Einzelbild herunterladen
 

M 5 Diens tag, den 9. Januar 1883.

Fuldaer Ieitung.

. _ ,Mdaer Leitung' erscheint täglich, Sonn- and Feiertage ausgenommen, «an abomnrt gegen BorauSbezahlung zu Fulda

* >»^>ition, Buttermartt Nr. 112, auSwürtS bei den Postämtern. Der vierteljährliche SlbonnementSpreiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda 1 Mark E* W Vffr, mtt dringerlohn 1 M. 70Pfg„ auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 Pfg.. ins Haus gebracht 1 M. 90 Pfg. Mit den .SUuftetrten Sonntagsblättern' kostet dreFuld.Ztg vierteljährlich in Fulda M. 1.90; auswärts am Postschalter M.1.75; in's Haus gebracht M. Llb. Inserate: Di« Petitzeile oder/deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Politische Ueberficht.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Januar.

* (Derdeutsch-serbische) Handels-, sowie der Consular-Vertrag sind gestern unterzeichnet worden.

* (Die Canalvorlage) ist gestern dem Abgeordnetenhause zugegangen. Die­selbe ist identisch mit der in der letzten Session eingebrachten betreffend den Bau eines Schifffahrtscanals von Dortmund über Henrichenburg, Münster rc. nach der unteren Ems, zur Verbindung des westfälischen Koh­lengebiets mit den Emshäfen. Die letzte Vorlage forderte für den Bau dieses Canals 46 Millionen Mark. In der vorigen Ses­sion kam bekanntlich dieser Gesetzentwurf gar nicht zur Berathung.

* (Zu dem Tode des Generals Chanzy) schreibt die ,Germ.': „Der Ver­storbene hatte nächst Gambetta vielleicht die meisten Aussichten auf die Erbschaft Grevy's. Sein Verschwinden dürfte die Zukunft in nicht geringem Grade beeinfluffen, zumal er vielleicht der tüchtigste französische General und zugleich ein befähigter Diplomat war." Die .Norddeutsche' erklärt: „Das beinahe gleichzeitige Auslöschen des republikanischen Doppelgestirns Gambetta-Chanzy gehört unter jene Schicksalsfügungen, deren Warum sich deni Erkenntnißvermögen des Menschen­geistes entzieht, obgleich ihre weit über das Niveau des Gewöhnlichen hinausragende Be­deutsamkeit selbst blöden Augen sichtbar wird. Chanzy's militärische Laufbahn ist mit den Geschicken der Republik ebenso innig wie

18*"

Gefunden.

Original-Novelle von A. Linden.

(Fortsetzung.)

„Die Familie d'Anbret verließ uns, aber noch beim Scheiden erging sich die Gräfin in prahlerische Anspielungen auf die glän­zenden Reichthümer, auf die reichen Güter in Frankreich, die Adelen's Tochter erivar- teten. O, ich will dir nicht sagen, mein Vater, wie die bösen Gedanken kamen, wie sie mein Herz immer weiter von Gott zogen.

„Renee reiste nach dem Festlande, sein Wiederkehren konnte Monate dauern, sein Abschied von mir uild meinem ältesten Kinde ipar warm und zärtlich, die Kleine war beinahe vergessen. Wenn es in der Kindheit so war, wie sollte es dereinst wer­den. Er wird nur Manuela's willen Fleu- nicen die wenigen Erbrechte schmälern, die das Gesetz ihr läßt! so rief es mit schnei­dendem Wehlaut in meiner Seele. Meine Tage hatten keine Ruhe, meine Nächte keinen Schlummer.

„Jin Hafen lag ein Schiff nach den west­lichen Antillen bestimmt, eine Dienerin von mir, der ich die Freiheit geschenkt, wollte ihre Heimath auf diesem Schiff erreichen; sie war die einzige, welche die kränkelnde Fleunice ihrer reizenden Schwester vorzog.

rühmlich verflochten. Der Tod dieses aus­gezeichneten Militärs reißt in den Personal­stand der ftanzösischen Republik abermals eine kaum auszufüllende Bresche!" Die ,Kreuzztg.' bemerkt: „Auf diesen General hatten die besitzenden Classen Frankreichs vielfach ihre Hoffnungen gesetzt, daß er der Mann sein werde, im entscheidenden Mo- inente der Revolution entgegenzutreten. Er hatte sich im deutsch-französischen Kriege als thatkräftiger Heerführer bewährt und seitdem Gelegenheit gehabt, sich auch als Administra­tor und Diplomat auszuzeichnen. Mit ihm werden viele Hoffnungen zu Grabe getragen." Eine Pariser Meldung der ,Nationalzeitung' besagt: „General Chanzy, der für den Fall der Mobilisirung zum Generalissimus desig- nirt war, galt in letzter Zeit in nichtmo­narchischen conservativen Kreisen als even­tueller Candidat der Präsidentschaft, und gerade durch den Tod Gambetta's schienen seine Aussichten gestiegen. Auch die Börse war durch die Nachricht verstimmt."

* Darmstadt, 5. Jan. (In Sachen des hessischen Bauern-Vereins.) Das provisorische Comüo für Einführung des Bauern-Vereins in dem Großherzogthum Hessen hat behufs Abwehr der von der De- legirten-Versammlung des Verbandes der landwirthschaftlichen Consum-Vereine gefaßten Resolutionen folgende Erklärung abgegeben, welche gewiß auch unfereLeser interessiren wird.

