Sonnabend, den 13. Januar 1883.
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* Die Hebung ver Landwirth- schaft, ein- der ersten Aufgaben unserer Zeit.*)
Motto: Wer nicht sagt, wo ihn der Schuh drückt, dem kann inan nicht helfen.
I.
Einleitung. — Landwirthschaft- liche Schutzzölle.
Die Landwirthschaft ist, seitdem die _ moderne Industrie den ersten Rang in unserem Kulturleben einzunehmen begonnen hat, von der Gesetzgebung, der Regierung und den Volksvertretungen recht stiefmülterlich behandelt worden. Es gibt Leute genug, denen es geradezu unbehaglich wird, wenn man ihnen von dem Darniederliegen der Landwirthschaft spricht, und welche mit dem bequemen Spott „der Bauer ist auch nie zufrieden" über die der Landwirth- schast in der Neuzeit widerfahrene Mißachtung, wenn nicht gar Mißhandlung hinwegsehen. Die Thatsache, daß der Ackerbau immer mehr bergab geht, läßt sich aber nicht mehr aus der Welt plaudern, sie wird Gottlob allmählich auch von berufenen Kreisen und von der Regierung selbst anerkannt. Der Abgeordnete von
*) Mit dem vorliegenden Artikel eröffnen wir eine zwanglose Reihe von Aufsätzen über die Lage des Bauernstandes und die Mittel zu seiner Hebung. Wir bemerken ausdrücklich, daß uns Mittheilungen und auch Aufsätze über die brennende Bauernfrage von jeder Seite willkommen sind, und wir sie thunlichst veröffentlichen werden.
Die Redaction.
—
Gefunden.
Original-Novelle von A. Linden. (Fottsetzung und Schluß.)
„Es ist Hortense!" rief Fleunice noch einmal. „Es ist Manuela!" sagte die Gräfin kaum hörbar und sank ohnmächtig in Hortensen's Arme.
Sie erwachte von Manuela's Küssen zum Leben erweckt. Die erwachsene Manuela hatte die kindliche Abneigung nicht bewahrt die Gräfin d'Anbret in ihr erweckt hatte. Durch ihr ganzes Leben hin hatte sich eine holde freundliche Erinnerung an die Mut- ter gezogen, von der sie nicht ahnte, daß es nicht ihre rechte sei, noch daß sie sich so schwer an ihr vergangen hatte. Mit nie geahntem Entzücken fühlte jetzt Hortense in den Armen dieser Mutter, daß sie geborgen sei, daß sie eine Heimath, ein hohes, unaussprechliches Glück gefunden hatte.
Von der jauchzenden Gytta geführt, traten Graf Walo und Chari d'Anbret in das Zimmer.
Des Blinden Lippe sprach ein unhörbares @e«,et'zal^ottenfe ^tzt vor ihm kniete.
Graf Chari's Entzücken war beredt, beredt wie seine glänzenden Augen, die Hortense, aber auch die arme Fleunice nicht mißdeuten konnte.
Schorlemer-Alst ist im preußischen Landtag wie im Reichstag bisher der schlagfertigste und wackerste Anwalt des Bauernstandes gewesen, hoffentlich werden seine Mahnungen auch weitere Kreise ergreifen. Es ist zunächst und vor allem nöthig, daß die tüchtigsten Vertreter der Landwirthschaft selbst die Verfechtung ihrer Specialintereffen allenthalben kräftiger in die Hand nehmen, daß sie, wo möglich, mit einem klaren Ueberblick, mit Zahlen und statistischem Material vor das Volk treten und ihm die Augen darüber öffnen, was dem Ackerbau bevorsteht, wenn den Mißverhältnissen der Gegenwart kein Ziel gesetzt wird. Es ist ferner nöthig, daß die Bauern selbst nach dem Sprichwort „Bauer, hilf dir selber" in allen Provinzen und Staaten Preußens und Deutschlands sich zusammenschaaren, Bauern-Vereine, Unterstützungscassen u. s. w. gründen und ihre Klagen so laut und so eindringlich vorbringen, daß man sie nicht länger überhören kann.
