1883.
Mittwoch, den 31. Januar
Jts. 25.
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<|> was dem Bauernstände notb thut!
Ein wohlgemeintes Wort eines Landmannes an seine Standesgenossen.
11.
Die Einen, welche über die hohe» Schutzzölle schreien, sind die sogen. Freihändler. Man kann es diesen Leuten nicht verdenken, wenn sie gegen Schutzzölle sind, die ihnen den Handel erschweren. Jeder wehrt sich ja und sucht soviel als rnöglich zu verdienen. Die Andern, welche über Schutzzoll räsonniren, sind Diejenigen, welche Brot und Fleisch kaufen. Solche find Angestellte, Geschäftsleute und Arbeiter. Die Angestellten haben in dieser Sache eigentlich nichts zu klagen, denn für diese ist gesorgt, daß sie leben können. (?)
Die Geschäftsleute haben allerlei Vorwände: Der Schutzzoll auf Nahrungsmittel vertheuere dieselben, theures Brod vertheuere auch die Arbeit, theuere Waare schade aber der heimischen Industrie. Die Arbeiter haben gerne das Brod so billig als möglich, das ist denselben auch gar nicht zu verdenken.
.Ich frage nun, was will der Industrielle mit seinen verfertigten Waaren? Antwort: Verkaufen! An wen? Antwort - An Lenke djx solche brauchen und Geld haben. Tie deutsche Landbevölkerung, welche immer noch drei Viertel der Bevölkerung ausmachen soll, braucht vielerlei Dinge, welche die Industriellen anfertigen, aber ihr fehlt das Geld zum Kaufen.
- .Der Schutzzoll soll nun dazu dienen, die Land- wirthschast vor gänzlichem Ruin zu schützen, damit das flache Land nicht entvölkert werde. Was soll daraus werden, wenn wir die Felder wüste liegen lassen müssen? Sollen wir in die Städte ziehen und Gewerbe treiben? Würden wir nicht dort bald verhungern, trotz billigen amerikanischen Brodes, wenn es draußen keine Bauern mehr gäbe, welche uns unsere Waaren abkaufen können. Und was
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Hans Werlman«.
Original-Novelle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Während der rüstige Bursche zu später Stunde den Weg nach dem Tannenhofe machte, besserte sich derGemüthszusiand des Han» wesentlich; erwürbe gefaßter, machte sich aber auch größere Hoffnungen. Die liebevolle Behandlung des Vaters hatte dieses Resultat erzielt. Der Jägerbursche kehrte nach ungefähr einer halben Stunde zurück und meldete, M bie Tochter des Tannenbauers einen Streif« !chuß am Arme erhalten habe. Der Bursche war « a auf Tannenhofe gewesen, er hatte diese Nachricht von einem Arbeiter erfahren, der ihm auf dem Wege begegnete. Ter alte Förster schalt chu deswegen, denn nunmehr wußte er noch nichts Bestimmtes. Der Bursche betheuerte aber, für die Glaubwürdigkeit des Arbeiters einstehen zu können und der alte Werlmann hielt es unter diesen Um- nanden für gernthen, feinem Sohne diese Nach- ncht unbemäntelt mitzutheilen. Denn, dachte er, wenn ich ihn; die Wahrheit verhehle und ihm am Ende sage, Niemand sei verletzt worden, so glaubt er mir gar nicht, und die Sache ist schlimmer oor^u- AK Hans erfuhr, daß Elise nur leicht verwundet worden, waren seine ersten Worte: „Dem Himmel fei Dank! Also habe ich sie noch Nicht verloren, sie lebt noch."
schadet es dem Arbeiter, wenn er für das Pfund Brod 1 oder 2 Pfennige mehr ausgeben muß, wenn er nur immer vollauf Arbeit hat. Was nützt ihm noch so billiges Brod, wenn er keine Arbeit hat und nichts verdienen kann? Es handelt sich also hauptsächlich um das Gleichgewicht zwischen Landwirthschaft und Industrie, zwischen Land und Stadt. Dieses Gleichgewicht ist durch die ausländische Getreide- Concurrenz gestört und muß durch Schutzzoll wieder hergestellt werden. Geschieht dieses nicht, so geht die deutsche Landwirthschaft verloren, mit ihr die Industrie und das ganze Vaterland.
Letzteres wird mir wieder Mancher nicht glauben, allein Thatsachen gelten mehr als Worte. Der deutsche Bauer klebt mit großer Liebe an seiner Scholle, allein er ist nicht so dumm wie der irische Bauer, welcher dem reichen Grundbesitzer seine Felder theuer abpachtet und bei Kartoffel und Schnaps ein elendes Dasein fristet oder gar um dieses sich noch in Revolutionen verwickelt. Gleich wie der Weg für Products von Amerika nur noch ein Fünftel so weit ist wie vor 30 Jahren, eben so viel näher ist jetzt auch der Weg l.ür die Auswand'erer.
Man hat sich oft die Frage zu beantworten gesucht, welches wohl die Ursache wäre, daß in den letzten Jahren jo uiele Menschen nach Amerika ausgewandert sind. Es gibt da allerdings mancherlei Ursachen, allein für die ländlichen Auswanderer ist es doch gewöhnlich: Die- schlechte Aussicht für die Zukunft!
Wenn erst das Unfall- und Jnvalidenge- setz fertig ist, so wird die Auswanderung vom Lande nicht sowohl nach Amerika, als vielmehr nach den d e u t s ch e n S t ä d t e n zunehmen, im Falle, daß für die Landwirthschaft nichts ge- than wird. Denn dann ist der Fabrikarbeier für seine Zukunft gesicherter als der Bauer.
