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J^se 18. Dienstag, den 23. Januar 1883.

Fuidm Ieitung.

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* Zur Börsensteuerfrage.

Der Antrag von Wedell-Malchow auf Einführung einer procentuellen Reichs- börsensteuer stellt sich nach den eigenen Ausführungen des Antragstellers mehr als ein neuer Anstoß zur Erwägung der wich­tigen Börsensteuerfrage, denn als ein in seiner vorliegenden Gestalt auf Annahme rechnender Antrag dar. Der Abg. von Wedell und noch niehr die übrigen im Prin- cip für den Antrag eintretenden Abgeord­neten betonten sehr eindringlich die Schwie­rigkeiten, welche die Frage in sich birgt und kamen deshalb alle in dem Vorschlag zu­sammen, den Antrag einer Commission zur Vorberathung zu überweisen.

Was die principielle Seite der Bör­sensteuer angeht, so wird ein Jeder, welcher es mit dem Volke gut meint, und für den das Schwärmen für die Jnteresien des Mittelstandes und der ärme­ren Bevölkerung etwas niehr als ein bloßes Aushängeschild ist, uns Recht geben, wenn wir sagen: Das bewegliche Capital muß mehr als bisher, zu den öffentlichen Lasten des Staates herangezogen werden, der bestehenden schreienden Ungleichheit zwi­schen der Belastung des iinmobilen und mo­bilen Capitalö muß ein Ende gemacht werden. Es ist statistisch nachgewiesen, daß der Ur­kunde nstempel und die Abgabe für Uebertragung des Grundbesitzes durchschnitt­lich 6'1 Millionen jährlich betragen, Sporteln und Erbschaftssteuer mit 13 Millionen Mark ungerechnet. Wenn man damit den für das Etatjahr 1883/84 in Ansatz gebrachten Be-

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Hans Werlmann.

Original-Novelle von Richard Fröhlich.

(Fortsetzung.)

Eben langte der Zug an dem Thorwege an. Eine lange Tannenallee führte zu dein hohen alterthümlichen Thore, auf dessen Oberbau ein aus Stein gehauenes Pferd in liegender Stellung angebracht war. Auf beiden Seiten der Allee befand sich ein.klei­ner Graben und hinter dem Graben eine hohe Gartenhecke von Weißdorn. Der große Garten, welcher zu dem Hofe gehörte, um­gab denselben von allen vier Seiten und war nur durch den Thorweg unterbrochen. Der vorderen Hecke entlang erhob sich auch eine Reihe von stattlichen Tannen, welche älter und höher als die übrigen, wahrschein­lich dem Hofe den Namen gegeben hatten.

Als der Wagen in das stattliche Thor eingefahren war, trat ein alter Herr von ehrwürdigem Aussehen und mit weißem Haar in Begleitung eines jungen Mädchens aus dem Thore heraus. Das Mädchen trug ein einfaches rosafarbiges Kleid, welches ihm, trotzdem es jeden Schmuckes entbehrte, sehr wohl anstand. Die dunkelbraunen Flechten, die das blühende Gesicht umrahmten, die blauen Augen, der kleine rothe Mund, der

trag des Schlußnotenstempels mit 2,728,800 Mark vergleicht, so springt die ungerechte Vertheilung der Lasten recht klar in die Augen. Und dabei ist es eine ausgemachte Sache, daß beinahe diese ganze enorme Last von jährlich über 60 Millionen von dem Grundbesitz getragen wird.

Daß das mobile Capital durch die Ein- koniniensteuer nicht genügend getroffen wird, darin sind Alle einig, die einen (Anblick in Steuerverhältniffe haben.

Es kann daher gar nicht in Frage kom­men, ob eine neue Börsen st euer — denn die bisherige Stempelabgabe war keine ernstliche Börsensteuer — gerecht ist. Sie ist mehr als billig, sie ist nothwendig und eine dringliche Forderung der aus­gleichenden Gerechtigkeit. Zu einer Zeit, wo man in den Kreisen der Regierung und Volksvertretung so viel von den Lasten des armen Mannes spricht, dem aufgeholfen werden müsse, wo man aber gleichzeitig mit dem Plane einer im Einzelstaat oder even­tuell im Reiche durchzuführenden neuen Li- cenzabgabe auf Bier, Taback, Wein und Branntwein heroortritt, die doch auch wieder alle Stände zugleich treffen wird, ist es wahrlich ein schreiendes Vedürfniß, daß man auch der Börse etwas mehr zu Leibe geht. Vernünftige und billig denkende Mitglieder des Handelsstandes haben auch dagegen an sich nichts einzuwenden. Sie wenden sich nur gegen die von Wedell- Malchow vorgeschlagene Form der Steuer.