Schorlemer und der westfälische Bauernverein haben dem ganzen Lande das beste Vorbild gegeben, sie haben bewiesen, wie man sieb langsam aber sicher doch endlich Gehör verschaffen kann. Die neu gegründeten Bauern-Vereine in Hannover, im Rheinland und Nassau haben sich die mackeren Westfalen zum Vorbild genommen und, wie ja in dieser Zeitung mehrfach erwähnt wurde, ist auch im Großherzogthuin Hessen ein Bauern-Vereinim Entstehen. Die kleinen, nur einen ober mehrere Dorfbezirke umfassenden Bauern-Vereine, wie unsere engere Heimath ja einen solchen unter der vorzüg-
„Manuela!" rief er, den Saum ihres Kleides küßend, „Manuela, du warst mein, ehe wir Beide einen Willen hatten. Manuela, willst du mich jetzt zurückstoßen, wo ich nur noch einen Willen, einen einzigen Wunsch hege, den, denen zu danken, die mir in Dir das höchste einzige Glück meines Lebens gaben I"
Die Schuld der Gräfin war jetzt gebüßt, gebüßt durch das unnenbare Weh, welches nunmehr dauernd in dem Herzen ihres einzigen Kindes erwachte, des Kindes, um deßwillen Manuela um die Heimath und um die Liebe ihres Vaters betrogen worden war.
Fleuuicen's bleiches Antlitz fand keinen Beobachter, nicht einmal die Gräfin blickte zu ihr; diese hatte mit zitternden Fingern das Miniaturbild ihres Gatten aus seiner Perleneinfassung gelöst, und hinter dem Rahmen fand sie, was sie suchte, Renee's und Adelen's Haare zu einem Blumenzweige verflochten und mit ihren Namen umgeben.
Auch Hortense's Glück war zu groß, als daß sie sich sogleich an bieteiniame Fleunice erinnert hätte; sie allein wußte, wie innig sie den Grafen liebte, denn selbst Gräfin Adenare konnte die Diese von Fleuuicen's Gefühl für Chari noch nicht recht verstehen.
Endlich suchte ein demuthsvoller flehender
licheu Leitung des Psarrers Grebe in Flieden besitzt, wirken in ihrem Kreise gewiß auch schon sehr Segensreiches. Aber heute, wo einmal die Bauernfrage in Fluß gekommen ist, gilt es, größere Verbände einzurichten und mit Maffenbeschwerden und Maffenpetitionen das zu erreichen, was das Wort des Einzelnen nicht erreichen konnte. Die erste Forderung, welche wir stellen müffen ist die: Rafft euch auf, Vertreter der Landwirthschaft, kommt mit Euren Beschwerden hervor, verschafft euch Gehör, legt eure Sage dem Volke klar, dann erst könnt ihr auf vollständige Abhilfe hoffen. Denn wo wäre der uneigennützige Sinn in den großen Volksschichten zu finden, welcher den Neben- menfchen zu Hilfe kommt, ohne daß sie selbst über ihre Noth klagen.
Der Grundbesitz ist der Hauptträger der Landwirthschaft, er hat zu allen Zeiten einen außerordentlichen Einfluß auf die Gestaltung der Gesellschaft, des Staates und des öffentlichen Rechtes gehabt. Die politischen und wirthschaftlichen Umwälzungen der Neuzeit haben den Schwerpunkt der bis dahin herrschenden und maßgebenden socialen Elemente ganz verschoben. Durch die ungeheure Industrie- und Derkeh^entw-ckeluntz entstand die Herrschaft des Kapitals, welches bald auch die gesammten Arbeitskräfte und den Grund und Boden unter seine Herrschaft brachte. Durchaus vom Capital abhängig, verlor der Grundbesitz mit der wirthschaftlichen Selbstständigkeit auch die Fähigkeit, den an ihn gestellten materiellen Anforderungen zu genügen, mit anderen Worten: seine Prodnctionskraft ver- Blick Manuela's die Schwester. Fleunice verstand ihn, sie verstand auch, daß sie jetzt opfern mußte, denn Chari hatte gewählt.
Sie erwiderte die zärtlichen Küsse der lang beweinten, lang verlorenen Schwester mit einer Innigkeit, welche die glückliche Manuela täuschte. „Du hast einst viel verloren," flüsterte sie beklommen, „der Himmel will es selbst, daß Du Chari, daß Du das, was der Vater Dir bestimmt hat, zurück erhältst!"
Gras Walo lebte noch einmal auf in dem Bewußtsein, daß der letzte Wunsch seines Sohnes erfüllt sei; sein leibliches Auge war tobt für Fleunicen's erblichene Wangen, fein geistiges zu ahnungslos, um den Schmerz seines Lieblings zu begreifen.
Lysanna hatte, weil sie Hortensen's 2lb- neigung gegen sich nicht besiegen konnte, das Geheimniß ihrer Geburt mit in das Grab genommen, und aus demselben Rachegefühl der Gräfin vor ihrem Tode den Brief gesandt, der die letzten Kräfte der gequälten Frau in wechselnder Furcht und Hoffnung aufrieb.
Und sie waren jetzt völlig dahin, die Kräfte, die nur noch einmal nach Adenaren's traurigem Geständniße sich anscheinend neu belebt hatten. Die Besserung war ein Trug, und em sanfter Tod in Manuela's und