ni.niaerLurus bei den Casernenbauten und bei den Einrichtungen vor> Officiercasinos »ar Kerner empfiehlt er Besertrgung der nach seiner Ansicht völlig überflüssigen Kürassiere und mf>»-ir>lna der ru frühen Pensionirungen, s^w^e Abschaffung des ganz ungerechten Instituts (?) der Einjährig - Freiwilligen. Redner ertlärt sich «eitet gegen die Bevorzugung des Adels in der Cavallerie und tn den höheren Offt- -ierschargen, und beklagt die rohe Behandlung der gemeinen Soldaten und das sogenannte Geldmachen der Unteroffiziere.
Kriegsminister v. Kamele widerspricht der Behauptung absolut, daß die Behandlung der Mannschaften eine rohe ist. Einzelne Fälle können allerdings vorkommen, aber diese werden, sobald sie zur Anzeige kommen, unnachsichtlich bestraft. Das das sogenannte Geldmachen der Unterofficiere anlange, so sei dies eine Unsitte, der er auf das Entschiedenste entgegentrete. Er müsse aber bitten, ihm persönlich die Leute zu bezeichnen, damit er sie ohne Nachsicht bestrafen lassen könne. Was die Bevorzugung des adligen Elementes in der Armee anlange, so müsse er auch diese Behauptung in Abrede stellen. Das bürgerliche Element werde nicht zurückgesetzt: mehr als die Hälfte unseres Officier-Corps bestehe aus Bürgerlichen.
Abg. Frhr. v. Minnigerode erwidert dem ersten Redner, daß in den Kreisen, in denen er verkehre, die Armee als der Stolz der Nation bezeichnet wird, und daß man dort auch gern bereit ist. für die Armee Opfer zu bringen. Auch nach außen hin müsse die Armee ein glänzendes Gepräge tragen. Redner tritt entschieden für die Beibehaltung der Cavallerie in ihrer jetzigen Verfassung ein, cnnh die schwere Cavallerie sei nach seiner Meinung nicht zu entbehren.
Abg. Richter (Hagen): Bezüglich der rohen Behandlung von Soldaten durch Unterofficiere befinden wir uns in einer mißlichen Lage, weil die Klagen, die an uns gelangen, gewöhnlich mit der Bitte verbunden sind, die Regimenter nicht zu
nennen.
Abg. Dr. Windthorst bestätigt, daß die Militärpersonen niederen Grades schlecht behandelt würden und wünscht, daß seitens der Militärverwaltung eine Besserung der Verhältnisse herbeigeführt werde. — Abg. v. Vollmar (Socialdemokrat) exemplificirt namentlich auf Baiern. Von dort kämen allerdings die meisten Klagen über Mißhandlung Der Soldaten, das habe aber namentlich darin seinen Grund, daß dort das öffentliche Gerichtsverfahren bestehe, nnd daß dadurch alle einzelnen .Fälle sofort in die Oeffentlichkeit gelangen. Das habe aber schon wesentlich bessernd auf die Behandlung der gemeinen Soldaten eingewirkt. — Abg. Frhr. v. Maltzahn-Gültz betont den Ausführungen des Abg. Schott gegenüber die Nothwendigkeit, den Söhnen verdienter Officiere einen Vortheil bei der Besetzung der Officierstellen einzuräumen. Ueb- rigens trete der Fall sehr häufig ein, daß bei dem Avancement zum Major der persönliche Adel verliehen werde. Daher schreibe sich zum Theil die große Zahl von adeligen Officieren in unserer Armee her.
Loeales und Provtucieües.
Fulda, 23. Januar.
Zur Feier der silbernen Hochzeit des Kronprinzlichen Paares wird am nächsten Donnerstage, 8 Uhr, in der Dom- wie in der Stadtpfarrkirche ein feierliches Hochamt stattfinden.
