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JH 19

Mittwoch, den 24. Januar 1883.

Fuldaer ZW Zeitung.

Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Eroedition. Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Po-tämi-rn. Der vierteljährliche Abonnementspreis betrat ausschließlich Bringerlohn in Fulda NM ÜO Ma mit Bringerlohn 1 Mk. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mk. 50 Pfg., ins Haus gebracht 1 Mk. 90 Pfg. Mit den illustrirten Sonntagsblättern ,Jm Familienkreise' kostet die ,Fuld. Zrg.' vierteljährlich in Fulda Mk. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; ins J>auä gebracht M 215. — Inserate: Di- Petit,eile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Politische Peberficht.

Deutsches Reich.

Fulda, 24. Januar.

H (Die .Frankfurter Zeitung') zeigt sich sehr ungehalten darüber, daß in der vorletzten Reichstagssitzung die Cen- irumsmitglieder Frhr. v. Schorleiner - Alst und Craf Ballestrem für die Er­haltung der Garde du Corps- und Küras- sier-Reginienter resp. für die heutige Mili­tärverwaltung eingetreten sind. Wenn das Blatt daraus den Schluß zieht, die Herren feien „eifrigere Anhänger des Militaris­mus als selbst die Führer der Conservativen", so ist das einfach eine unverständliche lieber» treibung und ein Zusammenwersen von Din­gen, die nicht zusammen gehören. Wer für Sparsamkeit im Militäretat ist, kann dabei doch die persönliche Ansicht haben, daß die bisherige Einrichtung der Waffengattun­gen eine richtige sei. Wenn nun die „Franks. Ztg.' weiter schreibt: Es wird nicht unbemerkt bleiben, daß das Centrum anfängt, in seiner Hinneigung zu den Auswüchsen des Militarismus die Confervativen noch zu über­trumpfen und fortfährt, daß derselbe hoch- aristokratische Zug, welcher gegenwär­tig im Centrum dominirt, auch bei Ernen­nung der dem Centrum zufallenden 6 Mit­glieder der Börsensteuer-Commission hervor­getreten sei, wovon keines dem bürger­lichen Stande angehöre, so ist das eben ein Beweis von mangelnder Objectivität und von Krittelsucht. Wir haben zu dem ersten Punkte nichts mehr hinzuzufügen; wer die Reden lieft, vernimmt aus dem Munde

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Hans Werlrnann.

Original-Novelle von Richard Fröhlich. (Fortsetzung.)

„Vater, Vater", redete Heinrich den Tan­nenbauer an, als er sah, daß dieser schwieg, „Vater wie konntest Du diesen schweren Ver­dacht dem Herren Doctor Heinzen so offen aussprechen, besonders, da der Verdacht gegen seinen eigenen Neffen gerichtet ist?"

Der Bauer schwieg. Herr Heinzen war indeffen stehen geblieben und sah seine bei­den Begleiter mit stieren Augen an. Seiner Brust entrang sich ein schwerer Seufzer. — Nach einer Pause sprach er mit fester Stimme:

„Herr Amweiler, welche Gründe haben Sie für Ihre Behauptung? Ich glaube doch wohl ein Recht zu haben, dieselben von Ihnen zu fordern."

Der Tannenbauer erzählte darauf alles, was der Waldmichel, und was Elise und Karl von dem Vorfall berichtet hatten. Die feste Ueberzeugung von der Schuld des För­stersohnes "und der darauf sich gründende Haß gegen ihn verleiteten den alten Bauer häufig, wichtige Momente in der Erzählung des Waldmichel zu Ungunsten des Hans zu wenden, so daß Heinrich trotz des Un- muthes seines Vaters wiederholt den Be-

Schorlemers selbst, daß er nach wie vor für Sparsamkeit im Militäretat ist. Die zweite Anschuldigung enthältnach den eigenen Ausführungen der .Frank­furter Zeitg.' in Nr. 23 eine einfache Un­wahrheit. In derselben Nr. 23 heißt es wörtlich: „Die Commission zur Vor- berathung dieses Antrags wird morgen ge­wählt; das Centrum sendet hinein u. A. Abg.Schröder (Lippstadt),*) v. Pfetten, v. Grand-Ry." Daß der Abg. Schröder zu den „Hocharistokraten" gehört, wird wohl auch die ,Frkf. Ztg.' nicht glauben. Mag sie in Zukunft genauer zusehen, ehe sie solche nichtigen Vorwürfe in die Welt setzt. Es ist überhaupt wunderbar, daß nunmehr, nachdem eben die „liberale" .Weser Ztg.' von einer Verstimmung bei Hofe wegen der oppositionellen Haltung des Cen­trums geredet, die ,Frkf. Ztg.' dem Centrum eine allzugroße Rücksichtnahme auf die Re­gierung ^ur Saft legt, jdenn etwas Anderes läßt sich aus dem Vorwurf nicht herauslesen.

