s Wo Donnerstag, den 1L Januar 1883.
i Fuldaer Jritung.
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politische Ueberficht.
Deutsches Reich.
Fulda, 10. Januar.
(Erkrankte Staatsmänner.) Die Krankheit des Staatsministers v. Bo etlicher gestaltet sich, wie wir hören, langwieriger, als anfangs zu erwarten war. Eine Gefahr für das Leben des Ministers ist nach der Annahme der ihn behandelnden Aerzte nicht vorhanden. So schreibt die .Kreuzzeitung'. Von London kommt gleichzeitig die Nachricht, daß der Premierminister Gladstone in Folge angestrengter Arbeit leidend ist und der Ruhe bedarf. In Frankreich ist Präsident Grevy „unwohl" und der frühere Finanzminister LeonSay ernstlich krank. Nehmen wir den an tic douloureux leidenden Fürsten Bismarck dazu, so kommt man in einer Zeit, wo Männer wie Gambetta, Chanzy und Wimpffen eben in's Grab gesunken sind, ganz von selbst zu „statistischen" Betrachtungen über den momentanen Gesundheitszustand der heutigen Staatsmänner.
* (Kirchenpolitisches.) Die ,Köln.- Volkszeit.' schreibt:. ,Lu den. Verhandlungen der preußischen Negierung mit Rom soll in in der letzten Zeit insofern ein Schritt vorwärts geschehen sein, als man eine neue Grundlage gefunden habe, um die Frage der Anzeigepflicht zu regeln. Man, erwäge gegenwärtig, ob cs nicht angezeigt sei, das würtembergische System in Preußen in Anwendung zu bringen. Wie die ,Corr. Maj.' in Erinnerung bringt, erschien im Sommer vor vier Jahren in der ,Kreuzzeitung', ein
X Der Markt in der Tonhalle zu Düsseldorf zunr Besten der Ueber- schwemmten, arrangirt von Düsseldorfer Künstler«.
Von Wilhelm Herchenbach. (Nachdruck verboten).
Die Feste, welche die Düsseldorfer Maler ooii Zeit zu Zeit feiern, sind nicht allein wegen ihrer Originalität, sondern auch wegen ihres feenhaften Glanzes und der zauberhaften Wirkung in den weitesten Kreisen bekannt. Wenn sie in die Oeffentlichkeit treten, so gehört der Sieg ihnen, ehe sie die Schlacht begonnen. Zum Ruhme muß es ihnen nachgesagt werden, daß sie stets bereit sind, für große edle Zwecke, für Roth und Elend einzutreten. Das haben sie auch jetzt wieder bewiesen, wo eine so große Zahl ihrer Mitbürger durch die zweimalige lieber« schwemmung ihres Erwerbs und ihrer Habe beraubt wurden. Sofort faßten dieKünstlerden Beschluß, ihre Paletten in den Dienst der Barmherzigkeit zu stellen. Während das Wasser immer bedrohlichere Dimensionen annahm, malten sie eine große Anzahl Bilder und Skizzen und bestimmten dieselben zu einer Verloosung. Um sich ein rasches Absatzgebiet zu verschaffen, arrangireen sie einen
Artikel, in welchem die Punkte und Bestimmungen der Mai-Gesetze aufgezählt wurden, welche behufs Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in Preußen absolut beseitigt werden müßten. Es trat danials die Vermuthung auf, daß der Verfasser ein hoher würtenibergischer Prälat sei. Es ist das nie festgestellt worden. Wollte aber Preußen sich auf den Standpunkt Würtem- bergs stellen, dann müßte es aus seinen kirchenpolitischen Gesetzen alles für den hl. Stuhl Unahnnehmbare beseitigen und die deutschen Katholiken gesetzlich und in der Praxis ebenso wie die Katholiken Würtem- bergs stellen, wo der Friede nie getrübt worden ist. An dieser Bereitwilligkeit des Fürsten Bismarck bestehen gerechte Zweifel; jedenfalls wird das durch die Verschleppungen der Verhandlungen wachgehaltene Mißtrauen der preußischen Katholiken so lange anhalten, als nicht wenigstens die Bestimmungen des Ultimo-Gesetzes ausgeführt sind. Leider aber scheint die Regierung entschloßen zu sein, von den diseretionairen Vollmachten so lange keinen Gebrauch zu machen, als das Einspruchsrecht.des Staates nicht grundsätzlich geregelt ist. Am 28. December hat Hr. v. Schlözer eine Audienz beim h. Vater selbst gehabt, und darin erblickt man vielfach den Beweis, daß die Verhandlungen beffer gehen. Jndeffen kann sich nach den bisherigen Erfahrungen Niemand große Hoffnungen machen. Man kann sich eben der sich von selbst aufdringenden Ansicht nicht verschließen, daß aus politischen Gründen die Sache in die Länge gezogen wird."
