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jyg AO. Donnerstag, den 8. Februar «• 1883»

Fuldaer Jeilung.

Ne ,'^ulbaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage-ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit den illustrirten Sonntagsblättern ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Politische Ueberstcht.

Deutscher Reich.

Fulda, 8. Februar.

* (Der Moniteur du Rom') meint auch, daß eine Vereinbarung über die Anzeigepflicht in allernächster Zeit zu Stande kommen werde, und bezeichnet bereits mit allere Bestimmtheit die Ge­genforderungen des Vaticans für dieses Zuge- ständniß. Danach würden dieselben bestehen in der Aufhebung des geistlichen Gerichtshofes, sowie in der Anerkennung des Grundsatzes, daß die Bischöfe in den, Seminarien unbeschränkte Lehr­freiheit haben.

Berlin, 6. Februar.

* (In Sachen des Raphaelvereines.) Aus der Montagssitzung des Reichstages tragen wir noch nachstehenden Auszug aus einer Rede des Abg. Dr. Windthorst über den R'aphaelverein für kath. Auswanderer nach. Abg. Dr. Windthorst führte it. 9t. Fol­gendes aus:

Ich habe mir das Wort erbeten, um 0cm Hrn. Abg. Dr. Kapp und auch dem Hrn. Abg. M<äer zu danken für die Anregung, die sie gegeben haben in Beziehung auf die Verfolgung, welcher neuerlichder Raphaelverein ausgesetzt worden ist. Es ist dieser Verein gegründet zum Besten solcher Leute, die sich zur Auswanderung entschloffen haben, und er verfolgt den Zweck, ihnen, wenn sie bei diesem Beschlüsse beharren, Winke zu geben, wie sie am richtigsten und vorthcilhaftesten für ihr materielles und für ihr geistiges Wohlergehen diesen Beschluß zur Aus­führung bringen können. Die sämmtlichen Mitglieder dieses Vereins arbeiten lediglich für diesen guten Zweck ohne jeglichen Gewinn für sich. Sie wollen in keiner Weise dabei verdienen; sie sind also nicht bemüht, Leute zur Auswanderung zu veranlassen, und sind ebenso wenig bemüht, Diejenigen, die bereits den Entschluß auszu- wandern gefaßt ‘ haben, irgendwie zu Beiträgen für sich heranzuziehen. Es ist ein rein humaner Zweck, den der Verein verfolgt; und es ist uns von den sachkundigsten Männern bezeugt worden, daß zur Erreichung dieses Zweckes in der allerbesten Art gearbeitet wird, und zum Besten der Auswanderer Tüchtiges geleistet wird. Ich be­dauere, den Vertreter» der Regierung nicht in gleicher Weise meinen Dank aussprechen zu können, denn die Er­klärungen, welche wir aus ihren: Munde vernommen haben,' lauteten so, daß sie kühler nicht gegeben werden

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Hans Werlmann.

Qnginal-Rovelle von Richard Fröhlich. (Fortsetzung.)

Achtes Kapitel.

Im Kerker.

Schon am ersten Morgen nach seiner Verhaft­ung ließ der Untersuchungsrichter Hans vorsühren. Er wurde zunächst gefragt, ob er etwas und was er von denk ganzen Vorfall wisse. Gan; der Wahr­heit getreu berichtete Hans, daß er in unmittel- barer Nähe den Schuß gehört, daß er auch eine schwarze G-stakt aus dem Gebüsch habe hervor­springen sehen, die aber in dem nämlichen Augen­blicke wieder verschwunden sei. Ferner erzählte er, daß er den Mann vergeblich verfolgt habe. Die merkwürdige Verkettung der Umstände mußte dem Untersuchungsrichter auffallend und verdächtig er­scheinen, besonders da er noch keinen Grund hatte, an der Aussage der alten Waldliese zu zweifeln; mährend aber dies in ihm den gerechtesten Ver­dacht erregte, machte der Freimuth, womit Hans seine Aussagen vortrug, einen für ihn sehr gün­stigen Eindruck auf den Richter. Er dachte näm­lich, daß ein Mensch, der des Verbrechens schuldig sei, dessen man ihn anklage, doch wohl nicht sich selbst durch das Geständniß, in einsamer Nacht auf dem Schauplätze des Verbrechens gewesen zu sein, noch tiefer in den Verdacht verwickeln würde.

