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Dienstag, den 16. Januar 1883.

- Die »uldaer tzeitunq' erscheint täqlich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

(f—Mtion ButtermaÄt Nr 112? auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bnngerlohn m Fulda Ä i.rtSJ Mk 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern- bei der Post abgeholt 1 Mk. 50 Psg, ins Haus gebracht IW. 90 Pfg. itttten,Jm Familienkreise' kostet die ,Fuld. Ztg.' vierteljährlich in Fulda M 1.90; auswärtsam PoM)°lt°r M. 175; ms Haus gebracht M. 2.15. - Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Psg.; be,.Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Notiz.

Unseren verehrten Abonnenten Folgendes zur Mittheilung:

1) Die .Fuldaer Zeitung' wird von nun an so früh fertig gestellt, das; sie mit den Mittags-Schnellzügen, statt mit den Abend­rügen, nach auswärts cxpedirt werden kann. Die Postabonnenten erhalten dement­sprechend die Zeitung von jetzt ab am Tage der Ausgabe selbst, nicht, wie bisher, am Tage nach dem eigentlichen Erscheinen.

2) Von Montag, den 15. Jan»ar, ab wird die Zeitung nicht mehr, wie bisher, vom Tage nach der eigentlichen Ausgabe, sondern vom Ausgabetage selbst datirt.

3) Annoncen können daher nnr dann Aufnahme finden, wenn sic am Morgen des Ausgabetages vor 9 Uhr aufgegebeu wer­den. Größere Anzeigen werden bereits Tags vorher erbeten.

4) Diejenigen Stadtabonnenten, welchen die Zeitung nicht spätestens um 6 Uhr Nachmittags zugestellt wird, bitten wir um betreffende Anzeige, damit wir Remedur rintreten lassen können.

Redaction & Expedition der ,Fuld. Ztg.'

Politische Peberficht. >

Deutsches Reich.

Fulda, 16. Januar.

• (Eine Rückschau über das Jahr 1882 in Deutschland) leitet der .Moniteur de Rome' mit nachstehender Be­merkung ein: „Ehe wir uns mit dem neuen Jahre beschäftigen, das uns vermuthlich viele Ueberraschungen reserviert, dürfte es ange­zeigt sein, einen Blick rückwärts zu werfen auf das verflossene." Nachdem das Blatt hierauf die politischen und socialen Zn- ' ‘ " 3~"

Hans Werlrrrarm.

Original-Novelle von Richard Fröhlich.

(Fortsetzung.)

„Heute Morgen gegen */z6Uhr, begann die Alte, kam ein Wagen dort den Weg vom Tan­nenhofe herauf. Hans stand draußen an einen Baum gelehnt. Als er denTannenhoferWagen herankommen sah, eilte er schnell durch die Hinterthür zu mir in die Stube, setzte die Flinte in die Ecke, zupfte an seinem Anzuge herum, fluchte ein paarmal, ging dann hinaus und empfing den Wagen gerade ge­genüber der Hütte. Ich trat an's Fenster und lauschte. Er sagte den beiden jungen Leuten, besonders der Elise, viele Schmeiche­leien, der Heuchler, der Scheinheilige. Fer­ner erkundigte er sich genau nach dem Zwecke ihrer Reise, frug, wann sie zurückkehren würden."

„Mutter, Mutter," unterbrach Michel die Alte, „ist das wahr, was Du da sagst?"

„So, Du glaubst Deiner Muter nicht 'mehr? Da sieht man den Einfluß des Schurken."

„Mutter, wenn Du die Wahrheit sagst, dann begreife ich nicht, warum Hans später von mir verlangte, die Rückkehr der Beiden abzuwarten. Und, Mutter, warum hast

stände Preußen-Deutschlands näher beleuch­tet, fährt es fort: „Wir kommen nun zu dem Hauptpunkte, der zugleich die schwache Seite des Fürsten Bismarck ist. Der Culturkampf hat im Laufe des Jahres eine Intensität gewonnen, wie er sie in sei­nen ersten Anfängen besaß. Zwar hatte man nach den Worten des kaiserlichen Er- lasses 1881 einen Augenblick lang an eine versöhnliche Annäherung glauben können. Es wurde beni Staat zu diesem Zweck plein pouvoir ertheilt, und ein deutscher Gesandter begab sich nach Rom. Allein weder das Ausweisungs- noch das Speergesetz wurden aufgehoben; Messelesen und Sacramente- spendung blieben nach wie vor strafwürdig. Zwei Erzdiöcesen, zwei Diöcefen und über 1000 Pfarreien sind ohne Oberhirten. Die preußische Regierung schiebt alle Schuld auf Rom. Wenn man sie hört, sollte man glauben, Herr v. Schlözer sei ein Friedens­apostel, völlig bereit, die Maigesetze gegen ein Linsengericht zu vertauschen. Und den­noch hat der hl. Stuhl eingewilligt, bei Be- .fttzung dar yacantti» P-KenHoo:'. Personen­fragen abzusehen; er hat die Vorschläge des preußischen Ministeriums angenommen. Mehr noch, er gibt sogar zu verstehen, daß er der Regierung das Aufsichtsrecht bei Er­nennung von Pfarrern zugestehen wollte; nur verlangt er Garantieen. Er will nicht seine letzten Waffen aus der Hand geben, um nachher seine Rechte in Deutschland unter den Schlägen der Maigesetze zusam­menbrechen zu sehen. Daher stammt das Mißbehagen in der Innern Politik Preu­ßens. Die Katholiken können sich eines ge-

Du, als Hans hier war, nicht gesagt, was Du gehört hattest?"