Markt in den großen Räumen der städtischen Tonhalle.
Wie gewöhnlich und prosaisch das Wort Markt auch klingt, sie wußten daraus einen Zauberbazar zu machen nnd schon lange vor der Eröffnung desselben die Erwartung des Publicums hoch zu spannen. Es galt zunächst, den beabsichtigten Markt kostenlos mit tausenden von Verkaufsartikeln zu füllen, aber cs bedurfte nur eines Aufrufs an die wohlhabende Bürgerschaft, so stossen die Gaben in wahren Strömen in die Tonhalle. Die Künstler begannen sogleich den Aufbau der Buden und die geschmackvolle Ausstellung der Maaren. Noch war es ein Geheimniß, was sich alles dem Auge bieten werde, aber man durfte im Voraus auf. ein unübertreffliches Ensemble rechnen.
Am 4. Januar fand die Eröffnung des Marktes statt. Eine wahre Völkerwanderung fluthete zu Fuß und zu Wagen der Tonhalle entgegen, und man konnte schon an den prachtvollen Toiletten der Damen und an den Festkleidern der Herren merken, daß die Wanderung einem Markte in höherem Style galt.
Am Eingänge mußte ein Entrittsgeld entrichtet werden, dessen Minimum auf 30 Pfennige festgesetzt war, aber die hoch im Range stehenden Cassirer schlossen dieses Minimum
* (Central-Verein für Körperpflege.) Die von dem Düsseldorfer „Central-Verein für Körperpflege in Volk und Schule" an das Hans der Abgeordneten und gleichzeitig auch an den Herrn Cultusmini- ster eingereichte Petition, betreffend Einsetzung einer Aerzte-Commission behufs Untersuchung der die Gesundheit schädigenden Einflüsse des höhern Schulwesens erfreut sich der allgemeinsten Theilnahme sowohl bei den Magistraten der Städte als bei den Schul- curatorien, Aerzten, gemeinnützigen Gesellschaften, Turnvereinen u. s. w., von welchen Körperschaften bereits Viele die Petition zu der ihrigen gemacht haben. Diejenigen Schulmänner, denen das leibliche Wohl der Jugend am Herzen liegt, haben selbstverständlich ein großes Interesse daran, daß medi- einische Autoritäten das zulässige Durchschnittsmaß geistiger Arbeit für die verschiedenen Altersstufen festfetzen. Gutem Vernehmen nach haben sich bereits Männer von Namen wie Prof. Dr. Esmarch-Kiel, Prof. Dr. Cohn-Breslau und Geheimrath Dr. Mooren- Düsseldorf bereit erklärt, so weit es ihre sonstige Thätigkeit irgend geftatfel, an den Arbeiten der hoffentlich in's Leben tretenden Commission theilzunehmen. Jedenfalls ist eine der allerwichtigsten und entscheidendsten Fragen, zu deren Lösung seit etwa 50 Jahren die verschiedensten Anläufe genommen sind und die im Parlament unseres Wissens zuerst von dem Abgeordneten August Reichens per ger vor einigen Jahren angeregt wurde, hiermit endlich in den. gehörigen Fluß ge- kommench'i _ (Köln. Ztg.)
in den meisten Fällen schon von selber aus. Jeder gab nach seinen Verhältnissen, und so konnte es nicht ausbleiben, daß schon in der ersten halben Stunde Berge von Geld auf den Zahltischen lagen.
Es gehörte einige Vorsicht dazu, auf den Markt zu gelangen, ohne die Rockschöße zu verlieren, denn das Gedränge war jcyum>,>.r, als auf unserem Schützenfeste, und das will wahrlich viel sagen Der Markt selbst war eine getreue Nachbildung eines großen Kir- weßmarktes, aber natürlich Alles in hohem Style und veredelten Formen. Alles, was das Herz begehrte, war zum Verkaufe ausgestellt, von der Apfelsine und Citrone bis zum türkischen Teppich. Die vornehmsten Damen machten die Verkäuftrinnen. Keine stand so hoch, und keine war so edel von Geburt, sie hatte einen Stolz darein gesetzt, ihre zarten, nie von der Arbeit entweihten Händchen heute im Dienste der Barmherzigkeit zu tummeln. In den reizendsten Toiletten standen sie in ihren Kramläden und luden die Vorüberfluthenden zum Kaufen ein. Wer fühlte sich da nicht gedrängt, sich einen Liqueur, eine Tasse Thee oder Choco- lade, ein Glas Bier feroiren zu lassen oder irgend einen Artikel zu kaufen!
Zum Ruhme müssen wir es diesen eleganten Engeln der Barmherzigkeit nachsagen,