könnten. Wen« nicht die Versicherung erthcilt worden wäre, daß die Reichsregierung diese Verfolgungen, die nicht etwa als Vorgehen in Einzelsällen sich darstellen, sonder» nach meiner Wahrnehmung in einem bewußten Sy­stem begründet sind, nicht veranlaßt habe, so würde ich angenommen haben, daß eben diese Herren es seien, welche die Verfolgung veranlaßt haben — so kühl haben die Herren sich erklärt. Jetzt ist die gegentheilige Erklärung abgegeben; und wir müssen den Urheber jener Verfolgung wohl noch an einer anderen Stelle suchen. Finde:: werden wir ihn gewiß. Der Herr Regierungscommiffar hätte doch, glaube ich, wohlgcthan, wenigstens auszusprechen, die Reichsregierung sei der Ansicht, daß eine Verfolgung dieses Raphael-Ver­eins auf Grund des angeführten Gesetzes gesetzlich nicht zulässig sei. Auch das ist nicht geschehen. Statt dessen hat es geheißen, allerdings liege eine Gefahr für die Mit­glieder des Raphael-VereinS, mit den: Gesetze oder mit den Gerichten in Collision zu gerathen, vor. Ich ant­worte darauf: Bei einem vernünftigen Manne ist der Gedanke an eine solche Collision gar nicht möglich, (Bravo im Centrum!) denn daS Gesetz hat sicher nicht vor Augen, einer solchen humanen Thätigkeit wie die Herren, die hier in Frage sind, sie entwickeln, irgend entgegenzutreten. Das Gesetz hat nur vor Augen, daß solche Leute, welche die Auswanderung befördern und zu derselben mitwirken, die Concession dazu haben müssen, damit nur die rich­tigen Leute mit solchen Geschäften sich befassen können. DaS sind immer Leute, die auch einen Gewinn von ihren Bemühungen haben. Daß diese einer Concession be­dürfen, versteht sich von selbst; daß aber an den Fürsten wenn er an Leute, die auszuwandern

entschlossen sind, die Aussorocrung erläßt, sich an diesen und jenen Vertrauensmann zu roenou., -- daß an den bei dem Gesetze nicht gedacht ist, das sollte, glaube ich. Jeder begreifen, (sehr richtig!) der überhaupt Gesetze auö- legt nach ihren: Sinn, nach ihrer Bedeutung, nach ihrem Zweck, und nicht nach den: Buchstaben, wie Letzteres so bäusig der Falläü. M handelt sich nicht um eine kleine Angelegenheit. Tie Auswanderung nimmt zu; die Ab­nahme, welche der Herr College Kapp constatirt aus ein­zelnen Landestheilen, ist, glaube ich, wirklich nicht vor­handen. Man hat wohl eben aus diesen Landestheilen sich nach außerdeutschen Häfen gewendet; und wenn man fortfährt, solche nützliche Einrichtungen, wie der Raphael- Verein ist, zu verfolgen, so werden auch noch andere ÄuS- reaiticrer diese fremden Häfen aussuchen. Wenn es nicht mehr gestattet ist, in unseren deutschen Häfen Sorge zu tragen für das gute Unterkommen und sür das Leibes- und Seelenwohl dieser Leute, dann wird man anderswo dieses edle Werk zu üben den Versuch machen und sogar die Pflicht haben.

* (Zur Börfeufrage.) Die General­versammlung der Vereinigung der Steuer- und WirthfchaftSreformer) nahm

Auch machte das ganze Auftreten, die ruhige und «die Sprache des jungen Werlmann einen sehr guten Eindruck auf den Untersuchungsrichter. Der alte Herr würde, wenn er nach seinem Gutdünken hätte handeln dürfen, die Freilassung des jungen Mannes veranlaßt haben, aber die gravirenden Aussagen des alten Weibes hinderten ihn daran, er mußte suchen, tiefer in die Sache einzudringen.

Die 9tlte hatte auf den Untersuchungsrichter einen äußerst widerwärtigen Eindruck gemacht, er hatte wohl gemerkt, daß sie ihre Aussagen mit einer gewissen Schadenfreude auskramte, besonders, daß sie zuiveilen persönliche Bemerkungen über den armen Hans eiugeslochteu hatte. Deswegen hatte der alte Herr aber noch keinen Grund gehabt, an der Wahrheit dessen, was sie sagte, zu zweiseln, aber jetzt, wo er, der sich durch seine langjährige Praxis eine umfassende Menschenkenntnis; erworben hatte, die Schuld des Förstersohnes sozusagen für unmöglich hielt, jetzt galt es, sich von der Glaub- roürbigfeit der Alten zu überzeugen und die etwai­gen Gründe auffindig zu machen, die sie für eine Verhüllung der Wahrheit bestimmen konnten.