„Ich kenne den Hans, ich fürchtete mich vor ihm."

Der arme Michel war fast verzweifelt. Sollte er seiner Mutter glauben, die seinen Liebling für einen Schurken ausgab, oder sollte er dem Triebe feines Herzens folgen, welches den Hans einer solchen Schandthat für unfähig beurteilte?

Die Mutter hörte nicht auf, den armen Hans zu verdächtigen, und endlich glaubte Michel selbst an die Schuld des Hans.

Michel war ein gutmütiger Mensch. Er hatte den Hans geliebt, trotzdem, daß seine Mutter jeden Augenblick auf ihn schalt und ihn verdächtigte. Jetzt aber, wo die Behauptung seiner Mutter ihm einmal die gute Meinung von Hans geraubt hatte, trat an die Stelle der Liebe Ingrimm gegen Hans, der durch das Bewußtsein, daß er ihn lange getäuscht habe, noch verstärkt wurde.

„Michel," begann wiederum das alte Weib, „Michel, geh' schnell nach Tannen­weiler und erzähle dort in der Dorfschenke die Geschichte; wenn ein Krämer Neuigkeiten weiß, kaufen die Leute noch einmal so gerne. Selbstverständlich vergiß den Hausirerkorb nicht."

„Was soll ich denn jetzt hinaus, es ist 9

wissen Mißtrauens ihrer Regierung und hauptsächlich dem Kanzler gegenüber nicht erwehren; sie fühlen, daß die Wurzel des Widerstandes in ihm liegt, und obzwar sie das Motiv dieser hartnäckigen Opposition nicht klar begreifen, sind sie nichtsdestoweniger fest entschlossen, den Kampf bis zum Tage des Sieges fortzuführen. Dieser Tag wird kommen, davon sind sie überzeugt; vielleicht noch nicht dieses Jahr, aber bald. Leich­ter ist es für einen Diplomaten, Collegen zu stürzen, als Millionen überzeugungstreuer Männer zu besiegen. Das Jahr 1882 war für Deutschlands innere Verwaltung ein schlechtes Jahr, und das neue eröffnet sich unter nicht viel besseren Auspizien. Aber die deutschen Katholiken, ihrer guten Sache vertrauend, sehen ohne Entmuthigung in die Zukunft. Ihre Devise für 1883 ist ein wunderthätiges Wort: Hoffnung."

Berlin, 13. Januar.

□ (L ice«zsteue r.) Nachdem die Steuer-ComMission des Abgeordneten­hauses in ihrer ersten Sitzung die Licenz- fieuer mtt großer Majorität abgelehnt hatte, handelte es sich in der gestrigen Sitzung lediglich um den ersten Theil des Scholz'schen Entwurfes, um den Steuer­erlaß. Die Vertreter aller Parteien fan­den sich bei der Berathung in der Sym­pathie für den Erlaß der unteren Stufen der Klaffensteuer vollständig einig. Der Steuererlaß wäre somit, wie auch vorauszusehen war, gesichert. In der wichtigen Frage der Deckung dieses Erlas­ses zeigte sich sogleich eine erfreuliche lieber» einftimmung der Nationalliberalen und de

Uhr, und die Leute werden bald schlafens gehen; in so später Stunde hat Niemand Lust zu kaufen."

„Michel, ich sag' Dir's ja immer, der Hans hat Dich widerspenstig gemacht, der elende Kerl. — Geh' nur, Deine Mutter ist klüger als Du, das hast Du eben noch' gesehen."

„Nun denn, wenn Du nicht anders willst, dann will ich gehen, aber Du wirst sehen, das ich diesmal Recht hatte."

Michel nahm seinen Hausirerkorb aus der Zimmerecke, verabschiedete sich von der Mutter und schlug den Weg nach dem Dorfe ein.

2. Kapitel.

Der späte Besuch.

Während Michel Über die Brücke dem nahen Dorfe zuschritt, schlich sich von der andern Seite des Weges ein dunkel geklei­deter Mann dicht an den Bäumen vorbei, die den Saum des Weges bildeten. Es war eine hohe Gestalt. Der Mond, der sich eben über der Waldung erhoben hatte, be­strahlte sein Gesicht mit den scharf marfirten Zügen. Die schmalen Lippen und die ste­chenden grauen Augen, die fast bei jedem Schritte ängstlich umherspähten, verriethen Schlauheit und Tücke.