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Sonntag, den 14. Januar 1883.
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Redaction & Expedition.
# Die Hebung Ver Landwirth- schnft, -ine der ersten Aufgaben unserer Zeit.
I.
Landwirthschaftliche Schutzzölle.
(Schluß.)
Wir wollen hier nicht untersuchen, wodurch der enorme Aufschwung der amerikanischen Landwirthschaft veranlaßt worden. Thatsache ist, daß sich in Amerika zur Zeit das große Capital diesem lohnendsten Erwerbe zugewandt und sowohl den landwirth- schaftlichen Großbetrieb mit Maschinen geschaffen, als auch alle Arten von Verkehrswegen und Mitteln hergestellt hat, um die gewonnenen Producte in kürzester Zeit und mit geringen Kosten in die atlantischen Häsen zu führen. Daß dadurch der Werth des Grund und Bodens, der seine Bedingungen in seiner natürlichen Fruchtbarkeit und in seiner Entfernung vom Markt hat, unermeßlich gehoben ist, braucht kaum gesagt zu werden. Dazu kommt, daß die frucht-
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Hans Werlman«.*)
Original-Novelle von Richard Fröhlich.
1. Kapitel.
Ein schändlicher Plan.
Eben stieg an dein blauen wolkenlosen Himmel die Sonne über der Waldung auf, die sich von dem Städtchen Marnheim aus mehrere Meilen nordwärts hinzog. Die thaubeperlten dunklen Blätter der _ Eichen glänzten im Hellen Sonnenlicht und schienen mit Millionen Sternchen übersäet. Durch das Laubgitter der hochstrebenden Bäume drangen die Strahlen hindurch und bildeten auf dem weichen grünen Rasen kleine Helle Punkte. In einer Lichtung, in der nur Gras, Blumen und kleineres Strauchwerk wuchsen, saß ein junger Mann auf einer Moosbank, das Haupt nachdenklich auf Hand gestützt. Sein grüner Anzug und me Büchse, die er zwischen den Knieen hielt, verriethen den Waidgefellen. Es erschien fast. seltsam, einen Zäger mitten in seinem Remer müßig sitzen zu sehen, wie einen sentimentalen Träumer. Der Försterssohn mußte in einer ganz besonderen Stimmung sein.
*) Nachdruck verboten.
barsten Landstriche in den Prairien und an der Pacifizküste jetzt erst neu in Angriff genommen und für einen Spottpreis als Bundesland an die Colonisten verkauft werden, daß die Steuerlast kaum nennenswerth ist und daß es endlich auch durch ein sog. Homesteadgefetz verboten ist, daß der Gläubiger dem kleineren Farmer mehr abpfändet, als ein solcher an Land, Vieh und Acker- geräth zu seinem Betrieb gebraucht. Aus allen diesen Gründen kann man in Amerika viel billiger produciren, als in Deutschland, wo der Grund und Boden nicht nur die Zinsen der Privatschulden, sondern auch die meisten Staats- und Gemeindelasten zu tragen hat. Die Folge davon liegt auf de? Hand. Es wird bald so weit kommen, daß Weizen und Mehl in unseren Seehäfen zu einem Preise geliefert wird, für welchen kein deutscher Landwirth zu producieren im Staude ist. Der Einwand, die große ameri- canische Production werde nicht lange ani halten, weil dort der reinste Raubbau getrieben werde, und von einer rationellen Behandlung des Bodens, r>oR.MAKe».rc. keine Rede sei, ist hinfällig, indem die noch unbebauten Flächen mit Jahnausende hindurch durch Niederschläge auögespeicherter Humusschicht so gewaltig sind, daß an eine Erschöpfung der amerikanischen Productions- kraft vor der Hand nicht zu denken ist.
Gegen die überseeische und, überhaupt gegen die ausländische die inländischen Preise drückende Concurrenz gibt es nur ein wirksames Mittel, nämlich die Schutzzölle. Dieselben müssen so hoch angesetzt werden, daß sie den Unterschied zwischen den in«
Plötzlich richtete der junge Mann sich auf, das scharfe Auge blitzte und er lauschte gespannt auf den dumpfen Ton, den er aus der Ferne vernahm.