* In dem gestrige Referat über die Aufführung des Dreikönigen-Festspieles hat sich ein kleiner Jrrthum bezüglich der mitwirkenden Damen eingeschlichen. Wir zogen, weil wir sicher gehen wollten, gestern Morgenvor Fertigstellung des Berichtes in der A. Maiersschen Buchhandlung über die Namen der Solostimmen Erkundigung ein. Die schriftliche Antwort lautete: „Sopransolo Frl. Rübsam, Altsolo Frl. Hübner." Wie wir nachträglich hören, hat Frl. Rübsam auch das im Text als Altsolo bezeichnete Mezzosopransolo im 5. Theile gesungen. Frl. Hübner hatte jedoch in dem Duett „Geleite meine Schritte", die Alt Partie.
(-) In der General-Versammlung des hiesigen K r i e g e r - V e r e i n s am 20. d. M' wurde der Jahres- Bericht und der Cassen-Abschluß pro 1882 niitge- theilt. Nach dem Cassen-Abschluß hat der Verein: Berwaltungs- und Vergnügungscaffe 41,81 Mark, Unterstützungscaffe 91,48 M., Sterbecasse 506,95 M., Werth des Inventars 450 M., mithin ein Gesammt- Bermögen von 1090,24 M. Aus der Unterstütz- ungscasse zahlt der Verein, soweit der Cassenbestand es gestattet, in Erkrankungsfällen, und wenn die Krankheit länger als 8 Tage anhält, an betreffende Mitglieder für jede Woche 3 M. Unterstützung, und kann in besonders schweren Fällen der Vorstand diesen Betrag erhöhen. Die Sterbecasse hat den
Zweck, beim Absterben eines Mitgliedes den Hinterbliebenen desselben eine einmalige Unterstützung zu gewähren. Diese Unterstützung beträgt vorläufig 20 M. und wird zunächst zur anständigen Beerdigung des Verstorbenen verwendet. Zugleich wurde von der Commission für das Sammeln der Ci- garreisspitzen mitgetheilt, daß die Sammlung pro 1882 die Einnahme von 82,07 M. ergeben hat, hiervon 9 Wittwen und 18 Kinder, sowie die hiesige Klein-Kinderbewahranstalt, (mit Einschluß der Verwaltungskosten als für beschaffte Spitzen-Ab- schneider, Papier und Druckkosten), mit 81,69 M. unterstützt resp. verausgabt worden und 38 Psg. Bestand verblieben sind. Die Sammlung pro 1880 hatte 68,69 M. und pro 1881 68,80 M. ergeben.
h. Geisa, 21. Jan. Heute Nachmittag fand eine glänzende Volksversammlung int Rathhaussaale dahier statt, in welcher unser Landtagsabgeordneter Herr Frühmeffer Hagemann sein Programm in der für unser Ländchen so brennenden Steuerreform fra g e in einem lichtvollen Vortrage entwickelte. Der Herr Landtagsabgeordnete führte zunächst auf die Steuer-Ueberbürdung des weimarischen Bauernstandes, sowie auf die ungesunden Verhältnisse des Arbeiterstandes unsere heutige Calamität zurück und zeigte damit die unbedingte Nothivendigkeit einer Steuerreform. Bei Ausführung seiner diesbezüglichen Gedanken entwarf er ein „progressives Steuersystem" der 4 Stände: Bauer, Industrieller, Kaus- tnann und Börsenmann. Die von dem Redner entwickelten Gedanken fanden allgemein Beifall, allein inan wird vorerst mit den gegenwärtigen Verhältnissen rechnen müssen, wie ein anderer Redner, Herr Pfarrrer Kiel, ausführte, und mindestens Abschlagszahlungen für unsere Bauern zu erlangen suchen. Solche