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s Wo Donnerstag, den 1L Januar 1883.

i Fuldaer Jritung.

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Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

in der Erpedition, Buttermartt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mk. 50 Pfg., mit Bringerlohn 1 Mk. 70 Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mk. 50 Pfg., ins Haus gebracht 1 Mk. 90 Pfg. i3Rit den illustrirten Sonntagsblättern ,Jm Familienkreise' kostet die ,Fuld. Ztg/ vierteljährlich in Fulda Mk. 1.90; auswärts am Postschalter M. 1.75; ins Haus gebracht M. 2.15. — Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

politische Ueberficht.

Deutsches Reich.

Fulda, 10. Januar.

(Erkrankte Staatsmänner.) Die Krankheit des Staatsministers v. Bo etlicher gestaltet sich, wie wir hören, langwieriger, als anfangs zu erwarten war. Eine Gefahr für das Leben des Ministers ist nach der Annahme der ihn behandelnden Aerzte nicht vorhanden. So schreibt die .Kreuzzeitung'. Von London kommt gleich­zeitig die Nachricht, daß der Premierminister Gladstone in Folge angestrengter Arbeit leidend ist und der Ruhe bedarf. In Frankreich ist Präsident Grevy „unwohl" und der frühere Finanzminister LeonSay ernstlich krank. Nehmen wir den an tic douloureux leidenden Fürsten Bismarck dazu, so kommt man in einer Zeit, wo Männer wie Gambetta, Chanzy und Wimpffen eben in's Grab gesunken sind, ganz von selbst zu „statistischen" Betrachtungen über den momentanen Gesundheitszustand der heutigen Staatsmänner.

* (Kirchenpolitisches.) Die ,Köln.- Volkszeit.' schreibt:. ,Lu den. Verhandlungen der preußischen Negierung mit Rom soll in in der letzten Zeit insofern ein Schritt vor­wärts geschehen sein, als man eine neue Grundlage gefunden habe, um die Frage der Anzeigepflicht zu regeln. Man, erwäge gegenwärtig, ob cs nicht angezeigt sei, das würtembergische System in Preußen in An­wendung zu bringen. Wie die ,Corr. Maj.' in Erinnerung bringt, erschien im Sommer vor vier Jahren in der ,Kreuzzeitung', ein

X Der Markt in der Tonhalle zu Düsseldorf zunr Besten der Ueber- schwemmten, arrangirt von Düssel­dorfer Künstler«.

Von Wilhelm Herchenbach. (Nachdruck verboten).

Die Feste, welche die Düsseldorfer Maler ooii Zeit zu Zeit feiern, sind nicht allein wegen ihrer Originalität, sondern auch wegen ihres feenhaften Glanzes und der zauber­haften Wirkung in den weitesten Kreisen bekannt. Wenn sie in die Oeffentlichkeit treten, so gehört der Sieg ihnen, ehe sie die Schlacht begonnen. Zum Ruhme muß es ihnen nachgesagt werden, daß sie stets be­reit sind, für große edle Zwecke, für Roth und Elend einzutreten. Das haben sie auch jetzt wieder bewiesen, wo eine so große Zahl ihrer Mitbürger durch die zweimalige lieber« schwemmung ihres Erwerbs und ihrer Habe beraubt wurden. Sofort faßten dieKünstlerden Beschluß, ihre Paletten in den Dienst der Barmherzigkeit zu stellen. Während das Wasser immer bedrohlichere Dimensionen an­nahm, malten sie eine große Anzahl Bilder und Skizzen und bestimmten dieselben zu einer Verloosung. Um sich ein rasches Ab­satzgebiet zu verschaffen, arrangireen sie einen

Artikel, in welchem die Punkte und Be­stimmungen der Mai-Gesetze aufgezählt wur­den, welche behufs Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in Preußen absolut be­seitigt werden müßten. Es trat danials die Vermuthung auf, daß der Verfasser ein hoher würtenibergischer Prälat sei. Es ist das nie festgestellt worden. Wollte aber Preußen sich auf den Standpunkt Würtem- bergs stellen, dann müßte es aus seinen kirchenpolitischen Gesetzen alles für den hl. Stuhl Unahnnehmbare beseitigen und die deutschen Katholiken gesetzlich und in der Praxis ebenso wie die Katholiken Würtem- bergs stellen, wo der Friede nie getrübt worden ist. An dieser Bereitwilligkeit des Fürsten Bismarck bestehen gerechte Zwei­fel; jedenfalls wird das durch die Ver­schleppungen der Verhandlungen wachgehaltene Mißtrauen der preußischen Katholiken so lange anhalten, als nicht wenigstens die Be­stimmungen des Ultimo-Gesetzes ausgeführt sind. Leider aber scheint die Regierung ent­schloßen zu sein, von den diseretionairen Vollmachten so lange keinen Gebrauch zu machen, als das Einspruchsrecht.des Staa­tes nicht grundsätzlich geregelt ist. Am 28. December hat Hr. v. Schlözer eine Au­dienz beim h. Vater selbst gehabt, und darin erblickt man vielfach den Beweis, daß die Verhandlungen beffer gehen. Jndeffen kann sich nach den bisherigen Erfahrungen Nie­mand große Hoffnungen machen. Man kann sich eben der sich von selbst aufdringenden Ansicht nicht verschließen, daß aus politischen Gründen die Sache in die Länge gezogen wird."