Es wird uns Landwirthen, wenn wir über die große Getreide-Concurrenz klagen, gesagt: „Legt mehr Aufmerksamkeit auf die Viehzucht." Ja, das wäre schon gut, allein auch hierbei können
Keinen Augenblick zweifelte er daran, daß die Mittheilung des Vater« völlig wahr fei.
Aber trotzdem Hans sich allmählig beruhigt hatte, verbrachte er doch die ganze Nacht in aufregenden Träumen. Bald fand er sich selbst in einem furchtbaren Ningkampfe mit der unbekannten schwarzen Gestalt, bis er keuchend und schweißtriefend erwachte, bald überfiel es ihn wie Alpdrücken, er war wie gebannt, er vermochte nicht seine Glieder zu bewegen; mehreremal versuchte er es, sich aus seiner liegenden Stellung zu erheben — vergebens; er war kraftlos, seine Glieder waren schwer wie Blei.
Als ihn endlich dieser schreckliche Zustand verließ, dämmerte es bereit«, und Hans erhob sich, froh, daß die 'Nacht vorüber war.
Unbemerkt wie er glaubte, schlich Hans aus dem Hause und begab sich an die Stelle, wo er am verflossenen Abend dem ruchlosen Attentat bei- gewohnt hatte. Seine Gedanken weilten auf dem Tannenhofe bei Elise. Wieder kam ihm der Gedanke in den Sinn, daß Elise am Ende doch tödtlich verwundet, daß sie vielleicht sogar — tobt sei. Doch der Mensch klammert sich stets an den letzten Faden der Hoffnung an. Haus suchte sich selbst klar zu machen, daß seine Zweifel unsinnig wären. Und nun matte ihm seine überreizte Phantasie die verwundete Elise vor, wie sie trostlos und von dem überstandenen Schreck bleich sich härme, wie sie in Thränen gebadet, in bitterem
wir bei den jetzigen Verhältnissen mit dem Auslande nicht concurriren. Was kostet uns z. B. ein Stück Rindvieh an Arbeit und Futter bis es zur Schlachtbank reif ist. Wenn man dagegen hört, daß es in Amerika Farmer gibt, die 50,000 Stück Rindvieh auf der Weide gehen haben, so erschreckt man beinahe, wenn man dagegen unsere Armuth bedenkt. Der Import des Fleisches ist ja bekannt. Eines wundert mich: Weshalb schlägt man so großen Lärm gegen den Plan eines gesetzlichen Verbote« der Einfuhr von amerikanischem Schweinefleisch und Wurstwaa- ren? Man sollte doch meinen, ein solche« Gesetz wäre gleichsam sebstverständlich. Werden doch in Deutschlands Städten überall Schlachthäuser errichtet um bei der Fleischschau eine bessere lieber» sicht zu haben. Bringen wir z. B. ein Stück Vieh nach Fulda zur Schlachtbank und es werden beim Schlachten einige Finnen oder Spuren von Tuberkulose gesunden, so heißt es : „Bauer Du kannst Dein Fleisch zurücknehmen, die Metzger dürfen nur ganz gesundes Fleisch verkaufen." Wenn aber das Fleisch und die Wurst von Amerika Herkommen — gleich viel ob dort beim Schlachten das Vieh tobt ober lebendig war — so soll bas hier ohne Anstoß verkauft werben können. Und weshalb will man das? Antwort: Aus purer Liebe für den kleine» Wann, damit er billiges Fleisch zu essen habe. Da« ist ivahrlich eine schöne Liebe! —
Sorge man für cüku angemeffenen Schutz^' für die Landwirthschaft, so wirb der Bauer schon dafür sorgen, daß es Brod und auch Fleisch gibt Liest man doch jetzt in allen Zeitungen, daß der Schutzzoll für die Industrie so ersprießliche Wirkungen gebracht hat. Der Zoll, welcher jetzt auf dem Getreide ruht, ist nicht genügend; er beträgt ungefähr nur so viel, wie der deutsche Landwirth von seinem Getreide Grundsteuer,bezahlt. Durch die Grundsteuer hat er sein Getreide schon gewiffermaßen verzollt, ehe er es zum Markte bringt.
(Fortsetzung folgt.)
Schmerz sich winde. Eine namenlose Sehnsucht nach der Geliebten beschlich ihn. „Ach, ach," seufzte er, indem er die Arme ausstreckte. „Doch nein, es geht nicht." murmelte er dumpf vor sich hin, ich muß warten.
Planlos schritt Han« in der Richtung nach dem Tannenhose hin weiter. „Schon sah er von Ferne die Brücke, die über den Waldbach führte, da erblickte er seitwärts im Gehölz den Oberaufseher der Holzhauer, der schon, in so früher Stunde an die Arbeit gegangen war. Der alte Mann war der Familie Werlmann mit Leib und Seele ergeben; vor Jahren, al« Hans noch ein Knabe war, hatte er bei dem alten Förster als Hausknecht gedient und war durch dessen Vermittlung später Aufseher der Holzhauer geworden. Mit freundlichem Gruße trat Han« an ihn heran. Der Alte war sichtlich verlegen. Hans bemerkte es unb fragte ihn, was er auf dem Herzen habe.
Der Alte wollte nicht mit ber Sprache herausrücken. Endlich begann er langsam:
„Junger Herr, Ihr habt viele Feinde, ohne daß Ihr es wißt."
„Wie soll ich das verstehen?" entgegnete Hans gespannt.
„Ja, das will ich Euch sagen! Gestern Abend war ich in ber Dorfschenke in Tannenweiler und trank meinen Abendschoppen, da trat ber Waldmichel in die Wirthsstube, und wir sahen alle verwundert auf, denn er hatte den Hausirerkorb