Hans lvurde vorläufig in feine Zelle zurück- gesührt, doch das freundliche Benehmen des Unter» suchungsrichters ebenso wie die aufmerksame Be­handlung von Seiten des Gefängnißwärterö ließen in ihm schon den Schimmer der Hoffnung auf» leuchten, die er, nachdem er des alten Weibes Aussagen erfahren, beinahe verloren hatte.

einstimmig folgende Resolution au, welche dem Reichstage und dem Reichskanzler zur Kenntniß gebracht werden soll: ,'Angesichts der außerordent- lichen socialpolitischen Bedeutung, welche die mo­dernen Börsenumsätze ihrer Natur und ihrem Um­fange nach erlangt haben, erklärt die Generalver- fammlung, daß den gefahrdrohenden Nebelständen auf diesem Gebiete nicht nur durch eine pro» centuale Börsensteuer, sondern durch ein deutsches Börsengesetz entgegengewirkt werden muß, welches der ferneren Ausbeutung der Bevölkerung durch die Börse, sowie dem wei­teren Betriebe des öffentlichen Spieles an dersel­ben energisch ein Ziel setzt; nicht minder erscheint die baldige Reform des Actieuwesens dringend geboten."

• Karlsruhe, 5. Febr. (Beaufsichtigung der Theater, Concersäle :c.) Das Mi­nisterium des Innern hat die Polizeibehörden be­auftragt, die öffentlichen Schaustellungen, Gesangsproductionen u. s. w. ganz besonders zu beaufsichtigen, und darauf aufmcrijunt ge­macht, daß § 183 des R.-Str.-Ges.-B. nicht bloß auf unzüchtige Handlungen im engeren Sinne, sondern auch auf mündliche Steuerungen Anwen­dung finde. Weiterhin heißt es in dem Erlaß: „Es sind ferner Klagen in der Richtung geäußert worden, daß kirchliche Einrichtungen, Lehren unb Gebräuche znin Gegenstand eines unwürdigen Spottes gemacht würden. Ausschreitungen der letztere'.: Art gegenüber muß eine zu i»«^t gfbent* Nachsicht der Polizeibehörde gleichfalls Bedenken erregen. Wir wünschen, daß..die Orts- und Be­zirkspolizeibehörden ihre im Vorliegendem bezeich­nete Aufgabe gebührend im Auge behalten." Nachahmungswerth!

* Darmstadt, 6. Febr.. (DieWeinsteuer), deren Fortbestand bekanntlich auf jedem Landtage Gegenstand eingehender Verhandlungen ist, hat der .Frankf. Zig.' zufolge im Etatsjahre 1881/82 einen Ertrag von 314,857 M. geliefert, wovon auf die weinbautreibende Provinz Rheinhessen allein 191,855 M. entfallen, während Starkenburg nur 98,620 M., Oberhesfen gar nur 24,381 M.

Als Hans die Stube des Untersuchungsrichters verlassen hatte, wurden die drei Schurken vorge­führt, welche in dem dringenden Verdachte standen, den Herrn Vogt ermordet zu haben. Diese hatten ja bereits eingestanden, daß sie denselben im Streite erstochen hätten, jedoch schien es dem Richter fast unglaublich, daß Herr Vogt, der in den höheren Kreisen der Gesellschaft als ein ordent­licher Mensch bekannt war, sich mit solchen Hal- lunken wegen einiger gemeinen Frauenzimmer in einen Streit eingelassen haben sollte. Die Unter­suchung ergab aber so viele ungünstige Momente für den Lebenswandel und die guten Sitten des Herrn Vogt, daß der Untersuchungsrichter es für nöthig erachtete, in diese Sache alle die Leute als Zeugen zu vernehmen, die von den Schurken auf- geführt wurden.

Ungefähr zwei Wochen später war der Thatbc- stand zu Ungunsten des Herrn Vogt so klar gestellt, daß ein Zweifel daran gar nicht mehr möglich war. Alle, die den Erstochenen gekannt und für einen gesitteten braven Menschen gehalten hatten, schüt­telte» den Kops und zürnten sich selbst, daß sie sich so lange von ihm hatten täuschen lassen. Nun­mehr wurde Vielen, besonders dein Herrn Bartel, Manches klar, das ihnen bisher ein Räthsel ge­wesen war, nun konnten sie sich die ofmalige Ab­wesenheit des Herrn Vogt, seine häufige Unpäßlich­keit und Gereiztheit erklären.

(Fortsetzung folgt.)