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Beiblatt zu Nr. 27 der,Fuldaer Zeitung/

Dienstag, den 6. Februar 1883.

Die Gründung einer Ackerbau­schule am Gesundbrunnen bei

Hofgeismar.

Wie wir hören, hat der landwirthschaftliche Kreisverein in seiner letzten Sitzung eine Frage von besonderer Bedeutung beschäftigt, ob nämlich die Gründung einer landwirthschastlichen Fachschule für das nördliche Hessen Bedürfniß sei und ob sich das hiesige Bad als Ort für eine solche eigne. Die Frage ist nach beiden Richtungen hin bejaht und eine Commission beauftragt worden, sich über die für unfern landwirthschastlichen Betrieb zweck­mäßigste Form einer solchen Schule zu orientiren und die ersten nöthigen Schritte zur Verwirk­lichung des Projects zu thun, zunächst die Ver­waltung und den Landtag unseres Regierungs­bezirks für dasselbe zu interessiren. Die Gründe, welche die Mitglieder des landwirthschastlichen Vereins ihre Wahl auf den hiesigen Gesund­brunnen lenken ließ, verdienen gewiß alle Beacht­ung. Bietet doch die ganze Brunnenanlage mit ihren zahlreichen, noch gut erhaltenen Gebäuden, die ihrer eigentlichen früher» Bestimmung nicht mehr dienen, gewiß die beste Gelegenheit, die nöthigen Räume mit verhältnißmäßig sehr geringen Kosten zu beschaffen. Dieselben würden nicht blos für die Schulsäle und Lehrerwohnungen, sondern auch zu einem Internat für mehrere hundert Schüler ausreichen. Sodann besitzt der Staat seit Ausführung der Separation in unmittelbarer Nähe des Brunnens ein für die Zwecke der Schule mehr als genügendes Areal. Sollte unsere Provinz, was gewiß am meisten im Interesse der Sache läge, dieselbe in die Hand nehmen, so würde sicher­lich die Königliche Regierung bei der hohen Be­deutung einer solchen Anstalt für unsere Land- wirlhschafl sich bereit finden lassen, die nöthigen Flächen wie . die Gebäude der Provinz unter mä­ßigen Bedingungen zu überlassen.

Außerdem sind noch folgende günstige Umstände für die Wahl des Brunnens bestimmend gewesen; vor allen der, daß die ausgedehnte Feldmark Hof­geismar — sie soll die größte Hessens sein — mit ihren mannigfachen Bodenarten zu den lehrreichsten Beobachtungen für die Schüler Gelegenheit bieten würde. Was Wiesenkultur betrifft, so würde sich der Schule in der ausgedehnten Anlage der Sieler Wässerungswiesen eine Musterschöpfung bieten. Ebenso würde die Nähe des altberühmten hessi­schen Gestüts Beberbeck mit seiner weit über die Grenzen Hessens als Musterwirthschaft bekannten Domäne den Zwecken der Anstalt gewiß in hohem

18 Hans Werlrnanrr.

Original-Novelle von Richard Fröhlich.

(Fortsetzung.)

Dieser Mann schritt an einem der hellen schönen Nachmittage, an denen der September so reich ist, über die Tannenweiler Haide auf einem Neben­pfädchen der Waldhütte zu. Er vermied die be­lebte Hauptstraße, setzte mit einem kühnen Sprung über den Waldbach, schlug sich alsdann seitwärts in's Gebüsch, und trat endlich durch die Hinter- thüre in die verfallene Hütte. Michel war nicht anwesend, das wußte er, ihn hatte er vor einer Stunde mit seinen Kleinwaaren durch das Dorf ziehen sehen. Ohne anzuklopfen trat er mit einem schmunzelnden Lächeln, das zu dem rauhen, fast wilden Gesichtsausdrucke des Mannes wenig paßte, in die rußgeschwärzte Stube.

Die Waldliese saß auf einem alten Schemel, auf ihrem Schoße stand eine schmutzige Schatulle, die sie augenscheinlich in dem Momente, als sie die nahenden Schritte hörte, schnell geschlossen hatte. Mit beiden Händen bedeckte sie den Deckel und schaute den Mann mit ihren blinzelnden Augen trotzig an.

Dieser schien auf einen solchen Empfang vor­bereitet zu sein, er achtete kaum darauf und sagte, ohne sich lange zu besinnen, zu der Alten:

„Ha, alte Hexe, hast wieder Goldstücke, meinst', ich hätt's nicht gehört, wie sie klirrten und klangen?

