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Origiital-Novrlle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Schiveigeud schritt er mit Paula durch den dichten Laubgang, während diese ihre Helle, klangvolle Stimme laut erschallen ließ und sich in Lachen und Scherzen erging. Das kleine Wesen hatte offenbar die Absicht, den Bruder zu zerstreuen, denn sie hatte seine Niedergeschlagenheit wohl gemerkt.
Paula war in all' ihrer Fröhlichkeit und Heiterkeit kein unbesonnenes und leichtfertiges Mädchen; sie hatte, da sie schon in frühester Kindheit die Mutter verloren, es schon früher als andere Mädchen ihres Zitters gelernt, zu überlegen und nach- iudenken. Sie horchte gespannt auf die Gespräche ihres Vaters und ihres Bruders, sie wurde nie müde, ihren Bruder um alles zu fragen, was ihr in Büchern oder in der Natur als unbegreiflich «ufftieß, und ihr Bruder fand so Gelegenheit, ihr einen Theil seines ausgedehnten Wissens mitzn- lhellen.
In dem Forsthause angekommen, war es des fungen Mannes erster Gedanke, zu seinem Vater ?u gehen und diesem das von dem alten Holzhauer Erfahrene zu erzählen.
Ter Förster traute kaum seinen Ohren, als er vernahm, daß der Waldmichel einen derartigen
Verdacht auf seinen Sohn gewälzt hatte. Der alte Mann war früher sehr zum Jähzorn geneigt gewesen, und diese schlimme Eigenschaft hatte ihn bei Manchem verhaßt gemacht. Die alte Leidenschaft, die er mit Mühe und auf die flehentlichen Bitten seiner verstorbenen Gattin endlich unterdrückt hatte, drohte heute wieder auszubrechen, heute wo er seinen Sohn, den er als den ruhigsten leidenschaftslosesten Menschen kannte, so schwer verläumdet und verdächtigt sah.
„Ha", brach er aus, seine Stirnader schwoll und seine etwas gebückte Gestalt reckte sich hoch empor, „ha, Michel, das muß noch kommen, Du wirst den alten Förster noch kennen lernen, warte nur!"
Mehr sagte er nicht; obgleich nur mit Mühe gelang es ihm doch, seines Zornes Meister zu werden; die ruhige Ueberlegung siegte auch diesmal wieder über die aufbrausende Wuth.
„Hans", sprach der Alte nach einer Weile, „wir müffen ruhig abmarten, was kommt, wir können nichts an der Sache ändern." Jetzt fiel es ihm auf einmal ein, wie sehr wichtig es gewesen wäre, wenn der Jägerbursche seinem Auftrage gemäß am verflossenen Abende zum Tannenhofe gegangen, statt sich mit dem Bescheide des Arbeiters zu begnügen. Hätte er das gethan, so konnte auch der leiseste Verdacht auf dem Tannenhos keinen Eingang finden. Doch jetzt? .... Der alte Förster kannte den Tannenbauer. —
Von der hier beschriebenen Unfruchtbarkeit wissen freilich diejenigen Landwirthe, ivelche in den fetten Gegenden wohnen, nicht viel zu erzählen. Allein es ist nicht überall so, wie bei ihnen. Man muß Deutschland in allen Ecken gesehen haben, um zu wissen, daß es nicht überall so ist. Ich bin in den Provinzen Sachsen, Posen, Westpreußen, Pom- mern, Brandenburg, Hannover, Westphalen, Hessen und in Baiern gewesen. Was man fruchtbare Gegenden nennt, sind ungefähr die Striche, ivelche in 150—400 Fuß Meeres-Höhe und in dem engeren Stromgebiete der großen Flüsse liegen. Dieses macht nach meiner Berechnung aber lange noch kein Viertel des ganzen Landes aus. In allen übrigen Gegenden ist die Erhaltung resp. Verbesserung der Fruchtbarkeit der Felder mit aieler Mühe und Kosten verbunden. Neberall lohnt es aber immer der Mühe und Kosten, welche auf die Fruchtbarkeit der Felder verwendet werden; mit anderen Worten: ganz unfruchtbare Gegenden gibt's in Deutschland nicht; der Bauer muß aber auch in der Lage sein, Auslagen zu machen. Und das ist er eben nicht.
Nicht allein der Boden wird unfruchtbar, sondern die Landwirthschaft als Geschäft ist unfruchtbar geworden, denn für was taugt ein Geschäft, welches 100 Mk. Ausgabe und 80 M. Entnahme hat? — unfruchtbar, unrentabel!
Unwissenheit in den Kenntnissen einer rationellen(fortschreitenden)Landwirthschaft trägt auch etwas bei zur schlechten Lage der Äauern. Der Bauer, namentlich in hiesiger Gegend, ist gewohnt, seine ganze Bauerei nach althergebrachter Mode jn betreiben. Das ginge schon an, wenn wir jetzt nicht mehr Geld auszu- geben brauchten als die Alten. Ich las kürzlich in einer Zeitung: der Bauer, der Geld nach der neuen Mode ausgibt und nach der alten ein nimmt geht verloren. Also müffen wir lernen, Geld nach der neuen Mode einzunehmen, oder was dasselbe sagen will unser Geschäft nach der neuen Mode zu betreiben suchen.
