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Montag, den 29. Januar
1883
Mung.
erscheint t a g l ich- Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Erpedition Buttermarkt Nr 112
»ulda Mk. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; ins Haus gebracht M. 2.15.
. ..___________________Jnqerate. Die Petit,eile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
* Der Brief des Kaisers an den Papst.
Die »Nordd. Allg. Ztg.' veröffentlicht in ihrer Morgennumnier von Sonnabend den Wortlaut des Schreibens Sr. Majestät des Kaisers an Se. Heiligkeit den Papst.
Das Schreiben lautet:
„Berlin, den 22. December 1883.
Euerer Heiligkeit danke Ich für das Schreiben, welches Sie unter dem3.d.M. an Mich gerichtet und erwidere vonHer- zen das Wohlwollen, welches Sie darin für Mich zu erkennen geben. Dasselbe bestärkt Mich in der Hoffnung, daß Euere Heiligkeit aus der Befriedigung, welche Sie mit Mir über die Herstellung und die Wirksamkeit Meiner Gesandtschaft empfinden, einen Beweggrund entnehmen werden, das seitherige Entgegenkommen Meiner Regierung, welches'die Wiederbesetzung der Mehrzahl der Bischofssitze ermöglicht hat, durch eine entsprechende Annäherung zu erwidern. Ich bin der Meinung, daß eine solche, wenn s ie auf dem Gebiete der Anzeige der geistlichen Ernennungen stattfände, noch mehr im Interesse der katholischen Kirche, al« in L-,u dos Staates liefen würde, weil sie die Möglichkeit zur Besetzung der im Kirchendienst entstandenen Vakanzen bieten würde. Wenn Ich aus einem Entgegenkommen der Geistlichkeit auf diesem Gebiete die Ueberzeugung entnehmen könnte, daß die Bereitwllig- keit zurAnnäherung eine gegenseitige ist, würde Ich die Hand dazu bieten können, solche Gesetze, welche im Zustande des Kampfes zum Schutze streitiger Rechte des Staates erforderlich waren, ohne für friedliche Beziehungen dauernd not tz- wendig zu sein, einer wiederholten Er- wäguug in dem Landtage Meiner Mo-
narchie unterziehen zu lassen. Ich benutze gern diesen Anlaß, um Euere Heiligkeit aufs Reue Meiner persönlichen Ergebenheit und Verehrung zu versichern.
gez. Wilhelm, gegengez. v. Bis marck.
An
Seine Heiligkeit den
Papst Leo XIII."
Wir entnehmen aus dem kaiserlichen Schreiben mit berechtigter Freude, daß die Verhandlungen über die Beilegung der kirchlichen Wirren einen erfolgversprechenden Fortgang nehmen, daß also der Charakter des Briefwechsels zwischen Papst und Kaiser kein lediglich conventioneller ist, wie Anfangs mehrfach behauptet wurde. Der vorliegende Brief gibt auch der momentan in Frage stehenden Schwierigkeit klar und deutlich Ausdruck. Es wird von der preußischen Regierung ausdrücklich zugestanden, daß, sofern die Geistlichkeit auf dem Gebiete der Anzeigepflicht ein Ent- gegenkommmen zeigen würde, eine organische Revision der Maigesetze in Angriff genommen werden soll. Die Entschließungen des apostolischen Stuhles entziehen sich natürlich gänzlich unserer Kenntniß und Beurtheilung, wir glauben aber annehmen zu dürfen, daß nach Lage der Sache und bet her bekannten Staaisklugheit und versöhnlichen Gesinnung des heiligen Vaters auch dieses Hemmnis; baldigst aus dem Wege geräumt sein wird.- - Ein abf.chlieHendes Urtheil über die Situation läßt der Inhalt dieses Briefes nicht zu; dazu würde man den Inhalt des päpstlichen Schreibens vom 3. Dezember kennen und endlich noch das demnächst unzweifelhaft zu er- lasiende Antwortschreiben des Papstes Leo abwar- ten müffen. Immerhin ergibt sich aus den; kaiserlichen Handschreiben die Thatsache, daß der beiderseitige ernstliche Versuch einer freundschaftlichen Annäherung bereits die allgemeine Form verlassen und den concreten Boden bestimmter Vorschläge ge- funden hat. __________________________________
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Han» Werlrnanrr.
Original - Novelle von Rich ard^FrShlich.
(Fortsetzung.)
Der Tannenbauer ließ sich zwar nicht von seiner Meinung abbringen, aber der bestimmte Ton, in dem Karl die letzten Worte sprach, machten ihn bestürzt, und er sprach lange Zeit kein Wort mehr. Er hatte nänilich erwartet, daß Karl viel leichter als Heinrich sich von der Schuld des Försterssohnes würde überzeugen lassen, und in dieser Erwartung sah er sich getäuscht.
Der Alte erhob sich nach einer Weile, ging hinaus, um in der frischen Abendluft seine Hitze ein wenig abzukühlen, und kehrte bald darauf in die Stube zurück. Noch eine geraume Zeit saß die Familie beisammen, doch es war ganz unbehaglich in dem von dein matten Schein der Lampe erhellten Zimmer, denn Niemand sprach ein Wort, alle saßen stumm da und in sich gekehrt.
Der Tannenbauer gab zuerst seinem Unbehagen Ausdruck. Er schlug mit der Faust auf den Tisch und rief: „das sind mir Geschichten, da sitzen wir nun Alle wie Kinder im Schmollwinkel; wenn denn Niemand etwas sprechen will, so gehe ich zu Bett."
Mit einem kurzen: „Gute Nacht!" verließ er das Zimmer. Als er hinausgegangen war, rückten die Mutter und die drei Kinder zusammen, und^ es entspann sich ein leises Gespräch.
