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Mittwoch, den 7. Februar 1883.

Fuldaer SB Altung.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit den illustrirten Sonntagsblältern ,Jm Familienkreise' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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<|) was dem Bauernstände noch chut!

Ein wohlgemeintes Wort eines Land- mannes an seine Standesgenossen.

IV.

(Schluß.)

Vor dem Jahre 1848, als der Fürst des Lan­des mit seinen Räthen und Ministern die Gesetze und Verordnungen! im Lande allein erließ, wurde bester für die Bauern gesorgt als jetzt, wo es bei der parlamentarischen Gesetzesmacherei mehr auf Stimmenmehrheit ankommt. Da nun die eigent­lichen Bauern im Landtage wenig vertreten sind, so wurden in den letzten Jahren viele Gesetze ge­macht, welche sehr ungünstig auf die Lage der Bauern einwirkten. Die Sauern sind gar zu zer­streut, sie müsten sich sammeln, damit sie, wenn sie sprechen, auch gehört werden können und müssen. Ich sage müssen, den unser sind viele, wenn wir nur zusammen stehen. Hierzu eignen sich hauptsächlich die sogen. Bauern­vereine. Hierüber mache ich nicht viel Worte, der verehrte Herr Pfarrer Grebe in Flieden hat ja die Nothwendigkeit und Nützlichkeit dersel­ben in der .Fuldaer Zeitung' bereits dargethan und zur Gründung solcher Vereine aufgefordert. Ich möchte nur hervorheben, daß es Pflicht der Bauern ist, sich an diesen neuen Vereinen zu betheiligen. Alle Vorurtheile, Träg­heit, dummerBauernstolz, alter Schlen­drian, Menschensurcht, Weibergeschwätz 21., alles das muß weichen, wo es gilt, einer Sache beizutreten, die uns so nothwendig ist und so nützlich zu werden verspricht.

Ich möchte nun noch einige Worte schreiben über den Zwist, der zwischen dem landwirthschaft- lichen Verein und dem Bauernverein ausgebrochen ist. Ich glaube dieser Zwist läßt sich leicht lösen, wenn man Folgendes beachtet. Meiner Meinung nach ist der „Landwirthschaftliche Verein" gegründet, um die Landwirthschaft wissenschaftlich rationell zu fördern und zu heben. Gegründet

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Hans Werlmann.

Original-Novelle von Richard Fröhlich.

(Fortsetzung.)

Aus Allem, was Fritz Bucher gesagt hatte, mußte die alte Liese schließen, daß er den abscheu­lichen Plan durchschaute, daß er selbst an dem Abende ihren sauberen Emil, den er glücklicher­weise nicht zu kennen schien, in ihrer Hütte ge­sehen hatte.

Jetzt erst fiel es ihr mit einem Male auf, daß sie von Vogt nichts mehr gehört hatte. Wo war er? Wie hatte er sich einer möglichen Verfolgung entzogen? Sie sah ein, daß sie nichts Anderes und nichts Besteres thun könne, als mit ihm die Sache nochmals besprechen; doch wie ihn finden? Alle diese Gedanken gingen dem alten Weibe wirr durch den Kopf. Den Michel konnte sie zu nichts gebrauchen, vor ihm mußte sie sich sogar noch hüten, sie mußte ihm bei jeder Gelegenheit blauen Dunst vormachen, weil er ein grundehrlicher Mensch war.

Ein höllischer Gedanke fuhr ihr durch den Sinn: „Der Bucher muß fallen", dachte sie, „denn wenn er am Leben bleibt, bin ich verloren."

Aber sie hatte bei diesem teuflischen Plane wieder die Hauptsache, das Wie? vergesten.

So lange sie nicht mit Emil in Verbindung siand, ließ sich nichts machen. Es galt aber kein langes Bedenken mehr, denn der Abend brach

sind dieselben anfänglich von Großgrundbe­sitzern oder doch von größeren Landwirthen. Die Bauern haben sich in Allgemeinen wenig daran beteiligt. Hauptursache des Zwistes ist und bleibt der zwischen dem Bauer und dem größeren Landwirth bestehende gesellschaftliche Unterschied. Der Bauer geht nicht gern in die Versammlungen der Großen.

Der „Landwirthschaftliche Verein" befördert mehr die wiffenschaftliche Bildung seiner Mitglie­der. Der Bauernverein strebt mehr thatsäch- liches Wirkern seiner Mitglieder an. Beide müssen sich also gegenseitig unterstützen nm Heilbringendes für die Bauern hervorzubringen. Es ist also sogar von großen Nutzen, wenn man gleichzeitig Mitglied des Landwirthschaftlichen-, sowie des Bauernvereins ist.

Bei Bildung unserer Bauernvereine müssen wir uns wieder die Stadtbewohner zum Beispiel nehmen. Sagt, gibt es in den Städten noch ein Gewerbe, welches nicht seinen Verein hat? Man huldigt dort dem Grundsatz: „Einigkeit macht stark" und mit vollem Recht! Der Bauer hat im Winter die schönste Zeit dazu die Ver­einsversammlungen zu besuchen. Die guten Fol­gen werden sich bald zeigen. Darum Muth gefaßt! Gründet Bauervereine!

Ein weiteres Hemmniß für den Fortschritt und das Gedeihen des BaueAistandes ist sein Mangel an Geld und Credit. Er möchte wohl manche Verbesserung in seinem Geschäfte machen, manchen vortheilhasten Handel abschließen, er hat aber kein Geld, und so unterbleibt es. Oft hat er das Geld nicht einmal zu den rückständigen Steuern und Zinsen. Da geschieht es nicht selten, daß er bei einem Wucherer zu leihen sucht. Ist er aber diesem erst in die Hände gefallen, fo geht es den Krebsgang desto rascher.

