J^2e 17. Montag, den 22. Januar 1883.
Jfulikirr SB Jritung.
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Der neueste Spektakel in Frankreich.
Prinz Napoleon hat in seinem Manifest die dahinsiechende französische Republik richtig abcontrefeit. Selbst die Republicaner können die schlagenden Wahrheiten nicht bestreiten. Daher ihr Aerger, ihre Angst nnd ihre Rache. Durch die Hast, womit sie ein Verbannungsgesetz gegen alle Mitglieder sümmtlicher früheren Herrscherfamilien forderten, haben sie ihrer Republik das schmähliche Zeugniß der Schwäche und Ohnmacht ausgestellt. Gambetta machte sich durch die Parole: „®er Clericalismus ist der Feind", gehässig. Die Republicaner aber werden mit ihrem Rufe: „Prinz Jerome ist der Feind", einfach lächerlich. Bisher galt der der rothe Prinz höchstens als Vogelscheuche, durch seine Verhaftung macht man ihm billige Reclame. Man verhaftete ihn, ohne zu wissen, wie man die Anklage begründen könne. Seine Freisprechung wäre eine Niederlage der Negierung. Diese sucht sich durch ein discretionäres Verbannungsgesetz aus der Sackgaffe zu ziehen. Die Verbannung Jeröme's würde ihn zu einem politischen Märtyrer stempeln, ihn mit einem unverdienten Glorienschein ilmgeben und, wenn auch nicht seine, doch seines Sohnes Aussichten verbessern. Da zeigte die zweite Republik von 1849 doch mehr Selbstvertrauen. „In Erwägung, daß 1. Edelinuth, Größe und Gerechtigkeit die besten Stützen der Republik seien; 2. Niemand mehr die Staatsraison anzugreifen wage: und 3. Proscriptions- und Gewaltgesetze nie den
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Hans Werimann.
Original-Novelle von Richard Fröhlich.
(Fortsetzung.)
Der alte Tannenbauer rieb sich die Augen, als ob er sich besinnen wollte. Endlich schlug er mit der flachen Hand vor die Stirn und sagte:
„Ach, jetzt fällt mir's ein, — ich wußte doch, daß ich vonl Michel noch mehr erfahren hatte. Ja, Michel, Dein Gedächt- niß wird auch mit der Zeit schwach, — wie ? gestern sprachst Du noch von einem anderen Vorfall, der während Deiner Abwesenheit pasfirt ist. Erzähle das auch noch einmal, sowohl für mich, als für Heinrich."
„Herr Amweiler, wenn Ihr glaubt, ich hätte das Alles schon wieder vergeffen, dann täuscht ihr Euch. Euer Sohn unterbrach mich, jetzt werde ich wieder fortfahren: — Kurze Zeit, nachdem meine Mutter mich nach Tannweiler geschickt hatte, pochte es an die Thür unserer Hütte, und ohne lange abzuwarten, ob auf sein Klopfen Antwort erfolge, trat Hans mit ganz verstörtem Gesicht und in großer Aufregung in die Hütte. „Michel, Michel", rief er, „weißt Du, was vorgcsallen ist?" Hans hatte in seiner Erregung nicht bemerkt, daß ich nicht anwesend
Regierungen zum Nutzen gereichten", hob die Nationalversammlung am 1. Oct. 1849 die Verbannungsgesetze gegen die Bourbonen auf. Die Schwächlinge der dritten Republik glauben ihr Werk nun nur durch Proscriptionen aufrecht halten zu können! Ein Ausnahmegesetz soll sie retten, aber die Folgen desselben scheint man sich noch gar nicht klar gemacht zu haben. Wir zweifeln, daß es ohne Verfassungsänderung möglich ist, Franzosen zu Ausländern zu stempeln und ins Exil zu schicken. Das allgemeine Proscriptionsgesetz würfe außerdem die elementarsten Rechtsgrundsätze über den Haufen, welche verlangen, daß Niemand bestraft werde, ohne gerichtlich verhört nnd verur- theilt zu sein. Das fühlt die Regierung, und darum will sie sich discretivnäre Gewalten geben lassen. Den Weg der bis» cretionären Gewalt ohne richterliches Ur» theil hat sie schon den Orden gegenüber betreten. 3iur der erste Schritt auf dem Pfade brutaler Willkür kostet Mühe. Die Communisten hat man zurückberufen, die Herrscherfamilien sollen ins Exil gehen! Der .Figaro' spottet: „Dann muß auch der communistische Deputirte Clovis Hugues ins Exil, denn er trägt den Namen zweier unserer Könige". An ihre Selbstvertheidi- gung mag ja die Republik trotz ihres zweifelhaften Existenzrechts denken, aber bestrafen kann dieselbe doch nur Attentäter, denen Verbrechen nachgewiesen sind. Von den Orleans nehinen mehrere hohe Stellen in der Armee ein. Sie haben bisher nichts gegen die Republik nnternommen. Wie will man ihr Exil rechtfertigen? Das böse war. Der Äthern stockte ihm, seine Augen starrten wie leblos in die Luft, und krampfhaft faßte die Rechte die Lehne eines Stuhles. Erschöpft sank er darauf nieder. Meine Mutter sprach kein Wort, sie hatte ja schon vorher Alles richtig durchschaut. Hans murmelte einige unzusammenhängende Worte, und nannte sich einen Schurken, einen Mörder. Plötzlich muß er wohl meine Abwesenheit bemerkt haben, denn er erhob sich mit einem Male und verschwand. Seitdem haben wir nichts mehr von ihm gehört und gesehen. Nun, Herr Heinrich, glaubt Ihr bald an das, was der Vater Euch gesagt hat?" sprach Michel, nachdem er geendigt, mit einem spöttischen Lächeln, als wolle er andeuten, daß er in diesem Falle den reichen Bauernsohn an Klugheit übertroffen habe.
