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Beiblatt zu Nr. 12 der,Fuldaer Zeitung?

Dienstag, den 16. Januar 1883.

Zur Bauernfrage.

Von Pfarrer Grebe in Flieden.

I

ES ist hohe Zeit, daß auch in unserem Ful­daer Ländchen der Bauernstand zu der Er- kenntniß komme, daß wenn ihm in materieller Beziehung geholfen werden soll, auch für ihn das Sprichwort Haltung hat: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott". Daß es auch bei uns herzlich schlecht steht mit dem Bau­ernstände in materieller und wirthschaftlicher Beziehung, wer wollte das in Abrede stellen? Die Ursachen des steten Niederganges nament­lich des kleinen Bauern sind bekannte. Stets zunehmende Staats- und Gemeindelasten, hohe Gerichtskosten, hohe Arbeitslöhne, Miß­ernten, besonders in den letzten Jahren, u. s. w. waren die Factoren, welche den Bau- enistand fast ruinirt haben. Blanche sind schon den Händen der sog. Hofmetzger total überliefert, andere sind dem Ruine sehr nahe.

Von Oben allein, von der Negierung, meine ich, kann der Bauer sein Heil nicht erhoffen, wenn auch Blanches zu seinen Gun­sten bereits geschehen durch die Gesetzgebung, oder noch geschehen wird.

Die „Bauernvereine" sind zunächst daS Mittel zur Selbsthilfe, wie solche nach dem Muster des westphälischen Bauernvereins bereits in Nassau, ani Nieder- und Mittel­rhein, in Schlesien, Brandenburg sich gebil­det haben, in welchen sich die Grundbesitzer vereinigen um sich gegenseitig zu helfen dem Wucher gegenüber uuU sich den erfor­derlichen Rechtsschutz iin Verkehrsleben zu verschaffen. Alle die seither gegründeten Vereine stehen aus dem Boden der Moral, und auf dieser Grundlage sind sie bemüht, die Hebung ihrer Mitglieder in sittlicher, intellectueller und wirthschaftlicher Hinsicht anzustreben. Zur Gründung solcher Bauern­vereine in den einzelnen Pfarreien beider christlicher Confessionen, die sich dem einen Centralvereine anschließen, wollte ich ermun­tern und anregen. Wir Geistlichen, auf dem Lande insbesondere, müssen von der Wahr­heit überzeugt sein, daß es unter den jetzigen Verhältnissen unseres Bauernstandes nicht genügt als gute Hirten bloß für die Seelen der uns Anvertrauten zu sorgen — obschon das die Hauptpflicht stets bleibt — daß es nicht genügt, bloß die geduldige Ertragung der Armuth zu predigen und hie und da ein Almosen zu geben, wir müssen in jetzigen Zeiten ernstlich Mitwirken, daß unser guter Bauernstand — der Nährstand — nicht total verarmt; denn wie großer Reichthum, so führt auch große Armuth häufig zum Laster; und wenn schließlich der Bauer nichts mehr hat, kann er uns auch nichts mehr geben. Um also dem Ruin des Bauern­standes und den damit verbundenen sittlichen Gefahren nach Kräften zu begegnen, müssen wir uns der Gründung von Bauernvereinen annehmen. Wir lösen damit ein Stück der socialen Frage und üben zugleich practisches Christenthum.

Wie fängt man's nun an, um einen Bauernverein in seiner Pfarrei zu gründen? Ohne viele „wenn" und „aber" zu berück­sichtigen, bespricht man die Sache mit einigen großen und kleinen Grundbesitzern, von denen man weiß, daß sie guten Willens sind und Verständniß für das Wohl und Wehe des Bauernstandes haben; besonders suche man auch die Lehrer zu gewinnen für die Sache.

Dann lade man die Grundbesitzer ein auf einen Sonntag Nachmittag in die Schule, falls der Schulsaal geräumig genug ist, oder in ein anständiges Wirthshaus. Den Ver­sammelten eröffne man ohne Umstände den Zweck der Einladung: daß es sich handle um die Bildung eines Bauernvereins. Man gebe nach dem früher Gesagten die Gründe an, die zu einem solchen Unternehmen bestimmen. Es werden, wenn nicht alle, so doch die meisten der Anwesenden sich bereit erklären, dem zu bildenden Vereine beitreten zn wollen. Man notire sich die Mitglieder und nehme die Statuten des westfälischen Bauernvereins mit den nöthigen Modifikationen als Muster, wähle sofort den Vorstand, Rendanten und Ausschuß je nach Anzahl der Mitglieder. Fällt die Wahl des Vorsitzenden arff den Pfarrer, so lehne er ja nicht ab, ebenso­wenig der Lehrer, falls er zum Rendanten gewählt wird. Beide sind das Bindemittel des Vereins, besonders auf dem Lande, wie bekannt. ,

Zum hessischen Bauernverein.