In dieser Beziehung haben sich die sog. Dar- lehnScassen-Vereine als sehr nützlich er­wiesen. Dieselben müssen da, wo sie noch nicht be­stehen, gegründet werden. Die Gründung solcher Caflen wird sich der Bauernverein als selbstver­ständlich angelegen sein lassen, wir brauchen des­

bald herein, und Michel konnte jeden Augenblick wiederkehren. Das alte Weib sah keinen anderen Ausweg als die Flucht. Eiligst nahm sie den Beutel mit den Goldstücken aus der Schatulle, packte einige Kleidungsstücke zusammen, nahm aus der Stubenecke einen alten Stock und schritt auf einem wenig bekannten Wege dem Dorfe Walligrath zu, wo Emil, wie sie wußte, in einer alten Spelunke häufig verkehrte. Kurz vor Anbruch des Dunkels hatte sie das Dorf erreicht, Niemand war ihr unter­wegs begegnet. Die verrufene Spelunke lag eine Strecke vom Dorfe entfernt. So kehrte sie denn unbemerkt dort ein und theilte dem alten verschmitzt aussehenden Besitzer, dessen Gestalt als ein wür­diges Gegenstück der Waldliese gelten konnte, mit, daß sie gekommen sei, um sich nach dem Verbleib Emils zu erkundigen.

Der Alte hatte ihn auch seit dem ftaglichen Dienstag Abend nicht mehr gesehen: An diesem Abende war er nach seiner Angabe gegen 10 Uhr Abends bei ihm eingekehrt und hatte an den Tanz- beluftigungen Theil genommen, die gerade bei Ge­legenheit der Kirmes dort stattgefunden hatten; erst nach Mitternacht hatte er sich entfernt.

Die alte Liese glaubte dem Wirthe, daß er von den weiteren Schicksalen Emils nichts wußte. Aber sie mußte ihn nothwendig auffinden, und, wenn sich auch anfangs ihr Geiz dagegen sträubte, gab sie dem habgierigen Wirthe ein Goldstück und forderte ihn auf, Nachforschungen anzustellen.

halb an dieser Stelle uns mit dieser Angelegen­heit nicht länger zu beschäftigen.

Gründen wir Bauernvereine'und treten denselben bei, so wird sich Alles so successive von selber machen. Nur durch solche Vereine bekommen wir im politischen Leben eine Stimme, eine Stimme, die mau durch'S ganze Land wird hören können.

Durch unsere Vereine und unsere Stim­men werden wir einen Druck auf die Gesetz­gebung ausüben können, nur müssen wir alle zusammen halten, denn wir bilden die Mehrheit.

Wir müssen einen genügenden Schutzzoll ver­langen, denn ohne diesen werden uns alle guten Rathschläge nichts helfen. Daß Schutzzoll die erste Bedingung zur Besserung der Landwirthschaft sein muß, erfahren wir gerade so recht in diesem Jahre, wo die Früchte ziemlich geratheu sind und wo es dennoch schlecht geht. Also laßt uns zusammen treten mit vereinten Kräften, damit man doch endlich sieht, daß wir noch da sind. Seid nicht muthlos und sprecht nicht immer: „Ach, das wird doch Alles nichts nützen, ob wir zusamentreien oder nicht. Wenn Alle so denken, so wird es sicherlich nichts, und bann können wir uns auch gar nicht beklagen, wenn es uns schlecht geht.

Gott hilftDenen, diesich selber helfen wollen!

Politische Ueberficht.

Deutsches Reich.

Fulda, 7. Februar.

* (Zur kirchenpolitischen Frage. — Die .Ressegna'unddie,Nardd. 911 tg. Ztg.') — Die gestern an dieser Stelle mitgetheilte Nach­richt aus Berlin (6-Correspoudenz) bestätigt sich. Neuerdings meldet auch der Moniteur de Rome' daß die päpstliche Antwort auf das kaiserliche Schreiben eingetroffen ist. Die

Der durchtriebene Wirth wußte sehr wohl, wie es mit Emil stand, er wäre auch am Ende mit der^Sprache herausgerückt, aber nun, wo er sah, daß" er Geld verdienen könne, beschloß er zu schweigen und scheinbar mit dem größten Eifer seine Erkundigungen einzuziehen. Nachdem der Wirth gesehen hatte, daß die Alte einen schweren Beutel Gold bei sich trug, wurde sein Benehmen gegen sie ein ausnehmend freundliches und zuvor­kommendes; er wies ihr ein besonderes Zimmer an, sie wurde vorzüglich bewirthet und erholte sich so allmählig von dem gehabten Schrecken. Trotz der aufregenden Ereignisse des Tages verfiel das Weib merkwürdiger Weise in einen tiefen Schlaf. Als sie spät am Morgen erwachte und sich an­kleidete gewahrte sie, daß der Geldbeutel, den sie so sorgfältig unter ihre Kopfkissen verborgen hatte, verschwunden war. Schäumend vor Wuth eilte sie halbangekleidet, wie sie war, hinunter in die Wohnstube des Wirthes und forderte mit krei­schender Stimme das gestohlene Geld zurück. Der Wirth schien diese schimpfliche Zumuthung mit Thätlichketten beantworten zu wollen, aber die Waldliese wußte noch schnell zu entgehen und rannte mit einer Eile, die ihrem Alter kaum zuzutrauen war, dem nahen Dorfe zu, um die Polizei zu requiriren. Bald darauf erschien der Ortsvor­steher nebst einem Polizeidiener und ließ den übel- beleumunbeten Wirth als des Diebstahls verdächtig festnehmen. Jedoch ging auch die Waldliese nicht