Grade förderlich sein. In Bezug auf den Unter­richt in der Waldkultur, so weit derselbe hier in Betracht kommen kann, würde der Reinhardswald mit seinen schönen Laub- und Nadelholzbeständen die beste Gelegenheit bieten. So scheinen denn alle Bedingungen in der glücklichsten Vereinigung zur Gründung der Schule am hiesigen Gesundbrunnen gegeben zu sein und dürfte wohl kein anderer etwa noch in Frage kommender Ort in Hessen nur ähnliche Vortheile zu bieten im Stande sein.

Es bleibt nur noch übrig die Frage des Be­dürfnisses zu erörtern. Man wird dieselbe ohne Weiteres bejahen müssen, wenn man erwägt, daß die Haupterwerbsquelle unseres Regierungsbezirks Landwirthschaft ist, und daß derselbe bis jetzt nur eine Winterschule besitzt, während in anderen Be­zirken mehrere landwirthschaftliche Fachschulen mit vollem Jahreskursus bestehen. Es weist nun der Besuch der Marburger Winterschule, der aus Nie­derhessen ein bedeutend größerer als aus Ober­hessen ist — von etwa 40 Schülern sollen nur 4 oder 5 Oberhessen sein — darauf hin, daß gerade für das nördliche Heffen ein wirkliches Bedürfniß besteht. Von besonderer Bedeutung für die Fre­quenz der Schule würde noch die Nachbarschaft der wohlhabenden und vorwiegend Ackerbau trei­benden Kreise Warburg, Höxter und Göttingen sein.

Dem Vernehmen nach hat sich nun die Kom­mission, was die Form der Schule betrifft, für eine Ackerbauschule ohne Berechtigungen entschieden, wie eine solche früher in Beberbeck bestand und die so segensreich für die Hebung besonders des bäuerlichen Wirthschaftsbetriebs gewirkt hat. Im Anschluß an dieselbe wird von der Commission noch eine Winterschule für die Bedürfnisse des kleineren Bauernstandes empfohlen werden. Dein- entsprechend soll auch die Bestellung des zur Schule gehörigen Areals eine Musterwirthschaft für ein größere» Bauerngut darstellen. Die Commiision ist dabei von der Ansicht ausgegangen, daß bei der im Allgemeinen geringen Größe der Acker­güter in Hessen die Schule gerade in dieser Form von allgemeinem Nutzen werden würde. Die Com­mission hat hiermit gewiß das Richtige getroffen rmd wird es ihren Bemühungen hoffentlich ge­lingen, das Project der Verwirklichung entgegen« zuführen. (H. Z.)

Möcht's übrigens nicht annehmen, das Sündengeld von dem feinen Herrn, aber die alte Liese nimmt, was' kriegen kann, He?"

„Bucher", kreischte das Weib, das vor Schrecken am ganzen Leibe zitterte, „was wollt Ihr von mir, bin' eine ehrliche alte Frau, solltet Euch was schämen, mich so zu verspotten."

„Ach so, die Alte roilt halt thun, als wenn's noch nichts müßt'; das hilft Euch nichts, Fritz Bucher weiß Alles, rückt nur mit der Sprache heraus. Ha, alte Hexe, wer war in der vorigen Woche am Dienstag Abend bei Dir hier in der Stube, als Du Michel richtig 'raus getrieben? Nun", und der stämmige Mensch trat ganz nahe an sie heran und hielt ihr die geballte Faust vor die Augen, „war's der Hans, der arme Hans" — bei diesen Worten lachte er höhnisch auf — „oder war's ein elender Lümmel, der Deine Teu­felsklauen mit Goldstücken füllte? Sprich, Alte, und mach' mich nicht wüthend, Du kennst den Fritz Bucher wohl noch schlecht. — Wenn Du jetzt nicht die Wahrheit sagst, dann fährst Du im Au­genblick zur Hölle."

Bei dieser Drohung war das ruchlose Weib vor Schrecken erdfahl geworden; ihre Augen traten geisterhaft hervor, die spitze Nase und die schmalen Lippen waren noch häßlicher anzusehen, als sonst.

Nur mit Mühe keuchte sie hervor:

„Laßt mich, laßt mich, ich bin unschuldig." Dann versuchte sie zu weinen, doch es war nur

Vermischtes.

