stellung wir zur Frage des kirchlichen Friedens einnehmen.

Wir möchten biejenigeii Blatter un­serer Partei, welche von dem Artikel der Prov Corresp.' unb seiner Bezugnahme auf unsere Auslastung Notiz genommen Haben, hierdurch freundlichst ersucht haben, auch von dieser unserer Abwehr Act zu nehmen.

Wir haben übrigens den oben erörterten etano» i punkt schon gleich nach den »Schmeicheleien ' der ,Nordd. Allgeiu.' u. s. w. in weitläufigen Aus-