Aus dem Weschnitzthal schreibt man dem.Starkenburger Bote'. Die Bau­ernvereine liegen unseren Nationallibera­len schwer im Magen. Ein sicherer N. W. unterzieht sie in der landwirthschaftlichen Zeitschrift einer Kritik und gibt den Grün­dern derselben anheim, ob sie nicht ihre Be­strebungen zu Gunsten des Bauernvereins innerhalb der landwirthschaftlichen Vereine zur Geltung bringen wollten. Diese ihrer Seltsamkeit wegen ausgezeichnete Absicht be­weist, daß der Verfasser weder von den Bauernvereinen noch von den Bedürfnissen des Bauernstandes einen Begriff hat. Die Bauernvereine beschäftigen sich nicht, oder nur nebenbei mit dem rein Technischen der Landwirthschaft, sondern haben die Abänder­ung der bestehenden Steuer-, Gemeinde- und Privatrechtsgesetzgebung, deren verfehlte Grundlagen den Bauern zum Lastefel der übrigen Stände gemacht haben, auf ihre Fahnen geschrieben. Daß dem schwer darnieder liegenden Nährstand nicht durch einige Vor­lagen über verbesserte Pflüge und künstlichen Dünger u. s. w. aufgeholfen werden kann, dürfte so ziemlich im allgemeinen Verständ­niß liegen. Wir glauben daher nicht, daß die sich für die Bauernvereine Jnteressirenden dem Rathe des Herrn R. W. Folge leisten werden, so angenehm es auch für die Leiter der landwirthschaftlichen Vereine sein würde, wenn man die daselbst cursirende landwirth- schaftliche und politische Weisheit den Bau­ernvereinen beibringen könnte.

d Literarisches.

Soeben ist im VerlagJM. Mitker' müller in Salzburg erschienen:

Christus am Kreuze und brr Christ im Stftbtbeiif. Ernste Betrachtungen für Priester und Volk in Kirche und Hans in Fastenpredigten, gehalten in der Stadtpfarrkirche zu Radstadt von P. Fulgentius Hinterlechner, Ord. Cap. Mit Erlaubniß des hochwürdig­sten Ordinariates Salzburg und der Or­densoberen. 8° broch 60 fr. — Mk. 1.20.

Der hochw. Verfasser, dessen Name schon durch fein „Seraphisches Handbuch" in den deutschen Gegenden von Europa und

Amerika den besten Klang hat, behandelt im vorliegenden Werke folgende Themata: 1) der Mensch muß sterben; 2) der Christ auf dem Sterbebette; 3) der Engel beim Sterbebette des Christen; 4) die Speise des sterbenden Christen; 5) die Mutter beim Sterbebette des Christen; 6) das Sterbe­kreuz in der Hand des Christen; ferner im An­hänge in weitläufiger Skizze: 7) die wirkliche und 8) die geistige Auferstehung des Christen.

Die dabei aufgeworfenen Fragen sind aus dem Leben geschöpft und für das Leben beantwortet. Der Gedankengang ist originell, die Durchführung streng logisch; die Sprache, welche von Herzen kommt und zum Herzen dringt, ist anziehend, kraftvoll und durchaus edel, ebenso leicht verständlich für das Kind, wie befriedigend für den Gebildeten. Die Betrachtungen eignen sich zum öffentlichen Vortrage für Priester, welche darin Stoff­fülle genug finden, um dieselben auch in 2 oder 3 Cyclen umzuarbeiten, wie die als Jnhaltsverzeichniß beigegebenen Skizzen aus­weisen, welche das Memoriren derselben wesentlich erleichtern; sie sind aber auch ebenso gut als recht nützliche Hauslectüre oder Fasten-Lesung für's kathol. Volk em­pfohlen und werden, mit glaubensvollem und liebeflammendem Herzen erwogen, mit dem Segen Gottes nur die besten Früchte für das ewige Leben bringen.

Es ist daher mit Sicherheit zu erwarten, daß Volk und Priester für die Veröffent­lichung dieser gediegenen itnb nützlichen Ar­beit dem Verfasser dankbar sein werden.

In reich illnstrirtem Umschläge erschien soeben die „Kkst.Kummer der illustrirlen Krauen - Zeitung zur Silbernen ijodjfeit Zhrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Kronprinzessin des deutschen Reiches und von Preußen, am 25. Zannar 1883. (Preis Mk. 1,50)." Diese Fest-Nummer bringt auf’ 36 Groß-Folio- Seiten nicht etwa, wie auch schon ihr früh­zeitiges Erscheinen zeigt, eine Beschreibung der bevorstehenden Feier, sondern sie besitzt einen höheren, dauernderen Werth, als er den Schilderungen noch so glänzender Fest­tage innewohnen kann. In großen mar­kanten Zügen gibt Dr.Ludwig Ziemssen ein Bild von dem ereignißreichen Leben des hohen Paares. Wir begegnen vielen, noch gar nicht oder doch wenig bekannten That« fachen, wie andererseits manche Episoden, die in ungenauer oder unrichtiger Dar­stellung in das Publicum gelangten, eine dankenswerthe Berichtigung erfahren. Mit wirklicher Freude gedenken wir der trefflichen Illustrationen. Die Geburts- und Heim­stätten des Kronprinzen und der Kronprinzessin, ihre Bildnisse in verschiedenen Lebensaltern, die wichtigsten Ereignisse in dem Leben des erlauchten Paares, das Wirken im Kriege und im Frieden, die Porträts der hohen Eltern, der Kinder und Enkel, — Alles das erfreut in buntem Wechsel das Auge. Zur Herstellung dieses reichen Bilderschmuckes hat sich eine Anzahl der ersten Künstler, wie Angeli, Bleibtreu, Doepler, Plock­horst u. s. w. verbunden, und die Wieder­gabe ihrer Darstellungen in Holzschnitt ist eine vorzügliche. Zweifelsohne wird diese Fest-Nummer, die in so künstlerischer Forin den bedeutsamen Festtag des Hohenzollern- hauses feiert, in vielen Faniilien als werth­volle Erinnerungsschrift geschätzt werden.