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Politische Peberstcht.

Deutsches Reich.

Fulda, 26. Januar.

* In Bestätigung unserer Mit­theilung vom'22. Jan. bringen meh­rere Blätter die telegraphische Nachricht, daß dem Kronprinzenpaare gestern auch eine vom Fürstbischof von Breslau Namens des preußischen Episcopats übersen­dete Glückwunschadresse zugegangen ist.

* (Zu der auch in dieser Zeitung gestern in einem Leitartikel behan­delten Auslassung der .Norddeut­schen Allgemeinen Zeitung') bemerkt in ihrer gestrigen Morgennummer die »Kreuz- Zeitung': „Wir muffen der .Nordd. Allg. Ztg.' die Verantwortung für die Darstellung, welche sie in Vorstehendem von der Politik des CentrumS gibt, allein überlassen; in ihrer Allgemeinheit ist sie zweifellos un­richtig und steht in direktem Widerspruch zu der Anschauung, welche im vorigen Früh­jahre die ,Nordd. Allg. Ztg.' selbst, nach Abschluß des kirchenpolitischen Compromiffes der Haltung des Centrums zu Theil werden ließ. Dagegen ist die Mittheilung, daß der Briefwechsel zwischen dem Kaiser und dem Papst keineswegs abgeschlossen, von höchstem Interesse."

Berlin, den 25. Januar.

• (Die Commission zur Vorbe- rathung der Novelle zurGewerbe- ordnung) hat Dienstag Abend in zweiter Lesung einen Beschluß in der Frage der obligatorischen Arbeitsbücher ge­faßt. Vom Abgeordneten Dr. Baumbach

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Hans Werlnranir.

Original-Novelle von Richard Fröhlich.

(Fortsetzung.)

„Herr Bartel", begann der Strolch, „Sie haben im Geheimen 50 Thaler Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der Ihnen über das Ver­bleiben des Herrn Vogt sichere Auskunft geben kann?"

„Ja, das habe ich allerdings, von wem habt Ihr ... . doch, laffen wir das — wißt Ihr etwas Genaues darüber zu melden?"

„Das meine ich, daß ich das kann; der Herr Vogt, Euer Compagnon", antwortete der rohe Mensch mit scharf markirter Be­tonung, ist schon längst —und dabei machte er eine nicht mißzuverstehende Hand- dewegung.

„Was soll das heißen. Sie roher Patron, drücken Sie sich entweder ordentlich aus, oder .. .." Herr Bartel wies mit der Hand nach der Thüre.

„Ach, lieber Herr", sagte da der gefühl­lose Mensch mit schmeichlerischer Stimme, „ich meinte es nicht schlimm. - Ich war auch nur dabei, als es geschah, ich habe keine Hand gerührt."

„Als was geschah?" sprach rasch Herr Bartel, der allmählich gespannt wurde.

„RuS, wenn ich es sagen soll: Herr Vogt

wurde Namens sämmtlicher Liberalen erklärt, dieselben würden nach der in erster Lesung geführten gründlichen Discussion sich jetzt an derselben nicht betheiligeu, sich vielmehr die Ausführung ihrer Arguniente für das Plenum vorbehalten. Bei der Abstimmung würden die Liberalen selbstverständlich gegen die Einführung der Arbeitsbücher votiren. Der Abg. Freytag (Centrum) bemerkte, daß er seinem in erster Lesung erklärten Vorbehalt gemäß gegen die Arbeitsbücher stimmen würde, da er sich inzwischen über­zeugt habe, daß die Einführung derselben nicht zweckmäßig sei. Von Seiten der An­tragsteller Ackerma nn und Kleist-Retzow wurde im Lause der Verhandlung die Er­klärung abgegeben, daß, wenn die verbün- deten Regierungen die obligatorischen Arbeits­bücher für unannehmbarerklären sollten, sie auf ihrem Antrag nicht bestehen würden. Dem gegenüber erklärte der Bundesraths- CommissarGeheimrath Bödicker, er könne nur bei der von ihni in erster Lesung ein­genommenen ablehnenden Haltung beharren, nachdem der BundeSrath beiBerathuug der Vorlage, ebenso wie früher schon, die Einfüh­rung der obligatorischen Arbeitsbücher ver­worfen habe. Seit der ersten Lesung habe der Bundesrath mit der Frage sich nicht be­faßt, er, der Commissar, besitze also auch keine andere Instruction, da diese nur vom Bnndesrathe würde ausgehen können. Was der Bundesrath beschließen werde, wenn der Reichstag sich für die obligatorischen Arbeits­bücher aussprechen sollte, könne er nicht wis­sen. Als darauf der Wunsch geäußert wurde, der Commiffar möge vor der Berathung im war gestern Abend in betrunkenem Zustande auf der Kirmeß zu Walligrath. Er erlaubte sich allerlei Dummheiten mit den Mädchen, welche auf dem Tanzboden waren und ge- rieth deswegen mit zwei Burschen aus der Stadt in Streit. Auf den, Heimwege haben sie ihm aufgelauert und ihn mit ihren Mes­sern erstochen. Die Bösewichter haben ihn scheußlich zugerichtet, so daß er kaum noch zu erkennen ist."