* (Ueber neu entdeckte Gold- und Sil­bersandlager in Niederbayern) erhält die .Süddeutsche Presse' folgende Mittheilung: Die neuentdeckten Lager beschränken sich lediglich auf

das Gebiet des Gneißes, welcher in einer Längen­ausdehnung von etwa fünf Stunden von Innern­zell, König!. Mezirksamt Grafenau, bis Zenting, Königl. Bezirksamt Deggendorf, dem umgebenden Granitgebirge in Form einer Oase eingelagert ist. Das ganze Vorkommen ist bereits gemuthet. Der Gehalt an Gold und Silber wechselt nach den bisherigen amtlichen Analysen zwischen 10 und 50 g Feinsilber und 2 bis 10 g Feingold in 100 kg Sand, dürfte jedoch schon in 4 bis 6 m Tiefe bedeutend zunehmen. Theilweise führt der ver­witterte Gneiß Gold und Silber, theilweise nur Gold allein. Das Vorkommen der edlen Metalle ist nicht an bestimmte Erscheinungsformen geknüpft. Es findet sich edler Sand, angeschwemmt in gan­zen Lagen, wie eingelagert zwischen festem Gestein, ferner in ausgesprochenen Glimmerschiefergängen wie in anstehenden verwitterten, Stockwerk hohen Gneißpartien. Jedenfalls ist die Auffindung die­ser höchst werthvollen Edelmetalllager für das ganze Land, namentlich für die zukünftige Hebung der bayerischen Montanindustrie von hervorragen­der Bedeutung.

* (Das Reinigen von Stickereien in Seide und Gold.) — Da Stickerei in jeder Art heutzutage ein so beliebter Mode-Artikel ist, theilen wir hierdurch mit, wie diese am besten zu reinigen ist. Man nimmt das Gelbe eines Eies, zerquirlt es mit einem Theelöffel voll Wasser und bestreicht mit einem weichen Pinsel die Stickereien ganz vorsichtig, damit die Seide nicht rauh wird; dann nimmt man einen Schwamm und wäscht so lange immer derselben Richtung nach, bis Stoff und Stickerei rein und klar ist. — Um sie steif zu machen, wird auf die linke Seite etwa» Gum­miauflösung gestrichen und dann die Stickerei gleich zwischen zwei wollenen Tüchern geplättet, sonst laufen die Farben zusammen.

Mngesandt.

Die bereits wegen ihrer große» Vorzüglichkeit und Reellität in vielen Tausenden von Familien eigeführte Amerikanische Brillant-Glauz-Stürke von ?ritz Schulz jun. in Leipzig veranlaßt uns auch ieses Mal, die geehrte Damenwelt darauf aufmerksam zu machen. Die beim Gebrauch dieser Gsgnz-Stärke (kein Zusatz, also kein Stärke-Glanz oder bergt.) hervorgehende Eleganz der Wäsche macht erstere fast unentbehrlich für jeden Haus­halt und ist dabei der billige Preis, welcher pro Packet nur 20 Pfg. beträgt, dazu angethan, die Einführung derselben in jedem Haushalt zu ermöglichen. Die Ein­fachheit beim Gebrauch derselben garantirt selbst der un­geübten Hand ein sicheres Gelingen. Für die absolute Unschädlichkeit dieser Glanz-Stärke, sowie für Hie Hervor­bringung eines schönen atlasartigen Glanzet übernimmt der Fabrikant jede Garantie. Lager davon halten die meisten guten Colonialwaaren-, Droguen- und Seifen- Handlungen.

zu sehr erkennbar, daß es ein gezwungenes Schluch­zen war, in das sie ausbrach.

„Alte Furie", donnerte der ehemalige Wilddieb sie an, „das Greinen hilft Dir nichts, Du hast bald ansgewirthschaftet, Du hast falsches Zeugniß abgelegt, ich weiß es, Du hast den Hans unglück­lich machen wollen, aber hier steht einer, das merke Dir, der nicht ablassen wird, bis Du Dein Unrecht wieder gutgemacht hast. — Ja, sieh' mich nur nicht so grinsend an, mich kannst Du nicht ein« schüchtern, an Hexerei glauben wir nicht, damit macht man die Kinder bang; ich soll die Wald­liese wohl auch zum Geständnisse bringen, und wenn ich ihr an die Kehle müßte. Sprechen mußt Du!" schloß er seine aufgeregten Auslassungen, indem er mit den Zähnen knirschte und beide Fäuste geballt gegen das Weib ausstreckte.

Die Alte sprach keine Silbe, sie zitterte wie Espenlaub vor der herkulischen Gestalt, die drohend vor ihr stand. Als der Mann sah, daß er heute noch nichts ans ihr herausbringen könne, hielt er ihr nochmals die geballte Faust vor die Stirn und entfernte sich vlsdann auf dem Wege, den er gekommen war.

Die Alte stierte noch eine Viertelstunde lang, nachdem Bucher sie verlassen hatte, wie leblos nach einer Stelle hin; sie war von Schrecken wie gelähmt.

(Fortsetzung folgt.)