Man braucht sich durch die großen Reden der wirklichen Börsensteuergegner, welche von der Einführung derselben eine wirthschaft- fast immer zu Scherz und Lachen verzogen war, und die rosigen Wangen waren wohl geeignet, Jedermann für das Mädchen ein­zunehmen. Heute trug Elise, — denn sie war es — , den Arnr in einer weißen Binde. Als der Tannenbauer und sein Sohn der Beiden ansichtig wurden, beschleunigten sie ihre Schritte.

„Gott grüß' Euch, Herr Doctor", redete der Tannenbauer den alten Herrn an, es war sehr freundlich von Ihnen, daß Sie sich schon wieder nach dem Befinden meiner Tochter umgesehen haben. Wie finden Sie Elise, hat sich der Zustand der Wunde nicht verschlimmert?"

„Seien Sie nur unbesorgt" , erwiderte Doctor Heinzen, „in drei Wochen werden Sie von der ganzen Geschwulst nichts mehr sehen können. Nur aus Vorsicht habe ich verordnet, daß Frl. Elise den Arm in einer Binde tragen solle; eine Bewegung würde den Schmerz wieder erneuern. Auch im Uebrigen finde ich Frl. Elise weit besser; die augenblickliche Aufregung hatte ihre Ner­ven erschüttert, und eine große Abspannung der Kräfte war die Folge. Wie Sie sehen, ist auch ihre alte Fröhlichkeit und Heiterkeit wieder zurückgekehrt."

„Zuweilen", fiel Frl. Elise ein, „wenn ich nicht an den Vorfall denke, bin ich

liche Krisis befürchten, nicht irre machen zu lassen. Das sind eben „Börsen"-Manöver! Auch brauchen die Liebhaber der Börse nicht gar zu viel Geschrei von deren patri­otischer Stellung, von ihrem Nutzen bei Kriegsgefahr rc. zu mache«. Wir erinnern nur daran, daß 1870/71 ^.Berliner Börse sich unserer Kriegsanleihe gegenüber mehr als k a l t bewiesen hat, daß dagegen deutsche Börsianer zu der französischen 5 Milliarden- Anleihe lebhaft beigesteuert haben. Also sieht man doch: es dreht sich Alles nur um's „Geschäft."

Der Wedell'sche Antrag ist nun einer Com­mission von 21 Mitgliedern zur Vorbe­rathung überwiesen worden. Die Commission wird die Frage schon in richtiger Werse zu lösen suchen. Der von dem Antragsteller gewählte Modus ist allerdings ein verfehl­ter. Wenn die Börsensteuer eingeführt wird, darf sie weder das solide Geschäft stören und beeinträchtigen, noch eine vollständige Bücher- und Geschäfts-Controlle nöthig machen. Das S p ü r s y st e m ist uns in jeder Form verhaßt.

Wenn der Geschäftsumsang an der Börse durch Verminderung derSpiel- und Differenzgeschäfte abnimmt, so ist das gradezu ein Segen für das Land. Alle Achtung vor der soliden Börse, ist im heutigen internationalen Handels­verkehr unentbehrlich, aber darum auch um so schärferer Krieg gegen die un­soliden schmutzigen Manöver, die täglich mit dem guten Gelds des Volkes, und gerade meistens des mittleren Bürger­standes getrieben werden!

allerdings wieder aufgelegt und munter, je­doch die Errinnerung an den schrecklichen Augenblick macht mich jedesmal niederge­schlagen und traurig."

„Frl. Elise", sagte der Arzt in bittendem Tone, „schlagen Sie sich soviel wie möglich die Gedanken aus den: Kopf, ich bin der Ansicht, daß in der Geschichte überhaupt eine Verwechselung stattgefunden hat, daß der Schuß nicht Ihnen gelten füllte, der verwegene Schütze hat sich in dem Wagen und in den Personen getäuscht; denn wer in der Welt sollte Ihnen übel wollen, wer könnte Ihnen zürnen?"

„Aber, Herr Doctor", begann der Tan­nenbauer, als der Arzt sich anschickte, das Pferd zu besteigen, welches gesattelt am Thore stand, „Sie werden uns doch nicht verlassen wollen? Bleiben sie doch ein Viertelstündchen bei uns, wir können durch den Garten spazieren und Einiges mit ein­ander besprechen. — Du, Elise, geh' unter­dessen in's Haus und leiste der Mutter Ge­sellschaft."

Nachdem das junge Mädchen sich entfernt hatte, traten die drei Männer in den Gar­ten, und es entspann sich bald unter ihnen eine lebhafte Unterhaltung.

„Herr Amweiler", begann der Arzt, „haben