„Ist das Alles, was Sie wissen, so sage ich Ihnen, daß Sie ein Lügner sind, so wahr mein Compagnon kein Vollsäufer und liederlicher Geselle ist", schrie Herr Bartel, fast schäumend vor Wuth.

„Bekomme ich denn die 50 Thaler nicht?" sprach kleinlaut der Unverschämte.

„Wo haben Sie denn die Beweise für das abscheuliche Zeug, wxlches Sie uns so­eben vorgemacht haben?"

„Ach, guter Herr, kommen'» nur vor das Löwenthor in die zweite Lehmhütte rechts, da werden Sie die Leiche sinden."

„Pfui, Sie unverschämter Mensch, am Ende war der elende Patton noch bei der Räuberbande'", erklärte Herr Bartel, dem die Sache doch allmählich immer heikler wurde. Er glaubte zwar nicht, was der Mensch alle» erzählt hatte, jedoch dachte er an einen Raubanfall, den der schlimme Kerl,

Plenuni in den Besitz einer bestimmten In­struction darüber, ob der Bundesrath die Vorlage bei Einführung der obligatorischen Arbeitsbücher für unannehmbar erklären werde, zu gelangen suchen, erwiderte dieser, er glaube nicht, daß der Bundesrath mit Rücksicht auf einen möglichen Beschluß des Reichstages in zweiter Lesung sich schon jetzt mit der Sache befassen werde. Stellung ge­nommen habe der Bundesrath ja bereits zirr Sache. Sollte der Reichstag in zweiter Lesung die obligatorischen Arbeitsbücher be­schließen, so sei es für den Bundesrath immer noch Zeit, gegenüber der auf diese Weise veränderten Situation bis zur dritten Lesung sich schlüssig zu machen. Die Com­mission schritt zur Abstimmung: § >07 (Einführung obligatorischer Arbeitsbücher) wurde mit 10 gegen 9 Stimmen angenom­men. (Dafür stimmten die Copservativen, die Reichspartei und Centrum, dagegen 8 Liberale und Abg. Freytag (Centrum), 2 Nationalliberale fehlten bei der Abstim­mung; sie hatten sich vor der Abstimmung entfernt.

* (Der seitens der Fortschritts­partei im Reichstage eingebrachte Antrag) auf Untersuchung der Beschwer­den, welche in allen Theilen des Reiches über die Stempelsteuer auf Schluß­noten und Rechnungen unter Kaufleuten, Industriellen, Handwerkern und Landwirthen laut geworden sind, Hal dein Vernehmen der ,Ä)ff. Ztg.' nach, im Allgemeinen in Regierungskreisen eine beifällige Aufnahme gefunden. Der Bundcsrath hatte bereits in einer Mitte vorigen Jahres stattgehabten um sich und seinen Genossin gelindere Be sttafung zu sichern, in der vorgebrachten Weise gedeutet habe.

Schnell entschlossen klingelte Herr Bartel. Das Stubenmädchen erschien und erhielt leise den Auftrag, auf dein nahen Polizei­amte einen Polizeiofficianten zu requiriren.

Während das Mädchen schleunigst den Auftrag vollzog, ließ sich Herr Bartel von dem Schurken den Hergang der Geschichte ausführlich erzählen.

Noch ehe er geendet, war der Beamte zur Stelle. Der verkommene Mensch meinte und flehte und betheuerte seine Unschuld, jedoch sein Widerstreben half nichts, er wurde abgeführt.

Noch lange nachher sahen Herr Bartel und Karl AmweUer zusammen und bespra­chen die merkwürdige Geschichte.

Beide tarnen schließlich darin überein, daß es das Beste sei, noch am selbigen Nachmittage vor's Löwenthor zu gehen und sich dort zu überzeugen, ob der Mensch wenigstens in der Hauptsache die Wahrheit gesagt habe, obwohl keiner von ihnen beson­ders zu der Ansicht hinneigte. Als die Beiden am Nachmittage in die bezeichnete Lehmhütte vor dem Löwenthore traten, fan­den sie daselbst den Untersuchungsrichter mit mehreren Gerichtöbcamten vor. Die Beamten