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8.

Freitag, den 12. Januar 1883.

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O- Zur Münzfrage.

(Versuch einer populären Einfüh­rung in die Grundelemente

der Währungsfrage.

(Schluß.)

Wenn das Sinken des Silberwerthes auch nicht unmittelbar auf den deutschen Markt wirkt, ein mittelbarer Einfluß ist bei der heutigen großartigen Ausdehnung des Han­dels, bei den internationalen Beziehungen einer jeden europäischen Macht unläugbar. Und bei einer Goldcatastrophe, die, wie wir gesehen, ebenso schnell und leicht eintreten ka n, wie eine Silberkrisis, wäre Deutsch­land ganz direct geschädigt. Bei der Dop­pelwährung sind solche Gefahren auf ein Minimum reduciert, das eine Metall kann jederzeit dem andern stützend und aushelfend zur Seite treten.

Ein weiterer Vorzug der Goldwährung soll dann liegen, daß das Gold leichter transportabel und schneller zählbar, über­haupt bequemer sei, als das Silber. Diese Vorzüge sind ja nicht abzustceiten, wenngleich z. B. bei großen und fernen Geldsendungen der Frachtunterschied sich als ganz unerheb­lich herausstellt; die Affecuranzgebühr ist bei Gold und Silber die Hauptsache. Die An­nehmlichkeiten des Goldes sollen aber auch der Doppelwährung voll zu Gute kommen, denn wenn es, wie die Motive zum Münz­gesetz sagen, „die Bestimmung der Gold­münzen ist, im großen Umfange als Ver­mittlerinnen der Umsätze im täglichen Ver­kehr zu dienen und in demselben die kleinen Beihilfe von Papiergeld und Banknoten

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Gefunden.

Original -Novelle von. A. Linden.

(Fortsetzung.)

Der Kammerdiener grüßte höflich und öffnete in demselben Augenblick die Bogen- thür, fo daß Hortense not ihm zugleich auf der Schwelle stand.

„Belieben gnädiges Fräulein einzutreten?" fragte Gerald sich verbeugend.

Hortense nickte flüchtig. „Ich kenne die­sen Theil des Schlosses nicht, Gerald."

„Es waren die Zimmer des seligen Herrn Grafen Renee von Belle-Grande," entgeg­nete Gerald und trat durch das Vorzimmer sogleich in ein Seitenzinimer ein, woselbst er, durch ein Gebot Graf Walo's dazu be­rechtigt, das lang verschlossene Schreibpult Renee's öffnete, um dort Papiere und Briese zu holen, die ihm zu der Reise durchaus nothwendig waren.

Hortense stand allein in dem verhangenen halbdunklen Gemach, das nur durch einige Spalten in den Jalousien erhellt wurde. Eine dumpfe Luft erfüllte den Raum, der mit steifen Möbeln von dunklem Holze, mit sthwarzem Sammet überzogen, decorirt war. Auch die Tapeten, mit Gobelinstich gear­beitet, waren dunkel, nur hin und wieder sah man in die Muster Schmelz und Stahl-

zu ersetzen", so fragen wir, ob dieser Zweck bei der Doppelwährung nicht erreicht wer­den kann. Im Großhandel und im Bank­verkehr könnte ja auch fernerhin das beque­mere Gold den ersten Rang einnehmen. Den wohlhabenden Classen würde ja das Gold uin so sicherer zur Verfügung stehen, als die Aufrechterhaltung beider Metalle einem Jeden von ihnen seine specielle Mission er­leichtern muß. Und diese Mission weist das Gold mehr dem Handel und den besitzenden Ständen, das Silber mehr den mittleren und unteren Ständen als tägliche Verkehrs­münze ru. Der dem Golde nachgerühmte Vorzug der höheren Eleganz, wodurch es sich zum Gebrauch der gebildeten Nationen besonders eigne, ist kein Grund, welcher für eine so bedeutungsvolle wirthschaftüche Re­form maßgebend wäre, jedoch gilt auch hier das vorhin Ausgeführte in vollem Maße.

Die Doppelwährung hatte in ihrer bis­herigen Anwendung gewiß auch große Fehler aufzuweisen, jedoch lasten sich diese Mängel leicht umgehen und beseitigen. Die Welt ist bisher mit der Doppelwährung gut aus­gekommen und niemals haben sich die großen umfassenden Gefahren und Krisen gezeigt, welche bei der Goldwährung, wie wir ge­sehen, im Laufe der Zeit fast unausbleiblich sind. Der Hauptvorwurf, den man der Doppelwährung macht, ist der, daß es ein Ding der Unmöglichkeit sei, ein dauerndes festes Werthverhältniß der beiden Edelme­talle herzustellen. Dieser Einwand ist hin­fällig, wenn man bedenkt, daß gerade Deutsch­land im Jahre 1873 durch Gesetz bestimmt hat, daß ein Pfund Feingold 1305 Reichs­lahn eingestreut. In den Seitenwänden waren zwei hohe Marmo.kamine eingemau­ert, über deren Bilder in runder Form eingerahmt, mit steifen Perücken und Schlep­pen sich als die Ahnherren und Ahnfrauen Belle-Grande's vorstellten.