Abschlagszahlungen seien Verminderung der Beamten, Vereinfachung des Beamtenräderwerkes, worüber ja schon im letzten Landtage so lebhaft discutirt worden wäre. Sodann führte Herr Pfarrer Kiel weiter aus, erscheine speciell für den Bauer des Oberlandes die sogen. Grundsteuer, welche noch ein Ueberbleibsel aus der alten Fuldaer Zeit wäre, nicht gerechtfertigt, indem diese Steuer in der Bodensteuer wiederkehre. Ueberdies erscheine es ihm unklar, auf welchen Grund hin seit der neuen Münzwährung die alte Pfennigzahl bei- behalten worden wäre, so daß jetzt der Bauer noch Vg Grundsteuer mehr bezahlen müsse, wie vorher. Drittens solle man auf Weiterbau des sog. Wuchergesetzes durch Einschränkung der Wechselfähigkeit des Bauern und endlich auf Erhöhung des Getreidezolles hinarbeiten. Damit würde dem Bauer schließlich ganz besonders aufgeholfen. Nach Erledigung verschiedener Anfragen, so bezüglich der Dringlichkeit der Feuerwehrausrüstung, der Ausdehnung der Zeit, um ein Unterstützungsrecht zu erlangen, der Secun- därbahn von Vacha nach Geisa, wurden noch zwei sehr wichtige Beschlüsse gefaßt: 1) wurde unser Landtagsabgeordneter förmlich beauftragt, alle gesetzlichen Mittel zur Errichtung einerSparkasse mit pupillarischer Sicherstellung der Einlagen in Geisa anzuwenden; 2) wurde Herr Lehrer Sack von Wiesenfeld beauftragt, die nöthigen Vorarbeiten zur Errichtung eines Bauernvereins int Eisenacher Oberlande vorzunehmen.
* Wiesbaden, 21. Jan. Gestern Morgen wurden mehrere Exemplare eines nichtswürdigen, gegen die Justiz, Verwaltungs- und hiesigen Gemeindebehörden, sowie gegen einzelne hiesige Beamte gerichteten, an verschiedenen Häusern angeschlagenen Pamphlets von der Polizei entfernt.
-i- (Stand der Diöcese Fulda nach dem Schematismus pro 1883.) Vielen Lesern der ,Fuldaer Zeitung' mag es nicht uninteressant sein einen Ueberblick über die Seelenzahl der einzelnen Pfarreien unserer Diöcese zu haben. Anbei folgt ein solcher, wie ihn uns das diesjährige Directorium bietet, geordnet nach der Zahl der Katholiken:
. Nr. Pfarrei. Seelenz.
1. Stadtpf. Fulda 6920
2. Bockenheim 6500
3. Salmünster* 5194
4. Cassel 5130
5. Neuhof 4348
6. Hanau 4100
7. Somborn* 3943
8. Dompf. Fulda 3940
9. Orb 3601
10. Flieden 3018
11. Neustadt 2839
12. Großauheim** 2627
13. Großenlüder 2570
14. Eiterfeld* 2514
15. Poppenhausen 2503
16. Florenberg** 2187
17. Wirtheim 2180
18. Fritzlar 2033
19. Volkmarsen 2015
20. Ulmbach 2012
21. Blankenau 1990
22. Oberndorf 1960
23. Hattenhof 1936
Nr. Pfarrei Seelenz.
24. Allendorf 1872
25. Burghaun* 1859
26. Geisa 1812
27. Hofbieber* 1778
28. Hünfeld 1775
29. Hosenfcld 1671
30. Margrethenhaunl581
31. Schmalnau 1561
32. Raßdorf 1535
33. Ruhlkirchen 1511
34. Geismar 1431
35. Hauswurz 1425
36. Hilders 1411
37. Kleinsaffen 1365
38. Roßdorf 1365
39. Amöneburg 1360
40. Großentaft 1311
41. Eichenzell** 1310
42. Hofaschenbach** 1284
43. Marbach** 1280
44. Anzefahr 1260
45. Dipperz** 1228
46. Schwarzbach 1228
* Ohne Pfarrer.
** Ganz verwaist.
Nr. Pfarrei Seclenz.