Heinrich antwortete nichts, er wollte nicht über einen Menschen den Stab brechen, den er bisher für ehrenhaft und brav gehalten hatte. Es entstand eine lange Pause.
Der Waldmichel brach zuerst das Schweigen. „Nie hätte ich das von Hans gedacht;" sprach er, „aber wozu führt nicht den Menschen die blinde Leidenschaft? — Noch eben sprach ich mit einem Manne aus der Nachbarschaft, welcher sagt: Der Hans ist ein stolzer Bursch', kaum hatte er den Tannen
Beispiel dürften sich die Anarchisten merken, ihre Blätter fordern charakteristischer Weise jetzt nichts weniger, als die Füsilirung des Prinzen. Die Bonapartisten können der Regierung schon jetzt Gesetzverletzungen nachweisen. In der Kammer wurde gestern von dem Bonapartisten Cuneo d'Ornano eine gegen die Regierung gerichtete Interpellation wegen Verletzung des Gesetzes über das Anschlagewesen vom Jahre 1881 eingebracht. Cuneo d'Ormrno erklärt in derselben, daß er selbst das Manifest des Prinzen Napoleon öffentlich angeschlagen habe. Die Verhandlung über die Interpellation wurde auf nächste» Montag vertagt. Die blaße Angst ergreift weitere Kreise. Der Deputirte Ballue hat, wie die parlamentarischen Berichte bestätigen, am Sonnabend an die Regierung das Ansinnen gestellt, sie möge die Prinzen von Orleans aus ihren militärischen Commandos entfernen. Wenn früher die Spionriecherei sich nur gegen die „Prusfiens" richtete, so wird jetzt die Epidemie unter den Republi- canern eine allgemeine. Einige republi- canische Journale berichten von einem legi» timistischen Complot unter dem Namen „Katholische Allianz". Es solle dies eine weit verzweigte, unter Leitung Charette's stehende Verbindung sein, deren Zweck der Umsturz der Republik selbst mit Waffengewalt wäre. Die Angst der Republicaner zaubert ihnen also Schreckgespenster aller Art an die Wand. Die Angstmeier wollen sogar haarklein wissen: 33 Legionen mürber im Westen und Centrum organisirt werden, mehrere Offtciere würden an der
Hof besucht, kaum des Bauers Tochter gesprochen, da meint er auch schon, sie müsse von ihm entzückt sein. Am verflossenen Sonntag will dieser Mann, als er an der Hecke Eures Gartens vorbeischritt, bemerkt haben, wie der junge Werlmann Eurem Vetter, dem Kaufmann aus der Stadt, mit bissigen Worten begegntte, weil er Eurer Tochter, der Elise, den Hof machte und von ihr zuvorkommend behandelt wurde."
„Der Bösewicht muß der Gerechtigkeit überliefert werden", sprach der Tannenbauer, „er muß verhindert werden, seine Leidenschaft noch weiter zu treiben und sich üm Ende auch noch an Karl zu rächen. Weißt Du, Michel, Karl sst gestern nach Marnheim gegangen, um die Sache bei der Behörde anzuzeigen, und ist noch nicht zurückgekehrt. Ich fürchte, daß der Hans ihm am Ende bei seiner Rückkehr auflauert und an ihm seine Rache ausläßt."
„Vater, Vater", sagte Heinrich, „wie kannst Du so etwas vermuthen, Du läßt Dich von Deiner Aufregung zu Gedanken verleiten, die. Du bei ruhiger Ueberlegung selbst für unbegründet halten würdest."
„Uebrigens, Herr Amweiler". fiel Michel ein, „das überlaßt mir, ich gehe jetzt sofort nach Marnheim, und, wenn Karl diesen