„Ach, es ist ja ein Wagen", sprach er halblaut, „jetzt höre ich ganz deutlich das Stampfen der Pferde und das Rollen der Räder. — Doch wer mag denn in fo früher Stunde schon nach Marnheim sahren, da bin ich doch neugierig; — der Wagen kann doch wohl nur vom Tannenhof kommen."
Der junge Hans Werlmann schritt durch die Lichtung, bog die Zweige des Strauchwerks auseinander, welches den Pfad überwuchert hatte und trat auf den Saum des breiten Fahrweges. Der Wagen war unterdessen schon näher gekommen, und als Hans sah, daß es der Wagen des Tannenbauers war, trat er einige Schritte zurück und versteckte sich hinter einem Strauch.
Das Herz pochte ihm hörbar.
„Wer mag es doch sein?" dachte er bei sich, „vorgestern war ich noch auf dem Tannenhofe, und Niemand sagte mir etwas von einer beabsichtigten Fahrt nach Marnheim."
Endlich war der Wagen nur noch einige Schritte von ihm entfernt.
Ueber des jungen Mannes Gesicht ergoß sich eine dunkle Röthe; er blickte mit einer leidenschaftlichen Aufregung nach den Insassen
und ausländischen Productionskosten ans nähernd ausgleichen. Amerika hat sich zur Zeit seine einheimische Industrie gegen die den dortigen Markt überschwemmenden europäischen Jndustrieproducte geschützt »nb hat dadurch gewissermaßen Europa selbst darauf hingewiesen, wie es sich gegen einen übermäßigen, die heimische Production schädigenden Import zu schützen hat. Was im Vorhergehenden vom Getreide namentlich vom Weizen, gesagt ist, gilt natürlich auch vom überseeischen Vieh- und Fleischimport, welcher sich auch zu entwickeln beginnt, wie überhaupt dafür Sorge getragen werden muß, daß das Ausland uns nicht in der Weise wie bisher mit Getreide, Butter, Eier, Speck, selbst mit Gemüse und Obst überschwemmt und die einheimstche Production niederdrückt.
Wir kennen sehr wohl die Gründe, welche die Freihändler gegen die landwirthschaftlichen Zölle in's Feld führen. Sie sagen etwa so: „Die große Getreideeinfuhr drückt die Preise und macht das Brod billiger. Durch billiges Brod wskden- die Archeitskräfte billiger, also hebt sich naturgemäß die Industrie. Die Hebung der Industrie hat aber wieder allgemeinen Wohlstand im Gefolge. Mag die Landwirthschaft andere Dinge, als Korn und Fleisch produciren."
Bei einiger Kenntniß nationalökonomischer Verhältnisse wird man die Unrichtigkeit dieser Trugschlüsse leicht einsehen. Es ist allerdings wahr, daß die Industrie, die Manu- facturen bei niedrigen Kornpreiseu billiger arbeiten können als bei hohen, und zwar deshalb, weil sie niedrigere Löhne geben des Wagens. Es waren die Kmder des Tannenbauers, Elise und Karl.
Der Wagen rollte vorüber, und Hans trat aus dem Gebüsch hervor. Noch eine halbe Stunde lang stand er regungslos an derselben Stelle und blickte der Richtung des Wagens nach, obwohl der Wagen schon längst verschwunden war.
Am verflossenen Sonntage hatte Hans auf dem Hofgut des Tannenbauers zum ersten Male seit langer Zeit einen Besuch, gemacht und Elise, des Tannenbauers Tochter, hatte einen fo fesselnden Eindruck auf ihn gemacht, daß sie ihm seitdem nicht mehr aus dem Sinn kam. Schon hatte er hin und her gedacht, wie er anständiger Weise bald wieder einmal den Tannenhof besuchen konnte. Zwar hatte die Familie ihn eingeladen, sie möglichst bald wieder zu besuchen; doch aus diese Einladung hin konnte er nicht hingehen. Es mußte eine Gelegenheit gefunden werden, die ihn schon in den nächsten Tagen scheinbar ohne besondere Absicht nach dem Tannenhof führt.
Ern glücklicher Gedanke strhr ihm durck den Kopf. „Wie wäre es", dachte er, wenn ich meinen Vater beredete, die beabsichtigte Rehjagd in den nächsten Tagen abzuhalten; alsdann könnte ich seinem Wunsche gemäß den Tannenbauer mit seinen Söhnen einladcn?"