Hortense sammelte ihre zerstreuten Ge­danken ; schöne Mienen und lachende Augen, gefurchte Stirnen und verblichene Wangen sahen von den Wänden zu ihr herab. Des Fräuleins Augen hafteten, wie von Starr­sucht befallen, an dem Bild eines noch jugend­lichen Mannes, dessen blonde Locken durch den Puder nur wenig verhüllt waren, dessen Augen, klar und blau, die heiteren Mienen eines jungen Officiers belebten, denn einen solchen stellte das Bild vor.

Hortense stieß einen Schrei aus, einen Schrei, so durchdringend und scharf, daß er Gerald aus dem dritten Ziinmer zurückrief.

„Wer ist jener Herr, Gerald!" rief sie mit bebender Stiinme.

„Graf Renee Belle-Grande, Fräulein, der verstorbene Sohn Graf Walo's!"

Hortense fuhr empor und wandte sich der Thüre zu. „Ich kehre zurück, Gerald, gleich zurück!" rief sie mit Hast, „ich bitte Euch, laßt das Gemach unverschlossen!"

Gerald ging zu seiner Beschäftigung zurück, er hatte die Papiere noch nicht gefunden.

mark wetth sein soll. Was für das Gold geschehen kann, trotz aller Schwankungen, ist für das Silber ebenso möglich.

Die Freunde der Goldwährung weisen stets auf England hin, welches bei seiner Goldwährung, — wir sagen: trotz seiner Goldwährung — die erste Stelle im Welt­handel behauptet. Sie vergessen dabei, daß, wie schon erwähnt, England vermöge seiner asiatischen Besitzungen eine Doppelstellung einnimmt. Durch seine europäische Münz- politik beherrscht es den Goldmarkt, durch Indien hat es den einflußreichsten Silber­besitz der Welt. - Auch für den Fall, daß bei einem langwierigen Kriege eine größere Anleihe contrahirt werden müßte, stellt sich die Doppelwährung weit günstiger, als die Goldwährung. Der Staat, welcher sich in einem solchen Nothstand an den ganzen un- getheilten Weltmarkt wenden kann, kommt schneller und leichter zum Ziel, als ein solcher, welcher nur auf das seltenere Gold reflectiren kann. —

Wir haben vorstehend die Grundsätze der Währungsfrage und die zum Verständniß nothwendigen thatsächlichen Verhältnisse in gedrängter Kürze und in möglichst gemein­verständlicher Forni darzulegen versucht. Heber den heutigen Stand der internationalen .Münzverhandlungen in eine detaillirte Aus­einandersetzung einzutreten, war nicht der Zweck dieser Zeilen. Jedoch machen wir in Kürze auf Folgendes ganz besonders auf­merksam.

Allerdings ist die internationale Münzconferenz in Paris trotz zwei­maligen Tagens resnltatlos verlaufen. Auch

Wie im Traum erreichte Hortense ihr Zimmer, sie nahm das kleine in Perlen gefaßte Miniaturbild, das sie an die vene- tianische Goldkette, Fleunicen's Geschenk, be­festigt hatte. Nach wenigen Augenblicken stand sie wieder vor Graf Renee's Bild, und ihre blitzenden Augen verglichen die Conterfei's der zwei jungen französischen Officiere; denn auch das Medaillon in ihrer Hand zeigte einen solchen. Zug für Zug ähnelten die beiden Bilder von der leicht zur Seite geneigten Haltung des Kopfes bis zu den freundlichen Augen und den Grüb­chen um Mund und Wangen.

„Lysanna!" rief Hortense außer sich, „Du hast mich betrogen! Du sagtest mir einst, das sei mein Vaier! O, es war ein Hohn! Du betrogst mich hier, wie du mich um Alles betrogst!"

Hortense konnte in ihre Gedanken keinen Zusammenhang bringen; sie wollte Gerald aufsuchen, vielleicht daß er sich täuschte, daß auch das Bild hier an der Wand den armen schlichten Marineosficier, meinen Vater vor­stellt, das, der Himmel weiß, durch welchen Zufall, in dies Prachtgemach gekommen ist.

„Lysanne kann mich nicht belogen haben", fuhr sie fort, „denn ich weiß es ja noch, daß so mein Vater aussah; ich kenne noch seine freundlichen Augen; ich weiß es noch,