Markt in den großen Räumen der städtischen Tonhalle.

Wie gewöhnlich und prosaisch das Wort Markt auch klingt, sie wußten daraus einen Zauberbazar zu machen nnd schon lange vor der Eröffnung desselben die Erwartung des Publicums hoch zu spannen. Es galt zu­nächst, den beabsichtigten Markt kostenlos mit tausenden von Verkaufsartikeln zu füllen, aber cs bedurfte nur eines Aufrufs an die wohlhabende Bürgerschaft, so stossen die Ga­ben in wahren Strömen in die Tonhalle. Die Künstler begannen sogleich den Aufbau der Buden und die geschmackvolle Ausstellung der Maaren. Noch war es ein Geheimniß, was sich alles dem Auge bieten werde, aber man durfte im Voraus auf. ein unübertreff­liches Ensemble rechnen.

Am 4. Januar fand die Eröffnung des Marktes statt. Eine wahre Völkerwanderung fluthete zu Fuß und zu Wagen der Tonhalle entgegen, und man konnte schon an den prachtvollen Toiletten der Damen und an den Festkleidern der Herren merken, daß die Wanderung einem Markte in höherem Style galt.

Am Eingänge mußte ein Entrittsgeld ent­richtet werden, dessen Minimum auf 30 Pfen­nige festgesetzt war, aber die hoch im Range stehenden Cassirer schlossen dieses Minimum

* (Central-Verein für Körper­pflege.) Die von dem Düsseldorfer „Cen­tral-Verein für Körperpflege in Volk und Schule" an das Hans der Abgeordneten und gleichzeitig auch an den Herrn Cultusmini- ster eingereichte Petition, betreffend Ein­setzung einer Aerzte-Commission behufs Un­tersuchung der die Gesundheit schädigenden Einflüsse des höhern Schulwesens erfreut sich der allgemeinsten Theilnahme sowohl bei den Magistraten der Städte als bei den Schul- curatorien, Aerzten, gemeinnützigen Gesell­schaften, Turnvereinen u. s. w., von welchen Körperschaften bereits Viele die Petition zu der ihrigen gemacht haben. Diejenigen Schul­männer, denen das leibliche Wohl der Ju­gend am Herzen liegt, haben selbstverständ­lich ein großes Interesse daran, daß medi- einische Autoritäten das zulässige Durchschnitts­maß geistiger Arbeit für die verschiedenen Altersstufen festfetzen. Gutem Vernehmen nach haben sich bereits Männer von Namen wie Prof. Dr. Esmarch-Kiel, Prof. Dr. Cohn-Breslau und Geheimrath Dr. Mooren- Düsseldorf bereit erklärt, so weit es ihre sonstige Thätigkeit irgend geftatfel, an den Arbeiten der hoffentlich in's Leben tretenden Commission theilzunehmen. Jedenfalls ist eine der allerwichtigsten und ent­scheidendsten Fragen, zu deren Lösung seit etwa 50 Jahren die verschiedensten An­läufe genommen sind und die im Parlament unseres Wissens zuerst von dem Ab­geordneten August Reichens per ger vor einigen Jahren angeregt wurde, hiermit endlich in den. gehörigen Fluß ge- kommench'i _ (Köln. Ztg.)

in den meisten Fällen schon von selber aus. Jeder gab nach seinen Verhältnissen, und so konnte es nicht ausbleiben, daß schon in der ersten halben Stunde Berge von Geld auf den Zahltischen lagen.

Es gehörte einige Vorsicht dazu, auf den Markt zu gelangen, ohne die Rockschöße zu verlieren, denn das Gedränge war jcyum>,>.r, als auf unserem Schützenfeste, und das will wahrlich viel sagen Der Markt selbst war eine getreue Nachbildung eines großen Kir- weßmarktes, aber natürlich Alles in hohem Style und veredelten Formen. Alles, was das Herz begehrte, war zum Verkaufe aus­gestellt, von der Apfelsine und Citrone bis zum türkischen Teppich. Die vornehmsten Damen machten die Verkäuftrinnen. Keine stand so hoch, und keine war so edel von Geburt, sie hatte einen Stolz darein gesetzt, ihre zarten, nie von der Arbeit entweihten Händchen heute im Dienste der Barmherzig­keit zu tummeln. In den reizendsten Toi­letten standen sie in ihren Kramläden und luden die Vorüberfluthenden zum Kaufen ein. Wer fühlte sich da nicht gedrängt, sich einen Liqueur, eine Tasse Thee oder Choco- lade, ein Glas Bier feroiren zu lassen oder irgend einen Artikel zu kaufen!

Zum Ruhme müssen wir es diesen elegan­ten Engeln der Barmherzigkeit nachsagen,