* Würzburg, 23. Jan. (Bes­serung in dem Schulsystem.) Es gewinnt immer mehr den Anschein, daß man sich in den höheren Verwaltungs- frelfen von den Anschauungen trennt, die in der confessionslofen .Bayer. Lehrerztg.' ihre Vertretung finden. Es läßt sich nicht leugnen, daß der Cultusminister v. Lutz eine längere Reihe von Jahren genau den Weg eingehalten hat, den die ,Lehrerzeitung' ihm vorzeichnete, bis er durch die Landes­vertretung und eine Anzahl von Kreisver­

*) Auch diese Nachricht ist. nach den neuesten Mittheilungen unrichtig.

richt zu »erbeffern sich genötigt sah. Als der Alte geendet, wartete Herr Heinzen einen Augenblick und blieb nachsinnend stehen; dann preßte er mit klangloser Stimme die Worte hervor:

„Ja, ja, ich gebe zu, es fällt auf Hans ein großer Verdacht, wenn alle diese Aeußer- ungen des Hausirers auf Wahrheit beruhen; aber ich für meine Person werbe niemals von der Schuld meines Neffen überzeugt fein, es fei denn, daß er sie selbst eingeftebt. Ich kenne Hans zu gut, als daß ich so et­was von ihm glauben könnte; bei seinem Charakter halte ich es geradezu für unmög­lich- Ich glaube, daß entweder böswillige Absicht, ober ein merkwürbiger Zufall in der Sache sein Spiel treibt."

„Ich will Sie nicht beleibigen, Herr Doc­tor," entgegnete ber Tannenbauer, „aber ich bleibe bei meiner Ueberzeugung, ich halte Hans für einen — feigen Schurken."

„Herr Amweiler, ich nehme Ihnen Ihre Ansicht nicht übel, wenngleich Sie biefelbe nicht so offen aussprechen sollten; ich beute, wir werben barum unsere Freundschaft nicht abzubrechen brauchen."

In bem besten Einvernehmen schieben bar» auf bie brei Männer, nachdem der Tannen­bauer versprochen hatte, einstweilen von ber Sache schweigen zu wollen. Doctor Heinzen

tretungen zur Umkehr gezwungen würbe Ebensowenig läßt sich aber auch bezweifeln, baß ber Cultusminister auf bem früher be­tretenen Wege zur vollstänbigen Trennung ber Schule von ber Kirche gelangt wäre. Denn diese ist baS Ziel, bas nach ben Anschauungen ber .Lehrerztg.' um jeden Preis erreicht werben muß. Wie man alle Mittel benutzte, um auf bie Erreichung dieses Zieles hinzuarbeiten, kann man unter vielem Anderen auch aus der wegwerfenden Be­handlung ersehen, die der Musik von Seite der liberalen Lehrer zu Theil wurde. Am liebsten wäre es ihnen gewesen, wenn bie Musik vollständig aus ben Präparanden- schulen und Lehrerseminarien verbannt wor­ben wäre, unb zwar nur aus dem einzigen Grunbe, weil bann bie Lehrer nicht mehr als Organisten, Chorrectoren u. s. w. hätten verwenbet werben können. Wie erfolgreich ihr bezügliches Bemühen war, kann man aus ben vielen Klagen ersehen, bie Jahre lang aus allen Thellen Bayerns darüber erhoben wurden, daß bie jungen Lehrer webet als Organisten noch überhaupt in bem Kirchenbienste zu gebrauchen seien. Erfreu­licher Weise scheint man aber auch hier Ab­hilfe treffen zu wollen, denn wie die jüngste Nummer des .Schulanzeigers für Unter» franken' beweist, hat die Kreisregierung im neuen Jahre eine Bekanntmachung erlassen, nach welcher die Musik ganz in ihre alten Rechte wieder eingesetzt werden soll. Bei der Aufnahmeprüfung in den II. Cursus der Präparandenschule soll die Musik zur besonderen Empfehlung gereichen unb in zweifelhaften Fällen von ausschlaggebender bestieg sein Pferb unb ritt- dem nahen Dorfe zu.

4. Capitel.

Dunkle Schatten.

Auf ber Schillerstraße in bem kleinen Stäbtchen Marnheim erhob sich ein groß­artiges Fabrikgebäude, eine Maschinenbauerei, welche aber augenscheinlich erst vor wenigen Jahren errichtet worben war. Zu beiben Seiten schloffen sie an bas stattliche Wohn­haus mit seinen hohen Fenstern unb seinen zwei prachtvollen Baikonen unb gothischen Erkern Lagerräume an. Die beiben «Seiten unb bie Hintere Front bes quabratförmigen Etabliffements bildeten die mit Glas ge­deckten Maschinenräume und Arbeitssäle für Schlaffer- und Schmiedearbeiten. Den gan­zen Tag erfüllte das Getöse der großen Maschinen und der laute Schall der Ham­merwerke die Luft, und der qualmende Rauch der Kamine lagerte sich wie eine Nebel- wolke über das ganze Stadtviertel.

Durch das offene Thor in dem rechten Flügel sah man in den weiten Hofraum hinein, wo zahlreiche Arbeiter beschäftigt waren, die fertigen Maschinen auf schwere Frachtwagen zu laben. Eben trat ein an» ftänbig gekleideter junger Mann von freund­lichem Aeußern durch das Thor ein und