T. So weit gesteckte Ziele bei so breiter Grund­lage der Aufnahme-Bedingungen, wie solche aus den in dem Aufrufe abgedruckten Paragraphen der Statuten des Bauern-Vereins erhellen, verfolgen weder der landwirthschaftliche Verein noch die be­stehenden Genossenschaften, noch auch beide zusam- Genug, mein Vater! ich gab ihr Renee's Tochter mit einer reichen Summe Geldes, das Kind sollte nicht darben, aber Fleunice sollte ferner nicht wie ein bleicher Schatten neben ihm stehen. — Manuela schied mit Freuden, sie glaubte, mit Peppy zu einer Lustfahrt zu gehen. Ich hoffte nun endlich auf Frieden, denn Peppy's Verschwie­genheit war ich gewiß. Heilige Mutter Gottes, den ersehnten Frieden fand ich nie! Renee kehrte zurück ich sah ihn an dem Blumenhügel knieen und beten, den er für das Grab seines Lieblingskindes hielt; man sagte ihm, daß rin heftiges Fieber, in dem ich, ich allein die Kleine gepflegt, sie in wenig Stunden hingerafft habe. So glaub­ten die Diener die weinend und ahnungs­los einen leeren Sarg zur Erde bestattet hatten. Nur ein alter Neger, den unzählige ihm geleistete Wohlthaten an mich fesselten, war mein Vertrauter. Nach wenigen Wo­chen traf die Kunde zu uns, daß jenes Schiff auf offenem Meere gescheitert und mit seiner ganzen Ladung versunken wäre. Nur zwei Matrosen und der Capitän wären gerettet. Renee beklagte die Trauerbotschaft wie ein allgemeines Unglück, ahnungslos, daß sein Kind bei den Ertrunkenen war. Begreifst Du nun, was ich litt, mein Vater? Ich sehnte mich von Martinique hinweg,

men, und so bleibt noch manche Lücke, in welche der Bauer-Verein zum Wohle seiner Mitglieder thätig wird eingreifen können.

>1. Der Bauern-Verein erkennt dankbarst an Alles, was zum wirklichen Wohle der so hart ge­drückten landwirthschaftlichen Bevölkerung bereits geschehen ist oder noch geschehen mag und wird sich niemals derartigen Unternehmungen feindlich gegen­überstellen. Wenn er aber eigene Wege zu gehen beabsichtigt, so sind seine triftigen Gründe hierfür: 1) Die bereits erwähnten, weit gesteckten, fast könnte man sagen allumfassenden Ziele; 2) die in christ­licher Lebensauffassung tief begründete Ueberzeugung, daß alles Heil von Gott kommt und daß demgemäß in erster Linie immer auf sttenge Beachtung der göttlichen Sittengebote, d. h. auf sittliche Hebung des Individuums hingearbeitet werden muß; und 3) endlich die dem Deutschen innewohnende Liebe zur Freiheit, welche ihn wünschen läßt, in Vertretung seiner Standes-Jnteressen sich jeder officiellen oder osficiösen Bevormundung zu entziehen.

Hl. Die Frage, auf welcher Seite gründlichere Kenntnisse der wahren Bedürsniffe des Bauernstan­des zu finden seien, ob auf Seite der bereits be­stehenden, den Interessen der Landwirthschaft sich widmenden Vereine, oder auf Seite des dermaligen provisorischen Comitö's und des baldigst zu wäh­lenden definitiven Vorstandes des Bauerir-Vereins kann der Beurtheilung eines jeden Unbefangenen überlassen bleiben. Die Insinuation aber, als sollten in dem Bauern-Verein Tendenzen politischer und kirchlicher Art vertreten werden, findet ihre Widerlegung tu tret Beftiimurmg der Statuten. „Politik und Religion bürfen in den Versammlun­gen nicht besprochen werden", sowie auch in den Namen der Unterzeichneten, die wohl in national­ökonomischer Beziehung vollen Einverständnisses sich erfreuen, in politischen und namentlich religiösen Fragen hingegen wohl immer sehr fern sich stehen werden.

IV. Der Vorwurf endlich, daß das Comitö ohne Namens-Unterschriften an die Oeffentlichkeit getreten, erledigt sich einfach dadurch, daß dies unter dem Einflüsse vielleicht zu großer Bescheidenheit geschehen ist; ferner im Vertrauen auf die Güte der in An­griff genommenen Sache und in der offenbar rich- und fürchtete auch wieder, die Heimath zu verlassen. Der einzige Trost, der mir ward, war der, daß Renee all' seine Zärtlichkeit auf Fleunicen übertrug, aber Ruhe fand ich nimmer. Wir kamen nach Frankreich; ich sah Belle-Grande, das Manuela bestimmt, ich hörte Renee in trautem Gespräch mit Dir noch einmal den Schmerz über das verlorene Kind durchleben, dennoch erhielt ich _ mich aufrecht. Da starb Renee, ich wußte, daß Adele mich vor Gott verklagen würde. In fieberhafter Angst lag ich in der ersten Nacht nach seinem Tod auf den Knieen und flehte um Versöhnung. Ermat­tet schlief ich endlich ein, da sah ich im Traum Adele zu mir niederschweben, sie hielt ihr Kind in den Armen, dessen dunkle Augen ernst und klagend auf mich gerichtet waren. „Hoffe nicht zuviel für dein eigenes Kind, Adenare," sagte Manuela's Mutter leise, du raubtest dem meinen Alles, hoffe nicht, daß der Raub dein Kind beglücken wird!"

Nach wenig Wochen ward das Testament geöffnet. Fleunice empfing Alles, was ihrem Vater einst gehört halte.

„Und dennoch fand ich keine Ruhe, und bei meinem Kinde gewahrte ich selten ein freudiges, beglücktes Empfinden ihres Da­seins. Jahre, lange, endlose Jahre ver-