47. Oberbimbach 1186
48. Heimbach 1150
49. Wüstensachsen 1108
50. Oberufhausen* 1084
51. Petersberg 1065
52. Dermbach 1064
53. Buttlar 1051
54 Weyhers** 1031
55. Batten 1022
56. Salzschlirf 1020
57. Michelsrombach 1008
58. Naumburg 974
59. Dietershausen 938
60. Großkrotzenburg** 936
61. Mardorf 910
62. Rinteln 906
63. Kirchhasel 888
64. Giesel 875
65. Johannesberg 862
66. Rückers 850
67. Borsch 832
68. Niederklein** 830
,69. Zella 820
70. Reulbach 790
71. Bremen 767
72. Mackenzell** 730
73. Herolz 710
74. Marburg* 700
75. Kämmerzell 700
76. Bieber 690
77.Sannerz(Kuratie)690
78. Lütter 670
Nr. Psarrki Skklrnz.
79. Aufenau 634
80. Eschwege 616
81. Gersfeld 598
82. Simmershausen571
83. Gelnhausen 507
84. Bauerbach 503
85. Eisenach 500
86. Kranluken 478
87 Oberrodenbach (Kuratie) 470
88. Lahrbach 430
89. Großenbach 419
90. Weimar 407
91. Uttrichshausen**393
92. Ungedanken 351
93. Erfurtshausen 330
94. Züntersbach (Kuratie) 309
95. i^af elftem 276
96. Rotenburg* 250
97. Militärpfarrei Fulda 232
98. Lettgenbrunn (Kuratie)* 195
99. Hl. Geistpfarrei Fulda* 195
100. Hersfeld (Lokal- kaplanei 180
101. Alsberg** 140
102. Langenschwarz (Kuratie) 137
103. Jena (Lokalkap- tanei) 109
Die ganze Diöcese zählt ungefähr 150 000 Katholiken mit 176 Priestern. In den 12 ganz verwaisten Pfarreien befinden sich fast 14000 Seelen, in denen, wo nur mangelhafte oder nicht geordnete Seelsorge ist, 17,800 Seelen, also empfinden int Ganzen 31,800 Katholiken oder der fünfte Theil unserer Diöcese beständig die Folgen des Cultur- kampfes. Und wann endigt er? -
Neueste Nachrichten.
** Berlin, 22. Jan. Dem Kronprinzen wurde heute von den hier anwesenden acht Großmeistern der vereinigten Großlogen der Freimaurer Deutschlands der zur Feier der silbernen Hochzcit gesammelte Fonds zur Errichtung eines Heimathshauses für Frauen und Töchter verstorbener „Brüder" überreicht.
** Paris, 22. Jan. Der Ministerrath hat beschlossen, den Prinzen Jerome dem Senat als dem für Attentäter gegen die Sicherheit des Staates vorgesehenen höchsten Gerichtshof zu überweisen. — Die Urtheile der republikanischen Presse über die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen die Prätendenten lauten heute bereits viel kühler, lieber den Ausweisungs-Antrag sind die Meinungen sehr getheilt, jedoch wird die Abänderung des Preßgesetzes (Maueranschläge) beinahe einstimmig verurlheilt. Wenn die Regierungsentwürfe fallen, und das ist fast wahrscheinlich, so ist die Kabi- netSkrisis unvermeidlich. Man glaubt, daß in diesem Falle Freycinnet das Ministerprä- sidiuni übernehmen würde.
Vermischtes.
* Hamburg, 21. Jan. (Zusammenstoß der Cimbria.) Die ,Köln. Ztg/ erhält von der Direction der Hamburger- Paketfahrt-Gesellschaft folgende Depesche: Der Zusammenstoß der Cimbria mit dem Dampfer Sultan fand während des dichten Nebels statt. Die Cimbria ging mit verminderter Kraft, d. h. langsam, und ließ fortwährend die Dampfeife ertönen. Der Sultan traf die Cimbria mit seinem Steven an der Backbordseite am Fockmast und verursachte ein so gewaltiges Loch, daß die Cimbria nach 15 Minuten sank. Das Schiff legte sich stark noch Steuerbord, weshalb die Backbordboote nicht zu Wasser gebracht werden konnten. Capitän Hansen hatte die Commandobrücke nicht verlassen und ging mit dem Schiffe unter; ebenso der Erste Officier Karlowa, welcher Leuchtfeuer als Nothsignal abbrannte, Im ganzen waren