Der liebe Gott hat bestimmte Kräfte und Eigen- schaften in die Natur gelegt, welche bei Bestellung
und Düngung unserer Felder, beim Wachsthum der Pflanzen, bei Ernährung der Thiere rc. thätig sind. Diese kennen zu lernen muß des Landmanns Sorge sein, wenn er überhaupt noch einen Fortschritt in der Landwirthschaft machen will. Ohne diese Kenntniß tappt er im Dunkeln. Wie und wo aber diese Kenntniß erwerben? Antwort: Für den gewöhnlichen Bauer wüßte ich nur den Rath: durch Lesen guter, fachwissenschaftlicher Bücher und Beitritt zu den landwirthschaftlichen Vereinen. Ich könnte dies noch weiter ausführeu, allein es würde zu viel Raum erfordern. Ich sage nur noch, daß ohne Befolgung dieses Rathes dem Bauer, soweit man Selbsthilfe von ihm verlangen kann, nicht geholfen werden kann. Lernen wir von den Gewerbetreibenden! Müffen dieselben nicht Jahrelang studirt und gelernt haben, zum Theil sogar in hohen Schulen, ehe sie zu ihren Geschäften die nöthigen Vorkenntnisse erworben haben? Da werden keine Mihen und Kosten gespart! Nur der Bauer glaubt, er brauche nichts zu wissen. Es geht aber nicht mehr anders, der Stauer muß doch so viel wissen, um sich einen Begriff davon machen zu können, was man z. B. unter Fruchtfolge, physikalischen und chemischen Eigenschaften des Ackerbodens, den Bestandtheilen der Künstlichen Dünger, als Phosphorsäure, Kali, Stickstoff, rationeller Ernährung der Thiere k. versteht.
Politische Ueberficht.
Deutsches Reich.
Fulda, 1. Februar.
* (Ein zeitgemäßes Wori.)Der diesjährige Fasten-Hirtenbrief des hochw. Herrn Bischofs Wilhelm von Hildesheim behandelt in einer wahrhaft vollendeten Form die Bedeutung der Sabbatsheiligung, und zwar in Bezug auf den Ursprung des Sonntags und aus seine Bedeutung als Tag der Ruhe. Es verdient dieses zeitgemäße Bischofswort um so mehr eine allgemeine Verbrei- tung und Beachtung, als längst ein frevelhafte^
1883.
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Als weitere Ursachen der bäuerlichen Rothlage bezeichne ich den Mißwachs der letzten Jahre, die zunehmende Unfruchtbarkeit der Felder und Wiese», den Mangel an Kenntnissen in der rationellen Landwirthschaft, mangelnder Zusammenhang in Vertretung gemeinschaftlicher Interessen, Mangel an Geld u. s. ro.|
1. lieber den Mißwachs der letzten Jahre brauchen wir kein Wort zu verlieren, der ist ja Jedermann bekannt.
2. Daß die Unfruchtbarkeit der Felder und Wiesen von drei Viertheilen in Deutschland successive zunimmt, unterliegt gar keinem Zweifel. Schon der große Liebig hat dies vorausge- fagt. Durch den Körnerbau werden dem Acker sehr werthvolle mineralische Bestandtheile, ate Phosphorsäure, Kali rc., entzogen. Dasjenige, was der Bauer selbst verzehrt und mit dem Vieh verfüttert, bleibt freilich in der Wirthschaft und kommt dem Acker wieder zu gute, allein diejenigen Mineralbestandtheike, welche derselbe iu feinen Producten zu Markte bringt, gehen größtentheilS für die Felder verloren. Diese könnten nun freilich durch künstlichen Dünger wieder ersetzt werden, allein der Bauer hat für das Allernöthigste kein Geld, wie viel weniger für künstlichen Dünger. Freilich könnte durch T i e f c u l t u r viel gewonnen werden, allein dies kostet ebenfalls wieder vermehrte Arbeit und Auslagen. Ja der Bauer sucht mitunter sogar aus Roth am Futter der Arbeitsthiere zu sparen und bringt sich dadurch in die Lage, seine Felder nicht einmal mehr in hergebrachter Weise bestellen zu können, er pflügt flacher statt tiefer, feine Felder^ »errufen und »er« quecken, werden ärmer und unfruchtbarer.
Tage waren vergangen und in dem Forsthause hatte man nichts mehr von dem Vorfälle erfahren.
Plötzlich und unerwartet kam an einem Nachmittage der Untersuchungsrichter aus dem benachbarten Marnheim nebst einem Sekretair und zwei Gendarmen, um zunächst wegen des fraglichen Vorfalles eine Ortsbesichtigung auf dem Schauplatze des Attentats vorzunehmen. Zugleich wurden auf dem Tannenhofe die Aussagen von Karl und Elise und in der Waldhütte die des Waldmichels und der Waldliese zu Protokoll genommen. Die Aussagen der Letzteren compromittirten Hans Werl- mann so stark, daß der Untersuchungsrichter sich veranlaßt sah, ihn sofort verhaften zu lassen.
Ganz unerwartet traten die zwei Beamten der Gerechtigkeit in das stille Försterhaus ein und forderten auf Grund des von dem Untersuchungsrichter ausgefertigten Verhastungsbefehles die Verhaftung des unglücklichen Hans.
Man kann sich die Bestürzung und den Schrecken der armen Paula und der alten treuen Haushälterin , die von der ganzen Geschichte noch nichts erfahren hatten, und die Niedergeschlagenheit des Försters und seines Sohnes vorstellen, als dieser unerwartete Schlag erfolgte. Des alten Waidmannes Augen blitzten, als er sah, daß sein Sohn, der eben die Büchse umgehangen hatte, um in den Wald zu gehen, diese ablegen mußte. Unwillkürlich griff er nach einem Revolver, der auf dem Tische lag; doch er ließ ihn sogleich wieder fahren,