-tie alle Frau beklagte sich bitter über ihren
Mann, der gan, gegen seine Gewohnheit aus Aerger in der nahen Dorfschenke so lange dem Weine zugesprochen, bis er die klare Ueberlegung verloren hatte.
„Ich will meinen Aerger hinuuterspülen", hatte er gesagt und war gegen 7 Uhr hinausgegangen; erst kurz vor der Ankunst Karls war er zurückgekehrt in einem Zustande, wo jeder Mensch glaubt, Alles habe sich gegen ihn verschworen, jeder gehe darauf aus, ihm zu nahe zu treten.
Noch lange sprachen die herzensguten Menschen über die Vorsälle der letzten Tage. Keiner von ihnen konnte es über sich gewinnen, Hans für den Bösewicht zu halten und ihn der Frevelthat zu beschuldigen. Besonders Elise fand nicht Worte genug, die Herzensgüte des jungen Werlmann und das sanfte ruhige Wesen desselben hervorzuheben; sie glaubte am wenigsten an seine Schuld. Elise hatte Hans schon bei seinem ersten Besuche am verflossenen Sonntage liebgewonnen; sie hatte Gelegenheit gehabt, zu gleicher Zeit die Charaktere zweier junger Männer kennen zu lernen, die in allem und jedem einander fast entgegengesetzt waren. Emil war stolz, Hans bescheiden, Emil leichtaufbrausend, Hans ruhig, Emil war ein Schmeichler, der ihr immer die abgeschmacktesten Zärtlichkeiten sagte, Hans trat ihr höflich und artig, aber mit geziemendem Ernst entgegen. Dazu kam nun noch, daß Hans den Emil an Kenntnissen, an Redegewandtheit weit übertraf. Alle diese Einzelheiten
Politische Ueberficht.
Deutsches Reich.
Fulda, 29. Januar.
In der Nr. 16 vom 20. Januar veröffentlichten wir unter „Vermischtes" eine Zuschrift: „Aus dem weimarischen Ulstergrunde", wonach die Großherzogliche Bezirks - Direction an mehrere Bürgermeister des Amtsbezirks Geisa einen Anfragebogen gerichtet habe, des Inhalts: „Aus welchen Gründen im verflossenen Jahre in ihren Gemeinden so wenig Tanzmusik stattgefunden habe."
Die .Weimarische Zeitung' schreibt nun unter dem 24. Januar: „Wir sind in der Lage zu erklären, daß diese Mittheilung unwahr, daß eine solche Anfrage an die Genannten nicht gerichtet worden ist."
Wir drucken diese Erklärung ab und erwarten,«» Uebrigen eine Rechtfertigung Seitens unseres Herrn Correspondenten. Daß es der »Weimarischen Zeitung' beliebt, diese Mittheilung eine „Denunziation" zu nennen, rührt uns gar nicht. Wir haben bei der Sache die allerbeste Absicht gehabt, ja sogar an die Mittheilung geknüpfte scharfe Bemerkungen unseres Gewährsmannes unterdrückt. Jeder Unbefangene wird einsehen müssen, das; wir die Sache mit der größten Vorsicht behände!? H-.--. v'.e o?r Zu'chr'.zt vc^.t-gr Anmerkung:
„Die Sache klingt fast unglaublich. Wir haben sie hier öffentlich angenagelt, damit die betreffenden Behörden Gelegenheit haben, ein etwa obwaltende» Mißverständniß aufzuklären", hat die Redaction sich eine durchaus objektive und loyale Stellung zu der Sache bewahrt. Daß aber die Presse der allein mögliche Weg ist, um derartige Dinge aufzuklären, wird uns Niemand bestreiten können. Wir zweifeln gewiß mit Recht sehr daran, ob die Großherzogliche Bezirks- Direction eine an sie gerichtete private Anfrage berücksichtigt haben würde. ________
pflegen einem ruhig denkenden Mädchen selten zu entgehen; das weibliche Geschlecht beobachtet^ oft viel mehr, als man anzunehmen geneigt ist. Elise war aber ein einfaches, anspruchloses Mädchen, welches sich zwar in einem klösterlichen Pensionat soviel Bildung und gesellschaftlichen Takt angeeignet hatte, als es seinem Stande gebührte, aber im Allgemeinen immer feinem natürlichem Gefühle, feiner angeborenen Vorliebe für Einfachheit folgte. Seitdem Elise Hans gesehen hatte, weilten ihre Gedanken tausendmal des Tages bei ihm, er hatte in ihr ein Gefühl erregt, welches sie noch keinem anderen jungen Manne entgegengetragen. Und dieser Hans, dieser edle, einfache Hans, den iie so sehr liebgewonnen hatte, sollte auf sie geschossen haben? Das war ein Gedanke, der dem Mädchen unsinnig, ja fast wahnsinnig schien.
Auch von Herrn Vogt wurde gesprochen. Nre- niand schien von dem Unglücke, daß ihn aller Wahrscheinlichkeit noch betroffen hatU, besonders schmerzlich gerührt zu sein; man schenkte ihm nicht die warme Theilnahme, die man sonst Verwandten bezeigt. Herr Vogt war nicht der Mann gewesen, sich bei seinen Verwandten beliebt zu machen; sein oft sehr unwirsches Benehmen halte nicht selten seine Verwandten abgestoßen und verletzt, jedoch hatte man ihn immer nur für einen etwas merkwürdigen Menschen gehalten, für schlecht und unmoralisch hielt man ihn gerade nicht, wenn er auch zuweilen in der Weinlaune manches un-